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Progressiv hinters Konzil zurück?

30. November 2004 in Schweiz, keine Lesermeinung
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Eine Glosse von Martin Meier: "Seltsam ist nur, dass manchmal gerade die Bewunderer des Konzilsgeistes – oder dessen, was sie darunter verstehen –, selbst 'hinters Konzil zurückgehen'"


Es gibt innerhalb der katholischen Kirche kaum einen grösseren Vorwurf als jemandem zu sagen, er wolle "hinters Konzil zurück". Wer hinters Konzil zurück will, ist ein notorischer Traditionalist und Fundamentalist, ein ängstlicher Buchstabenchrist und womöglich sogar ein Pharisäer. Brrr! Nein, solche Leute kann das pilgernde Volk Gottes nicht brauchen!

Stellt man sich ein bisschen naiv und fragt nach, welches Konzil denn gemeint sei – immerhin habe es in den letzten zweitausend Jahren ja deren über zwanzig gegeben –, wird man dumm angeschaut. Natürlich das letzte, das zweite vatikanische. Nur dieses zählt überhaupt, alle andern sind überholt. Man denke nur etwa an das von Konstanz, das den armen Jan Hus verbrennen liess, an das von Trient, auf das sich die Traditionalisten immer beziehen, oder gar ans erste vatikanische, das die Unfehlbarkeit des Papstes begründete. Gut, dass das zweite vatikanische mit all dem Mief aufgeräumt hat!

Hakt man noch einmal nach und fragt, wo in den Texten dieses Superkonzils denn genau dieses Aufräumen seinen Niederschlag gefunden hat, heisst es: "Ach so, du bist auch einer dieser buchstabengläubigen Christen! Es kommt doch nicht auf den Text an, sondern auf den Geist." Damit ist alles klar. Weitere Fragen erübrigen sich.

Seltsam ist nur, dass manchmal gerade die Bewunderer des Konzilsgeistes – oder dessen, was sie darunter verstehen –, selbst "hinters Konzil zurückgehen". Da hat doch etwa die Liturgiereform im Anschluss an eben dieses Konzil das Wort Gottes während der Eucharistiefeier aufwerten wollen und deshalb festgelegt, dass an Sonn- und Feiertagen drei Schriftlesungen, statt der bisher üblichen zwei, gehalten werden sollen. Und wer hält sich heute an diese Vorgabe? Jedenfalls nicht die progressiven Zelebranten. Sie lesen in schönster tridentinischer Tradition nach wie vor nur zwei Texte aus der Bibel vor!



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