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'Papst Franziskus ist die höchste moralische Autorität in der Welt'

17. Februar 2017 in Weltkirche, 33 Lesermeinungen
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Kardinal Müller, Präfekt der Glaubenskongregation, im Interview mit der „Rheinischen Post“: Bischofs-, Priester- und Diakonenweihe für Frauen „nicht notwendig und nicht möglich, wie es sich aus diversen Studien auch der Glaubenskongregation“ ergebe.


Vatikan (kath.net/pl) Auf wichtige kirchliche Grundsatzfragen ging Gerhard Kardinal Müller (Foto) im Interview mit der „Rheinischen Post“ ein. Angesprochen auf das Thema des Zugangs zur Weihe für Frauen erläuterte Müller im am Donnerstag veröffentlichten Interview, dass Frauen „für das ganze kirchliche kirchliche Leben“ immer wichtig gewesen seien, von der Erziehung über Bildung und Wissenschaft bis hin zur kirchlichen Verwaltung. Dafür sei allerdings das Weihesakrament „in den Stufen des Bischofs, Priesters und Diakons“ „nicht notwendig und nicht möglich, wie es sich aus diversen Studien auch der Glaubenskongregation“ ergebe.

Das in wenigen Tagen im Herder-Verlag erscheinende Buch des Kurienkardinals, „Der Papst - Sendung und Auftrag“ gab der „Rheinischen Post“ die Vorlage für das Interview, entsprechend gingen die Fragen stark auf das Papstamt ein. Müller erläuterte dazu: „Papst Franziskus ist die höchste moralische Autorität in der Welt. Auch von Atheisten wird er als authentische Leitfigur und als Orientierungspunkt anerkennt.“ Der Präfekt der Glaubenskongregation erläutert zur Unfehlbarkeit des Papstes, dass es „in der Kultur des Relativismus und der Skepsis“ „um die Wahrheitsfrage schlecht bestellt“ sei. Die Unfehlbarkeit sei nur im Zusammenhang verständlich: „Gott hat sich uns Menschen in Jesus Christus offenbart und die Kirche als Instanz dieser Bezeugung mit der Unfehlbarkeit bei der Auslegung des geoffenbarten Glaubens ausgestattet.“ Damit sei „keine menschliche Unfehlbarkeit in intellektuellen und moralischen Themen“ gemeint, sondern dies beschreibe „ein besonderes Charisma, um die Offenbarung wahrheitsgemäß und unverkürzt vermitteln zu können“. Der aus Deutschland stammende Kardinal stellte dazu wörtlich fest: „Wir sollen doch bitte nicht so skeptisch sein gegenüber den Möglichkeiten, die Gott in Bezug auf unser Hören und Verstehen seines Wortes an uns besitzt.“


Da Jesus „nicht die Klügsten, Reichsten und Prominentesten“ zu seinen Aposteln gewählt hat, „sondern einfache Menschen, Handwerker, Fischer“, müsse nach Einschätzung Müllers daran erinnert werden: „Wir hängen eben von der Gnade Gottes ab und nicht von den Leistungen, die wir täglich so erbringen“. Man dürfe „im Papst, in den Bischöfen und Pfarrern“ nicht „Supermenschen“ suchen und sich dann enttäuscht „vom Evangelium und der Kirche abwenden“, wenn „diese überzogenen Erwartungen“ nicht erfüllt würden. Denn „alle“ bedürften der Vergebung. Katholiken „verehren den Papst nicht wegen seiner menschlichen Höchstleistungen, sondern weil ihm von Christus ein besonderer Dienst für die ganze Kirche aufgetragen worden ist“.

Luthers Kritik an der „Kommerzialisierung der Heilsvermittlung“ des damaligen kirchlichen Ablasswesens sei in den damaligen Umständen „sicherlich gerechtfertigt“ gewesen. „Was ich aber nicht anerkenne, ist, dass von diesem Punkt aus das ganze Wesen der Kirche neu definiert worden ist.“ Denn weiterhin bleibe es „falsch“ zu vertreten, „dass die katholische Glaubenslehre zu Amt und Sakrament auf einem Missverständnis des Evangeliums aufbaut.“ In den ökumenischen Gesprächen gehe es heutezutage darum, „die ererbten Probleme so deuten, dass wir so weit wie möglich zusammenwachsen können“, zu versuchen, „die Spannungen über das, was uns dogmatisch und liturgisch trennt, unter Wahrung des jeweiligen Wahrheitsgewissens, abzubauen“. Doch schon jetzt könne man „gemeinsam Zeugnis für Christus und sein Evangelium ablegen“ sowie „in christlichem Geist für das Gemeinwohl tätig“ sein.

Der Streit zwischen den christlichen Konfessionen, so gab Müller außerdem zu überlegen, habe „wesentlich dazu beigetragen, dass eine säkularistische Kultur entstanden ist“.

Einen Deutschlandbesuch des Papstes wollte Müller nicht ausschließen, auch wenn er die aktuellen Entscheidungen des Papstes zum Reiseprogramm nicht kenne. Es gebe aber „andere Staaten, die der Präsenz des Heiligen Vaters dringender bedürfen“. Wenn Franziskus nach Deutschland komme, „können (wir) uns sicherlich freuen“, doch „wenn er vorher zu anderen geht, sollte man das aber nicht gleich als tragisch bezeichnen“. Müller wies gleichzeitig aber darauf hin, dass es von Deutschland aus „sehr leicht“ sei, „nach Rom zu pilgern oder über die Medien seine Botschaften zu hören. Das Wichtigste ist es aber, dass wir dort, wo wir sind, uns nicht nur als Christen verstehen, sondern auch als Christen leben und handeln“, mahnte der Glaubenspräfekt am Ende des Interviews.

kath.net-Buchtipp - Lieferbar ab 20.2.
Der Papst
Sendung und Auftrag
Von Kardinal Gerhard L. Müller
Hardcover, 608 Seiten
2017 Herder, Freiburg
ISBN 978-3-451-37758-7
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Titelblatt der Neuerscheinung:


Archivfoto Kardinal Müller



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