Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Bischof Heiner Wilmer empfängt Kommunion aus den Händen einer Laiin
  2. Episkopale Arbeitsverweigerung in einem kleinen Video
  3. EWTN-Chefin Maria Montserrat Alvarado wird neue Kommunikationspräfektin
  4. Großbritannien: Blühende Tradi-Franziskaner-Kommunität steht vor der Auflösung
  5. Der synodale Prozess, eine Totgeburt von Anfang an!
  6. Wahrheit ist heilsrelevant
  7. Erbärmlich! Lieber Peter Thiel, die meisten Österreicher sind nicht so!
  8. Polnische Bischofskonferenz bejaht in Positionspapier die Ehe nur „zwischen Mann und Frau“
  9. Ritus, Zeichen und Symbol: Der Weg zum Mysterium
  10. Kardinal Kasper warnt deutsche Kirche vor Arroganz: „Beste Methode, sich unbeliebt zu machen“
  11. Papst an Pfadfinder: „Ihr verbindet auf kluge Weise das Buch der Natur mit dem Wort Gottes“
  12. Weltweiter Rosenkranz für den Frieden am 30. Mai mit Papst Leo XIV. – Übertragung aus dem Vatikan
  13. Schönborn: Glaube braucht Tradition und kirchliche Einheit
  14. RTL-Journalistin Liv von Boetticher: „Habe die Bundespolizei zwei Nächte lang auf Streife begleitet“
  15. Die große Kraft der Marienverehrung in der Endzeit

„Ich bin ein Sündenbock gewesen“ - Kardinal Pell analysiert seinen Leidensweg

19. Jänner 2021 in Chronik, 3 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Der ehemalige „Staatsfeind Nummer 1“ Australiens spricht darüber, wie Zuschriften von Gläubigen und der heilige Thomas Morus ihm in der Haft geholfen hätten, und über seine Gedanken zu den berüchtigten Vatikanfinanzen.


Sydney (kath.net/EWTN/mk) „Jedes Leiden kann auf geheimnisvolle Weise zum Guten führen.“ Diese Worte stammen von Kardinal George Pell, der in Australien des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen angeklagt,  zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde und über ein Jahr im Gefängnis verbracht hatte, bis das oberste Gericht ihn vergangenes Jahr kurz vor Ostern freisprach. Bis dahin galt er in Australien als „Staatsfeind Nummer 1“, von vielen gehasst und von manchen wüst beschimpft. In einem Interview gegenüber dem katholischen Fernsehsender EWTN sprach er unlängst in seiner Wohnung in Rom im Rückblick über seine leidvollen letzten Jahre.

Er habe von Anfang an auf die Absurdität der Vorwürfe gegen ihn hingewiesen. Jeder, der die Situation in einer Kathedrale sonntags nach der Messe mit zahlreichen Kirchgängern, Chorsängern und Ministranten kenne, werde zur Gewissheit kommen, dass ein Missbrauch von Jugendlichen zu einem solchen Zeitpunkt nicht unbemerkt möglich sei. Sogar einige seiner Gegner seien sich seiner Schuld nicht sicher gewesen, hätten aber gesagt: „Auch wenn er unschuldig ist, verdient er Bestrafung für die Verfehlungen der Kirche.“ Er sei also ein Sündenbock gewesen. Pell betont, dass die Kirche sich den beschämenden Tatsachen des Missbrauch stellen müsse; die dadurch enttäuschten Gläubigen lädt Pell ein, nicht nur auf die reißerischen Negativschlagzeilen zu blicken, sondern das Werk der Kirche für die Menschen als Ganzes in den Blick zu nehmen und auf das zu schauen, was Christus gesagt hat.


Wie er seine Zeit im Gefängnis erlebt habe? Er habe eine große Machtlosigkeit gespürt, die Verurteilung sei zunächst ein riesiger Schock gewesen. Der Kardinal erzählt weiter, er habe dann Briefe von Leuten bekommen, die ihm geschrieben hätten, sie würden ihr Leiden für ihn aufopfern. Das habe ihm geholfen, auch selbst zu erkennen, dass EIN Urteil über allen stehe, dass der irdische Ruf nicht das Wichtigste sei und dass jedes Leiden auf geheimnisvolle Weise zum Guten führen könne. Ihm sei auch bewusst geworden, dass er es der Kirche schuldig sei, sich nicht mit dem ungerechten Urteil abzufinden, sondern in Berufung zu gehen. Dabei erinnert sich Pell an den heiligen Märtyrer Thomas Morus, einen englischen Anwalt, der sich vehement gegen die wider ihn erhobenen Vorwürfe verteidigt hat. Pell meint, er habe zwar nicht gewusst, welchen Plan die göttliche Vorsehung mit seinem Leiden hat, aber darauf vertraut, dass die Wahrheit siegen werde. Das Schreiben von Tagebüchern sei für ihn therapeutisch gewesen, diese Tagebücher hat der Kardinal nun veröffentlicht.

Er gibt zu, dass er gezögert habe nach Rom zurückzukehren, weil er sich in Australien in seinem Haus mit Garten und mit seinen Freunden schon eingelebt habe. Schließlich wollte er aber auch durch die Rückkehr seine Unschuld noch einmal bekräftigen. Pell begrüßt ausdrücklich die Initiativen seines Nachfolgers im vatikanischen Wirtschaftssekretariat [Anm.: das ist der spanische Jesuit Juan Antonio Guerrero Alves], auch er habe schon auf die professionelle Verwaltung und Kontrolle der vatikanischen Investitionen gedrängt, um ein Abgleiten in eine „Schattenwelt“ zu verhindern. Nunmehr sei die angedachte Einsetzung eines Investitionskomitees ein Schritt in die richtige Richtung. Ob es einen Zusammenhang zwischen seiner Rolle als Aufdecker bei den Vatikanfinanzen und den gegen ihn erhobenen Vorwürfen gebe? Hier bleibt Pell zurückhaltend und abwartend: es gebe keine Beweise, aber er habe von kriminellen Stimmen gehört, die über den Prozess gegen ihn und den damit verbundenen Abgang nach Australien froh gewesen seien.

In der Zukunft habe er vor zu schreiben, Vorträge zu halten, das kirchliche Leben weiterzuverfolgen und sich auf einen guten Tod vorzubereiten. Seinen Sinn für Humor hat der Kardinal nicht verloren.

 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz - ANMELDUNG noch bis 22. JUNI!
  2. Episkopale Arbeitsverweigerung in einem kleinen Video
  3. Bischof Heiner Wilmer empfängt Kommunion aus den Händen einer Laiin
  4. Weltweiter Rosenkranz für den Frieden am 30. Mai mit Papst Leo XIV. – Übertragung aus dem Vatikan
  5. Der synodale Prozess, eine Totgeburt von Anfang an!
  6. Großbritannien: Blühende Tradi-Franziskaner-Kommunität steht vor der Auflösung
  7. Er starb, weil er die Ehe verteidigte
  8. Martin Mosebach: ‚Die Nichtnagetiere betreten das sinkende Schiff‘
  9. EWTN-Chefin Maria Montserrat Alvarado wird neue Kommunikationspräfektin
  10. Kardinal Kasper warnt deutsche Kirche vor Arroganz: „Beste Methode, sich unbeliebt zu machen“
  11. RTL-Journalistin Liv von Boetticher: „Habe die Bundespolizei zwei Nächte lang auf Streife begleitet“
  12. Abtreibung mit Holocaust verglichen? Geistlicher vom Religionsunterricht freigestellt
  13. Erbärmlich! Lieber Peter Thiel, die meisten Österreicher sind nicht so!
  14. Das brennende Herz des heiligen Philipp Neri: Ein wissenschaftlich dokumentiertes Pfingstwunder
  15. Rekordbeteiligung bei traditioneller Wallfahrt nach Chartres - Mehr als 20.000 Teilnehmer

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz