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Vatikan fordert globale Zentralbank

24. Oktober 2011 in Aktuelles, 19 Lesermeinungen
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Das Dokument des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden fordert auch ein Vorgehen gegen Steueroasen und Off-Shore-Handelsplätze. Gegen die Generation der Technokraten für den Primat der Politik und des Gemeinwohls


Rom (kath.net/KAP/red) Der Vatikan hat sich für eine grundlegende Reform des internationalen Finanzsystems, die Schaffung einer globalen Aufsichtsbehörde zur Regulierung der Kapitalmärkte und für die Finanztransaktionssteuer ausgesprochen. Es müsse eine Art „Globale Zentralbank“ gegründet werden, die gegen unkontrollierbare „Schattenmärkte“ vorgehe und für die Einhaltung ethischer Mindeststandards Sorge trage, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Dokument des Vatikan. Das gut 40-seitige Schreiben des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden (Iustitia et Pax) trägt den Titel „Für eine Reform des internationalen Finanz- und Währungssystems aus der Sicht einer öffentlichen Autorität mit universaler Kompetenz“ (kath.net berichtete).


Die internationale Finanzbehörde müsse eine „Logik der Nachhaltigkeit, des Friedens, des gemeinsamen Wohlstandes und des Einvernehmens“ vertreten, heißt es in dem Dokument weiter. Dafür müssten eine Besteuerung finanzieller Transaktionen in Erwägung gezogen und neue Wege für die Kapitalausstattung von Banken gefunden werden. Auf diese Weise könnten waghalsige Finanzgeschäfte verhindert und die Entwicklung der realen Wirtschaft gefördert werden. Gefordert wird auch ein Vorgehen gegen Steueroasen und Off-Shore-Handelsplätze.

Die Gründung einer globalen Zentralbank mit weitgehenden Befugnissen müsse der erste Schritt auf dem Weg zu einer politischen Weltautorität sein, heißt es in dem Dokument: „In einer Welt, der schnell voranschreitenden Globalisierung ist eine Weltautorität der einzig angemessene Bezugspunkt, der den neuen Gegebenheiten unserer Zeit und den Bedürfnissen der menschlichen Spezies gerecht wird“. Anknüpfungspunkt für eine solche Institution könnten die Vereinten Nationen sein.

Das vatikanische Papier solle eine Handreichung für die Verantwortlichen der Welt und alle Menschen guten Willens sein, sagte der Präsident des Päpstlichen Rates, Peter Kodwo Appiah Kardinal Turkson, während der Vorstellung des Dokuments. Dies gelte insbesondere mit Blick auf den G-20 Gipfel, der vom 3. bis 4. November im südfranzösischen Cannes stattfinden wird.

Der Mitautor des Textes, der römische Volkswirtschaftsprofessor Leonardo Becchetti, erinnerte an den vor kurzem publizierten Appell der „1.000 Ökonominnen und Ökonomen“ aus 53 Ländern, die in einem Brief an die G-20-Finanzminister die Einführung einer Finanztransaktionssteuer gefordert hatten. Mit den Einnahmen sollen weltweite Armutsbekämpfung und Klimaschutz sowie die Folgenbewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise finanziert werden.

Unter den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern waren Nobelpreisträger Paul Krugman und Joseph Stiglitz, Professoren weltweit renommierter Universitäten, etwa Harvard, Oxford, Cambridge, der Sorbonne, Berkeley und Kyoto. Dazu gehören Jeffrey Sachs, Sonderberater des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon, Dani Rodrik, Professor für politische Ökonomie an der Harvard University, oder Christian Fauliau, langjähriger ranghoher Ökonom der Weltbank.


Foto: © Armin Schwibach


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