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„Euer Herz lasse sich nicht verwirren“

vor 5 Stunden in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Das heutige Evangelium beginnt mit einem Wort, das wie ein leiser Trost in unser Herz fällt: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“ 5. Sonntag der Osterzeit (Joh 14,1–12). Von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer


Eichstätt (kath.net) I. Ein Wort in unsere Unruhe hinein
Liebe Schwestern und Brüder, das Evangelium beginnt mit einem Wort, das wie ein leiser Trost in unser Herz fällt: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“

Jesus spricht dieses Wort nicht in eine heile Welt hinein. Er spricht es am Abend vor seinem Leiden. Die Nacht ist nahe. Die Jünger spüren die Unsicherheit, die Angst, den Verlust. Und genau dort sagt er: Lasst euch nicht erschüttern. Glaubt an Gott und glaubt an mich. Das ist kein billiger Trost. Es ist eine Einladung zum Vertrauen — mitten in der Wirklichkeit.

Auch wir kennen diese Unruhe: die Fragen nach der Zukunft, die Sorgen des Alltags, die Last der eigenen Geschichte. Und oft sind es nicht nur die Ereignisse selbst, sondern das, was sie in uns auslösen: Angst, Orientierungslosigkeit, innere Unruhe. Jesus setzt dem kein fertiges Erklärungsmodell entgegen, sondern sich selbst.

II. Das Ziel: Heimat bei Gott
Dann öffnet er den Blick nach vorn: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ Das ist ein Bild voller Wärme. Nicht ein kaltes Jenseits — sondern ein Zuhause. Ein Ort, an dem wir ankommen dürfen und willkommen sind. In dieser Aussage liegt eine tiefe und tröstliche Wahrheit: Es gibt viele Wohnungen. Das heißt: Gott ist weit. Weit genug für die Vielfalt unseres Lebens. Nicht alle Menschen sind gleich. Nicht alle gehen denselben Weg. Nicht alle glauben auf dieselbe Weise.

Und doch gilt: Jeder hat seinen Platz bei Gott. Unsere unterschiedlichen Lebensgeschichten, unsere Brüche, unsere Umwege — sie werden nicht ausgelöscht. Sie werden verwandelt. Es gibt so viele Wege zu Gott wie es Menschen gibt. Das ist die große Hoffnung: Unser Leben wird nicht normiert, sondern vollendet. Wir sind nicht austauschbar, sondern ganz persönlich gemeint. Bei Gott ist unsere Heimat, sie ist weit genug — auch für mich.


III. Die Frage des Thomas – und unsere eigene
Thomas bringt es auf den Punkt: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?“

Das ist eine ehrliche Frage. Eine zutiefst menschliche Frage. Auch wir kennen solche Fragen: Wie finde ich meinen Weg? Was ist richtig? Wie gehe ich weiter, wenn ich nicht klar sehe? Und Jesus antwortet nicht mit einer großen Darlegung einer Lehrmeinung, sondern mit sich selbst: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“

Das bedeutet: Der Weg ist nicht zuerst eine Theorie — der Weg ist eine Person. Wir müssen nicht alles überblicken. Wir müssen nicht alles verstehen. Wir dürfen uns führen lassen. Der Kirchenvater Augustinus sagt: Christus ist als Mensch unser Weg — und als Gott unser Ziel.

IV. Das tiefste Geheimnis: Wer Jesus sieht, sieht Gott
Dann kommt Philippus — mit einer Sehnsucht, die tief im Menschen steckt: „Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.“ Er will Gewissheit. Er will sehen. Er will Gott erkennen. Und Jesus antwortet mit einem tröstlichen Wort: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“

Liebe Schwestern und Brüder, diese Aussage offenbart das Herz des Evangeliums: Gott ist nicht fern. Gott hat ein Gesicht. Und dieses Gesicht ist der menschenfreundliche Christus. Wir müssen Gott nicht irgendwo suchen — nicht in abstrakten Ideen, nicht in fernen Spekulationen, nicht in unerreichbaren Höhen. Er ist uns Menschen begegnet. 

Wenn wir wissen wollen, wie Gott ist, müssen wir auf Jesus schauen: auf seine Geduld mit den Schwachen, auf seine Barmherzigkeit gegenüber den Sündern, auf seine Nähe zu den Leidenden, auf seine Treue, die nicht weicht, auf seine Liebe, die bis zum Kreuz geht. - So ist Gott. Nicht hart, sondern barmherzig. Nicht fern, sondern nah. Nicht abweisend, sondern zugewandt. Der Kirchenvater Johannes Chrysostomus sagt: In Christus ist Gott uns so nahe gekommen, dass wir ihn erkennen können.

Das bedeutet etwas zutiefst Tröstliches: Wir müssen Gott nicht erst finden. Er hat uns längst gefunden. Wir müssen ihn nicht in der Ferne suchen. Er ist uns näher, als wir denken. Gerade in unseren Sorgen, in unseren Fragen, in unserer Schwachheit ist er nicht abwesend — sondern gegenwärtig.

Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft dieses Evangeliums: Wenn du wissen willst, ob Gott dich liebt — schau auf Christus. Wenn du wissen willst, ob Gott dich versteht — schau auf Christus. Wenn du wissen willst, ob Gott dir nahe ist — schau auf Christus.

V. Ein Glaube, der trägt
Was folgt daraus? Glaube heißt nicht, keine Fragen mehr zu haben. Glaube heißt nicht, keine Angst mehr zu spüren. Glaube heißt: sich an Christus festmachen.

Vertrauen, dass mein Leben einen Sinn hat. Vertrauen, dass ich nicht verloren gehe. Vertrauen, dass ich geführt bin — auch wenn ich den Weg nicht ganz sehe.

Dieses Vertrauen wächst leise: im Gebet, im Hören auf Gottes Wort, durch die kleinen selbstlosen Dienste des Alltags.

VI. Ein Herz, das offen bleibt
Der heilige Franz von Sales hat einmal ein schönes Bild gebraucht: Das Nest des Halcyon-Vogels ist auf den Wellen des Meeres gebaut — und es geht nicht unter, weil es nach oben offen ist. So soll auch unser Herz sein: offen zum Himmel. Dann mögen die Wellen kommen — sie werden uns nicht verschlingen.

VII. Schluss
Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht nehmen wir heute nur diesen einen Gedanken mit: Ich muss nicht alles verstehen. Ich muss nicht den ganzen Weg sehen. Es genügt, dass ich auf menschenliebenden Christus schaue. Denn er ist der Weg. Er ist die Wahrheit. Er ist das Leben. Und in ihm hat Gott uns sein barmherziges und menschenfreundliches Gesicht gezeigt. Darum gilt auch heute für uns: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“ Amen.

Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer ist der Gründungsrektor des Collegium Orientale in Eichstätt. Er ist Theologe mit Schwerpunkt auf ökumenischer Theologie, ostkirchlicher Ekklesiologie und ostkirchlicher Liturgiewissenschaft. Er studierte in Eichstätt, Jerusalem und Rom, war in verschiedenen Dialogkommissionen tätig. Er veröffentlicht zu Fragen der Ökumene, des Frühen Mönchtums, der Liturgie der Ostkirchen und der ostkirchlichen Spiritualität. Weitere kath.net-Beiträge von ihm: siehe Link.
 


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