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Kardinal Müller würdigt NS-Widerstandskämpfer Bonhoeffer9. April 2020 in Chronik, 4 Lesermeinungen Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Kurienkardinal über vor 75 Jahren hingerichteten evangelischen Geistlichen und NS-Widerstandskämpfer: "Bis heute Vorbild der Menschlichkeit aus dem Geist Christi"
Bonn (kath.net/KAP) Der vatikanische Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller hat den vor 75 Jahren hingerichteten evangelischen Geistlichen und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer als bedeutenden Theologen und "Märtyrer der ganzen Christenheit" gewürdigt. Auch heute sei er als "Vorbild der Menschlichkeit aus dem Geist Christi" präsent, erklärte der frühere Präfekt der Glaubenskongregation auf Anfrage der Nachrichtenagentur Kathpress am Dienstag in Rom. Bonhoeffer war als Vertreter der Bekennenden Kirche am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet worden. Kardinal Müller schrieb seine Dissertation über Bonhoeffer.
Zur ökumenischen Bedeutung Bonhoeffers sagte Müller, unter der "antichristlichen Verfolgung" der Kirche durch den Nationalsozialismus hätten katholische und evangelische Laien und Geistliche im Zeugnis der Wahrheit und der im Glauben begründeten Menschenwürde zusammengefunden. Wie Bonhoeffer in der katholischen Kirche, würden umgekehrt auch in den evangelischen Kirchen katholische Märtyrer geehrt. Müller nannte als Beispiele Bernhard Lichtenberg (1875-1943), Alfred Delp (1907-1945) und Franz Jägerstätter (1907-1943).
Auf die Frage nach einer Botschaft Bonhoeffers für Europa heute antwortete Müller, Bonhoeffer komme ins Spiel, wenn die Demokratie durch unmenschliche Ideologien, nationale Egoismen, imperialistische Pläne oder die Aushöhlung der Justiz gefährdet werde. Eine Indienstnahme Bonhoeffers gegen einzelne Regierungen lehnte der Kardinal jedoch ab.
Es habe lange gedauert, bis man in Kirche und Gesellschaft Bonhoeffer "als Märtyrer Christi und seiner Kirche anerkannt" habe. Zuvor habe man ihn als ausschließlich politisches Opfer der NS-Diktatur sozusagen "neutralisieren" wollen.
Bonhoeffer habe sich gegen Übergriffe des Staates auf die Kirche zur Wehr gesetzt, so Müller. In dem Zusammenhang warnte der Kardinal vor einer "Gesinnungsdiktatur", die sich in Europa zu etablieren beginne. So werde wegen Diskriminierung Homosexueller bestraft, wer für die Ehe zwischen Mann und Frau eintrete. Andererseits dürfe man "die Geistlichkeit insgesamt als Kinderschänderbande kollektiv diskriminieren, wenn eine Einzelperson sich gegen die kirchliche Moral versündigt und gegen das Strafgesetz verstoßen hat", so Müllers Vorwurf.
Bonhoeffer habe sein geistliches Amt nicht benutzt, um Parteipolitik zu machen, betonte der Kardinal. Die Kirche sei "ihrer Natur nach kein Staat, aber auch kein Staat im Staat". Ihr Kampf im Dritten Reich habe sich gegen "moralisch total entwurzelte Jahrtausendverbrecher" gerichtet, die "aus dem Schlund der Hölle emporgestiegen" seien, so Müller. "Wo das Böse alle unsere menschliche Fassungskraft übersteigt, beginnt das Reich des Teufels. Dagegen ist Dietrich Bonhoeffer in unserem christlichen Gedächtnis gegenwärtig als Vorbild der Menschlichkeit aus dem Geist Christi."
Dietrich Bonhoeffer - Ein Porträt. Produziert von Schülern der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule Neustadt

Copyright 2020 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
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Lesermeinungen| | Chris2 9. April 2020 | | | | "Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag"
Dietrich Bonhoeffer
Die in Gestapo-Haft, wenige Monate vor seiner Hinrichtung, entstandenen Zeilen sind ebenso erschütternd wie hoffnungsfroh, da sie die Gewissheit ausdrücken, dass keine Macht dieser Welt und der Unterwelt Gott besiegen können. "Denn wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen." |  1
| | | | | hemi 9. April 2020 | | | | bekennende Kirche Die offizielle ev.Kirche, besonders die "Deutschen Christen" haben viel Schande über "die Kirche" gebracht, durch ihren Schulterschluss mit den Nazis, denn das wird von den säkulären Menschen überhaupt nicht differenziert. So kann man dankbar sein für die bekennende Kirche. Dankbar auch, dass wir heute nicht über "Tyrannenmord" nachdenken müssen. Ich bin auch dankbar für GL 430 "Von guten Mächten..." von Bonhoeffer |  1
| | | | | lesa 9. April 2020 | |  | Distinguo! (Hl. Thomas Von Aquin) @Stephanus: Ich habe Dietrich Bonhoeffer auch zitiert. Aber ich war auch froh um den Hinweis,, dass Differenzieren angebracht ist, wenn auch viele seiner Aussagen und sein Zeugnis faszinierend und anregend sind. |  2
| | | | | Stephaninus 9. April 2020 | | | | Vor ein paar Tagen wurde ich im Forum noch kritisiert, wie ich denn dazu käme, in einem katholischen Format den Protestanten B. zu zitieren....Nun fühle ich mich von sehr hoher Stelle nachträglich legitimiert ;-) |  6
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