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Der Papst als Zuhörer

5. Dezember 2006 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Der Prediger des Papstes, P. Raniero Cantalamessa, hält die Advents- und Fastenpredigten im Vatikan. Von Ulrich Nersinger / Zenit.


Rom (www.kath.net / zenit) Predigten und geistliche Ansprachen im Vatikan sind kein ausschließliches Privileg des Papstes. Auch das Oberhaupt der katholischen Kirche versteht sich als Zuhörer – besonders in den besinnlichen Zeiten des Kirchenjahres.

In den vergangenen Jahrhunderten war die Homilie eines Papstes sogar eher die Ausnahme. Nur zu ganz besonderen Gelegenheiten legte er den Gläubigen bei der Feier der Heiligen Messe die Heilige Schrift aus. Es war üblich, dass zu bestimmten Festen Ordensleute und Priesterstudenten der verschiedenen römischen Kollegien bei der feierlichen Papstliturgie predigten.

So hatte am Hochfest Allerheiligen ein Alumne des Collegium Germanicum-Hungaricum, des deutsch-ungarischen Priesterseminars in Rom, vor den Papst zu treten. Zudem gab es im Vatikan einen eigens bestimmten Prediger aus dem Ordenstand, der in der Advents- und Fastenzeit dem Papst, den Kardinälen, den Kurienbischöfen und den Angehörigen des Römischen Hofs geistliche Ansprachen hielt.

Den Prediger des Papstes gibt es noch heute. Im diesjährigen Advent kommt er an vier Tagen (am 2., 9., 16. und 23. Dezember) im Papstpalast, in der Kapelle „Redemptoris Mater“ jeweils um 9.00 Uhr seiner Aufgabe nach. Die Predigtreihe im Advent 2006 steht unter dem Thema: „‚Wir verkündigen Jesus Christus als den Herrn‛ (2 Kor 4,5) – Der Glaube an Jesus Christus heute“.

Mit Blick auf den Apostel Paulus, den Evangelisten Johannes und die Glaubensaussagen des Konzils von Nicäa wollen die vier Adventspredigten eine Betrachtung der aktuellen Lage des Glaubens an Jesus Christus geben. Die Predigtreihe fragt nach den Herausforderungen, denen sich heute zu stellen ist.

Die Meditationen sollen helfen, sich auf das Weihnachtsfest so vorzubereiten, dass man den Erlöser empfängt wie Maria, die „im Glauben den gebar, den sie im Glauben empfangen hatte“ (heiliger Augustinus).

Titel und Amt eines „Apostolischen Predigers“ gehen auf Paul IV. (Gian Pietro Carafa, 1555-1559) zurück. Bis zu dieser Zeit predigten die Generalprokuratoren der vier Bettelorden – Dominikaner, Franziskaner, Augustiner und Karmeliter – abwechselnd in der Advents- und Fastenzeit.

Von Paul IV. an gab es feste päpstliche Prediger aus verschiedenen Orden, unter anderen auch aus der Gesellschaft Jesu. Benedikt XIV. (Prospero Lambertini, 1740-1758) räumte dann mit der Apostolischen Konstitution „Inclytum Fratrum Minorum“ vom 2. März 1743 dieses Amt ausschließlich den Kapuzinern ein.

Die Predigten fanden jeden Freitag in der Fastenzeit und an vier Tagen im Advent (an den Festen des heiligen Andreas, des heiligen Bischofs Nikolaus, der heiligen Lucia und des heiligen Apostels Thomas) im Thronsaal des Apostolischen Palastes statt.

In ganz frühen Zeiten pflegte der Papst dabei in einem an dem Thronsaal anstoßenden Zimmer zu sitzen, dessen Türe durch ein dichtes hölzernes Gitter ersetzt war. Die Predigt am Freitag der Karwoche fand in der Sixtinischen Kapelle statt; sie wurde als einzige auf Latein gehalten.

Welche Bedeutung den Ansprachen zukam, wird auch in einer Verpflichtung deutlich, die dem „Magister Sacri Palatii“, dem Hoftheologen des Papstes, überantwortet war: Er hatte alle Predigten, die in Gegenwart des Papstes gehalten wurden, vorher durchzusehen, den Prediger während der Abhaltung derselben mit dem Manuskript in der Hand zu beaufsichtigen und eintretende Abweichungen vom geschriebenen Text zu rügen.

1968 unterzog Papst Paul VI. (Giovanni Battista Montini, 1963-1978) den Päpstlichen Hof einer grundlegenden Reform und wandelte ihn zum „Päpstlichen Haus“ um. Das Amt eines Hofpredigers behielt Paul VI. bei. Der Papst ordnete jedoch an, dass der „Apostolische Prediger“ von nun an „Prediger des Päpstlichen Hauses“ genannt werden solle. An dessen Aufgaben – in der Advents- und Fastenzeit vor dem Papst und dessen Mitarbeitern geistliche Ansprachen zu halten – änderte er jedoch nichts.

Der jetzige Prediger des Päpstlichen Hauses, Pater Raniero Cantalamessa OFM Cap., wurde am 22. Juli 1934 in Colli del Tronto geboren. Die Priesterweihe empfing er 1958. In Freiburg (Schweiz) erwarb er den Doktor der Theologie; an der Katholischen Universität Sacro Cuore in Mailand promovierte er in Klassischer Philologie.

In der Bischofsstadt des heiligen Ambrosius lehrte er als ordentlicher Professor Alte Kirchengeschichte und Patristik. Von 1975 bis 1981 war er Mitglied der Internationalen Theologenkommission des Vatikans. 1980 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Prediger des Päpstlichen Hauses; 2005 bestätigte ihn Papst Benedikt XVI. in diesem Amt.

Cantalamessas Bücher sind bisher in fünfzehn Sprachen übersetzt worden. Seit sieben Jahren moderiert der Kapuzinerpater im italienischen Fernsehsender „Rai Uno“ jeden Samstag eine 15-minütige Sendung zum Sonntagsevangelium.

Foto: SIR



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