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'Wer will mit 89 noch Chucks tragen?'

7. Jänner 2016 in Spirituelles, 5 Lesermeinungen
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"Wirst du alt, indem du dein Leben festhältst und hoffst, cool zu bleiben?" Über Vaterwunden und die Angst vor dem Altern sprach Johannes Hartl am Dienstag auf der MEHR-Konferenz. kath.net-Bericht von Petra Knapp-Biermeier.


Augsburg (kath.net/pkb) "Kann es sein, dass unsere Generation so panische Angst hat vor dem Altwerden und Sterben, weil sie nicht weiß, was Fruchtbarkeit ist und was Hingabe ist?" Das fragte Johannes Hartl (Foto) in seinem Vortrag am Dienstagabend auf der MEHR-Konferenz in Augsburg. Der promovierte Theologe und Leiter des Gebetshauses Augsburg sprach über die Vaterwunden unserer Gesellschaft und wie Christen damit umgehen sollten.

"Es ist komisch, dass wir so Angst haben, alt zu werden und uns liften und schminken und mit 89 noch Chucks anhaben", sagte er. "Na klar wirst du alt! Die Frage ist: Wie wirst du alt? Wirst du alt, indem du dein Leben festhältst und hoffst, cool zu bleiben?" Hartl: "Ich will alt werden, indem ich mein Leben hingebe, indem ich mich verschwende für den Herrn und die Menschen! Dann ist es ok, alt zu werden und dann ist es ok zu sterben?" "Echte Liebe ist immer fruchtbar!", sagte der verheiratete Theologe und Vater von vier Kindern. "Der Teufel hasst Fruchtbarkeit, denn er bringt nie Leben hervor!"

Heute bemerke er eine "tiefe Sehnsucht" zum Vater heimzukommen, "gerade in einer Zeit, wo wir genau davon so unglaublich wenig haben!". "Ich habe die Beobachtung gemacht, dass es so viele Männer gibt, die nur große Jungs sind, die nur alt geworden sind, aber nicht reif." Er berichtete von einem Hirnforscher, der verhaltensauffällige Männer und Jungen untersucht habe; seine Schlussfolgerung sei gewesen: Das Beste wäre, wenn diese Jungs einen Vater hätten.

Die tiefsitzende Frage im Menschen sei: "Gibt es ein Zuhause? Gibt es diesen Ort? Gibt es einen Vater?" Wenn jemand dies nicht erlebt habe, entstehe "nicht nur die Überzeugung 'So einen Vater gibt's nicht' sondern eine Härte, die sagt: 'Ich will überhaupt keinen Vater!'", bemerkte Hartl. Dieses "Nein!" ist "ein Verleugnen der Wunde durch Härte". Viele gehen davon aus, das niemand hinter all dem stehe, was es gibt - von der Evolution bis zur Entstehung des Menschen.

Familie werde oft reduziert auf "Biologie". Aber: "Der Mensch ist nicht nur Biologie, sondern stammt davon ab, dass sich im Idealfall zwei Personen lieben und einander schenken", betonte der Gebetshaus-Leiter. Der Frage "Gab es einen, der das wollte?" Hier werde gerne ausgewichen. Jedoch: "Wir sind nicht nur Biologie, wir sind Kinder eines himmlischen Vaters!"
"Menschen sind von Gott so gemacht, dass sie durch Liebe entstehen", unterstrich Hartl. "Wer zeugt, der gibt nicht nur Leben weiter, der gibt Bestimmung weiter, Würde, einen Sitz im Sein." Er frage sich: "Warum haben wir im Westen so wenig Kinder? Vielleicht weil wir selber so wenig vom Vater haben?"

Er selber habe vor einigen Monaten angefangen, für die radikalen Linken zu beten, bekannte er. Seine Frage an Gott war: "Warum sind die so drauf?" Gottes Antworten: "Waisenkinder werden so!" und "Sie spüren deine Verachtung!" Waisenkinder hätten "keine Sicherheit im Sein". Es gebe deswegen heute so eine große Angst, dass jemand gesetzlich oder diskriminierend predigt, "weil wir unglaublich panische Angst vor Ablehnung haben".

"Weißt du, wie du mit Leuten umgehst, die anderer Meinung sind?", richtete sich Hartl an jene, die ihre Werte permanent in Gefahr sehen und zu Recht verteidigen wollen. Gott bitte gerade sie: "Liebe deine Feinde!" Hartl: "Lass uns unser Herz prüfen, wo vielleicht Spuren von Verachtung sind! Das einzige, was Menschen erreicht und verändert, ist Liebe und Annahme."

Auch an der Wurzel des Islam vermutet er die "Angst vor Ablehnung" und die Antwort darauf sei "einzig und allein die Vaterliebe Gottes". Geheilt werde die Vaterwunde, wenn man "adoptiert" werde, von Gott den Geist der Sohnschaft empfange, wie Paulus im Römerbrief schreibt.

"Die besten Väter sind gute Söhne", meinte Hartl. "Echte Väterlichkeit fühlt sich sehr ähnlich an wie echte Sohnschaft." Echte Väterlichkeit kann die Welt verändern, ist der Gebetshaus-Leiter überzeugt: "Wenn wir anfangen, die verschleierte Frau auf der Straße anzuschauen mit den Augen eines Papas, der so Sehnsucht hat, dass all seine Kinder nach Hause kommen, dann können wir nachher auch noch über Politik reden, aber es wird aus einem anderen Herzen heraus passieren, und dieses Herz wird bedeutend mehr mit dem Herz des Vaters zu tun haben."




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Foto oben (c) Gebetshaus Augsburg/Ruth Brozek


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