Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Piusbrüder und Vatikan suchen Weg zur Einheit
  2. Voll in die Falle getappt
  3. Leere Hörsäle: Dramatischer Einbruch bei katholischen Theologie-Studenten
  4. Der deutsch-synodale Weg als reines Herrschaftsinstrument!
  5. „Treue oder Einheit? Wie wird Leo XIV. mit den Lehr- und Disziplinarproblemen der Kirche umgehen?“
  6. George Orwell wohnt in Brüssel, aber nicht nur dort!
  7. Deutsches Formular für Geburtenanzeige: Welches Geschlecht hat die Mutter?
  8. Kinderschutz oder Staatskontrolle? Das Dilemma der Social-Media-Verbote
  9. THESE: Korrekturen vom 2. Vatikanum sind unerlässlich
  10. Traditionsbruch: New Yorks Bürgermeister Mamdani nicht bei Installation von Erzbischof Hicks
  11. Meine Söhne, „seid heilig, Anbeter, Menschen des tiefen Gebets und lehrt das Volk, dasselbe zu tun!“
  12. Vatikan: Neue Statuten für die Marienforschung
  13. 'Selig sind, die Schwangerschaften beenden' - US-Pastorin sorgt für Eklat
  14. Wann sind wir zu Gottes Chefs geworden?
  15. Die Kirche – nicht nur – im deutschsprachigen Raum: «the big picture»

Der Gewalt entronnen

28. Juli 2013 in Jugend, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Walmyr Juniors Lebensgeschichte bewegt den Papst und Rios Eliten. Von Thomas Milz (KNA)


Rio de Janeiro (kath.net/KNA) Walmyr Junior macht keinen Hehl daraus, dass er nervös ist. Er hätte sich doch nie träumen lassen, einmal vor dem Heiligen Vater über seinen Lebensweg zu sprechen, sagt der 28-Jährige. Dann erzählt er seine Geschichte, vor dem Papst, vor Politikern, Diplomaten, Unternehmern, Vertretern aus Kultur und Wissenschaft im rappelvollen Theater in Rio de Janeiro. Er erzählt sie stellvertretend für die, die ihre eigene nicht erzählen können, weil sie tot sind. 47.000 junge Leute zwischen 14 und 25 sterben jedes Jahr in Brasilien, zwei Drittel von ihnen durch Gewalt.

Walmyr Junior spricht über seine Kindheit in der Favela Mare, einem der größten Barackensiedlungen der Sechs-Millionen-Metropole. Die Eltern starben früh, Opfer von Drogen, und ließen ihn und seine Schwester zurück. Er selbst kam bei der Großmutter unter. Dann verlor er sich ebenfalls in der Welt des Rausches, der Drogen, der Prostituierten, des Alkohols und der Partys.

«Als Waisenkind in der Mare-Favela erfüllte ich alle Voraussetzungen, in die Statistiken einzugehen: einer der vielen Jugendlichen zu werden, die von der Gewalt in unseren Städten dahingerafft werden», sagt er. Die Mare ist ein hartes Pflaster. Bisher hat die Regierung den riesigen Hütten-Komplex noch nicht besetzen und befrieden lassen, wie sie es bislang mit 33 anderen Favelas in Rio gemacht hat. Im Juni kam es zu einem Feuergefecht zwischen der Polizei und dem «Comando Vermelho» (Rotes Kommando), die das Revier kontrolliert. Neun Bewohner und ein Polizist wurden getötet. Die Drogenbanden zeigen sich hartnäckig.


«Jeden Tag sehe ich, wie in meiner Nachbarschaft der Drogenhandel sich der billigen Arbeitskraft der Jugendlichen bedient», erzählt Walmyr. Er selbst war einer von ihnen. «Als ich selber Drogen nahm, erfuhr ich am eigenen Leib die Schmerzen der ausgegrenzten Jugend, die sich in die Abhängigkeit verliert.» Doch Walmyr spürte auch den Impuls, sich nicht aufzugeben. Ein Jugendpriester gewann ihn als freiwilligen Mitarbeiter, Walmyr fand in der Pfarrgemeinde eine neue Familie. «Da entschied ich mich, meine Geschichte umzuschreiben.»

