Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Endgültiger Bruch mit Rom droht: Priesterbruderschaft St. Pius X. kündigt Bischofsweihen an
  2. Der Vatikan ist in Kontakt mit der Bruderschaft St. Pius X., um eine Spaltung zu vermeiden
  3. Für alle, die bis jetzt zweifelten: Nun gehen sie wieder ins Schisma!
  4. Bischof Oster legt nach: Grundsatzkritik am (deutsch-)Synodalen Weg
  5. Papst Leo XIV. empfing Katholiken, die mit gleichgeschlechtlicher Neigung keusch leben möchten
  6. Weihen ohne päpstliche Erlaubnis geplant: Papst Leo XIV. berät mit Vatikanbehörde
  7. Die synodale Sackgasse der Anderskatholischen
  8. Die große Täuschung
  9. Bischof Oster: „In der Sache selbst war ich ja in mehrfacher Hinsicht kritisch“
  10. Wohltuende Überraschung: Papst beruft norwegischen Bischof Erik Varden OCSO zu seinem Fastenprediger
  11. Fatales Gerichtsurteil in Deutschland: Chefarzt siegt gegen katholisches Klinik-Verbot
  12. Medienkrise verschärft sich: Dramatische Auflagenverluste für Tageszeitungen in Deutschland
  13. Hunderte Einsprüche gegen Pfarrauflösung in der Diözese Linz - Keine Antworten aus Rom
  14. Schwere Zensur-Vorwürfe aus den USA: EU unterdrückt die Meinungsfreiheit
  15. Die Heilige Schrift als Wort Gottes und Raum der Offenbarung in menschlicher Sprache

Mein Leben hing am seidenen Faden

19. Jänner 2014 in Chronik, 3 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Er war unterwegs, um Notleidenden zu helfen. Ausgerechnet dabei verunglückt Matthias Netwall aus Lauterbach (bei Stolpen/Sachsen) schwer. Seit einem Jahr sitzt er im Rollstuhl. Ein Beitrag von Matthias Pankau.


Stolpen (kath.net/idea) Es ist die Nacht vom 13. auf den 14. Januar 2013. Zusammen mit drei Frauen ist Matthias Netwall unterwegs ins rumänische Sacele (bei Kronstadt). Dort betreibt ihr Verein projekt LEBEN e.V. eine sozialdiakonische Arbeit unter Roma.

Nahe der tschechischen Stadt Brünn hat der Kleinbus plötzlich eine Panne. Projektleiter Netwall fährt auf den Seitenstreifen, sichert das Fahrzeug und alarmiert den Pannendienst. Weil draußen Minusgrade herrschen, warten die vier im Auto. Plötzlich naht von hinten ein LKW. Nahezu ungebremst kracht er in den Kleinbus mit den vier Helfern aus Sachsen. Sie überleben wie durch ein Wunder, werden aber zum Teil schwer verletzt.

Am schlimmsten erwischt es Netwall. Mit Brüchen und Wirbelfrakturen kommt er sofort ins Unfallkrankenhaus in Brünn. Die Ärzte operieren ihn mehrfach, kämpfen um ihn. „Mein Leben hing am seidenen Faden“, berichtet der 50-Jährige. Nach wenigen Tagen steht fest: Netwall wird querschnittsgelähmt bleiben.

„Die Frage nach dem Warum trägt nichts aus“

Der Familienvater nahm die Nachricht gefasst auf. „Ich habe mich getragen gefühlt“, sagt er mit ruhiger Stimme. „Das war ein großes Geschenk und hatte wohl auch mit den Gebeten vieler Menschen zu tun.“ Der Flug nach Dresden und die Fahrt zur Weiterbehandlung in die Universitätsklinik einige Tage nach dem Unfall seien für ihn „wie der Beginn eines neuen Lebens“ gewesen.


Aber warum trifft es gerade jemanden so schlimm, der sich aus christlicher Überzeugung heraus seit Jahren für benachteiligte Menschen einsetzt? „Die Frage nach dem Warum trägt nichts aus“, entgegnet Netwall. Wenn man Gott aufzähle, was man Gutes getan habe, und erwarte, dass er einen deshalb belohnen und behüten müsse, dann habe das wenig mit dem Gott der Bibel zu tun. Netwall ist selbst im Leid dankbar. Denn man könne die Frage nach dem Warum „auch in die andere Richtung stellen“, wie er es formuliert: „Warum sind wir nicht in Rumänien verunglückt, sondern in der Nähe eines der besten Unfallkrankenhäuser auf der ganzen Strecke? Oder warum hat uns Gott auf den vielen tausend Kilometern in den Jahren vorher bewahrt?“

Eine Botschaft, die Leben verändert

Mit Sicherheit sind es Zehntausende, wahrscheinlich sogar Hunderttausende Kilometer. Denn der Verein, dem der Sozialpädagoge seit 2002 als Geschäftsführer vorstand, ist seit mehr als 15 Jahren unter den Roma aktiv. „Wir haben in den 90er Jahren Jugendfreizeiten über den Jugendverband Entschieden für Christus (EC) in Rumänien veranstaltet“, berichtet Netwall. Das dortige Leid habe viele so bewegt, dass sie etwas für diese Menschen tun wollten. Über einen Missionar sei dann der Kontakt zu einer jungen Roma-Kirche entstanden, die der Verein nicht nur materiell unterstützt. „Uns liegt besonders die geistliche Arbeit am Herzen“, sagt Netwall. Viele Mitglieder dieser in der rumänischen Gesellschaft verachteten Volksgruppe hörten in der Kirche zum ersten Mal: Du bist geliebt und angenommen, wie du bist. „Und das verändert ihr Leben“, so Netwall.

