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Reformation: Theologe kritisiert 'selbstgefälliges' Papsttum

23. März 2017 in Chronik, 5 Lesermeinungen
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Kirchenhistoriker Prügl in Wiener "Sonntag": Von Päpsten "hintertriebenes" Reformkonzil hätte Spaltung verhindern können - Luther nach 1521 mehr und mehr "Randfigur"


Wien (kath.net/KAP) "Das Papsttum war nicht nur Anlass der Reformation, es beschleunigte mit seiner selbstgefälligen und kurzsichtigen Haltung auch deren Verbreitung": Zu dieser kritischen Einschätzung kommt der Wiener Kirchenhistoriker Thomas Prügl in der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag". Die Päpste hätten die Einberufung eines möglicherweise spaltungsverhindernden Konzils - "aus Angst vor Machtverlust" - viel zu lange "hintertrieben"; dort hätten die von Martin Luther aufgeworfenen Streitfragen und angestoßenen Reformen einer Lösung zugeführt werden können, meinte Prügl.

Luther habe "zu keiner Zeit eine Kirchenspaltung oder eine alternative Kirche errichten" wollen. Ihm sei es darum gegangen, Missstände auszumerzen, die sich über viele Jahre eingeschlichen hatten. Als "ärgsten Widersacher des Glaubens" hat Luther nach den Worten Prügls das Papsttum betrachtet, das er gar mit dem "Antichristen" identifiziert habe.


Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seiner Kritikpunkte im Jahre 1517 - der Thesenanschlag an der Schlosskirche in Wittenberg sei dabei historisch nicht gesichert - habe Luther "keinen Generalplan für eine Reformation" gehabt, erklärte der Kirchenhistoriker. Vielmehr sei er "weithin von den Ereignissen getrieben" gewesen und habe bald auch die Regie den Fürsten und städtischen Obrigkeiten überlassen. Diese hätten, als radikale Anhänger der Reformation eigenmächtig Neuerungen des kirchlichen Lebens einführten, die zu Unruhen führten, verbindliche Regeln selbst aufgestellt bzw. von Luther formulieren lassen. "Luther selbst wurde nach 1521 mehr und mehr zu einer Randfigur" der Reformation, sagte Prügl.

Es gab auch katholische Reformer

Befragt nach katholischen Reformkräften dieser Epoche nannte der Wiener Uniprofessor als wichtige Impulse die Ordensgründungen des 16. Jahrhunderts, "allen voran die Jesuiten". Diese seien von der Geschichtsschreibung sehr schnell mit der Gegenreformation und gewaltsamen Rekatholisierungen gleichgesetzt worden. Die positiven Ansätze und Modernisierungen der Jesuiten, die auch andere Orden beeinflussten, seien "lange unbemerkt geblieben".

Aber auch in Rom habe es reformaufgeschlossene Kurienkardinäle wie Gasparo Contarini, Giovanni Morone oder Reginald Pole gegeben, die durch ihre "bemerkenswerten Ansätze" jedoch selbst unter Häresieverdacht gerieten und teilweise Kerkerhaft erdulden mussten, erinnerte Prügl.

Die Statue des hl. Petrus vor dem Petersdom


Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten
Foto: Petrusstatue auf dem Petersplatz (c) kath.net/Petra Lorleberg


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