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Fehl-Framing – kann man bei Abtreibung eine „moderate“ Haltung haben?

3. November 2021 in Prolife, 9 Lesermeinungen
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„Angesichts der Abtreibungs-Lage in den USA auf einer deutschen katholischen Internetseite zu schreiben, US-Präsident Biden habe eine ‚moderate‘ Haltung zu Abtreibungen, ist euphemistisch.“ Gastbeitrag von Alexandra Maria Linder – UPDATE!


Bonn (kath.net) Um den US-amerikanischen Präsidenten Joe Biden abtreibungs-ethisch einzuordnen, genügt ein Blick auf die Webseite der Planned Parenthood – der Organisation in den USA, die die meisten Abtreibungen durchführt, Abtreibungen propagiert und für ein uneinschränkbares Frauenrecht hält, die Organe und Gewebe abgetriebener Kinder verkauft und „pro-choice“-Präsidentschaftskandidaten finanziell großzügig unterstützt, schon 2008 übrigens das Team Obama-Biden. Kamala Harris, die aktuelle Vize-Präsidentin, wird dort als „Heldin der reproduktiven Rechte und Gesundheit“ bezeichnet, Joe Biden als „richtige Wahl“.

Angesichts der Abtreibungs-Lage in den USA auf einer deutschen katholischen Internetseite zu schreiben, der Präsident habe eine „moderate“ Haltung zu Abtreibungen, ist gelinde gesagt euphemistisch: Moderat bedeutet maßvoll. Präsident Biden vertritt jedoch die Haltung, jede Frau dürfe ihr Kind vor der Geburt dem Tode zuführen. Allein das sprengt jedes Maß. Aktuell gibt es rund eine Million Abtreibungen in den USA pro Jahr. Ein Drittel der getöteten Kinder sind afroamerikanische Kinder (bei einem afroamerikanischen Gesamtbevölkerungsanteil von 12,3 %). Vor allem unter diesen Frauen verzeichnet man eine steigende Müttersterblichkeit. Der (vor allem männliche!) Abtreibungs-Druck nicht nur auf Frauen in ärmeren Bevölkerungsschichten ist offenkundig, ebenso wie die Vertuschung von Missbrauch. Abtreibung ist für Kinder immer tödlich und Ausdruck von Frauenverachtung, Rassismus, Hilfeverweigerung, Kapitulation.


Eine moderate Haltung kann man in Bezug auf Energiepolitik, Home Schooling oder Verkehrsberuhigung haben. Überall dort jedoch, wo es um Menschenleben geht, impliziert eine „moderate“ Haltung faktisch Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern – undenkbar, dass dieselbe Internetseite eine politische Führungsperson im Zusammenhang mit anderen Handlungen, die unschuldige Tote zur Folge haben, als „moderat“ bezeichnen würde, nach dem Biden-Abtreibungs-Motto: Privat halte ich nicht viel davon, aber ich möchte meine Meinung nicht anderen aufzwingen. Bei absichtlichen Tötungshandlungen kann es keine maßvolle Haltung geben, umso weniger, wenn man politische Verantwortung hat.

Alexandra Maria Linder M.A. ist Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht e.V., dem Dachverband von 15 der größten und wichtigsten deutschen Lebensrechtsorganisationen und Organisator des Marsches für das Leben in Berlin (nächster Marsch für das Leben: 17.09.2022)

Foto: Marsch für das Leben Berlin 2021 (c) Bundesverband Lebensrecht

UPDATE der kath.net-Redaktion:

Die offiziell inoffizielle Internetseite der katholischen Bischofskonferenz (die aber von der DBK jährlich mit viel Geld unterstützt wird), hat den Ausdruck "moderate Haltung zur Abtreibung" inzwischen geglättet. Nun steht dort: "Ein Teil der US-Bischöfe will Politiker wie Joe Biden wegen ihrer Haltung zur Abtreibung von der Eucharistie ausschließen."

Foto: Zur Dokumentation - Screenshot der ersten Einschätzung des umstrittenenen Portals, wonach US-"Politiker wie Joe Biden" eine "moderate Haltung zur Abtreibung" vertreten - danach die Korrektur.

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