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Syrisch-katholischer Patriarch sieht Dialog mit Islam skeptisch

5. März 2021 in Weltkirche, 6 Lesermeinungen
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Ignatius Youssef III. Younan: Meist nur "Monolog der guten Absichten vonseiten der Christen"


Rom/Bagdad/Beirut (kath.net/KAP) Der Patriarch der syrisch-katholischen Kirche von Antiochien hat sich in Sachen christlich-islamischer Dialog skeptisch geäußert. Kurz vor Beginn der viertägigen Irak-Reise des Papstes sagte Ignatius Youssef III. Younan der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR: "Es tut mir leid, sagen zu müssen, dass die große Mehrheit der irakischen Christen, wie auch die Christen im Nahen Osten, wenig Interesse an hochrangigen Treffen und Zeremonien haben."

Sie glaubten nicht an einen "theoretischen Dialog der Religionen", so der Patriarch. Denn leider handele es sich dabei meist nur um einen "Monolog der guten Absichten vonseiten der Christen". Younan rief dazu auf, sich nicht auf eine Sprache der politischen Korrektheit zu beschränken. Stattdessen müsse man "klar und deutlich" für eine Achtung der Bürgerrechte eintreten. Diese sollten für alle Bürger gelten, "auch in Ländern mit einer muslimischen Mehrheit".


Bloße Erklärungen reichten nicht aus, vielmehr müsse die vielzitierte "Geschwisterlichkeit" wirklich gelebt werden - durch wahre Toleranz gegenüber den sogenannten Ungläubigen. Bis dahin sei es noch ein weiter Weg, gab der Geistliche zu bedenken: "Es sollte nicht vergessen werden, dass der Islam Religion und Politik nicht trennt."

Der in Beirut residierende Patriarch Younan wird Papst Franziskus im Irak persönlich empfangen. Für Freitag war eine Begegnung in der Kathedrale Unserer Lieben Frau der Erlösung in Bagdad geplant. Darüber hinaus soll es am Sonntag ein Treffen der beiden Kirchenführer in Karakosch geben. In der christlich geprägten Stadt sorgte 2014 der "Islamische Staat" für Verwüstung. Der mit Rom unierten syrisch-katholischen Kirche im Irak gehören rund 45.000 Gläubige an, die fast alle in der Ninive-Ebene leben.

Mangelnde Einigkeit von Christen

Der Direktor der Hilfsorganisation "Christian Aid Program North Iraq" (CAPNI) Emanuel Youkhana blickte derweil in einem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" (Freitag) mit Sorge auf die Zukunft der Christen im Irak. Das liege nicht nur an islamistischem Terror und einem untätigen Staat, sagte der ranghohe Vertreter der Assyrischen Kirche des Ostens. Den vielen christlichen Konfessionen und ihren Führern mangle es an Einigkeit, beklagte Youkhana. Viele bekämpften sich stattdessen lieber gegenseitig. Um die Gunst der schätzungsweise 300.000 im Irak verbliebenen Christen buhlten zehn Parteien. "Wir sprechen nicht mit einer Stimme, das ist wirklich unerfreulich."

Über Irak-Besuch von Papst Franziskus sagte Youkhana, dieser zwinge die Welt dazu, auf die Christen des Landes zu schauen, "gleich welcher Konfession wir angehören". Dass den Papst seine erste Reise nach der Corona-Pause in den Irak führe, mache der Bevölkerung den Wert der christlichen Gemeinden des Landes deutlich. "Franziskus bringt unsere Anliegen aufs nationale Tableau, ins Fernsehen, zu den Spitzenpolitikern. Und ich bin mir sicher, dass er hinter verschlossenen Türen deutlichere Worte wählen wird, als in den glatten diplomatischen Statements stehen werden."

Auf die Frage, welchen Satz er an Franziskus richten würde, wenn er ihn treffen könnte, antwortete der Geistliche: "Ich würde sagen, dass die Kirche des Ostens das Nest ist, aus dem unser Glaube geschlüpft ist. Wenn sie untergeht, verliert das Christentum seine Wurzeln. Über 2.000 Jahre lang haben wir die Region bereichert. Wir können heute Brücken bauen, wo andere Mauern errichten."

Copyright 2021 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich

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