Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  2. „Der Wahlausgang in Berlin im September 2026 gibt vielen Bevölkerungsgruppen Anlass zur Sorge“
  3. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  4. Irreversibel – die Diktatur des Geschehenen. Wenn die Geschichte zum ‚Lehramt‘ wird
  5. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Kirche in der Krise – und wie wir sie nicht retten sollten“
  6. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  7. BDKJ und eine doch getaufte Kandidatin im Bundesvorstand
  8. Salzburg: 1.000 Gläubige bei Adoratio-Kongress zu "Himmlischer Friede"
  9. Bei öffentlichen Anlässen: Kanadas Militärkapläne dürfen nicht über Gott sprechen
  10. Der Katholik Macron wird bei keiner der drei Papstmessen in Frankreich mitfeiern
  11. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  12. Wien: Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem "Marsch für Jesus"
  13. 'Kirche casht ab' - Immer weniger österreichische Katholiken, immer mehr Millionen!
  14. Abtreibungsbefürworter begehen Farbanschlag auf Malteserklinikum in Flensburg
  15. Mutmaßlicher IS-Anhänger soll Anschlag auf eine Kirche in Bremen geplant haben - Festnahme

Mundkommunion ist die gewöhnliche Form der Kommunionspendung

29. Oktober 2008 in Interview, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


"Radio-Vatikan"-Interview mit dem päpstlichen Zeremonienmeister Guido Marini


Vatikan (kath.net/RV)
RV: Monsignor Marini, wie würden Sie den liturgischen Stil von Papst Benedikt definieren?

Marini: Das ist keine einfache Frage, weil der liturgische Stil sowohl die äußere als auch die innere Dimension des Zelebrierens umfasst - und natürlich das jeweilige Liturgieverständnis. Ich denke, der liturgische Stil Papst Benedikts betont sowohl die rechte Nüchternheit, die seit jeher die römische Liturgie kennzeichnet, als auch den Sinn für das Mysterium und das Heilige. Und dann sehe ich eine starke Hinwendung zum Herrn, der schließlich in jedem Moment des Zelebrierens anwesend ist.

RV: Im Lauf der Monate bekamen die Gläubigen bei den Papstmessen nach und nach liturgische Elemente zu Gesicht, die sie lange nicht gesehen hatten: alte goldgewirkte Messgewänder und Mitren, das Kreuz in der Mitte des Altares, Mundkommunion für alle, die den Leib des Herrn aus den Händen des Papstes empfangen; beim Fest der Taufe des Herrn in der Sixtinischen Kapelle zelebrierte Papst Benedikt „ad orientem“, und seit Palmsonntag trägt er einen Kreuzstab aus dem 19. Jahrhundert, während der moderne Kreuzstab Papst Paul VI. zurück in die päpstliche Sakristei wanderte. Sind diese Elemente nun definitiv für die Papstmesse?

Marini: Ich würde sagen – ja, zumindest gilt das für einige der bedeutendsten Elemente, die in diesem Jahr eingeführt wurden; einige davon haben Sie eben genannt.

RV: Bleiben wir kurz beim Kreuzstab. Der moderne Stab aus den 60-er Jahren mit der Figur des Gekreuzigten darauf war vielen Gläubigen zum gewohnten Bild geworden. Warum benutzt Papst Benedikt nun einen älteren, vergoldeten Kreuzstab?

Marini: Der Heilige Vater suchte einen Hirtenstab, der leichter sein sollte als der von Paul VI. - also haben wir dem Heiligen Vater gezeigt, was wir in der Päpstlichen Sakristei im Moment zur Verfügung haben. Dort gibt es diverse Stäbe, freilich die meisten von Bischöfen oder Kardinälen und nur zwei oder drei von Päpsten. Aus diesen hat Benedikt dann den aktuellen Kreuzstab ausgewählt. Der Ausgangspunkt war also eine ganz praktische Frage!

RV: Im Mittelpunkt eines jeden Gottesdienstes steht nicht der Priester, und das heißt: auch nicht der Papst, sondern der auferstandene Christus. Kritiker meinen nun, dass einige dieser neuen Elemente die Gläubigen eher ablenken, statt ihnen dabei zu helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das viele Gold und die Spitzen seien zu auffällig, so heißt es, besser wären ganz einfach gestaltete liturgische Instrumente und Gewänder, die die Zelebranten praktisch unsichtbar machen. Wie stehen Sie dazu?


