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Papst ruft zur Umkehr auf: 'Sünde existiert im Innern der Kirche'

11. Mai 2010 in Aktuelles, 36 Lesermeinungen
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Papst Benedikt bei Flug nach Portugal vor Journalisten: Die größte Verfolgung der Kirche von Feinden kommt nicht von außerhalb, sondern aus der Sünde innerhalb der Kirche - Zehntausende Menschen begrüßten Benedikt in Portugal


Lissabon (kath.net/KNA) Papst Benedikt XVI. hat angesichts der jüngsten Missbrauchsfälle zu Buße und Reinigung aufgerufen. «Heute sehen wir in wirklich erschreckender Weise, dass die größte Verfolgung der Kirche von Feinden nicht von außerhalb kommt, sondern aus der Sünde innerhalb der Kirche entsteht», sagte der Papst während seines Flugs nach Lissabon am Dienstag vor mitreisenden Journalisten. Dabei bezog er sich auf die Krise, die durch sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker ausgelöst wurde.

«Die Leiden der Kirche kommen gerade aus dem Innern. Die Sünde existiert im Innern der Kirche», so der Papst. Nötig seien die Bereitschaft zu Buße und Reinigung, aber auch zu einer juristischen Aufarbeitung. «Das Vergeben ersetzt nicht Gerechtigkeit», sagte Benedikt XVI. Man müsse realistisch sein und anerkennen, dass es immer «Attacken des Bösen» geben werde, am Ende sei Christus aber stärker.

Mit Blick auf die auch Portugal betreffende Wirtschafts- und Finanzkrise warnte der Papst vor einer Wirtschaft ohne ethische Grundlagen. Die Krise zeige, «dass ein reiner ökonomischer Pragmatismus, der von der Wirklichkeit des Menschen als ethisches Wesen absieht, nicht gut ausgeht, sondern unlösbare Probleme schafft». Ethik stehe nicht außerhalb von Vernunft und pragmatischem Handeln, sondern liege in deren Innerem, so der Papst.


Das sogenannte dritte Geheimnis von Fatima, in dem von Angriffen auf einen in Weiß gekleideten Bischof die Rede ist, habe sich in erster Linie auf Johannes Paul II. bezogen, so Benedikt XVI. Die «Notwendigkeit des Leidens der Kirche» sei aber für die ganze Kirche zu verstehen. Bezeichnend sei, dass Fatima auf diese Prophezeiung eine allgemeine Antwort gebe: den Aufruf zu dauernder Bekehrung, Buße und Gebet.

In den Visionen der drei Seherkinder im Jahr 1917 gebe es einen «übernatürlichen Impuls». Die Erscheinungen stammten nicht aus der Einbildungskraft der Seher, sondern kämen von der Gottesmutter Maria, betonte der Papst. Der Papst traf am Dienstag zu einem viertägigen Pastoralbesuch in Portugal ein. Höhepunkt ist dabei in den nächsten Tagen ein Besuch im Marienwallfahrtsort Fatima.

Der Papst wurde in Lissabon vom portugiesischen Präsidenten Anibal Cavaco Silva begrüßt. Auch er verwies ausdrücklich auf die Wirtschaftskrise und hieß den Papst «in Zeiten der Unsicherheit» willkommen. In dieser Zeit seien Menschen gefragt, die als «Boten der Hoffnung» den Durst der Menschen nach Gerechtigkeit und Solidarität befriedigten. Die Wirtschaftkrise sei «teilweise brutal und unfair» zu spüren.

Benedikt XVI. äußerte den Wunsch, dass seine Reise unter einem «Zeichen der Hoffnung» stehen werde. Er verwies auf die Ausrufung der Republik in Portugal vor 100 Jahren. Die Trennung von Kirche und Staat habe neue Freiräume für die Kirche eröffnet. Die Kirche sei zur Zusammenarbeit mit allen bereit, die die zentralen Fragen nach dem Sinn des menschlichen Lebens nicht ausblenden oder in die Privatsphäre abdrängen wollten, versicherte der Papst.

Auf dem Weg vom Flughafen Lissabon zum Hieronymus-Kloster, wo die offizielle Begrüßung stattfand, wurde der Papst von mehreren Zehntausend Menschen entlang der Fahrtstrecke begrüßt. In der Grablege der portugiesischen Könige und des Seefahrers Vasco da Gama fand das offizielle Willkommenszeremoniell mit Kanonensalut und militärischen Ehren statt.

Benedikt XVI. und sein Gefolge besichtigten danach das Kloster. Sichtlich bewegt war der Papst, als ein Kinderchor auf Deutsch unter anderem das in Altötting beliebte Marienlied «Segne Du Maria, segne mich Dein Kind» vortrug. Anschließend begab sich der Papst zum 500 Meter entfernten Belem-Palast zu einem Höflichkeitsbesuch bei Präsident Anibal Cavaco Silva.


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