Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  2. Glaubenspräfekt warnt vor "Internet-Theologen" und Selbstsicherheit
  3. „Jesus ja, Kirche nein? – Das ist wie: ‚Ich bin für Fußball, aber gegen Fußballvereine‘“
  4. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  5. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  6. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  7. Bischof von Cordoba: Priester durften bei Zugsunglück Sterbesakramente nicht spenden
  8. Die Stunde der Heuchler
  9. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  10. USA: Breite Mehrheit für Massenabschiebungen – Neue Umfragen stützen Trump-Kurs
  11. Papst Leo XIV.: 'Abtreibung ist der größte Zerstörer des Friedens'
  12. "Wir sind Zuschauer bei etwas, was einem Völkermord sehr nahekommt"
  13. Ein neuer Beginn in der DBK ist möglich
  14. Ein einziges Depositum der Wahrheit. Die Einheit von Schrift und Tradition
  15. Kard. Müller nach Gespräch mit Papst Leo: „Atmosphäre ist von wechselseitigem Vertrauen bestimmt“

„In der Theologie geht es um die Wahrheit und nicht um politische Chiffren“

21. Dezember 2021 in Kommentar, 21 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Alle, die mein Bonifatius-Institut-Interview gehört haben und dies mit den Schlagzeilen angeblicher Qualitäts-Medien verglichen, konnten sich überzeugen vom diametralen Gegensatz zwischen Wahrheit und Lüge.“ Gastkommentar von Gerhard Kardinal Müller


Vatikan (kath.net) Alle, die mein Interview im Bonifatius-Institut mit eigenen Ohren gehört haben und dies mit den Schlagzeilen angeblicher Qualitäts-Medien verglichen, konnten sich unmittelbar überzeugen vom diametralen Gegensatz zwischen Wahrheit und Lüge.

Die Vokabeln "Coronaleugner, Impfgegner, Verschwörungstheoretiker" hatten nicht einmal einen sprachlichen Anhalt in meiner Stellungnahme zur kirchlichen Reaktion (in Verkündigung und Liturgie) auf die Coronakrise. In meiner Kritik an den Matadoren der sogenannten "Neuen Weltordnung des BigReset" nach neomaterialistischem Muster projizierten Politiker und Meinungsmacher extrem unterkomplex ihre eigenen antisemitischen Denkmuster hinein. Der geistige Kurzschluss ist bekanntlich der schnellste Weg von einem zum andern Klischee und zuverlässig das Markenzeichen all der Halbgebildeten, die sich zu Volkserziehern berufen fühlen.

Ein "Politologe", der in den Text eines schon vor Jahrzehnten habilitierten Theologen wortakrobatisch antisemtische Chiffren hineinprojiziert, kann eigentlich nur seine Dechiffiermaschine mit dem Schredderappparat für eigene geistige und moralische Abfallprodukte verwechselt haben. Er sollte schleunigst zur Gegenkontrolle neben seine politische Propaganda-App eine wissenschaftlich-theologische Applikation herunterladen. Es ist absurd, wenn Ideologen verantwortlich denkenden Mitbürgern eine ethische Position verbieten wollen, weil diese von einer vielleicht in anderer Hinsicht problematischen Partei und Persönlichkeit auch vertreten wird. Die chinesische Schriftstellerin Fang Fang bemerkt zurecht: "Links-und Rechtsextremismus sind im Grunde identisch. Beiden Extremen gemeinsam ist, dass sie nicht tolerieren können, dass andere Menschen nicht genauso denken wie sie." (Wuhan Diary Hamburg 2020, 175).


Der kultur-und rasseideologische Begriff vom "dem" (!) Judentum im 19. und 20. Jahrhundert ist nicht nur in naturwissenschaftlicher, soziologischer und philosophischer Hinsicht völliger Schwach- und Wahnsinn, sondern steht auch in einem totalen Widerspruch zum Judentum in der biblisch-heilsgeschichtlichen Perspektive. Dass der Zwölf-Stämme-Verband Israel, später auch nach einem seiner Stämme Juda genannt, das erwählte Eigentums-Volk Gottes ist, gehört zum Bekenntnis der katholischen Kirche von Anfang an. Die Christen aller Konfessionen erkennen dies nicht nur als historische Tatsache an, sondern weit darüber hinaus als geoffenbarte Glaubenswahrheit.

Statt theologische Fachbegriffe ideologisch im antichristlichen Sinne zu dechiffrieren, sollten "empörte" Politiker, Politologen, Abgeordnete und Beauftragte erst einmal schauen, wie im Neuen Testament von "den Israeliten" die Rede ist: Denn "ihnen gehören die (Gottes-)Sohnschaft, die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse; ihnen ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen, ihnen gehören die Väter und ihnen entstammt der Christus dem Fleisch nach." (Römerbrief 9, 4 f).

Der Unterschied zwischen Juden und Christen nach dem Auftreten Jesu von Nazareth besteht nicht (systematisch) in einem feindseligen Gegensatz (auch wenn er leider historisch-faktisch praktiziert wurde), sondern in der Anerkennung Jesu als des verheißenen Messias. Die damit gegebene institutionelle Verschiedenheit einer jüdischen und einer christlichen Glaubensgemeinde hebt aber nicht die Tatsache auf, dass sie im Glauben an den einzigen und selben Gott vereint sind, der die Welt aus dem Nichts und die Menschen nach seinem Bild und Gleichnis erschaffen hat. Daraus ergibt sich im Blick auf den Dekalog die gleiche Ethik und die Orientierung all unseres Denkens und Handelns am Gewissen, in dem wir uns vor Gott als unserem höchsten Richter zu verantworten haben.

Ohne diese Fragen hier vertiefen zu können, ist kurz hinzuweisen auf die Verhältnisbestimmung zwischen dem Gottes-Volk Israel und der "Kirche aus Juden und Heiden" (Epheser-Brief 2, 11-22) aufgrund des christlichen Glaubens an Jesus den Messias, den Sohn Gottes. Im Hinblick auf die Offenbarung des auferstandenen Christus als unseren Herrn sagt Paulus: "Denn darin gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen (=Heidenvölkern). Denn alle haben denselben Herrn; aus seinem Reichtum beschenkt er alle, die ihn anrufen. Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden." (Römerbrief 10,12f).

Heute bezeugen Juden und Christen, ohne ihren je eigenen Glauben zu relativieren, gemeinsam die hoffnungsvolle Botschaft von dem einen Gott, dem Schöpfer, Befreier, Retter, Richter, dem Urheber der unverletzlichen Würde und Grundrechte aller Menschen, der ein respektvolles Zusammenlebens gerade auch in den pluralistischen Gesellschaften der Gegenwart ermöglicht und will.

Archivfoto Kardinal Müller (c) kath.net

VIDEO - Der vieldiskutierte Originalbeitrag von Kardinal Müller im Interview mit dem Bonifatius Institut - Bilden Sie sich selbst Ihre Meinung!


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  4. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  5. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  6. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  7. Ein neuer Beginn in der DBK ist möglich
  8. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  9. Die Stunde der Heuchler
  10. Papst Leo XIV.: 'Abtreibung ist der größte Zerstörer des Friedens'
  11. Goldensteiner Schwestern: Schwere Vorwürfe um Spendengelder
  12. Bischof von Cordoba: Priester durften bei Zugsunglück Sterbesakramente nicht spenden
  13. Glaubenspräfekt warnt vor "Internet-Theologen" und Selbstsicherheit
  14. Berichte über neue Wunder des Hl. Charbel in den USA und im Libanon
  15. Ist Jesus der Herr?

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz