Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Die Alte Messe braucht die Piusbruderschaft nicht
  2. Leo XIV. über Piusbruderschaft: „Wenn sie sich dafür entscheiden, bedauere ich das. Aber…“
  3. Kurienerzbischof Pozzo: „Die beiden Formen des Römischen Ritus nicht gegeneinander ausspielen“
  4. "Wir haben kleines Gebet gesprochen, weil wir glauben, daß Jesus durch das Spiel verherrlich wird"
  5. „Alles, was auch nur entfernt katholisch aussieht, zu hinterfragen, davor zu warnen“
  6. Bischof Algermissen: kfd-Positionspapier zu § 218 StGB ist nicht katholisch
  7. Linksfeministinnen haben einst katholischen Verband übernommen
  8. „NMECHA hat mehr für den christlichen glauben getan als die letzten kirchentage der @EKD“
  9. Moskauer Patriarch Kyrill könnte auf EU-Sanktionsliste kommen
  10. Erzbischof von Mailand feiert Messe für LGBT-Gruppe am Fest des Heiligsten Herzens Jesu
  11. Besorgniserregende antidemokratische und gewaltaffine Haltungen bei jungen Muslimen
  12. Die Menschenwürde hat keinen Reisepass
  13. ‚Jedes Knie soll sich beugen‘: Erzbischof Fisher ruft zum Knien vor der Eucharistie auf
  14. Verbrechen gegen Menschlichkeit und gegen das Christentum durch Russland!
  15. Voodoo-inspirierte Installationen in Kirchen? „Wie konnte das Erzbistum Paris so etwas genehmigen?“

Bischof Kapellari: Bin mit Leuten, die aufbegehren, ziemlich geduldig

22. Februar 2011 in Österreich, 9 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Grazer Bischof in "Frontal"-Interview über Umgang mit Ungehorsam in der Kirche: Verteidige aber mit "Vernunft, Intuition, Empathie" Werte und Grenzen, ohne die keine Großgemeinschaft auskommt


Graz (kath.net/KAP) "Ich bin mit Leuten, die aufbegehren, ziemlich geduldig": So kommentierte der Grazer Bischof Egon Kapellari seinen Umgang mit Ungehorsam und Grenzüberschreitungen in der Kirche. Er "versuche Emotionen zu verstehen, die Menschen, auch Priester dazu bringen, sich gegen die bestehende Ordnungen in der Kirche aufzulehnen", erklärte er in einem Interview mit dem steirischen Nachrichtenmagazin "Frontal".

Zugleich betonte der Bischof die Wichtigkeit von Werten und Grenzen, die die bestehende Ordnung der Kirche setze. "Die Ordnung ist wichtig, und es gibt in der Kirche wie in jeder großen Gemeinschaft Vorgaben, die nicht zur Disposition stehen", betonte Kapellari. "Aber der Wunsch danach, diese Ordnung zu erhalten, muss von Liebe beseelt sein."

Auf die Frage, ob etwa manche Priester zittern müssten, von ihm "zum Rapport bestellt zu werden", antwortete der Grazer Bischof, er handle im Umgang mit Menschen, die innerkirchliche Ordnungen angreifen, "mit einer Synthese von Vernunft, Intuition, Empathie". Dies geschehe im Bewusstsein, "dass Druck Gegendruck erzeugt" und auch von der Sache her gerechtfertigter Druck "das Gegenteil des Gewollten bewirken kann".


Kapellari äußerte sich zu steirischen Priestern, die wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zulassen und dazu auch öffentlich stehen: "In einer Zeit, in der Verbindlichkeiten generell in Frage stehen, macht diese Entwicklung auch vor der Kirche nicht halt." Wer ein Versprechen wie jenes zur unauflöslichen Ehe gegeben habe "und es nicht einhalten kann, den soll man nicht verurteilen, sondern nach Kräften helfen auf seinem weiteren Weg voranzukommen". Zugleich vertrat Kapellari die Auffassung, dass der Betreffende aus dem gebrochenen Versprechen "nicht ohne Selbstbehalt aussteigen" könne.

Dies gelte auch für den Zölibat. "Wenn sich jemand so weit von seinen Verbindlichkeiten entfernt, dass er in einer psychologisch verständlichen Reaktion die Verantwortung nur anderen auflädt, dann ist das ungerecht", sagte Kapellari. Viel zu rasch werde die Schuld vermeintlich "unmenschlichen Strukturen der Kirche" zugeschrieben. "Aber", so der Bischof, "niemand muss Priester, Mönch oder Nonne werden, es muss auch niemand heiraten. Wenn er aber diese Möglichkeit ergreift, dann muss er die damit verbundenen Verbindlichkeiten auch auf sich nehmen. Das versuche ich in Gesprächen zu vermitteln, nie verurteilend, das ist nicht meine Art, aber deutlich und um Verständnis werbend." Wenn sich jemand dagegen auflehne, "muss ich das aushalten", so Kapellari. "Das gibt es auch in Familien."

Gegen Stellungnahmen auf Zuruf

In deutlicher Form distanzierte dich der Diözesanbischof in dem äußerst konfrontativen Interview von "bestellten" Äußerungen zu gesellschaftspolitischen Aktualitäten. Wenn z.B. der überteuerte Dienstwagenkauf eines steirischen Wirtschaftskammerfunktionärs zum medialen Aufreger werde, sehe er keine Notwendigkeit, dem Chor der Kritiker noch eine weitere Stimme hinzuzufügen. Die Haltung der Kirche zur Gier sei eindeutig und werde täglich von Zehntausenden Katholiken, die einen "Gegenentwurf" dazu lebten, beantwortet.

Jenseits derartiger Anlässe wollten Medien aber nichts hören über Dinge, die ihm als Bischof wichtiger seien: Kapellari nannte als Beispiel Fragen zum Schutz des ungeborenen Kindes und der Euthanasie. "Bei diesen Themen wünsche ich mir dringend, dass man die Stimme der Kirche stärker hört und dass sie von den Medien nicht zensuriert wird", unterstrich Kapellari.

Auf den Vorwurf an die Kirche, gesellschaftspolitisch zu wenig offensiv zu sein, meinte der Bischof, die Öffentlichkeit könne "uns nicht vorschreiben, was sie von uns hören möchte". Die Kirche spreche mit vielen Stimmen, es sei auch "nicht nötig, dass der Bischof zu jedem bekannten und relevanten ethischen Thema eine Aussage von sich gibt". Deshalb halte er sich z.B. auch zu Weihnachten mit einer "Konsumschelte" zurück, "weil mir das zu billig ist". Die Botschaft der Kirche, auch ihre sozialpolitische Botschaft, sei "für den, der sie hören will, sehr gut hörbar".

Kapellari erinnerte an ein Wort von Bert Brecht: "Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt." Dies passe auch für die heutige Zeit, so Kapellari: "Ich will aber trotzdem auch über Bäume reden, und noch viel mehr über Gott."

Copyright 2011 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Kapellari

  1. Kapellari gegen alarmistischen Umgang mit Problemen
  2. Von der Unmöglichkeit einer Priesterweihe von Frauen
  3. Sorgen über den Islam wurden als 'political non correct' eingestuft
  4. Neues katholisches Selbstbewusstsein statt religiöser Beliebigkeit
  5. Die katholische Kirche geht durch Feuer und Wasser
  6. Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch
  7. Jetzige Krise enthält auch eine Chance zur Erneuerung der Kirche
  8. 'Die Kirche darf sich nicht auf eine Sozialagentur reduzieren lassen'
  9. 'Das Kleinreden der Kirche den laizistischen Gegnern überlassen'
  10. Wir gehen nicht einen 'Linzer Weg' sondern den Weg mit der Weltkirche






Top-15

meist-gelesen

  1. SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz - ANMELDUNG nur noch bis 22. JUNI!!!
  2. Die Alte Messe braucht die Piusbruderschaft nicht
  3. Leo XIV. über Piusbruderschaft: „Wenn sie sich dafür entscheiden, bedauere ich das. Aber…“
  4. "Wir haben kleines Gebet gesprochen, weil wir glauben, daß Jesus durch das Spiel verherrlich wird"
  5. Kurienerzbischof Pozzo: „Die beiden Formen des Römischen Ritus nicht gegeneinander ausspielen“
  6. Neuer Trend in den USA: Abkehr von nüchternen Kircheninnenräumen
  7. Linksfeministinnen haben einst katholischen Verband übernommen
  8. ‚Das Christentum ist in Deutschland inzwischen fast so bedroht wie das Auerhuhn‘
  9. „Alles, was auch nur entfernt katholisch aussieht, zu hinterfragen, davor zu warnen“
  10. Bischof Algermissen: kfd-Positionspapier zu § 218 StGB ist nicht katholisch
  11. Rückflug des Papstes von Teneriffa nach Rom um mehrere Stunden verzögert
  12. ‚Jedes Knie soll sich beugen‘: Erzbischof Fisher ruft zum Knien vor der Eucharistie auf
  13. 'Ein Akt der Hoffnung': US-Bischöfe weihen die USA dem Heiligsten Herzen Jesu
  14. „NMECHA hat mehr für den christlichen glauben getan als die letzten kirchentage der @EKD“
  15. Voodoo-inspirierte Installationen in Kirchen? „Wie konnte das Erzbistum Paris so etwas genehmigen?“

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz