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DBK-Kopf Bätzing: „Aus einigen Statements höre ich den Ruf nach Klarheit … Mich verstört das“

10. Februar 2023 in Aktuelles, 49 Lesermeinungen
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Der DBK-Vorsitzende bekennt öffentlich bei einer Veranstaltung der Weltsynode, dass ihn folgende Fragen verstören: „Was sind die Regeln des Glaubens in der Kirche? Was gehört zum Kern der Lehre? Und was ist Sünde, die benannt werden kann und muss?“


Bonn-Prag (kath.net/DBK/pl) kath.net dokumentiert das Statement von Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Co-Präsident des Synodalen Weges, bei der Kontinentalen Phase des weltweiten synodalen Prozesses in Prag vom 8.2.2023 in voller Länge – Quelle © Deutsche Bischofskonferenz (Link zur Quelle siehe unten) – Das inhaltlich für Katholiken sehr schwierige Statement findet kaum den Weg in die Öffentlichkeit, da es von den offiziell-katholischen Medien versehentlich oder absichtlich wenig beachtet wurde. Darauf aufmerksam gemacht hat nicht zuletzt der Journalist Mathias von Gersdorff.

Bischof Dr. Georg Bätzing:
Ich möchte als Reaktion auf einige Statements von heute Vormittag einige innere Regungen ins Wort heben, die ich mit Ihnen teilen möchte:

1. Wir erleben hier große Unterschiede in der Wahrnehmung und Beurteilung der gegenwärtigen Situation der Kirche – und auch der Vorstellungen darüber, wie wir als Kirche synodal vorangehen können. Dabei wurde manchmal das Bild von den beiden Lungenflügeln als Deutehilfe angeboten, um die Unterschiede zwischen östlicher Kirchenwirklichkeit und Teilen der westlichen Kirche zu verstehen. Ich glaube nicht an die Berechtigung dieses Bildes, denn Papst Johannes Paul II. bezog es auf das Gefüge von katholischer Kirche und Orthodoxie. Was wir hier erleben, ist etwas ganz anderes – und es hat meines Erachtens seinen Grund in unterschiedlichen Ständen in der Rezeption der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils und auch der vertieften Übung in demokratischen Prozessen und Strukturen; die Ortskirchen mancher osteuropäischer Länder haben hier ganz andere Voraussetzungen als Ortskirchen im Westen. Wir müssen die Gründe für die wahrgenommenen erheblichen Spannungen gemeinsam und ehrlich ergründen, das wird eine Aufgabe für den weiteren synodalen Prozess sein, damit „Gemeinsam Gehen“ dauerhaft gelingen kann.


2. Aus einigen Statements höre ich den Ruf nach Klarheit: Was sind die Regeln des Glaubens in der Kirche? Was gehört zum Kern der Lehre? Und was ist Sünde, die benannt werden kann und muss? Mich verstört das. Christlicher Glaube ist eine Religion der Freiheit und Erlösung –nicht der Sündenfixierung. Ich kann den Eindruck nicht verhehlen, dass hier womöglich auf Sünde und Sündersein beharrt wird, um damit die Kirche als unangreifbar und unveränderlich darzustellen und auf den geltenden Kriterien von Exklusion bestimmten Gruppen gegenüber zu beharren. Dies ist nicht mein Glaube, nicht mein Christus- und Kirchenbild. Wir müssen Menschen der Kirche hören, die sich in Lebenssituationen als treu und gläubig bewähren, die bislang moralisch als „ungeordnet“ bewertet werden. Ich wünsche mir, dass wir auf dem Synodalen Weg das Hören auf diese Menschen und ihre Verletzungen durch die Kirche und in der Kirche intensiv üben und dass wir als Kirche die Perspektive auf diese Gruppen verändern: nicht Sünder sind sie, sondern von Gott bejahte und von Christus durch die Kraft seiner Liebe freie und gleiche Glieder der Kirche. Ich hoffe sehr, dass es für viele dieser wertvollen Kirchenmitglieder nach so langer Zeit ungerechter Exklusion nicht bereits zu spät oder unmöglich geworden ist, zu uns zu sprechen und mit uns Kirche zu leben.

Danke für die Aufmerksamkeit

Quelle: Website der Deutschen Bischofskonferenz, siehe Link zum pdf-Dokument.

Archivfoto Bischof Bätzing (c) Bistum Limburg


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