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Papst erhebt Armenier zum Kirchenlehrer

23. Februar 2015 in Chronik, keine Lesermeinung
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Die katholische Christenheit erhält einen neuen Kirchenlehrer - Beobachtern zufolge könnte die Entscheidung des Papstes zu Gregor von Narek im Kontext des 100. Jahrestags des Armenier-Genozids stehen.


Vatikanstadt (kath.net/KNA) Im Gedenkjahr für die Armenier erhalten die katholischen Christen weltweit einen armenischen Kirchenlehrer. Papst Franziskus bestätigte am Wochenende die Erhebung des heiligen Gregor von Narek zum «Doktor der Universalkirche», wie der Vatikan am Montag mitteilte. Sie werde in Kürze erfolgen. Der armenische Mönch, Mystiker und Schriftsteller wurde 950 im armenischen Andzevatsik im damaligen Königreich Vaspurakan geboren. Er starb um 1005 in Narek. Beide Orte liegen in Ostanatolien in der heutigen Türkei.

Als Kirchenlehrer verehrt die katholische Kirche Heilige, die eine herausragende Bedeutung für die Glaubenslehre haben. Insgesamt gibt es bislang 35 Kirchenlehrer. Aus dem deutschen Sprachraum kommen außer Hildegard von Bingen (1098-1179), Albertus Magnus (um 1200-1280) sowie der Jesuit Petrus Canisius (1521-1597).


Christen gedenken in den kommenden Wochen weltweit des 100. Jahrestags des Armenier-Genozids. Beobachtern zufolge könnte die Entscheidung des Papstes zu Gregor von Narek in diesem Kontext stehen. Im Rahmen der Gedenkfeiern zum Genozid werden die Opfer der 1915 gestarteten Massenmorde im damaligen Osmanischen Reich von der Führung der armenisch-apostolischen Kirche am 24. April in Etschmiadzin heiliggesprochen. Papst Franziskus will am 12. April im Petersdom mit den armenisch-katholischen Bischöfen einen Gedenkgottesdienst im armenischen Ritus feiern.

Gregors Lebenszeit fiel in eine noch ruhige Epoche Armeniens kurz vor den türkischen und mongolischen Invasionen, in dem das Land eine Hochblüte in der Literatur, Malkunst, Architektur und Theologie erfuhr. Gregors Vater Khosrov war später Bischof und Verfasser des ersten Kommentars über die göttliche Liturgie der armenischen Kirche, seine früh verstorbene Mutter Anania Vartabed Äbtissin des Nonnenklosters von Narek.

Wie seine beiden Brüder wurde Gregor schon im frühen Jugendalter Mönch und mit 25 Jahren Priester. Er lehrte an der Klosterschule von Narekavank bei Narek und verfasste bedeutende Schriften über Musik, Astronomie, Geometrie, Mathematik, Literatur und Theologie. Auch Gregors Briefe, liturgische Gesänge, Lieder und Predigten fanden weithin Verbreitung. Viele der von ihm verfassten Gebete haben Eingang in den armenischen Messritus gefunden.

Als Meisterwerk des Mystikers gilt sein Buch der Klagelieder, eine auch als «Narek» bekannte Sammlung von 95 Gebeten, von denen jedes den Titel «Sprechen mit Gott aus der Tiefe des Herzens» trägt. Sie werden bis heute von gläubigen Armeniern gelesen.

(C) 2015 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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