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Syrisch-orthodoxe Kirche: Debatte über liturgische Kalenderreform

6. September 2021 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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In der weltweit verbreiteten Kirche sind derzeit sowohl der Julianische als auch der Gregorianische Kalender in Verwendung


Damaskus (kath.net/KAP) Die Syrisch-orthodoxe Kirche hat einen internen Diskussionsprozess über eine mögliche liturgische Kalenderreform gestartet, wie der Pro-Oriente-Informationsdienst (Freitag) berichtet. Bei der letzten Kirchensynode Ende Juni im Libanon führten die syrisch-orthodoxen Bischöfe aus aller Welt eine breite Debatte zu seelsorglichen, sozialen, liturgischen und spirituellen Fragen. Die Bischöfe berieten in diesem Zusammenhang auch über zahlreiche Anfragen von syrisch-orthodoxen Gemeinden aus aller Welt, die sich für verstärkte Bemühungen um ein einheitliches Osterdatum aller Kirchen aussprachen.

Die Bischöfe hielten bei ihren Beratungen fest, dass es sich bei der Frage des liturgischen Kalenders um keine doktrinäre Angelegenheit handle. Man sei grundsätzlich bereit, "Ostern an jedem von allen Kirchen vereinbarten Termin zu feiern". Dies haben man auch immer wieder bei ökumenischen Begegnungen kundgetan.


Die Bischöfe erörterten bei ihren Beratungen in der Patriarchalresidenz in Atchaneh zwei Optionen: Zum einen steht die Annahme des Gregorianischen Kalenders in allen liturgischen Feiern für die ganze Syrisch-orthodoxe Kirche zur Diskussion. Der zweite Vorschlag sieht vor, dass die syrisch-orthodoxen Gläubigen im Westen nach dem Gregorianischen Kalender feiern sollen, während diejenigen im Osten weiterhin dem Julianischen Kalender folgen. Schließlich wurde beschlossen, dass die Bischöfe dazu die Gläubigen befragen und an die Synode berichten sollen.

Der syrisch-orthodoxe Patriarch Afrem II. hat nun vor Kurzem in einem Schreiben an alle Diözesen bzw. Pfarren diese aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen.

Die Kalenderfrage ist schon jetzt in der Syrisch-orthodoxen Kirche nicht ganz einfach. Die Kirche umfasst nach eigenen Angaben zwischen 5,5 und 6 Millionen Gläubige. Allein vier Millionen davon leben in Indien. Sie gehören zur Syrisch-Orthodoxen Kirche von Malankara in Südindien. Diese Kirche hat autonomen Status, untersteht aber dem syrisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien. Die übrigen syrisch-orthodoxen Gläubigen verteilen sich fast über die ganze Welt: Sie leben vor allem in Brasilien, in Europa, den USA und Kanada. Im Nahen Osten (Syrien, Türkei, Libanon, Irak, Ägypten) leben maximal noch 250.000. Im Jahr 2014 verzeichnete die Kirche einen deutlichen Zuwachs: 20 Jahre zuvor waren in Guatemala zwischen 850.000 und 900.000 Katholiken kollektiv aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten. 2012 suchten sie um Aufnahme in die Syrisch-orthodoxe Kirche an und diesem Ansuchen wurde schließlich 2014 stattgegeben.

Während in der Syrisch-orthodoxen Kirche grundsätzlich der Julianische Kalender zur Anwendung kommt, feiert die indische Syrisch-Orthodoxe Kirche von Malankara die Feste nach dem Gregorianischen Kalender. Auch in Lateinamerika ist dies der Fall.

Patriarch Afrem betont in seinem Schreiben, dass Option Eins bedeuten würde, dass dann alle Syrisch-orthodoxen Gläubigen gemeinsam die kirchlichen Feste begehen würden. Trotzdem wolle er sich aber nicht auf eine Option festlegen, sondern zuerst einmal die Gläubigen befragen. Er hoffe aber, so der Patriarch, dass die Bischöfe auf der nächsten Heiligen Synode eine Entscheidung treffen können.

Copyright 2021 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
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