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„Humpty Dumpty“-Synoden

12. November 2022 in Kommentar, 23 Lesermeinungen
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Die „Synodalen Wege“ in Deutschland und in der Schweiz führen nicht zu einer erneuerten Kirche, sondern in den Agnostizismus. Gastkommentar von Martin Grichting


Chur (kath.net)

Der englische Kinderbuchautor Lewis Carroll (1832-1898) hat seinem Bestseller «Alice im Wunderland» im Jahr 1871 «Alice hinter den Spiegeln» folgen lassen. Darin begegnet Alice der Figur des Humpty Dumpty, der in England aus Kinderreimen vertraut ist. Humpty Dumpty ist ein menschenähnliches Ei, das sprechen kann. Er ist selbstbewusst und doziert Alice von einer Mauer herunter: «Wenn ich ein Wort verwende, dann bedeutet es genau, was ich es bedeuten lasse, und nichts anderes». Alice wundert sich und fragt Humpty Dumpty, ob wir denn den Wörtern einfach so verschiedene Bedeutungen geben könnten. Worauf dieser nüchtern feststellt: «Die Frage ist, wer die Macht hat – und das ist alles».

Gemäss diesem Motto haben in Deutschland und in abgewandelter Form in der Schweiz ein «Synodaler Weg» und eine «Synodale Versammlung» stattgefunden. Diejenigen, die glauben, dass sie die Macht besitzen, eine Mehrheit der Funktionäre, zu denen auch die meisten Bischöfe zählen, haben im Sinne Humpty Dumptys entschieden, was die Worte der Offenbarung zu bedeuten haben.

Gott, wenn er denn überhaupt noch als der Erwähnung wert befunden wird, ist jetzt nicht mehr der Allmächtige, sondern der Allesversteher und Allesgutheisser. Jesus Christus ist nicht mehr der Weg, die Wahrheit und das Leben, der dem gefallenen Menschen sagt: «Sündige fortan nicht mehr». Nein, er ist unser Bruder, der alle so weitermachen lässt wie bisher, wie immer sie glauben und leben mögen. Der Heilige Geist ist nicht mehr derjenige, der die Kirche in die ganze Wahrheit einführt, sondern eine diffuse Inspirationsquelle zur Rechtfertigung dessen, was gemäss dem gesellschaftlichen Mainstream zu glauben angesagt ist. Maria schliesslich ist nicht mehr diejenige, die durch ihr Ja zum Willen Gottes Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, den Weg in diese Welt öffnet. Sie ist jetzt die «Gottesfreundin» und «Schwester im Glauben», die «heute besonders für eine geschwisterliche Kirche, ein freundschaftliches Miteinander der Geschlechter in einem befreienden Raum der Gnade» steht.


Diese Humpty Dumpty-Umdefinition der Worte des Lebens soll sich in konkreten Folgerungen niederschlagen, etwa «in der Bindung des Zugangs zu allen Ämtern der Kirche nicht an das Geschlecht oder den Lebensstand, sondern allein an die persönliche Integrität und Begabung, an die Kompetenzen und Qualifikationen der Personen» oder in der «Gewaltenteilung» zwischen Klerikern und Laien. Die Dualität von Mann und Frau soll in der Gender- und LGBTIAQ*-Kompatibilität aufgehen. Die Unauflöslichkeit der Ehe soll der Akzeptanz der Ehescheidung und Wiederheirat weichen. Gelebte Homosexualität soll fortan «keine Sünde gegen die Keuschheit mehr» sein.

Der in Fribourg lehrende Historiker Volker Reinhardt hat 2017 ein zu hundert Prozent empathieloses Werk über die Geschichte der Päpste geschrieben («Pontifex»). Er beschreibt nicht die Kirche, die sich ‒ vom hl. Geist begleitet ‒ auf ihrem Weg durch die Zeit befindet. Vielmehr zeichnet er das Bild einer rein diesseitigen Organisation, verkörpert in ihrem meist moralisch versagenden Personal. Das bedeutet jedoch nicht, dass Reinhardt nicht hellsichtig wäre. Er verweist darauf, dass die Päpste, bei aller behaupteten oder tatsächlichen moralischen Erbärmlichkeit, immer genau darauf geachtet haben, in der Kontinuität der Glaubenslehre zu bleiben. Laut Reinhardt taten sie es nicht geführt vom Heiligen Geist, sondern aus Machtkalkül. Denn ihnen sei bewusst gewesen: Eine Kirche, die sich lehrmässig widerspricht, verliert ihren Führungs- und Geltungsanspruch.

Da für die Aktivisten der Synodalen Wege „behauptete Kontinuen“ (Bischof Bätzing) wie die Heilige Überlieferung, die Heilige Schrift sowie das kirchliche Lehramt „suspekt“ und stattdessen „demographische Tendenzen“ sowie die „Wahrnehmung des Gottesvolkes“ (derselbe) relevant sind, ist es müssig, ihnen gegenüber noch theologisch argumentieren zu wollen. Es bleibt nur, sie an einen sich rein menschlicher Machtlogik bedienenden Gedanken zu erinnern: Eine Kirche, die ihren Glauben in der Substanz zu ändern vermag, macht ihn dadurch vor der ganzen Welt zum Menschenwerk. Er besitzt keinen göttlichen Geltungsanspruch mehr – und die Kirche verliert diesen ebenso. So werden durch die neuen kirchlichen Machthaber über die Worte nicht einfach frühere Glaubenslehren in ihr Gegenteil verkehrt. Es ist die Existenz des sich selbst offenbarenden Gottes, die sie verleugnen – und man kann nur hoffen, dass sie sich dessen in ihrer Verblendung nicht bewusst sind. Wie auch immer: Die „Synodalen Wege“ führen nicht zu einer erneuerten Kirche, sondern in den Agnostizismus. Denn sie vermitteln den Menschen die Botschaft, dass Gott, seine Offenbarung und die daraus fliessende kirchliche Lehre bloss von Menschen erdachte und revidierbare Wortprodukte in Sinne Humpty Dumptys seien.

Das Ende einer solchen «Kirche» ist dann das gleiche wie bei Humpty Dumpty. Der beliebte Kinderreim über ihn lautet: «Humpty Dumpty sat on a wall, Humpty Dumpty had a great fall. All the King’s horses and all the King’s men, couldn’t put Humpty together again». Frei übersetzt: «Humpty Dumpty saß auf dem Wall, Humpty Dumpty tat einen tiefen Fall. Auch der König mit all seinen Mannen brachte Humpty nicht mehr zusammen».

 

Martin Grichting war Generalvikar des Bistums Chur und beschäftigt sich publizistisch mit philosophischen sowie theologischen Fragen.


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