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Lebensqualität vor Gewinnoptimierung - Für den freien Sonntag!

10. Februar 2017 in Kommentar, 2 Lesermeinungen
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Eine völlige Freigabe der Ladenöffnungszeiten, Tag und Nacht, Sonn- und Feiertag, ist sicher nicht zielführend. Gastkommentar der Wiener Landtagsabgeordneten Gudrun Kugler


Wien (kath.net) In Wien diskutiert man die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Tourismuszonen sind in einer Stadt wie Wien sicherlich sinnvoll, wenn sich alle Beteiligten dafür aussprechen. „Die Unternehmerinnen und Unternehmer sollen selbst entscheiden können, ob und wann sie ihr Geschäft aufmachen“, so ÖVP-Wien-Chef Gernot Blümel, „In allen Bundesländern gibt es Tourismuszonen mit der Möglichkeit der Sonntagsöffnung – außer in Wien. Wien will aber Weltstadt sein und ist Ziel vieler (Wochenend)-Touristen.“

Prinzipiell hat Österreich Liberalisierungen dringend nötig. Die Lohnnebenkosten sind so hoch, dass Arbeitsplätze vernichtet oder gar nicht erst geschaffen werden. Eine völlige Freigabe der Ladenöffnungszeiten, Tag und Nacht, Sonn- und Feiertag, ist allerdings sicher nicht zielführend. Denn Arbeitnehmerschutzbestimmungen sowie gemeinsame freie Tage sind eine Errungenschaft für die Menschen und Gesellschaft.

Warum ist der freie Sonntag unverzichtbar? Das sagt die Allianz für den freien Sonntag Österreich:

- Der Sonntag gibt der Woche den Rhythmus. Ohne freien Sonntag wird das Leben takt-los.

- Der Sonntag ist ein Feiertag. Menschen brauchen auch Zeit zum Feiern, denn Feste stiften Sinn und Gemeinschaft.


- Der freie Sonntag ist gesund, Menschen sind seit Jahrtausenden an den Sieben-Tage-Rhythmus gewöhnt.

- Der freie Sonntag gilt für alle. Sonntagsarbeit muss Ausnahme bleiben und darf nicht zur Regel werden.

- Der Sonntag ist Familien- und Beziehungstag. Zunehmende Arbeitsbelastung und flexible Arbeitszeiten machen diesen Tag besonders wichtig. Gemeinsame Freizeit ist ein tief empfundenes Bedürfnis insbesondere von Familien. Auch für die Angestellten im Handel soll gelten: Gemeinschaft statt Kundschaft.

- Der arbeitsfreie Sonntag ist selbstbestimmte Zeit und bremst den Trend, dass immer mehr Lebenszeit zu Arbeits- und Konsumzeit wird.

- Der freie Sonntag garantiert planbare freie Zeit für sich oder mit anderen (Ehrenamt). Diese Zeit muss nicht jedes Mal neu ausgehandelt oder erkämpft werden.

Gegen die vollständige Sonntagsöffnung im Verkauf sprechen unter anderen folgende Argumente:

- Sonntagsöffnungszeiten gehen verstärkt zu Lasten von Alleinerziehenden

- In der ganzen Debatte gibt es kaum Überlegungen, wie denn qualitätsvolle Kinderbetreuung an einem Sonntag zu gewährleisten wäre. Selbst in großen Städten wäre diese eine Herausforderung, die sicherlich meist von Familien selbst gelöst werden müsste.

- Die große Mehrheit der kleinen Gewerbetreibenden (EPUs und KMUs) sind gegen die Sonntagsöffnung.

- Lebensqualität vor Gewinnoptimierung: Gemeinsame Freizeit ist mehr als die Summe von einzelnen Freizeiten. Der Mensch ist ein Gesellschafts- und Gemeinschaftswesen, das auch aus einer gemeinsamen Freizeit enorme Gewinne für die eigene Rekreation ziehen kann.

- Die zunehmende Vereinzelung und Individualisierung der Gesellschaft führt zu mehr Vereinsamung.

- Es geht nicht nur um die Geschäfte. Wenn am Sonntag geöffnet wird, bedeutet das auch Sonntagsarbeit im Bereich Produktion von kurzlebigen bzw. frischen Gütern, im Liefer- und Transportverkehr, sowie Polizei und Zivilkräfte.

- Sonntagsöffnung in Tourismuszonen ist eine Sonntagsöffnung für alle auf Raten. Geschäftsschädigend ist die Sonntagsschließung insbesondere erst dann, wenn in der Nachbarstraße aufgrund einer etwaigen Tourismuszone geöffnet ist.

Zeit für gemeinsame Familienaktivitäten, für Freundschaften oder einfach einmal für sich selbst zu haben, ist Basis für eine menschenfreundliche Gesellschaft und sozialen Zusammenhalt. Schützen wir den Sonntag!

Dr. Gudrun Kugler (Foto), MMF, ist Magister des Rechts und Master der Theologischen Studien und promovierte im Internationalen Strafrecht. Gudrun Kugler betreibt unter anderem die katholische Heiratsvermittlung kathTreff und das Dokumentationsarchiv der Intoleranz gegen Christen in Europa. Außerdem ist sie Lehrbeauftragte am Internationalen Theologischen Institut für Studien zu Ehe und Familie und hat zahlreiche Bücher herausgegeben. Seit November 2015 ist Gudrun Kugler Wiener Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin. Sie gehört der ÖVP an.

ERF: Dr. Gudrun Kugler im Interview: Christ und Politik - geht das?



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