Marini: Ich glaube nicht, dass diese Elemente ablenken. Natürlich ist darauf zu achten, dass der Herr im Mittelpunkt bleibt. Die Gefahr der Ablenkung besteht immer, und deshalb braucht es eine Erziehung, die immer in den Mittelpunkt zurückführt. Doch alles, was in der Liturgie, auch in ihren Details, Schönheit, Harmonie und Pracht vermittelt, lenkt nicht vom Geheimnis Gottes ab, sondern hilft geradezu, ihn zu treffen, der unendliche Schönheit ist.

RV: Inwieweit regt Papst Benedikt selbst Änderungen in seinen Gottesdiensten an? Oder sind Sie es, der sie ihm vorschlägt?

Marini: Um die Wahrheit zu sagen: In dieser Zeit, in der ich die Gnade hatte, dem Heiligen Vater nahe zu sein, ist es nicht so, dass ich von Mal zu Mal Anweisungen von ihm erhalten hätte. Es ist eher ein Gespräch, ein Meinungsaustausch, eine Zusammenarbeit. Meinerseits versuche ich dem Papst liturgische Elemente vorzuschlagen und zu unterbreiten. Er wägt das Für und Wider ab, bekundet seine Ansicht und gibt eine Orientierung, die dann klarerweise befolgt wird.

RV: Zum Beispiel?

Marini: Sie haben vorhin einige “Neuerungen”, unter Anführungszeichen, in der Liturgie benannt. Zum Beispiel also die Kommunion: Wer sie aus den Händen des Papstes empfängt, empfängt sie im Knien. Diesen Vorschlag hat der Heilige Vater aufgegriffen und seine diesbezüglichen Anordnungen getroffen.

RV: Nicht wenige Gläubige, zumal in westlichen Ländern, sträuben sich gegen die Mundkommunion, auch aus hygienischen Gründen. Wird die Mundkommunion die Norm in der Eucharistiefeier werden?

Marini: Die Frage nach der Modalität der Kommunionspendung kann ich nicht beantworten. Ich kann aber sagen, dass die Entscheidung, in den Papstmessen die Mundkommunion zu verwenden, getroffen wurde, um ein allgemeines Prinzip zu bestätigen. Nämlich dass die Mundkommunion die gewöhnliche Form der Kommunionspendung ist. Die Praxis der Handkommunion ist ein Indult (eine Ausnahme von der universalen Regel der Kirche, Anm.) des Heiligen Stuhles an jene Bischofskonferenzen, die darum gebeten hatten.

RV: Worin liegt der tiefere Sinn der Mundkommunion?

Marini: Diese Modalität hebt den Sinn der realen Präsenz des Herrn in der Eucharistie hervor. Somit hilft sie den Gläubigen, sich dem Geheimnis der eucharistischen Kommunion mit größerer Hingabe anzunähern - ohne den Werten Abbruch zu tun, die gewiss auch die Handkommunion hat. Im Übrigen bestehen die beiden Formen in den Papstgottesdiensten nebeneinander: Einige Gläubige empfangen sie in den Mund, andere in die Hand.

RV: Im Juli 2007 hat Papst Benedikt XVI. mit seinem Motu Proprio „Summorum Pontificium“ die „außerordentliche“ Form des Römischen Messritus auf breiter Basis wieder zugelassen. Worin sehen Sie die Stärken der Alten Messe?

Marini: Sie trägt in sich die Kraft der Tradition der Kirche. Und sie bringt es zuwege, einen tiefen Sinn für das Sakrale, das Heilige zu kommunizieren, was immer ein wichtiges Element der liturgischen Feier ist.

RV: Und die Stärken der „ordentlichen“ Messform?

Marini: Ich glaube, die Stärke der Liturgiereform durch Paul VI. liegt darin, dass die Liturgie von dem Staub und der Asche befreite, die sich im Lauf der Zeit auf ihr angesammelt hatte. Insofern ist diese Liturgiereform ein Segen gewesen, eine Gabe, die mit großer Dankbarkeit vom Herrn anzunehmen ist. Gewiss, wenn diese Reform, wie es in einigen besonderen Fällen geschehen ist, zum Missbrauch wird, zur Entstellung, zum Verrat an der großen liturgischen Tradition der Kirche, dann büßt sie ihren Reichtum ein.

RV: Wie kann es gelingen, im Gottesdienst einen Sinn fürs Mysterium zu begünstigen?

Marini: Ich denke, das ist eine Frucht des Verstehens dessen, was die liturgische Feier ist, was das Geheimnis ist, das zelebriert wird. Wenn man sich wirklich bewusst ist, dass der Protagonist der Herr ist, das Geheimnis seines Todes und seiner Auferstehung, das erneuerte Heil für die Welt, kann man die Dimension des Heiligen überhaupt nicht übersehen. Es handelt sich deshalb, so meine ich, darum, ins Herz der Feier zurückzukehren.

