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'Darum wird Maria zu recht Mutter Gottes genannt'

4. Jänner 2007 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Bischof Gerhard Ludwig Müller erklärt bei seiner Neujahrspredigt die "Theologie der Muttergottes": Wenn wir wie Maria mütterlich Christus in unserem Herzen empfangen, kann er durch unser Glaubenszeugnis und unsere Taten der Nächstenliebe geboren werd


Regensburg (www.kath.net)
KATH.NET dokumentiert den Wortlaut der Neujahrspredigt von Bischof Gerhard Ludwig Müller vom 1. Januar:

Den ersten Tag eines neuen Jahres feiert die Kirche als Fest der Gottesmutter Maria. So wie sich am Neujahrstag der Kalender öffnet auf die folgenden Tage hin bis zum letzten Tag des Jahres, so öffnet Christus bei seiner Geburt den Leib seiner Mutter. Er tritt durch diese Tür in die Welt und bleibt bei uns bis zum Ende der Welt. In der lateinischen Sprache heißt der erste Monat Januar von janua, die Tür. Und wir nennen die Mutter Christi zurecht Janua salutis - die Pforte des Heils, weil sie uns Jesus geschenkt hat den Retter der Welt.

„Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau...“ (Gal 4,6) - so haben wir es eben aus dem Brief des heiligen Apostels Paulus an die Gemeinden in Galatien gehört. Gott sandte seinen eigenen und einzigen Sohn, der zu seinem Wesen gehört und ohne den Gott nicht ewig der Vater wäre. Und eben dieser einzige Sohn Gottes des Vaters ist von einer Frau geboren und den Gesetz dieser Welt unterstellt worden. Es ist das Gesetz der Endlichkeit, aber auch des Leidens und Sterbens.

Die Kirche hat zur vollen Erfassung des göttlichen Geheimnisses Christi auf Jesus immer geschaut mit den Augen seiner Mutter Maria. Schon ihre Verwandte Elisabeth nennt sie die „Mutter meines Herrn“ (Lk 1,23). Wer ist denn der Herr, von dem hier gesprochen wird? Er ist der Gott Israels, der Schöpfer aller Welt, der sein Volk erwählt und es auf den Weg des Heils geführt hat. Gemeint ist nicht Gott als ein abstrakter Begriff in der Philosophie, mit dem man den ersten unbewegten Beweger aller Bewegungen im geistigen und materiellen Sein der Welt bezeichnen will und er ist schon gar nicht das Numinosum, das sich die Heiden in ihrer Götter- und Heldengestalten veranschaulichen.

Die Rede ist vielmehr vom Schöpfer des Himmels und der Erde, der mit Moses einen Bund geschlossen und der seinem Volk einen Erlöser aus dem Hause David verheißen hat. Vom Heiligen Geist erfüllt redet Zacharias, der Vater Johannes des Täufers: „Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels. Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen. Er hat uns einen starken Retter erweckt im Hause seines Knechtes David.“ (Lk 1,68f).Der Herr also ist Gott und Gott ist der Herr - dies ist der biblische Gottesbegriff aufgrund der heilsgeschichtlichen Selbstoffenbarung Gottes.

Darum hat die Kirche recht, wenn sie Maria nicht nur als Mutter Jesu seinem Menschsein nach nennt. Denn Jesus ist nicht ein Mensch, der nur von Gott als „Sohn Gottes“ adoptiert worden wäre, so wie auch wir durch die Gnade Christi Söhne und Töchter Gottes heißen. Die göttliche und die menschliche Natur in Christus sind vielmehr untrennbar in der Person des ewigen Sohnes Gottes verbunden. Christus war schon vor seiner Geburt aus Maria in Ewigkeit der Sohn des Vaters und mit ihm und dem Heiligen Geist der eine und dreifaltige Gott.

Darum wird Maria zu recht Mutter Gottes genannt, weil sie den als Menschen geboren hat, der wesenseins der Einziggeborene Sohn ist vom Vater.

Freilich geht in der Dreifaltigkeit Gott allein aus Gott hervor und wird der Sohn Gottes in seiner Gottheit allein aus dem Vater in Wesensgleichheit gezeugt, und nicht geschaffen. Maria ist also nicht so Mutter Gottes, dass sie im Zusammenwirken mit Gott dem Vater, den ewigen Sohn Gottes hervorgebracht hätte- wie es der Koran als christliche Meinung missversteht. Seiner Gottheit nach geht der Sohn einzig aus dem Vater hervor. Seinem Menschsein nach geht er aus Maria hervor, indem die Person des Sohnes Gottes mit der menschlichen Natur Christi auch die Merkmale und Eigenschaften des Menschseins annimmt. Zur Sicherung der wahren Gottheit Christi und der Wirklichkeit seiner wahren Menschwerdung hat im Jahre 431 das Konzil von Ephesus den Glauben der Kirche an die wahre Gottesmutterschaft Marias verteidigt und bekräftigt.

Maria hat uns Gott als Mensch geboren. Sie hält das Kind auf ihren Armen uns entgegnen und bezeugt somit prophetisch, aus dem Heiligen Geist redend: „Der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.“ (Lk 1,48). Der Engel des Herrn offenbarte ihr: “Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.“ (Lk 1,31f). Der Glaube an den Gott-Menschen Jesus -Gottes und Marien Sohn- begründet die Marienverehrung der katholischen Kirche. Und wir sind gemeint, wenn sie sagt: „Siehe von nun an preisen mich selig alle Geschlechter“ (Lk 1,48).

Maria hat geglaubt, was der Herr ihr sagen ließ. Darum ist sie die Mutter des Herrn. Sie ist die Gebärerin dessen, den die ganze Kirche anbetet mit den Bekenntnis des hl. Thomas: „Mein Herr und mein Gott“ (Joh 20,28). Wenn wir wie Maria, das Wort Gottes hören und es befolgen, dann sind wir die wahren Verwandten Jesu, ja wir sind seine Brüder, Schwestern und sogar seine Mutter (Mt 12,50). Uns allen ist klar, dass wir uns Brüder und Schwestern Jesu nennen dürfen.Aber in welchem Sinn dürfen wir für Jesus Mutter sein?

Indem wir Gottes Wort hören, es in unserem Herzen erwägen und im Leben befolgen, bilden wir uns im Geiste an Maria und lassen unser Leben zu einem mütterlichen Schoß werden, aus dem Christus wie durch eine Tür in die Welt von heute hineinkommt. Wenn wir wie Maria mütterlich Christus in unserem Herzen empfangen, kann er durch unser Glaubenszeugnis und unsere Taten der Nächstenliebe geboren werden und Gestalt annahmen und all den Menschen begegnen, die ihn suchen oder verloren haben. Mit und durch Maria, der Mutter Gottes und der Mutter der Kirche, kommen wir näher zu Jesus, dem einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen. Und wir dürfen beten am Anfang dieses Neuen Jahres:

„Gott von dir kommt alles Gute und du führst es zum Ziel. Wir danken dir für den Anfang des Heiles, das du uns in der Geburt deines Sohnes aus der Jungfrau Maria eröffnet hast. Höre auf ihre Fürspreche und führe uns auch in diesem Jahr näher zu dir. Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen

KATHPEDIA: Muttergottes



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