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Einfach mal abhängen - Am Freitag ist der «Tag der Hängematte»

21. Juli 2016 in KNA, keine Lesermeinung
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Einfach mal alle Viere von sich strecken, Fünfe gerade sein lassen und dem süßen Nichtstun frönen.


Sachen gibt's: Am Freitag lassen Freunde des entspannten Baumelns die Hängematte hochleben. Der weltweite Aktionstag ist wie gemacht für heiße Sommertage. Bei Lichte besehen steckt dahinter noch mehr.

Bonn (KNA) Einfach mal alle Viere von sich strecken, Fünfe gerade sein lassen und dem süßen Nichtstun frönen. Auf einer Hängematte, leicht schaukelnd und von der Sonne beschienen, geht nichts leichter als das. Unbekannte haben vor einiger Zeit den 22. Juli zum Tag der Hängematte ausgerufen. Von den USA aus hat sich das Datum inzwischen um die Welt verbreitet - und erobert allmählich seinen Platz im Reigen der wirklich wichtigen und weniger ernsten Aktions- und Gedenktage des internationalen Kalenders.

Einen eigenen Trend gibt es selbstredend auch schon. Beim sogenannten «Hammocking», abgeleitet vom englischen «hammock» für Hängematte, werden leichte, flexible Hängematten überall dort, wo es gerade passt, aufgespannt, um in Gesellschaft oder alleine «abzuhängen». In Mainz findet sogar ein Weltrekordversuch statt, wenn auch nicht am eigentlichen Aktionstag, den die Gemeinde offenbar ganz entspannt vorüberziehen lässt. Im Rahmen der Veranstaltung «Mainzer Sommerlichter» wollen sich am 31. Juli mehr als 250 Menschen in ihren Hängematten entspannen, neudeutsch «chillen», und damit - so der Plan - im Guinness-Buch der Rekorde landen.


Allerdings: Ganz so locker und luftig leicht ging es in der Geschichte der Hängematte nicht immer zu. Als mutmaßlich erster Europäer trat Kolumbus auf seiner Amerikafahrt 1492 mit den transportablen Liegemöbeln in Kontakt. Sie dienten den Indigenen als schnell aufzubauende Schlafstatt, die zudem Schutz vor allerlei kreuchendem und fleuchendem Getier bot. «Betten und Decken, auf denen jene Leute schliefen, sind eine Art Wollnetze», notierte der Mann aus Genua, der im Auftrag der Spanier die «Neue Welt» erreichte, die er zunächst für Indien hielt.

Seefahrer aus aller Herren Länder lernten auf langen Überfahrten rasch die Vorteile der Hängematte schätzen. «Das Schwanken des Schiffs wird durch die Bewegung der Hängematte ausgeglichen; der Matrose rutscht dadurch bei hohem Seegang nicht aus der Hängematte, wie es bei einem Bett der Fall wäre.» Und: «Die Hängematte kann bei Nichtgebrauch platzsparend verstaut werden», fasst die Internet-Enzyklopädie wikipedia die Pluspunkte zusammen.

Von der bei einigen Indigenen üblichen Bezeichnung «hamaka» leitet sich neben dem englischen unter anderem auch der spanische («hamaca») und französische («hamac») Begriff ab. Die Menschen deutscher Zunge sprachen zunächst ebenfalls von «Hamacos» oder «Amakken», wie das «Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache» festhält. «Wegen der eigentümlichen Gestalt dieser Liegestatt» habe sich jedoch im Deutschen wie im Niederländischen im 17. Jahrhundert die «Hengmatten» durchgesetzt.

Eben diese sorgte in der politischen Debatte vor einigen Jahren für Furore. Da war die Rede von der «sozialen Hängematte», in der sich Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger angeblich ausruhten. Sozialverbände und Kirchen wehrten sich gegen solcherart pauschale Verunglimpfungen. So wie Reinhard Marx, seinerzeit Bischof von Trier und heute Erzbischof von München und Freising sowie Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. «Die meisten Menschen wollen etwas tun, ihr Leben gestalten und arbeiten. Aber sie finden nichts, sie haben keine Chance», so Marx im Jahr 2003.

Zwischen Mexiko und Argentinien, ihrer ursprünglichen Heimat, schaukelt das Image der Hängematte zwischen dem eines praktischen Alltagshelfers, eines Symbols für ein Leben in Ursprünglichkeit, aber mitunter auch in Armut, und dem Klischee der glückselig machenden Siesta. Tatsache ist, dass andernorts die Nachfrage rapide steigt. So verdoppelte sich in den USA zwischen 2013 und 2015 der Umsatz von 26 auf 53 Millionen US-Dollar, in europäischen Kinderzimmern galten vor einigen Jahren Baby-Hängematten als der letzte Schrei.

Fair gehandelt, beschert die Liegestatt auch manchen kleinen Produzenten aus Mittel- und Lateinamerika einen zusätzlichen Gewinn. Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche, führt in seinem Internet-Shop das Modell «Orinoco» aus El Salvador im Angebot. Wer jetzt bestellt, kann dann beim nächsten Tag der Hängematte mitschaukeln.

(C) 2016 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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