RV: Würden Sie mehr Latein in dem Papstgottesdiensten begrüßen?

Marini: Ich muss sagen, in den Papstgottesdiensten gibt es bereits Latein in vielen Teilen. Mir scheint da ein ganz gutes Gleichgewicht erreicht zu sein. Auf diese Art unterstreicht der Papstgottesdienst die Bedeutung des Lateinischen in der Feier und gleichzeitig die Bedeutung der lokalen Sprachen dort, wo es angemessen ist.

RV: Monsignor Marini, Sie sind Jahrgang 1965 und damit unter der jüngsten Generation der Priester in Diensten des Heiligen Stuhles. Im Jahr Ihrer Priesterweihe 1989 war die Liturgiereform bereits abgeschlossen. Heute beobachten wir in der katholischen Kirche eine neue Debatte über die Liturgie, oft in ziemlich aggressiven Tönen. Welchen Eindruck haben Sie davon?

Marini: Als ich geboren wurde, war man im II. Vatikanischen Konzil gerade mit der Abfassung der Konstitution „Sacrosanctum concilium“ beschäftigt. Das, was heute der „außerordentliche Ritus“ ist, habe ich also nicht direkt erlebt. Ich muss sagen, gelegentlich nehme ich diese lauten Töne in der Liturgiedebatte schon mit etwas Überraschung zur Kenntnis. Auch weil ich denke, dass gerade die Liturgie ein Grund zur Einheit und nicht zur Spaltung sein sollte. Ich glaube aber, in dem Maß wie man ideologische Sichtweisen ablegt und stattdessen demütig und aufmerksam zuhört, was die Kirche und das Lehramt des Papstes in diesem Punkt zu sagen haben, können wir zu Einheit und Gelassenheit zurückfinden. Natürlich schreiten wir voran – denn man muss immer voran schreiten, man kehrt niemals zurück - aber ohne die große Tradition der Kirche aus den Augen zu verlieren. Deshalb wünsche ich mir wirklich, dass es Gelassenheit geben möge, fortzufahren mit einer Entwicklung in der Kontinuität.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Liturgie

  1. Jesuitenpater Thomas Reese mit irrer Aussage: ‚Warum ich die alte lateinische Messe hasse‘
  2. US-Bischof weitet Angebot an tridentinischen Messen in seiner Diözese aus
  3. US-Bischof Coakley: 'Wir haben noch nicht das letzte Wort zu Traditionis custodes gehört'
  4. Die Alte Messe braucht die Piusbruderschaft nicht
  5. Eduard Habsburg: Alte Messe ist ‚absolute Antithese zur heutigen Welt‘
  6. Brasilianischer Bischof: Junge Katholiken haben ein ‚Recht‘ auf traditionelle Liturgie
  7. Papst Leo XIV. und die Zukunft der liturgischen Einheit der Kirche
  8. „Einheit heilen, ohne Wahrheit zu verdunkeln“
  9. Kardinal Eijk zelebriert erstes Hochamt im Vetus Ordo: „Eindrückliches, unvergessliches Erlebnis“
  10. Vom Elend der Fürbitten







Top-15

meist-gelesen

  1. ‚Trinkt auch ihr aus dieser Quelle!’ Der Durst, den nur Christus stillt
  2. Mutmaßlicher IS-Anhänger soll Anschlag auf eine Kirche in Bremen geplant haben - Festnahme
  3. Programm für Lateinamerika-Reise des Papstes veröffentlicht
  4. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  5. Präsident Trump nominiert Tochter von Franklin Graham zur Sonderbotschafterin für Religionsfreiheit
  6. Irreversibel – die Diktatur des Geschehenen. Wenn die Geschichte zum ‚Lehramt‘ wird
  7. Fast der gleiche Glaube?
  8. Gender-Ideologie: Katholische Familie kämpft um ihre Tochter
  9. Slowakei: Papst Leo XIV. grüßt die Teilnehmer des Nationalen Marsches für das Leben in Bratislava
  10. Kardinal Koch zu Israel und Gaza: Ehrlich miteinander sprechen
  11. Wenn die Liebe das Gesetz des Kalküls durchbricht…
  12. Stanislaus-Kostka-Wallfahrt von Wien nach Rom erreicht ihr Ziel
  13. Papst: In der Seelsorge auf das Wesentliche konzentrieren
  14. Bruder von Leo XIV.: Papst hilft bei der Steuererklärung
  15. Bischof an Jugend: "Licht des neuen Afrikas liegt in euch"

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz