Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:









Top-15

meist-diskutiert

  1. Woelki-Rücktritt wäre Präzedenzfall, folgen dann Rücktritte von Bode, Overbeck, Marx und Bätzing?
  2. Zum „Maria 2.0“-Thesenanschlag: Luther ante portas
  3. Benedikt XVI.: „Es gibt keine zwei Päpste. Nur einer ist Papst…“
  4. Erzbistum Freiburg: „Priesterinnen“ spenden Aschenkreuz
  5. Die Aktivistinnen von “Maria 2.0” nerven – Lasst mich einfach katholisch sein!
  6. Das „Forum Deutscher Katholiken“ spricht Kardinal Woelki seine Solidarität aus
  7. Papst an Fokolarini: freudiges Zeugnis für das Evangelium
  8. Bätzing 2.0: Der Kampf geht weiter!
  9. VERLOGEN!
  10. Psychiater und Theologe Manfred Lütz: Versetzung von Missbrauchstätern vor 1990 "fast unvermeidlich"
  11. Klassiker wie Homer oder Platon sollen aus US-Lehrplänen verschwinden
  12. Gender- und LGBT-Ideologie soll in Österreichs Schulen kommen
  13. Reminiscere. Der Sinn der Verklärung. Kleine Lampen des Evangeliums sein
  14. ‚Die Eucharistie ist sehr lebendig’
  15. Wo bleibt das Totengedenken für die vielen?

„Ich bin ein Sündenbock gewesen“ - Kardinal Pell analysiert seinen Leidensweg

19. Jänner 2021 in Chronik, 3 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Der ehemalige „Staatsfeind Nummer 1“ Australiens spricht darüber, wie Zuschriften von Gläubigen und der heilige Thomas Morus ihm in der Haft geholfen hätten, und über seine Gedanken zu den berüchtigten Vatikanfinanzen.


Sydney (kath.net/EWTN/mk) „Jedes Leiden kann auf geheimnisvolle Weise zum Guten führen.“ Diese Worte stammen von Kardinal George Pell, der in Australien des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen angeklagt,  zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde und über ein Jahr im Gefängnis verbracht hatte, bis das oberste Gericht ihn vergangenes Jahr kurz vor Ostern freisprach. Bis dahin galt er in Australien als „Staatsfeind Nummer 1“, von vielen gehasst und von manchen wüst beschimpft. In einem Interview gegenüber dem katholischen Fernsehsender EWTN sprach er unlängst in seiner Wohnung in Rom im Rückblick über seine leidvollen letzten Jahre.

Er habe von Anfang an auf die Absurdität der Vorwürfe gegen ihn hingewiesen. Jeder, der die Situation in einer Kathedrale sonntags nach der Messe mit zahlreichen Kirchgängern, Chorsängern und Ministranten kenne, werde zur Gewissheit kommen, dass ein Missbrauch von Jugendlichen zu einem solchen Zeitpunkt nicht unbemerkt möglich sei. Sogar einige seiner Gegner seien sich seiner Schuld nicht sicher gewesen, hätten aber gesagt: „Auch wenn er unschuldig ist, verdient er Bestrafung für die Verfehlungen der Kirche.“ Er sei also ein Sündenbock gewesen. Pell betont, dass die Kirche sich den beschämenden Tatsachen des Missbrauch stellen müsse; die dadurch enttäuschten Gläubigen lädt Pell ein, nicht nur auf die reißerischen Negativschlagzeilen zu blicken, sondern das Werk der Kirche für die Menschen als Ganzes in den Blick zu nehmen und auf das zu schauen, was Christus gesagt hat.


Wie er seine Zeit im Gefängnis erlebt habe? Er habe eine große Machtlosigkeit gespürt, die Verurteilung sei zunächst ein riesiger Schock gewesen. Der Kardinal erzählt weiter, er habe dann Briefe von Leuten bekommen, die ihm geschrieben hätten, sie würden ihr Leiden für ihn aufopfern. Das habe ihm geholfen, auch selbst zu erkennen, dass EIN Urteil über allen stehe, dass der irdische Ruf nicht das Wichtigste sei und dass jedes Leiden auf geheimnisvolle Weise zum Guten führen könne. Ihm sei auch bewusst geworden, dass er es der Kirche schuldig sei, sich nicht mit dem ungerechten Urteil abzufinden, sondern in Berufung zu gehen. Dabei erinnert sich Pell an den heiligen Märtyrer Thomas Morus, einen englischen Anwalt, der sich vehement gegen die wider ihn erhobenen Vorwürfe verteidigt hat. Pell meint, er habe zwar nicht gewusst, welchen Plan die göttliche Vorsehung mit seinem Leiden hat, aber darauf vertraut, dass die Wahrheit siegen werde. Das Schreiben von Tagebüchern sei für ihn therapeutisch gewesen, diese Tagebücher hat der Kardinal nun veröffentlicht.

Er gibt zu, dass er gezögert habe nach Rom zurückzukehren, weil er sich in Australien in seinem Haus mit Garten und mit seinen Freunden schon eingelebt habe. Schließlich wollte er aber auch durch die Rückkehr seine Unschuld noch einmal bekräftigen. Pell begrüßt ausdrücklich die Initiativen seines Nachfolgers im vatikanischen Wirtschaftssekretariat [Anm.: das ist der spanische Jesuit Juan Antonio Guerrero Alves], auch er habe schon auf die professionelle Verwaltung und Kontrolle der vatikanischen Investitionen gedrängt, um ein Abgleiten in eine „Schattenwelt“ zu verhindern. Nunmehr sei die angedachte Einsetzung eines Investitionskomitees ein Schritt in die richtige Richtung. Ob es einen Zusammenhang zwischen seiner Rolle als Aufdecker bei den Vatikanfinanzen und den gegen ihn erhobenen Vorwürfen gebe? Hier bleibt Pell zurückhaltend und abwartend: es gebe keine Beweise, aber er habe von kriminellen Stimmen gehört, die über den Prozess gegen ihn und den damit verbundenen Abgang nach Australien froh gewesen seien.

In der Zukunft habe er vor zu schreiben, Vorträge zu halten, das kirchliche Leben weiterzuverfolgen und sich auf einen guten Tod vorzubereiten. Seinen Sinn für Humor hat der Kardinal nicht verloren.

 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 Federico R. 19. Jänner 2021 
 

@Arnulf, Grazie mille für Ihren hervorragenden Kommentar.

Fall Sie, was ich fast vermuten möchte, ein erfahrener Säkular-Jurist sind, dann sind/waren Sie sicherlich ein besonders guter. An den Vorwürfen – das war mir von Anfang an klar – war sogut wie alles an den Haaren herbeigezogen, nichts war glaubhaft. Eine Schande für diesen – möglicherweise sogar käuflichen – Teil der australischen Justiz.


9

0
 
 Chris2 19. Jänner 2021 
 

Die Wahrheit kommt früher oder später ans Licht

Spätestens beim persönlichen Gericht wird alles offenbar werden und bei denen auf der "Dunklen Seite der Macht" wird Heulen und Zähneknischen sein. Mögen alle Hintergründe dieses Skandals ans Licht kommen. Leider berichteten die Medien über den Frwispruch erster Klasse fast nicht, während Prozess und Verurteilung omnipräsent waren. Wie bei der Hetzjagd gegen Präsident Trumps Richterkandidat Brett Kavanaugh mit frei erfundenen Vergewaltigungsvorwürfen einer skrupellosen linken "Aktivistin"...


5

0
 
 Arnulf 19. Jänner 2021 
 

Sündenbock

Es ist gut zu hören, wie auch die positive Seite des Wortes "Sündenbock", nämlich die Bedeutung als willige Annahme stellvertretenden Leidens, zur Sprache kommt. Ich zweifle nicht daran, daß Kardinal Pell in dieser Haltung seinem Herrn und Meister Jesus Christus in der Zeit der ungerechten Verurteilung ähnlicher geworden ist. Im wahren Sinn ein Mann Gottes, ein Jünger und Apostel Jesu Christi. Möge sein Leiden auch seinen Gegnern noch zum Heil sein!
Auch der iuridische Einsatz zur Erlangung der Gerechtigkeit zeigt die Größe dieses Kardinals auf: nicht zunächst um seinetwillen sondern für die Kirche hat er diesen Weg beschritten. Vorbildlich!


15

0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu









Top-15

meist-gelesen

  1. kath.net-PAULUS-Leserreise: Fronleichnam auf Malta - Mit Michael Hesemann und P. Leo Maasburg
  2. Erzbistum Freiburg: „Priesterinnen“ spenden Aschenkreuz
  3. kath.net-Gewinnspiel 2021: Gewinnen Sie jetzt eine REISE nach ROM!
  4. Woelki-Rücktritt wäre Präzedenzfall, folgen dann Rücktritte von Bode, Overbeck, Marx und Bätzing?
  5. Die Aktivistinnen von “Maria 2.0” nerven – Lasst mich einfach katholisch sein!
  6. VERLOGEN!
  7. Zum „Maria 2.0“-Thesenanschlag: Luther ante portas
  8. Benedikt XVI.: „Es gibt keine zwei Päpste. Nur einer ist Papst…“
  9. „Ein Teenie gegen die katholische Kirche“
  10. Bätzing 2.0: Der Kampf geht weiter!
  11. Psychiater und Theologe Manfred Lütz: Versetzung von Missbrauchstätern vor 1990 "fast unvermeidlich"
  12. Das „Forum Deutscher Katholiken“ spricht Kardinal Woelki seine Solidarität aus
  13. Künftiger US-Gesundheitsminister spürt geistlichen Rückenwind zur kompletten Freigabe der Abtreibung
  14. Abt Maximilian Heim: Corona traf Stift Heiligenkreuz schwer
  15. Papst will in Rom sterben - im Amt oder emeritiert

© 2021 kath.net | Impressum | Datenschutz