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Bischof Müller: 'Wahlverwandschaft' zwischen Newman und Benedikt XVI.

14. September 2010 in Deutschland, 2 Lesermeinungen
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Deutscher Ökumene-Bischof Müller: 'Kardinal Newman ist exemplarisch für Thematik von Glaube und Vernunft, die auch den Papst schon sehr lange beschäftigt'.


München-London (kath.net/KAP)
An der von Papst Benedikt XVI. geleiteten Seligsprechungsfeier für Kardinal John Henry Newman (1801-90) am kommenden Sonntag im Birmingham in Großbritannien nimmt auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller teil. Britische Medien berichteten am Montag, dass 50.000 bis 60.000 Teilnehmer erwartet würden. Erstmals wird der Papst selbst einer solchen Feier vorstehen.

Grund dafür sei eine "gewisse Wahlverwandtschaft" zwischen Newman und Benedikt XVI., sagte Müller am Montag gegenüber der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA in Regensburg: "Der englische Theologe ist exemplarisch für die Thematik von Glaube und Vernunft, die auch den Papst schon sehr lange beschäftigt."

Der Bischof würdigte die Bedeutung des neuen Seligen. Dessen 1845 erfolgte Konversion von der anglikanischen zur katholischen Kirche habe großes Aufsehen erregt. Newman sei "ein origineller Theologe und Literat, ein Klassiker der englischen Hochsprache, ein Gelehrter von europäischem Rang". Der Kirchenmann habe auch schwere gesundheitliche und spirituelle Krisen durchlebt. Seine Einsichten habe er "auf höchstem intellektuellen Niveau und in freundschaftlicher Nähe zu anderen Wahrheitssuchern" gewonnen. Daher könne Newman auch heute ein Vorbild für junge Menschen sein, die nach dem Sinn ihres Lebens suchten.


Auf die Frage, ob die Seligsprechung eines Konvertiten Indiz für eine von Rom gewollte "Rückkehr-Ökumene" sei, sagte Müller: "Wir müssen alle zurückkehren - zu Jesus Christus." Entscheidend für die Ökumene sei der Wille Christi. Dieser habe nicht gewollt, dass die Christenheit in verschiedene "Kirchentümer" gespalten sei. Die erreichten Fortschritte im Streben nach Einheit müssten noch vollendet werden.

Müller ist Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz und reist als ihr Delegierter nach England. Als Theologieprofessor hat er sich auch in mehreren Veröffentlichungen mit Newman beschäftigt.

Papst wird Ökumeneprobleme ansprechen

Die Ökumene wird ein zentrales Thema der 17. Auslandsreise des Papstes sein. Benedikt XVI. steht vor der Herausforderung, die Fortschritte in der Ökumene zu würdigen und zu mehr Dialog und Zusammenarbeit aufzurufen - für Frieden, Gerechtigkeit, Umwelt und Entwicklung. Er werde in England aber auch bestehende Schwierigkeiten ansprechen, seine Standpunkte darlegen, Grenzlinien markieren und Hilfe zur Aufarbeitung erbitten und anbieten, hieß es am Montag in der Kirche Deutschlands.

Weiters müsse der Papst deutlich machen, dass die katholischen Strukturen für Anglikaner-Konvertiten keinen ökumenischen Affront darstellten, sondern in den Bereich persönlicher Glaubens- und Gewissensfreiheit gehörten.

Aus Protest gegen anglikanische Positionen zu ethischen Fragen - Bischofsweihe für einen erklärten Homosexuellen, kirchlicher Segen für die sogenannte Homo-Ehe - und aus Protest gegen Bischöfinnen verlassen immer wieder Anglikaner ihre Kirche; nicht wenige suchen eine neue Heimat bei den Katholiken. Der Vatikan prüft jeden Einzelfall.

Im Herbst 2009 schuf der Vatikan dann neue Kirchenstrukturen, die einen Übertritt anglikanischer Gruppen regeln - und erleichtern. Für sie könnten künftig katholische "Diözesen" mit eigenen Bischöfen, Seminaren und (auch verheirateten) Priestern errichtet werden, die ihre anglikanischen Traditionen und Riten beibehalten.

Die Vatikan-Normen sorgten zunächst für Irritationen. Die zuständige römische Glaubenskongregation betonte, man reagiere damit nur auf Anfragen und erkennbaren Bedarf; man werde nicht missionarisch aktiv und wolle auf keinen Fall die Ökumene gefährden oder belasten.

Copyright 2010 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich. Alle Rechte vorbehalten.


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