Schon beim Weltjugendtag 2011 in Madrid war Walmyr in brasilianischen Delegation mit dabei. Jetzt, für Rio, arbeitete er ein Jahr lang ehrenamtlich für die Organisation. Seine Großmutter machte sich Sorgen um seine berufliche Zukunft. Doch Walmyr hat quasi nebenher an der katholischen Uni in Rio seinen Abschluss als Geschichtslehrer geschafft, und sein Traum, einmal selber Kinder zu unterrichten, wird in Erfüllung gehen.

Die Geschichte von anderen ging nicht so gut aus. «In mir trage ich
die Leben so vieler meiner Brüder, die aus den verschiedensten Gründen hier und heute unsere Freude nicht teilen können.» Walmyr erinnert an die Straßenkinder, die vor 20 Jahren an der Candelaria-Kirche von Rio erschossen wurden, an die über 250 jungen Leute, die Anfang des Jahres bei einem Feuer in einer Diskothek in Südbrasilien elend verbrannten.

Er erinnert auch an die Jugendlichen, die selber Gewalt ausüben und andere Jugendliche töten. «Auch sie sind Opfer der Gewalt, auch sie sind meine Brüder, Heiliger Vater, auch sie sind unsere Brüder.»

Viele glaubten, dass Nächstenliebe außer Mode sei, sagt Walmyr; doch «die Liebe ist nicht out, und füreinander da zu sein, Liebe zu geben und zu empfangen, das bedeutet für mich, in einer Gesellschaft zu leben».

Am Ende kann er seine Tränen doch nicht mehr zurückhalten. Und auch Franziskus ist sichtlich bewegt und schließt Walmyr in die Arme, wie so viele auf dieser Reise. Walmyr zeigt dem Papst noch ein Foto ausglücklichen Zeiten: seine Eltern mit ihm und seiner Schwester. Der Papst segnet das Bild, bevor er den jungen Mann noch einmal umarmt. Was die beiden noch sprechen, geht im Applaus der Zuhörer unter, die sich von ihren Sitzen erheben.

Sehenswert - Walmyr Junior gibt sein bewegendes Zeugnis der Hoffnung und des Engagements


(C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Weltjugendtag

  1. Papst Leo an Jugendliche: "Freunde, also Zeugen"
  2. «Das ist eine der schlimmsten Plagen, die man je gesehen hat»
  3. Nächster katholischer Weltjugendtag 2027 in Seoul
  4. Weltjugendtag in Zahlen: Eine Messe mit 10.000 Priestern
  5. Obrigado!
  6. Vigil mit den Jugendlichen zum Weltjugendtag 2023.Wie werden wir zu Wurzeln der Freude?
  7. Weltjugendtag mit über 600.000 Pilger aus 184 Ländern
  8. Weltjugendtag in Portugal steht kurz bevor
  9. Nuntius: Weltjugendtag ist Ermutigung für die Jugend und die Kirche
  10. Katholische Eltern gegen UN-Agenda 2030 auf dem Weltjugendtag







Top-15

meist-gelesen

  1. Einmal im Leben nach ISLAND - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Voll in die Falle getappt
  4. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  5. Piusbrüder und Vatikan suchen Weg zur Einheit
  6. Meine Söhne, „seid heilig, Anbeter, Menschen des tiefen Gebets und lehrt das Volk, dasselbe zu tun!“
  7. „Treue oder Einheit? Wie wird Leo XIV. mit den Lehr- und Disziplinarproblemen der Kirche umgehen?“
  8. Leere Hörsäle: Dramatischer Einbruch bei katholischen Theologie-Studenten
  9. Der deutsch-synodale Weg als reines Herrschaftsinstrument!
  10. Die Kirche – nicht nur – im deutschsprachigen Raum: «the big picture»
  11. Vatikan: Neue Statuten für die Marienforschung
  12. George Orwell wohnt in Brüssel, aber nicht nur dort!
  13. Traditionsbruch: New Yorks Bürgermeister Mamdani nicht bei Installation von Erzbischof Hicks
  14. 'Ich bin der Liebe Gottes würdig, einfach weil ich existiere.'
  15. Deutsches Formular für Geburtenanzeige: Welches Geschlecht hat die Mutter?

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz