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| ![]() Norwegen: Bischof Fredrik Hansen leitet Seligsprechungsverfahren für Sigrid Undset einvor 10 Stunden in Weltkirche, 2 Lesermeinungen Bischof: „Sie ist weit mehr als eine Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin. Für uns ist sie ein Vorbild im christlichen Glauben und in einem Leben der Tugend, einem Leben auf der Suche nach Heiligkeit“ Oslo (kath.net/Bistum Oslo/pl) kath.net dokumentiert die Pressemeldung des Bistums Oslo in voller Länge in eigener Übersetzung: Der katholische Bischof von Oslo, Fredrik Hansen, hat die Vorbereitungen für ein Seligsprechungsverfahren für die Katholikin und Schriftstellerin Sigrid Undset eingeleitet. Die Ankündigung erfolgte während der Seljumanna-Messe* auf der Insel Selja, wo sich Hunderte katholischer Pilger zu einer Wallfahrt versammelt hatten. Die diesjährige Seljumanna-Messe hatte eine besondere historische Dimension, da sich der Besuch Sigrid Undsets auf Selja zum hundertsten Mal jährte. „Sie ist weit mehr als eine Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin. Für uns ist sie ein Vorbild im christlichen Glauben und in einem Leben der Tugend – einem Leben auf der Suche nach Heiligkeit“, so Bischof Fredrik Hansen in seiner Predigt während der Messe. Ein Vorbild im christlichen Glauben Das formelle Seligsprechungsverfahren für Sigrid Undset soll im Herbst eröffnet werden. – Kraft der mir verliehenen Vollmacht (Instruktion *Sanctorum Mater*, Art. 21, § 1) habe ich daher nun die Arbeiten eingeleitet, damit das Seligsprechungsverfahren irgendwann im Herbst formell beginnen kann, sagt Bischof Fredrik Hansen in seiner Predigt. Vor dieser Ankündigung hatte Bischof Hansen das Leben Undsets gewürdigt und deutliche Anzeichen für eine Verehrung und Hingabe festgestellt. Die Angelegenheit wurde anschließend der Nordischen Bischofskonferenz sowie Experten für das Leben Sigrid Undsets vorgelegt. Auf die Frage, warum er das Verfahren nun einleite, antwortet der Bischof: „Ich bin der Überzeugung, dass Sigrid Undsets Leben und Werk sowohl der Kirche in Norwegen als auch der Weltkirche viel zu bieten haben.“ kath.net dokumentiert die Predigt des Bischof bei dieser Messe in voller Länge in eigener Übersetzung: Das Fest der heiligen Sunniva und ihrer Gefährten, der Märtyrer, ist – wie alle Heiligenfeste – eine wunderbare Gelegenheit, über Heiligkeit und ein Leben in Heiligkeit nachzudenken. Zunächst müssen wir uns vor Augen führen, dass Heiligkeit und ein Leben in Heiligkeit die Berufung aller Christen sind. Sie sind nicht nur für einzelne Personen oder eine bestimmte Zeit in der Geschichte der Kirche reserviert. Jesus, unser Lehrer, Erlöser und „göttlicher Meister und Vorbild aller Vollkommenheit, hat allen … die Heiligkeit des Lebens verkündet, deren Urheber und Vollender er selbst ist: Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“ (LG 40, Mt 5,48). Auch der heilige Franz von Sales betont dies in seiner wunderbaren Betrachtung über die Heiligkeit: „In jeder Lage, in der wir uns befinden, können und müssen wir nach einem vollkommenen Leben streben“ (Das Stundengebet, Hl. Franz von Sales, Lesehore, 2. Lesung). Denn jeder ist „zur Heiligkeit berufen, gemäß den Worten des Apostels: Gottes Wille ist eure Heiligung“ (LG 39, 1 Thess 4,3). „Im Laufe der Jahrhunderte hat die Kirche, unsere Mutter, den Jüngern Christi Orientierung für ein Leben der Tugend gegeben. Zudem hat uns die Kirche in jeder Generation Vorbilder der Heiligkeit vor Augen gestellt.“ – Bischof Fredrik Hansen Dann sollten wir uns daran erinnern, dass der Ursprung der Heiligkeit Gott selbst ist: „Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch eure ganze Lebensführung heilig sein. ‚Denn es steht geschrieben: Seid heilig, weil ich heilig bin!‘“ (1 Petr 1,15–16). Gott, der „heilig, heilig, heilig“ ist, ruft uns zur Heiligkeit und zeigt uns, was Heiligkeit ist. Am deutlichsten kommt dies in Jesu eigenen Worten zum Ausdruck. Er fasste diesen grundlegenden christlichen Aufruf, gemäß seinem Wort und Vorbild zu leben, in der Einladung zusammen: „Folge mir nach!“ (Lk 9,59). Und Jesu Mutter unterstrich diesen Weg zur Heiligkeit, als sie uns mit solcher Klarheit die Richtung wies mit den Worten: „Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2,5). Im Laufe der Jahrhunderte hat die Kirche, unsere Mutter, den Jüngern Christi Orientierung für ein Leben in den Tugenden gegeben. Zudem hat uns die Kirche in jeder Generation Vorbilder der Heiligkeit vor Augen gestellt. Jene Männer und Frauen, die die Kirche durch feierlichen Beschluss zu den Heiligen zählt, sind und bleiben ständige Mahnung an die Berufung zur Heiligkeit und an die vielfältigen Ausdrucksformen, die Heiligkeit unter den Jüngern Christi annimmt; sie erinnern uns daran, dass in der Kirche – dem mystischen Leib Christi – zu jeder Zeit Heilige hervorgebracht werden. Die Kirche verehrt sie, weil sie „zur Heiligung des Gottesvolkes beitragen“ (CIC Can. 1186); ihr Beispiel erbaut uns, und ihre Fürsprache stärkt uns. Dies wird im Text der Heiligsprechung deutlich – in jener Heiligsprechungsformel, die der Papst als Nachfolger des heiligen Petrus und Stellvertreter Christi auf Erden verkündet. Dieser Text lautet in Übersetzung: Zur Ehre der Heiligen Dreifaltigkeit, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zum Wachstum des christlichen Lebens erklären und definieren wir – kraft der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der heiligen Apostel Petrus und Paulus sowie unserer eigenen Autorität, nach reiflicher Überlegung und beharrlichem Gebet um göttlichen Beistand sowie nach Einholung des Rates vieler unserer bischöflichen Mitbrüder – [Name des Heiligen] als heilig und nehmen ihn in die Schar der Heiligen auf, mit der Anordnung, dass er von der ganzen Kirche als solcher verehrt werde. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. An diesem heiligen Ort, auf dieser heiligen Insel, verehren wir die heilige Sunniva und ihre Gefährten. Unser Zusammenkommen hier ist ein deutliches Zeichen des Glaubens und des Strebens nach Heiligkeit. Es zeugt zudem vom Wachsen der Verehrung unserer eigenen Heiligen. Neue und alte Gebete, Texte und Hymnen, immer umfangreichere und würdevollere Feiern der Heiligenfeste sowie Wallfahrten zu den von Heiligen geprägten Orten unserer Diözese – all dies, während wir der Olavsfeier im Jahr 2030 entgegenblicken – macht deutlich, dass Heilige den Weg weisen und dass wir uns führen lassen: von Christus und von den Zeugen Christi. „Ich glaube, die Zeit ist für unsere Diözese gekommen, nun das Seligsprechungsverfahren für eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte der Kirche in Norwegen einzuleiten: Sigrid Undset.“ – Bischof Fredrik Hansen Die Kirche, die treffender als *Mater sanctorum* – „Mutter der Heiligen“ – bezeichnet wird, stellt dem christlichen Volk beständig neue Vorbilder der Heiligkeit in der echten Nachfolge Christi vor Augen (Instruktion *Sanctorum Mater*, Einleitung). Dies geschieht erst nach einem gründlichen und langwierigen (oft jahrelangen) Verfahren, das in der Diözese beginnt, in der die zur Heiligsprechung vorgeschlagene Person verstorben ist, und schließlich im Vatikan, direkt beim Papst, seinen Abschluss findet. Ich glaube, die Zeit ist für unsere Diözese gekommen, nun das Seligsprechungsverfahren für eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte der Kirche in Norwegen einzuleiten: Sigrid Undset. Denn sie ist weit mehr als eine Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin. Sie ist für uns ein Vorbild im christlichen Glauben, in einem Leben der Tugend und im Streben nach Heiligkeit. Sie fand den Weg zur vollen Gemeinschaft mit der Kirche und trat als furchtlose Verteidigerin des katholischen Glaubens auf. Sie setzte sich unermüdlich gegen den Nationalsozialismus und für den Freiheitskampf unseres Landes während des Krieges ein. Sie kümmerte sich beständig und konkret um die Armen. Sie gab sich selbst hin in der Sorge um ihre Tochter – ein Dienst für das Leben und für die Heiligkeit des Lebens. Mit ihren zahlreichen Büchern hat sie so viele Gläubige geprägt, sie zu einem Leben in Christus inspiriert und von unseren mittelalterlichen Heiligen Zeugnis abgelegt. Sigrid Undset (1882–1949) war eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen Norwegens und erhielt 1928 den Nobelpreis für Literatur. Das Nobelpreiskomitee hob besonders ihre eindrucksvollen Schilderungen des Lebens im nordischen Mittelalter hervor. Sie wurde am 20. Mai 1882 in Kalundborg (Dänemark) geboren, wuchs jedoch in Kristiania auf. Ihr Vater, der Archäologe Ingvald Undset, weckte schon früh ihr Interesse an Geschichte und dem Mittelalter. Undset debütierte 1907 mit dem Roman *Fru Marta Oulie* und gelangte 1911 mit *Jenny* zum Durchbruch. Internationale Anerkennung erlangte sie durch die Trilogie *Kristin Lavransdatter* (1920–1922), die zu ihrem Hauptwerk wurde. Am 1. November 1924 wurde sie in der St.-Torfinn-Kapelle in Hamar in die katholische Kirche aufgenommen, nachdem sie sich über mehrere Jahre hinweg mit dem katholischen Glauben und dem Christentum des Mittelalters auseinandergesetzt hatte. Ihre Konversion löste in Norwegen, das von einer stark antikatholischen Haltung geprägt war, großes Aufsehen aus. Als Katholikin beteiligte sich Undset aktiv an öffentlichen Debatten. Sie verteidigte die Lehren der katholischen Kirche sowie das christliche Kulturerbe des Mittelalters und nahm rege an der öffentlichen Diskussion über Glauben, Geschichte und Kultur teil. Der Nobelpreis von 1928 machte sie zu einer der weltweit anerkanntesten Autorinnen. Später wurde sie zur Vorsitzenden des Norwegischen Schriftstellerverbandes gewählt (1935–1940). Ab 1919 lebte Undset auf dem Hof Bjerkebæk in Lillehammer; dort verfasste sie einige ihrer bedeutendsten Werke. Ihr Wohnhaus ist heute ein Museum, das zum Freilichtmuseum Maihaugen gehört. Undset bezog schon früh klar Stellung gegen den Nationalsozialismus. Nach dem deutschen Einmarsch in Norwegen im Jahr 1940 floh sie in die USA, wo sie sich durch Vorträge, Artikel und umfassende Aufklärungsarbeit für die Sache Norwegens und für demokratische Werte einsetzte. Sigrid Undset starb am 10. Juni 1949 im Alter von 67 Jahren in Lillehammer. Sie wurde nach katholischem Ritus beigesetzt und gilt heute als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der norwegischen Literaturgeschichte. Angesichts dieser Umstände sowie deutlicher Anzeichen für eine Verehrung und Frömmigkeit – und nachdem ich dies sowohl der Nordischen Bischofskonferenz als auch Experten für das Leben Sigrid Undsets dargelegt habe – leite ich hiermit unter Ausübung meiner Befugnisse (Instruktion *Sanctorum Mater*, Art. 21, §1) die Schritte ein, damit das Seligsprechungsverfahren im Laufe des Herbstes formell beginnen kann. Ich rufe Sie alle dazu auf, für die anspruchsvolle Aufgabe zu beten, die nun vor unserer Diözese liegt. Wie die heilige Sunniva und ihre Gefährtinnen muss auch Sigrid Undset für uns ein Vorbild für das Leben in Christus sein. Selja, 8. Juli 2026 *Anmerkung der kath.net-Redaktion: Die Seljumanna-Messe auf der historischen Insel Selja ist ein althergebrachter norwegischer Gedenk- und Feiertag, der jedes Jahr am 8. Juli zu Ehren der heiligen Sunniva und ihrer Gefährten begangen wird. Es handelt sich dabei um einen der ältesten christlichen Feiertage Norwegens, der bis in das Jahr 1024 zurückreicht. Jedes Jahr finden auf dieser Insel anlässlich dieses Gedenktages nicht nur katholische, sondern auch protestantische, orthodoxe und ökumenische Feiern statt. Der Legende nach floh die irische Königstochter Sunniva im 10. Jahrhundert vor heidnischen Angreifern. Sie und ihre Anhängern fanden eine Zuflucht in einer Höhle auf der norwegischen Insel Selja. Als die Höhle durch herabstürzende Felsen verschüttet wurde, kamen sie ums Leben. Später wurde die Stätte zur Keimzelle des Christentums in Norwegen. Foto: Bischof Hansen während der diesjährigen Prozession bei der Seljumanna-Messe (c) Marta Wade/katolsk.no Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() Lesermeinungen
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