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Franziskus zu Empfängnisverhütung gegen das Zika-Virus

21. Februar 2016 in KNA, 1 Lesermeinung
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Sollen Paare verhüten dürfen, wenn der Zika-Virus den möglichen Nachwuchs bedroht?


Sollen Paare verhüten dürfen, wenn der Zika-Virus den möglichen Nachwuchs bedroht? Für Papst Franziskus scheint das denkbar. Da ist die Frage nach dem Gebrauch von Kondomen zum Schutz vor HIV nicht weit.

Vatikanstadt (KNA) Mit Äußerungen zur Empfängnisverhütung hat Papst Franziskus erneut für Schlagzeilen gesorgt, aber auch für Fragezeichen. Angesichts von Gefahren wie der Zika-Epidemie, die derzeit in Lateinamerika grassiert und bei ungeborenen Kindern zu schwersten Behinderungen führen kann, könne der Gebrauch von Verhütungsmitteln im Sinne des geringeren Schadens «in bestimmten Fällen» erlaubt sein, deutete er bei seiner sogenannten Fliegenden Pressekonferenz auf der Rückreise von Mexiko am Donnerstag an. Die Vermeidung einer Schwangerschaft sei dann - anders als Abtreibung - «kein absolutes Übel».

Ein päpstlicher Freifahrtschein zur Verhinderung behinderten Lebens ist das nicht. Vielmehr spielte Franziskus bewusst darauf an, dass Kinder mit der durch Zika verursachten Mikrozephalie, einer
Kleinwüchsigkeit des Kopfes, nicht nur schwerbehindert sein, sondern nur eine minimale Lebenserwartung haben können, von den Risiken für die Mutter abgesehen.


Zur Erläuterung seiner Position verwies der Papst im Flugzeug auf einen etwas anders gelagerten Fall aus den 1960er Jahren: Während des Kongo-Kriegs hatte Papst Paul VI. (1963-1978) Ordensfrauen, die damals massenhaft vergewaltigt wurden, die prophylaktische Einnahme der Pille als eine legitime Form der Selbstverteidigung gegen verbrecherische Gewalt gestattet. Dies galt später analog auch im
Bosnien-Krieg.

Franziskus' Argumentation wirft Fragen auf - denn die «Kongo-Pille» ist mit der Zika-Abwehr durch Frauen, die schwanger sind oder es werden wollen, nicht in jeder Hinsicht vergleichbar. Schließlich geht es nicht um gewaltsam erzwungenen Sex, sondern eher um Paare, deren Geschlechtsverkehr laut der Pillen-Enzyklia «Humanae vitae» von 1968 prinzipiell offen sein muss für neues Leben. Und es geht um die Bedrohung durch ein Virus.

Deshalb sehen nun manche in den Aussagen von Franziskus eine Sensation. Denn die Parallelen zur jahrzehntelangen Diskussion um das kirchliche Kondomverbot für HIV-Infizierte sind nicht zu übersehen. Zwar kamen aus dem Vatikan auch schon Impulse, betroffenen Paaren eine Verhütung zu erlauben. Auch Vorgänger Papst Benedikt XVI. (2005-2013) dachte in einem 2010 veröffentlichten Interviewbuch darüber nach, die Benutzung von Präservativen könne «im begründeten Einzelfall» zur Vermeidung einer HIV-Ansteckung in Betracht kommen. Lehrmäßig durchsetzen konnten sich solche Überlegungen bislang nicht.

Franziskus blieb in seiner Antwort vage, wie oft bei Fragen zur Ehe- und Sexualmoral. Wieder einmal sprach er nicht als kirchlicher Dogmatiker oder Moraltheologe, sondern als seelsorgender Pragmatiker. Der Mensch, zitiert er immer wieder das Wort Jesu, sei nicht für den Sabbat geschaffen, sondern der Sabbat für den Menschen. Andererseits lobt er die Anti-Verhütungs-Enzyklika «Humanae vitae» auffallend euphorisch und bezeichnete sie wiederholt als prophetisch – freilich nicht im Zusammenhang mit der Kondomfrage und HIV/Aids.

Ohne Zweifel hat Franziskus der kirchlichen Debatte nun neuen Spielraum eröffnet. In einem anderen Punkt unterstrich er während der Pressekonferenz die katholische Lehre drastisch: Abtreibung sei ein absolutes Übel und ein Verbrechen. «Es bedeutet, jemanden zu töten, um einen anderen zu retten. Das ist so wie das, was die Mafia tut.»

(C) 2016 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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Lesermeinungen

 Ebu 22. Februar 2016 
 

Ein schwieriges Thema

Bei allem Verständnis dafür, dass Frauen vermeiden wollen, behinderte Kinder zur Welt zu bringen, so muss doch an eine Tatsche erinnert werden: Auch die Pille hat eine abtreibende Wirkung - nicht nur die Pille danach!
Deshalb ist es möglich, dass auch Ordensfrauen, denen als Schutz vor Vergewaltigung die Pille erlaubt wurde/wird, sich der Abtreibung schuldig gemacht haben.
An diesen und ähnlichen Beispielen, wie jetzt in Bezug auf das Zika-Virus, sehen wir, wie unendlich schwer es für uns Menschen ist, uns wirklich ganz und gar auf Gottes Fügung im Vertrauen einzulassen. Aber urteilen wir nicht, damit auch wir nicht verurteilt werden. Gott ist immer größer!


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