Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:









Top-15

meist-diskutiert

  1. "Wir brauchen eine Debatte über das jüngste Konzil"
  2. Vatikan besorgt über Einbrüche im weltweiten Tourismus
  3. Kontroverse um die "Tagespost"
  4. „Die Grundsatzfrage: Welchen Gott wollen wir?“
  5. Pseudokatholik Joe Biden wählt Katholikenhasserin als Vize-Kandidatin
  6. Kolumnistin: Abtreibung, um im Urlaub Bikini-Figur zu haben, ist völlig berechtigt
  7. Evangelischer Landesbischof Ralf Meister behauptet: "Der Mensch hat ein Recht auf Selbsttötung"
  8. Corona: Ethikerin appelliert zu mehr Spielraum für Pflegeheime
  9. Ich glaube an … Engel?
  10. Kamala Harris - gekauft von der Abtreibungsindustrie
  11. Unser Bischof hat sich nur einseitig informiert!
  12. „Penis-Brunnen“ vor katholischer Kirche
  13. Papst fordert Abschaffung der Atomwaffen
  14. Parteizeitung: Peking und Vatikan werden Abkommen erneuern
  15. Benedikt XVI. und Franziskus haben offenbar dasselbe Grab gewählt

Das Heim

24. November 2019 in Jugend, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


"Alte Feindschaften sollten hier bedeutungslos sein? Und das Gelaber von Versöhnung? Absoluter Schwachsinn! Niemals würde er sich mit Rodrigo versöhnen." Fortsetzungsroman von Veronika Grohsebner


Wien (kath.net/YOU!Magazin Fortsetzungsroman) „… Frühstück, Mittagessen und Abendessen gibt’s zu fixen Zeiten im großen Speisesaal. Falls du dazwischen Hunger hast, findest du dort auch immer was. Mittags und abends essen wir gemeinsam mit den Mädels, zum Frühstück sind wir jeweils unter uns. Mädels und Jungs haben eigene Wohnbereiche, die sind streng voneinander getrennt, da gibt’s keine Kompromisse. Aber wir haben auch Gemeinschaftsräume für alle.“

Der sechzehnjährige Alex, ein langer und schlaksiger Latino, führte Pepito durchs Haus. Er war dem Neuling als „Buddy“ zugeteilt und würde sich in der Eingewöhnungsphase um ihn kümmern. Alex bemerkte, dass Pepito sich nah an der Wand entlang bewegte, sein Blick schweifte unentwegt wachsam umher. Er war auf der Hut vor möglichen Angriffen. So verhielten sich fast alle, die neu hier ankamen. Alex ging vorerst nicht darauf ein. Pepito würde ohnehin bald mitbekommen, dass es hier anders ablief als auf der Straße oder im Knast.

Ein paar afroamerikanische Burschen kamen ihnen im Korridor entgegen, sie unterhielten sich miteinander und beachteten die beiden kaum. Einer aus der Gruppe blickte beiläufig zu ihnen hin, da ging es wie Erschrecken über sein Gesicht.

Pepito blieb abrupt stehen. „Ken! Endlich krieg ich dich!“, stieß er hervor. Schon wollte er sich auf den Burschen stürzen, doch da packte ihn Alex bei den Schultern und drückte ihn fest an die Wand. Den anderen Heimbewohnern rief er zu: „Geht weiter. Ich regle das.“

„Lass mich los“, zischte Pepito. „Ken ist von der 40th. Er schuldet mir was. Das zahl ich ihm heim!“

„Komm wieder runter. Hier laufen die Dinge anders. Father Alan hat dir die Regeln schon erklärt: Gangzugehörigkeiten spielen keine Rolle. Was draußen passiert ist, hat keine Bedeutung. Alte Feindschaften gelten nicht. Das Heim ist eine neutrale Zone. Hältst du dich nicht daran, musst du weg von hier und du kommst in den Knast. Willst du das?“


Pepito starrte ihm wütend in die Augen, doch Alex ließ sich nicht seinerseits zum Zorn reizen und erwiderte den Blick mit ruhiger Festigkeit. Schließlich knurrte Pepito: „Na gut. Ich hab’s verstanden. Kannst mich loslassen.“

Schweigend gingen sie weiter. Nach ein paar Minuten fragte Pepito: „Funktioniert das wirklich? Die neutrale Zone?“

„Meistens, ja. Es dauert eine Weile, bis man sich daran gewöhnt hat. Zwei, drei Wochen. Dann wird’s selbstverständlich. Mehr noch. Mein bester Kumpel hier ist ursprünglich aus einer verfeindeten Gang.“ Alex grinste. „Das hätte ich mir draußen nie und nimmer vorstellen können. Lieber hätte ich mir selber eine Hand abgehackt. Aber hier im Heim ist der ganze Mist wirklich nicht mehr wichtig.“

Pepito schnaubte spöttisch. „Hier drin gibt’s also nie Zoff? Das kauf ich dir nicht ab.“

Da musste Alex lachen. „Natürlich streiten wir auch. Father Alan sieht das recht gelassen. Der meint, das gehört zum Leben dazu. Wir müssen lernen, mit Konflikten umzugehen. Versöhnung ist das Stichwort.“

„Versöhnung? Blödsinn!“, bemerkte Pepito verächtlich. „Das passt nur für Schwächlinge.“

Alex warf ihm von der Seite her einen amüsierten Blick zu. „Meinst du? Es ist genau das Gegenteil. Wirst schon draufkommen.“

Schließlich erreichten sie den dritten Stock, der Korridor wirkte hell und freundlich. Alex führte den Neuen zur zweiten Tür auf der rechten Seite. „So, da wohnst du jetzt.“

Pepito hatte einen Schlafsaal erwartet. Stattdessen lag hinter der Tür eine kleine Wohneinheit. Es gab einen Vorraum mit Garderobe, eine Tür rechts führte in ein Badezimmer und gegenüber der Eingangstür lagen zwei Einzelzimmer.

„Dir gehört das rechte Zimmer, das meine ist daneben“, verkündete Alex und öffnete die Tür zu Pepitos Zimmer. Darin stand ein Bett, davor ein schmaler Holzschrank. An der Wand über dem Bett waren Regale angebracht. Beim Fenster befand sich ein Schreibtisch mit einem Stuhl, in der Ecke daneben ein bequemer Sessel samt einer einfachen Stehlampe.

„Ich lass dich jetzt eine Weile allein. Wenn du was brauchst oder irgendeine Frage hast, dann komm zu mir hinüber.“ Alex ging hinaus und schloss die Tür hinter sich.

Pepito sah sich näher um. Das Zimmer war kaum größer als eine Einzelzelle im Knast, bot jedoch willkommene Privatsphäre. Die Möbelstücke wirkten gebraucht, sahen aber sauber und gepflegt aus. Das Bett war frisch überzogen und auf dem Polster lag sogar ein kleiner Willkommensgruß: ein Schokoriegel. Der Kontrast zu dem Abbruchhaus ohne Elektrizität und Fließwasser, wo er in den letzten Monaten gehaust hatte, konnte kaum größer sein. So übel war es hier ja gar nicht.

Sein Blick fiel auf die tätowierte Zahl 68 auf der rechten Hand, und es gab ihm einen Stich. Alte Feindschaften sollten hier bedeutungslos sein? Und das Gelaber von Versöhnung? Absoluter Schwachsinn! Niemals würde er sich mit Rodrigo versöhnen.

Aber noch war der Zeitpunkt für Vergeltung nicht gekommen. Und wenn Pepito eines im Leben gelernt hatte, dann war es das: Gutes war nie von langer Dauer. Zumindest für den Moment konnte er den Luxus, der ihm so unerwartet zugefallen war, voll auskosten.

Pepito packte den Rucksack aus. Als seine wenigen Habseligkeiten am Bett lagen, fiel es ihm plötzlich auf. Hastig durchwühlte er alles und drehte den Rucksack dreimal um. Verdammt! In der Hektik musste er vergessen haben, es einzustecken! Er musste so bald wie möglich zurück!

© 2019 Veronika Grohsebner

Der Fortsetzungsroman von Veronika Grohsebner erscheint ursprünglich regelmäßig im YOU!Magazin, dem katholischen Jugendmagazin. Ein Probeexemplar erhältlich unter YOU!Magazin Fortsetzungsroman.

Veronika Grohsebner ist katholische Jugendbuchautorin, Familienmutter und lebt in Wien. Weitere Informationen auch auf ihrer Facebookseite, siehe Link.

kath.net-Buchtipp
Die Verschwörung
Benjamin Coleman 2
Von Veronika Grohsebner
Taschenbuch
297 Seiten; ab 14 Jahre
2018 Grohsebner, Veronika
ISBN 978-3-200-05792-0
Preis Österreich: 16.40 EUR

Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:

Link zum kathShop

Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus, Linz:
Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland: [email protected]

Buchhandlung Provini Berther GmbH, Chur:
Für Bestellungen aus der Schweiz/Liechtenstein: [email protected]

Alle Bücher und Medien können direkt bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus (Auslieferung Österreich und Deutschland) und der Provini Buchhandlung (Auslieferung Schweiz und Lichtenstein) bestellt werden. Es werden die anteiligen Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den jeweiligen Ländern (A, D, CH) aufgegeben, dadurch entstehen nur Inlandsportokosten.

Bild oben: Ausschnitt aus dem Titelblatt von Grohsebner/Verschwörung


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Glaube

  1. Bauchredner Gottes – Patrick Roths Inspiration aus Hollywood
  2. Twitter zensuriert christliches Video von Tim Tebow
  3. Tim Tebow würdigt christlichen Prediger Ravi Zacharias
  4. Vertrauen in den „Ich-bin-da!“
  5. Ein Leben für den Glauben und die Wissenschaft
  6. Beten im Dialekt?
  7. „Wir Christen können nicht ohne Christus leben!“
  8. Italiens Premier Conte findet in der Krise Halt im Gebet
  9. Gottvertrauen in Zeiten der Krise
  10. Benedikt XVI.: Hoffnung besteht in der Begegnung mit Gott








Top-15

meist-gelesen

  1. Kontroverse um die "Tagespost"
  2. Sommerspende für kath.net - Eine Bitte an Ihre Großzügigkeit
  3. Pseudokatholik Joe Biden wählt Katholikenhasserin als Vize-Kandidatin
  4. Benedikt XVI. und Franziskus haben offenbar dasselbe Grab gewählt
  5. "Wir brauchen eine Debatte über das jüngste Konzil"
  6. Unser Bischof hat sich nur einseitig informiert!
  7. „Penis-Brunnen“ vor katholischer Kirche
  8. Kolumnistin: Abtreibung, um im Urlaub Bikini-Figur zu haben, ist völlig berechtigt
  9. „Die Grundsatzfrage: Welchen Gott wollen wir?“
  10. LEHRMÄSSIGE NOTE zur Abänderung der sakramentalen Formel der Taufe
  11. Kamala Harris - gekauft von der Abtreibungsindustrie
  12. Hartl: „Schau in den Spiegel. Du siehst den Menschen, der für Dein Leben verantwortlich ist“
  13. Benedikt XVI. auf dem Weg der Besserung
  14. Evangelischer Landesbischof Ralf Meister behauptet: "Der Mensch hat ein Recht auf Selbsttötung"
  15. Vatikan besorgt über Einbrüche im weltweiten Tourismus

© 2020 kath.net | Impressum | Datenschutz