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| ![]() Ein Sämann ging hinaus, um zu säen – Eine Hoffnungsgeschichte für unsvor 51 Minuten in Spirituelles, keine Lesermeinung „Das heutige Evangelium ist eine tröstliche Botschaft: Unser Gott hat Vertrauen und Geduld mit uns. Eine Geduld, die viel größer ist als unsere.“ Von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer Eichstätt (kath.net) Predigt zum 15. Sonntag im Jahreskreis A (Mt 13,1–9) Liebe Schwestern und Brüder, es gibt Evangelien, die hört man leicht missverständlich. Das Gleichnis vom Sämann gehört dazu. Denn auf den ersten Blick scheint Jesus von Misserfolgen zu sprechen. Da fallen Samenkörner auf den Weg. Andere auf felsigen Boden. Wieder andere unter die Dornen. Vieles geht verloren. Doch wer genauer hinhört, merkt: Jesus erzählt eigentlich gar keine Geschichte vom Scheitern. Er erzählt eine Geschichte der Hoffnung. Ja mehr noch: Er erzählt eine Geschichte von der unerschütterlichen Zuversicht und des großen Vertrauens Gottes in uns Menschen. I. Gott gibt keinen Menschen auf Genau darin liegt etwas zutiefst Tröstliches. Gott schreibt keinen Menschen ab. Wir Menschen tun das manchmal. Wir sagen: „Bei dem hat das keinen Sinn mehr.“ Oder: „Der wird sich nie ändern.“ Oder: „Die Kirche hat doch keine Zukunft mehr.“ Jesus denkt anders. Er geht trotzdem hinaus. Er sät trotzdem. Er liebt trotzdem. Denn Gott sieht Möglichkeiten, wo wir längst Grenzen sehen. II. Die erstaunliche Bilanz des Gleichnisses Doch Jesus schaut gar nicht zuerst auf die Verluste. Er schaut auf die Frucht. Und plötzlich verändert sich alles. Denn das eine Viertel bringt einen Ertrag hervor, der jede Vorstellung sprengt: dreißigfach, sechzigfach, hundertfach. Das bedeutet: Die Frucht ist größer als der Verlust. Die Hoffnung ist stärker als die Enttäuschung. Das Leben ist stärker als das Scheitern. Genau das ist die Logik Gottes. Wir Menschen zählen oft die Misserfolge. Gott zählt die Früchte. Wir schauen auf das, was nicht geworden ist. Gott schaut auf das, was noch werden kann. Wir sehen das Samenkorn. Gott sieht bereits die Ernte. III. Die Geduld Gottes So wirkt Gott auch in den Herzen der Menschen. Manches Gebet einer Mutter geht erst nach Jahrzehnten auf. Manches Wort der Großeltern wird erst viel später verstanden. Mancher Mensch findet erst nach langen Umwegen zu Gott zurück. Der heilige Augustinus wusste davon aus eigener Erfahrung. Seine Mutter Monika hatte viele Jahre für ihn gebetet und geweint. Lange Zeit schien alles vergeblich zu sein. Doch schließlich wurde aus dem Suchenden einer der großen Heiligen der Kirche. Gott hat Zeit. Und weil Gott Zeit für uns hat, dürfen auch wir Hoffnung haben. IV. Das Wunder des kleinen Anfangs Der heilige Johannes Chrysostomos sagt einmal sinngemäß: „Der Herr verlangt nicht, dass wir die Ernte machen. Er verlangt nur, dass wir säen.“ Das nimmt einen ungeheuren Druck von unseren Schultern. Wir müssen nicht alles lösen. Wir müssen nicht alles retten. Wir müssen nicht alles kontrollieren. Wir dürfen säen. Und den Rest dürfen wir Gott überlassen. V. Die verborgenen Früchte unseres Lebens Gott wirkt oft im Verborgenen. Aber nichts, was aus Liebe geschieht, geht verloren. Kein Gebet. Keine Träne. Keine Vergebung. Kein Opfer. Keine Tat der Liebe.Alles fällt in die Hände Gottes und wird von ihm verwandelt. VI. Eine Hoffnung für die Kirche unserer Zeit All das ist Realität. Aber Jesus lädt uns ein, tiefer zu schauen. Nicht die Krise hat das letzte Wort. Nicht die Zahlen haben das letzte Wort. Nicht die Verluste haben das letzte Wort. Das letzte Wort hat die Frucht. Das letzte Wort hat die Gnade. Das letzte Wort hat Gott. Die Geschichte der Kirche war nie eine Geschichte menschlicher Erfolge. Sie war immer eine Geschichte der Treue Gottes. Und diese Treue trägt auch heute. VII. Am Ende steht die Ernte Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer ist der Gründungsrektor des Collegium Orientale in Eichstätt. Er ist Theologe mit Schwerpunkt auf ökumenischer Theologie, ostkirchlicher Ekklesiologie und ostkirchlicher Liturgiewissenschaft. Er studierte in Eichstätt, Jerusalem und Rom, war in verschiedenen Dialogkommissionen tätig. Er veröffentlicht zu Fragen der Ökumene, des Frühen Mönchtums, der Liturgie der Ostkirchen und der ostkirchlichen Spiritualität. Weitere kath.net-Beiträge von ihm: siehe Link. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. | ![]() Mehr zu | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Top-15meist-gelesen
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