Die Roma-Kirche wuchs von 120 auf 900 Gemeinden

Die Roma-Kirche ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Gab es 1998 noch 120 Roma-Gemeinden im Land, so sind es gegenwärtig rund 900 mit insgesamt 130.000 Mitgliedern (unter den schätzungsweise 1,9 Millionen Roma in Rumänien). Für die Kirchenleitung ist dieses rasante Wachstum aber zugleich eine Herausforderung, weiß Netwall. Denn es gebe kaum ausgebildete Mitarbeiter. Aus diesem Grund investierte der Verein in den letzten Jahren auch verstärkt in Bildungsprojekte. So unterstützt er etwa eine Hausaufgabenhilfe, die jeden Tag von 400 Kindern in Anspruch genommen wird. Oder er finanziert über Bildungspatenschaften 38 Jugendlichen die monatliche Busfahrkarte zum Gymnasium. Einige junge Roma studieren inzwischen sogar. Aber der Bedarf sei noch viel größer, weiß Netwall. „Wir haben eine Warteliste von Jugendlichen, die auf Unterstützung hoffen.“

Wir helfen den Roma vor Ort: in Rumänien

Von der aktuellen Debatte um eine sogenannte „Armutseinwanderung“ von Rumänen und Bulgaren nach Deutschland und dem damit verbundenen Missbrauch von Sozialleistungen hält der 50-Jährige wenig. „Kaum einer verlässt seine Heimat freiwillig“, sagt er. Wer die Wohnsituation in vielen Roma-Siedlungen einmal gesehen habe, könne besser verstehen, warum Menschen auswanderten und auf ein besseres Leben in Deutschland hofften. „Wer von uns würde es überhaupt nur eine Woche lang bei -25°C in einer ungedämmten Hütte mit acht oder zehn Menschen auf 20 Quadratmetern aushalten?“ Natürlich gebe es immer auch Menschen, die ein Sozialsystem bewusst ausnutzten; aber die breite Masse sei das nicht. Wenn Fördergelder für Roma wirklich an der Basis ankämen und sinnvoll verwendet würden, wäre manche Diskussion wie die aktuelle überflüssig, zeigt er sich überzeugt. Der Verein will deshalb vor allem die Eigeninitiative vor Ort stärken.

„Mein Glaube und die Familie geben mir Kraft“

Und die Projekte laufen weiter, auch wenn Netwall die Geschäftsführung des Vereins nach dem Unfall abgegeben hat. „Es entlastet mich sehr zu wissen, dass nicht alles an mir hängt“, bekennt er. „Ich darf auch schwach sein.“ Kraft geben ihm neben seinem Glauben vor allem seine Frau Rhena und die beiden Kinder Naemi (17) und Michael (15). „Und wir erleben, wie uns viele Menschen – Freunde, Bekannte und Unbekannte – unterstützen“, erzählt er. Das geschehe auf ganz unterschiedliche Weise – mit Fahrdiensten, einem Einkauf, mit Gebeten und Gaben. „Wir sind reich beschenkt“, sagt Netwall. Wenn seine Kräfte es zulassen, möchte er in diesem Jahr anfangen, wieder stundenweise zu arbeiten.

Foto: (c) Michaela Voss



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Leid

  1. Kann Gott grausam sein?
  2. Krankheit und Kreuz
  3. Das Vermächtnis Johannes Pauls II.: Nur das Leiden rettet die Welt
  4. Kann Leid eine Strafe Gottes sein?






Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Endgültiger Bruch mit Rom droht: Priesterbruderschaft St. Pius X. kündigt Bischofsweihen an
  3. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  4. Bischof Oster legt nach: Grundsatzkritik am (deutsch-)Synodalen Weg
  5. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  6. Der Vatikan ist in Kontakt mit der Bruderschaft St. Pius X., um eine Spaltung zu vermeiden
  7. Für alle, die bis jetzt zweifelten: Nun gehen sie wieder ins Schisma!
  8. Weihen ohne päpstliche Erlaubnis geplant: Papst Leo XIV. berät mit Vatikanbehörde
  9. Massive Medienvorwürfe gegen den Priester Wolfgang Rothe als Mitglied des Betroffenenbeirats
  10. Wohltuende Überraschung: Papst beruft norwegischen Bischof Erik Varden OCSO zu seinem Fastenprediger
  11. Schwere Zensur-Vorwürfe aus den USA: EU unterdrückt die Meinungsfreiheit
  12. Papst Leo XIV. empfing Katholiken, die mit gleichgeschlechtlicher Neigung keusch leben möchten
  13. Bischof Oster: „In der Sache selbst war ich ja in mehrfacher Hinsicht kritisch“
  14. Die synodale Sackgasse der Anderskatholischen
  15. Die große Täuschung

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz