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'Römisches Dossier': Deutsche Katholiken vor der Spaltung?

11. Juni 2011 in Deutschland, 119 Lesermeinungen
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In der Printausgabe des "Focus" werden jetzt weitere Details zum angeblich existierenden römischen Dossier veröffentlicht und Namen genannt, darunter Matthias Kopp und Hans Langendörfer, der Jesuiten-Provinzial Kiechle und einige CDU-Granden


München-Bonn (kath.net)
In der Printausgabe des neuen "Focus" werden jetzt mehr Details zum angeblich existierenden römischen Dossier über das mögliche Schisma in Deutschland veröffentlicht. Laut dem Magazin ist man an der römischen Kurie wenige Monate vor dem Papstbesuch über die Entwicklung in Deutschland besorgt. Ein inoffizielles Dossier, dessen Aussagen laut Focus bereits der Vatikanexperte der liberalen Tageszeitung „La Stampa“ aufgriff und das dem "Focus" vorliegen soll, bündelt die Befürchtungen. Die Spannungen zwischen der romtreuen und der romkritischen Strömung ist laut der Zeitung nicht neu, neu ist allerdings die Vehemenz, mit der beide Richtungen aufeinander treffen.

Laut "Focus" kam es Anfang Juni bei einem Treffen der Generalvikare aller deutschen Bistümer in Hamburg zur Grundsatzdebatte und die Frage, ob die Kirche um den Preis nationaler Alleingänge Dogmen und Traditionen über Bord werfen oder sich eher um eine Vertiefung im überlieferten katholischen Glauben bemühen soll? Sollte man eher um eine säkularisierte oder auf ihrer spirituellen Gegenwelt bestehen? Die Mehrheit der katholischen Generalvikare plädierte für die erste und damit für die "unrömische Variante".


Der "Focus" verweist in dem Bericht auch auf den Vatikanexperte von „La Stampa“, Andrea Tornielli, der ebenfalls von „vatikanischen Kreisen“ spricht, die hinter den jüngsten deutschen Angriffen auf Papst, Zölibat und Vatikan eine gezielte „Regie“ vermuten. Die Autoren des Dossiers sprechen dabei von einer „konspirative Hierarchie“, die mit dem "Ticket der Kirche" gegen diese auftrete. Das Netzwerk verwende dabei Kirchenmittel zur „Durchsetzung der eigenen kirchenpolitischen Vorstellungen“. Diese nähmen den Bruch mit der Weltkirche zumindest in Kauf: Das Zölibatsgebot soll in Deutschland geschliffen werden, die Frauenordination vorangetrieben werden. Papst Benedikt soll „in die Enge gedrängt werden“.

Im "Dossier" werden verschiedenste Gesprächs- und Gremienzirkel aufgeführt, die bei diesem antirömischen Kurs mitspielen. Zu diesen Kreisen gehören unter anderem das katholische Cusanuswerk, das katholische „Foyer für Gespräche zwischen Kirche, Gesellschaft, Politik“ in Berlin. Außerdem werden Personen in der katholischen Bischofskonferenz, in der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, im Jesuitenorden unter Provinzial Stefan Kiechle genannt. Dies haben laut dem "Dossier“ Anfang 2011 ihr Meisterstück geliefert, laut Focus eine „professionell aufeinander abgestimmten Kampagne".

Zuerst erschien ein Brief von acht CDU-Politikern, darunter Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bildungsministerin Annette Schavan, gegen den Zölibat. Eine Woche später wurde eine angeblich unbekannte Stellungnahme des jungen Ratzinger zur selben Thematik präsentiert. Wiederum genau eine Woche erschien das umstrittene Theologenmemorandum.

Der Bericht des Focus wird dann noch konkreter und nennt innerhalb der Bischofskonferenz namentlich Sprecher Matthias Kopp und den Sekretär und Jesuiten Hans Langendörfer. Der Vorwurf ist schwerwiegend: Diese sollen die nationalkirchlichen Kräfte koordinieren. In der Politik sind laut "Focus" die CDU-Granden Norbert Lammert, Annette Schavan, Hermann Kues, Bernhard Vogel am romkritischen Agendasetting maßgeblich beteiligt.

Wörtlich schreibt der Focus abschließend: Die Mehrheit der deutschen Bischöfe scheint bisher nicht bereit, diesen anstrengenden Weg wider den Zeitgeist mit zu gehen. Zwei Gegensätze stehen damit zur Wahl: eine horizontale Kirche der Abstimmung und des Dauerdialogs, in der auch Glaubenssätze Mehrheitsfragen werden können, und eine vertikale Kirche, die die überlieferten Sakramente durch die Zeiten trägt. Momentan scheint ein Schisma wahrscheinlicher als eine Einigung; unüberbrückbar sind die politischen wie theologischen Differenzen. Papst Benedikt XVI. weiß, dass er im September auf eine zutiefst gespaltene Kirche treffen wird."

Für den "Focus" liefert den bisher letzten Beweis für das Vordringen neukirchlichen Gedankenguts übrigens die katholische Hilfsorganisation „Renovabis“ und der Gebetstext zur Vorbereitung auf das diesjährige Pfingstfest. Kath.Net hat exklusiv berichtet.





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