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Die Kirche in der Krise ihrer Glaubwürdigkeit

17. Juni 2020 in Jugend, 11 Lesermeinungen
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Es wundert mich gar nicht mehr, wenn Außenstehende die Kirche nicht mehr verstehen. Uns selber fällt es immer schwieriger. Eine Aktion zu Fronleinam in der Erzdiözese München zeigt, was damit gemeint ist. Jugendkolumne von Viktoria Samp


München (kath.net)

Es wundert mich gar nicht mehr, wenn Außenstehende die Kirche nicht mehr verstehen. Uns selber fällt es immer schwieriger. Eine Aktion zum Hochfest des Leibes und Blutes Christi zeigt auf symbolische Weise, was ich hiermit meine.

Der Pfarrverband Oberschleissheim im Erzbistum München und Freising hat mit einer Aktion zum Fronleichnam für große Aufmerksamkeit gesorgt, indem zwei Pastoralreferenten die Monstranz mit Hostie an unterschiedlichen Orten des Alltags fotografierten. Ob die Hostie konsekriert war oder nicht, erfahren wir auf der Seite des Pfarrverbandes nicht. Die Monstranz wurde auf einem Zebrastreifen fotografiert, auf dem Spielplatz, in einem Fußballtor, im Friseursalon, auf einem Beifahrersitz, unter Pokalen, auf einem Geldautomaten, auf einer Baustelle, einer Fontäne, auf einer Parkbank und auch balancierend auf einem Klettergerüst aus Seilen. Jedes Foto ist versehen mit einem Kommentar, der die Situation beschreibt und auf Christi Rolle in unserem Alltag hinweist. Beispielsweise heißt es bei dem Fußballtor: „Geisterspiele – Ein schönes Bier einschenken und das “Aktuelle Sportstudio” anschauen, mitfiebern und sich über die Erfolge der Mannschaft freuen – das gab es seit Beginn der Corona-Krise nicht mehr. Aber jetzt dürfen sie ja wieder spielen, die Bundesliga-Vereine, wenn auch nur vor leeren Rängen. Geisterspiele eben, ohne Zuschauer. Einer schaut doch immer zu und freut sich, wenn etwas gelingt“.


 

Die Intention dieser Aktion ist in ihrem Titel enthalten: „Gott – mitten in der Welt“. Sicherlich war es eine gute Intention, zu zeigen, dass Gott mitten unter uns ist und uns im Alltag begegnet, doch die Reaktionen auf die Fotos zeigen, dass die Art der Darstellung sehr kontrovers ist: Vom Vorwurf der Provokation, über die Bezeichnung als „blasphemische Idee“ bis hin zu lobenden Worten, ist alles enthalten. Das Projekt hat jedenfalls dazu angeregt, darüber nachzudenken, wie wir mit dem Allerheiligsten umgehen. Selbst, wenn die zu diesem Zwecke verwendete Hostie nicht konsekriert gewesen ist, so hat man doch dies zeigen wollen: dass das Allerheiligste nicht nur auf den Altar gehört, sondern auch in Orte des alltäglichen Lebens.

 

An Fronleichnam feiern wir die leibliche Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie. Wir möchten die Heiligkeit des eucharistischen Brotes zum Ausdruck bringen, denn in ihm verehren wir Christus. Deswegen fallen wir bei der Anbetung oder bei der Wandlung auf die Knie und auch deswegen dürfen nur geweihte Priesterhände oder Diakone die Monstranz mit der Eucharistie in die Hand nehmen. Bei Prozessionen wird noch ein Velum und ein Baldachin verwendet, um der Eucharistie die Ehre zu erweisen.

 

Nun nahmen zwei Pastoralreferenten die Monstranz mit auf Tour, um ihr ein Fotoshooting zu bereiten. Bei dem Anblick der Fotos fällt es mir schwer, nachzuvollziehen, wie Außenstehende uns Katholiken verstehen sollen. Dieselben Katholiken, die kniend das Allerheiligste anbeten und Ihm an Fronleichnam in einer würdigen Prozession mit Blumenteppichen, Glockengeläut, Baldachin und Velum folgen, gehen jetzt mit der Monstranz wie mit einem Fotomodell um. Der ganze Prunk fällt weg, heilig scheint hier nichts mehr zu sein. Wie sollen uns Kirchenferne noch verstehen? Selbst Gläubige fangen an, an der Kirche, ihren Geboten, ihren Priestern, der Lehre, ja, im Endeffekt auch an der wahrhaftigen Präsenz Christi in der Eucharistie zu zweifeln. Wenn selbst Angestellte unserer Kirche Aktionen veranstalten, die zeigen, dass unsere Rituale nichts mehr bedeuten, wo erlangen wir dann noch Glaubwürdigkeit?

 

Gott braucht keine Inszenierung. Er allein reicht und wir Menschen sind nicht im Stande, Ihn heiliger zu machen als Er es schon ist. Gott braucht nur unseren demütigen Glauben und unser Glaubenszeugnis. Bei Ausbruch eines Virus schließen wir die Kirchen (bzw. lassen dies kommentarlos zu), gleichzeitig lesen wir das Evangelium von wunderbaren Heilungen und sprechen von der Realpräsenz Christi in der Eucharistie. An Fronleichnam veranstalten wir aus Sicherheitsgründen keine Prozessionen, aber zeigen, dass Gott mitten unter uns sein möchte. Ja, Gott möchte tatsächlich mitten unter uns sein. Aber möchten wir tatsächlich zu Ihm gehen, Ihn unter uns lassen und Ihn zu den Menschen bringen?


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