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Ägypten: Christen zweifeln nicht an Wiederwahl al-Sisis

25. März 2018 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Jesuit Boulad: Amtierender Präsident "zwar nicht der ideale Kandidat, aber derzeit die beste Option" - Menschenrechtsorganisation IGFM: Christen in Ägypten "zwischen allen Stühlen"


Kairo (kath.net/KAP) In Ägypten finden ab kommenden Montag Präsidentschaftswahlen statt. An der zu erwartenden Bestätigung von Staatschef Abdel Fattah al-Sisi im Amt gibt es auch unter den Christen im Land kaum Zweifel, zumal es mit dem politischen "No-Name" Moussa Mustafa Mussa nur einen Gegenkandidaten gibt. Al-Sisi werde die dreitägige Wahl gewinnen, prognostizierte etwa der bekannte Jesuitenpater Henri Boulad; auch etliche christliche Wähler würden dem früheren Geheimdienst- und Militärchef ihre Stimme geben. "Es gibt keine Alternativen. Der General ist zwar nicht der ideale Kandidat, aber derzeit die beste Option", sagte Boulad dem römischen Pressedienst "Fides".

Viele Wähler, Christen allen voran, betrachteten al-Sisi als die einzige Möglichkeit zur Verhinderung einer Rückkehr der islamistischen Muslimbrüder an die Macht, so Boulad. Ein Sieg des Amtsinhabers sei sowohl wegen des Mangels an Konkurrenten als auch deshalb wahrscheinlich, weil er immer noch als Bollwerk gegen den islamistischen Extremismus wahrgenommen wird, schilderte auch der Franziskanerpater Mamdouh Chehab gegenüber "Fides". Zahlreiche Bürger stünden noch unter dem Schock der Erfahrung von 2013 mit der Regierung der Muslimbruderschaft und "unterstützen sicherlich weitgehend den derzeitigen Präsidenten", analysierte der Apostolische Nuntius in Ägypten, Erzbischof Bruno Musaro, in einem Vatican-News-Interview mit Blick auf die Wahl.


Nach dem Sturz von Ägyptens Langzeit-Diktator Hosni Mubarak 2011 war die Lage für die christlichen Kopten unter der Herrschaft der Muslimbruderschaft zunehmend prekär geworden. Es gab vermehrt Übergriffe von Muslimen auf koptische Einrichtungen. Al-Sisi übernahm in Folge eines Militärputschs 2013 die Macht, im Jahr darauf wurde er zum Staatspräsidenten gewählt.

Kopten geben keine Wahlempfehlung ab

Man sei heute von dschihadistischen Extremisten gefährdet, unter der Herrschaft al-Sisis habe sich die Lage der Kopten aber verbessert, versicherte Bischof Daniel, Stellvertreter des koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II., vor wenigen Tagen der "Austria Presse Agentur" (APA) in einem Interview in Kairo. "Wir haben gute Beziehungen zum ägyptischen Staat", wurde er zitiert. Eine Wahlempfehlung für al-Sisi werde die koptische Kirche aber dennoch nicht abgeben. Das müsse jeder für sich entscheiden. "Wir rufen nur dazu auf, an der Wahl teilzunehmen."

Ägyptens Kirchen sind seit Jahren immer wieder Ziel blutiger Anschläge durch Islamisten. Zu Weihnachten 2016 starben 28 Menschen bei einem Sprengstoffanschlag in einem Nebenraum der koptischen Markus-Kathedrale von Kairo. Im Frühjahr 2017 wurden bei Terroranschlägen am Palmsonntag auf die Markus-Kathedrale in Alexandria sowie auf die Georgs-Kirche in Tanta 45 Menschen getötet. Kurz darauf töteten islamistische Terroristen bei einem weiteren Angriff auf einen mit koptischen Christen besetzen Bus nahe der Stadt Al-Minya mehr als 20 Menschen. Staatschef Al-Sisi ließ in der Folge die christlichen Gotteshäuser streng bewachen. Regelmäßig ist der muslimische Präsident demonstrativ bei den koptischen Gottesdiensten zu Gast.

NGO: Schlimmer als unter Mubarak

Menschenrechtsorganisationen wie die deutsche Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) kritisieren dennoch, dass al-Sisi in Ägypten die "systematische Diskriminierung und Bedrohung" von Minderheiten durch den Islamismus ignoriere. Zudem sei das Land "inzwischen eine Diktatur, die noch willkürlicher und grausamer" sei als jene Hosni Mubaraks. Auch die Kopten würden in Ägypten "staatlich diskriminiert und gesellschaftlich an den Rand gedrängt" und lebten "in ständiger Sorge vor Übergriffen und Mordanschlägen durch Islamisten", so die IGFM.

Auch al-Sisis "viel beachtete symbolische Gesten" gegenüber den Kopten hätte an den Grundproblemen der christlichen Minderheit nichts geändert. Im Bildungssystem, im öffentlichen Sektor und in weiten Teilen der Gesellschaft gebe es eine drückende Diskriminierung und viele Vorbehalte. "Selbst in staatlichen Institutionen wie der weltberühmten al-Azhar Universität können Scharfmacher ungehindert Menschenrechtsverletzungen an Andersgläubigen und Frauen propagieren und das gesellschaftliche Klima weiter vergiften", kritisiert IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

Christen "zwischen allen Stühlen"

Insgesamt säßen die ägyptischen Christen "zwischen allen Stühlen". Viele Kopten würden trotz mancher Enttäuschungen bei der Alternative zwischen einer Diktatur von Generälen und einer islamistischen Diktatur letztlich im Militär "das kleinere Übel" sehen, so die IGFM. Die koptische Minderheit gelte in Ägypten als Stütze der Regierung von Präsident al-Sisi und gleichzeitig als Vertreterin westlicher Werte. Dies mache sie aus Sicht der Extremisten erst recht zu einem lohnenden Ziel.

Unter den überwiegend muslimischen rund 95 Einwohnern Ägyptens leben unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen fünf und zehn Millionen Christen. Der weitaus größte Teil von ihnen gehört der koptisch-orthodoxen Kirche an. Es gibt aber auch rund 200.000 katholisch-koptische Christen.

Copyright 2018 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


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