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Ein literarischer Vorfall. The Da Vinci Code und Angel & Demons

15. Mai 2013 in Chronik, 1 Lesermeinung
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Mit seinen Büchern Sakrileg/The Da Vinci Code und Illuminati/Angel & Demons hatte Dan Brown bereits 2004 Kassenschlager gelandet. Ein Rückblick aus aktuellem Anlass - Archivbeitrag aus dem Jahr 2005 von Armin Schwibach


Rom (kath.net) Um es gleich vorwegzunehmen: viel wurde über diese beiden Werke und seinen Autor Dan Brown geschrieben. Mit dem Werk The Da Vinci Code (deutsch: „Sakrileg“) schlug das literarische Ereignis des Jahres 2004 große Wellen. Über 20 Millionen verkaufte Bücher – der Traum eines jeden Schriftstellers. Der dazugehörende Film ist in Produktion, der Name Tom Hanks steht schon jetzt für Kassenschlager. Menschen kommen nach Europa auf den Spuren des Da Vinci Codes. Ein Thema für die laizistisch-liberale Gesellschaft ebenso wie für weite Bereiche des Katholizismus. Letzterer eher indifferent auf der Seite der fortschrittsorientierten Durchschnittskatholiken, vehement auf dem Kriegspfad hingegen im traditional-konservativen Lager.

Die Buchhandlungen Italiens sind voll mit Ausgaben jeglicher Art: vom billigen Taschenbuch bis hin zur bebilderten Sonderausgabe. Kommentare, Einführungen, Bücher zu den „Quellen“ des Romans, Analysen zum Plagiatsverdacht, dutzende weitere Werke zum Heiligen Graal, zur Parallelgeschichte der Welt, des Christentums, zur Freimaurerei, zu allen möglichen Geheimgesellschaften. Alte verschüttete Verdächte werden frei geäußert und öffentlich debattiert. Die katholische Kirche erneut als im Wesen ihrer Geschichte suspekte Gruppierung aus dem Augenwinkel heraus betrachtet (frei nach dem Motto: „man wußte es ja so schon immer…“).

Ähnliches gilt für Angels & Demons (deutsch: „Illuminati“), ein ursprünglich unbeachteter Roman, der im Fahrwasser des großen Erfolges jetzt auch zu den Ehren der Registrierkasse gekommen ist. Angesiedelt im Vatikan, in dem sich das Kardinalskollegium zum Konklave eingefunden hat; der verstorbene Papst; sein geheim gehaltener Sohn, der als Camerlengo die Übergangsphase der Wahl des neuen Papstes leitet und durch Mord und das Aufleben alter Verbrechen das Schicksal der Welt in neue Bahnen bringen will; ein Kardinalskollegium beschrieben als verkalkte Ansammlung von verzweifelt blökenden Schafen, verbunden mit einer Jagd nach einem Geheimnis durch das heutige Rom – ist dies nicht alles dazu geeignet, zu einer großen Show zu werden? Zweifellos. Und es wundert einen nicht, wenn es mittlerweile römische Reiseagenturen gibt, die Stadtführungen „auf den Spuren von Angels & Demons“ anbieten, bei denen arglose Touristen, wegweisenden Engeln und Obelisken folgend, in der Regel an der wesentlichen Schönheit der Stadt vorbeibugsiert werden.


Worin besteht das „Geheimnis“ eines derartigen Publikumserfolges? Einfach gesagt: in der Macht der Verführung durch den Schein, in der Rhetorik einer bewußt oder unbewußt veranstalteten Burleske, die zu ihrem Zentrum die katholische Kirche gewählt hat – das geistige und geistliche Haus für über eine Milliarde von Menschen.

Sokrates nannte diese Taktik die der „Übung und Erfahrung in der Bewirkung einer gewissen Lust und eines Wohlgefallens (Gorgias 462bff) und brandmarkte sie als die wahrheitsverhüllende Praxis der Sophisten. Der nützlichkeitsorientierte, auf seinen Geldbeutel und seine Bekanntheit achtende Sophist kann alles tun – und muß nichts erkennen. Der Sophist weiß viel, sowohl Wirkliches (in Politik und Wirtschaft) als auch Scheinbares (in Gesellschaftsideologien oder Veranstaltungen zur Manipulation der Massen), stellt das Gewußte dar und verkauft es an den Meistbietenden. Der Sophist interessiert sich weder für die Wahrheit noch für die Folgen der Falschheit. Der Sophist will Macht ausüben und Begehren zum Vorschein kommen lassen. Der wahre Sophist ist der postmoderne Denker, der die liberal-demokratische Gesellschaft so umzugestalten versucht, daß in ihr die Begehren herrschen. Das Ziel ist das der ungerechtfertigen Rechfertigung einer an sich selbst erstickenden Meinungsvielfalt, die für sich einen Wert an sich beansprucht. Das Mögliche hat das Sein verdrängt. Bestimmungen werden durch Orientierungen ersetzt, Straßen durch Wegweiser und Regeln.

Sokrates und Platon halten dem die Notwendigkeit der Bekehrung zur Wahrheit entgegen. Der wahre Philo-soph, liebender Gefährte der Weisheit, kehrt im Nichtwissen um die Dinge in das Wissensollen um das Sein und seine Wahrheit ein. Der predigende Philo-dox hingegen, zynischer Verführer und Verführter des Scheins, begnügt sich mit der Leere seines Geistes, durch die er die Dinge um so mehr entleert.

Darf man also solche Romane lesen? Selbstverständlich. Sie zu verteufeln hieße nur, ihnen eine Gratiswerbung zukommen zu lassen. Es ist allerdings absolut notwendig, sich sowohl der unterschwelligen als auch der offensichtlichen Strategie solcher Vorkommnisse klar zu werden. Der postmoderne religiöse Synkretismus, der sich in derartigen Werken offenbart, schreit geradezu nach dem „Gerichtshof der Vernunft“, vor dessen Urteil sie sich, wie Kant lehrt, weder verstecken kann noch darf. Es erstaunt immer wieder, wie gerade laizistische Denkweisen, die am Kragen gerne stolz den Orden der Aufklärung tragen, in die versimpelnde Vernunftlosigkeit versinken und sich mit dem Wenigen begnügen.

Die Frühjahrssonne wärmt die Lavasteine der Straßen Roms. Die soeben angekommenen Schwalben erfüllen den Himmel mit ihrem Ruf. Der Blick fällt auf eine der vielen Straßenmadonnas. Orte der Geschichte. Eine kleine Kirche lädt dazu ein, sie zu betreten. In ihr sprudelt eine Quelle, in Frieden. Verkäufer aus dem Modeladen gegenüber, Kinder mit ihren Eltern, Angestellte aus dem nahen Ministerium betreten sie. Zeit für einen kleinen Gruß. Und vor allem: Pause, um sich am Wasser zu laben. Ort der Geschichte. – War da ein Buch, das von Engeln und Teufeln sprach?? Es bleibt nur eine fade Erinnerung. Es erzittert die Sehnsucht nach der je größeren Wahrheit.


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