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Die katholische Insel des Friedens

vor 1 Stunden in Spirituelles, keine Lesermeinung
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„Wer das Evangelium verkündet, wird im Widerspruch zu dieser Welt stehen, Empörung, Erregung, höhnisches Gelächter und auch Verfolgung erleiden.“ Geistliche Betrachtung von Dr. Thorsten Paprotny


Hannover (kath.net) Christen aller Konfessionen, Andersgläubige und ebenso Agnostiker schauen in diesen österlichen Tagen auf eine von Machtpolitik und Kriegen gezeichnete, ja verwüstete Welt. Das Zeugnis der Kirche, insbesondere das furchtlose Zeugnis des Papstes als Stellvertreter und Diener der Diener Christi, findet Gehör, Resonanz wie Widerhall und erregt auch Widerspruch. Wer das Evangelium verkündet, wird im Widerspruch zu dieser Welt stehen, Empörung, Erregung, höhnisches Gelächter und auch Verfolgung erleiden. Einfach gläubige Katholiken denken in Gemeinschaft mit Papst Leo XIV. in diesen Tagen besonders an die wahre „Insel des Friedens“ inmitten der Welt, die aber nicht von dieser Welt ist, denn in ihr ist uns das Brot vom Himmel geschenkt. Wir feiern Eucharistie, d. h.: Wir sagen Dank und bekennen dabei das staunend das Geheimnis des Glaubens.

Papst Benedikt XVI. hat am 22. Juli 2007 das Nachsynodale Apostolische Schreiben „Sacramentum caritatis“ veröffentlicht (siehe Link zur Vatikan-Website). Er spricht darin von der Eucharistie, also spricht er vom Frieden. Wir können beides nicht voneinander trennen. Es ist nicht ein Frieden, der ausgehandelt wird, sondern der Friede Gottes, der uns Geschenk ist und Geheimnis bleibt, nachdem wir uns sehnen und ausstrecken. In jeder Feier der Eucharistie stehen wir, kniend und anbetend, nach der Konsekration vor dem „Geheimnis des Glaubens“. Mit diesem Ausruf drücke der Priester auch sein Staunen „angesichts der Wesensverwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi aus – einer Wirklichkeit, die alles menschliche Verstehen übersteigt“.


Wir können diese Wirklichkeit nicht ins bloß Weltliche herabziehen, wir können auch nicht bei einer symbolischen Deutung verharren. Dabei gehen wir fehl, denn der Glaube der Kirche ist ein eucharistischer Glaube. Wer die Eucharistie mit Leib und Seele feiert, mit gotteskindlichem Vertrauen und gläubigem Staunen, der gibt sich hinein in die Sendung, der wird auf besondere Weise ein Friedensbote Gottes in der Welt von heute. Benedikt XVI. schreibt: „Jede große Reform ist in irgendeiner Weise verbunden mit der Wiederentdeckung des Glaubens an die eucharistische Gegenwart des Herrn inmitten seines Volkes.“ 

Nichts Besseres können wir also tun in dieser Weltenzeit als Eucharistie zu feiern. Der dreifaltige Gott, in sich selbst die Liebe, gibt sich hinein in die „menschliche Befindlichkeit“, wir können diese Gabe nicht fordern, sie ist uns geschenkt: „Im Brot und im Wein, unter deren Gestalten Christus sich uns im österlichen Mahl schenkt (vgl. Lk 22,14-20; 1 Kor 11, 23-26), kommt in Form des Sakraments das ganze göttliche Leben zu uns und teilt sich uns mit. Gott ist das vollkommene Mit- und Ineinander gegenseitiger Liebe zwischen dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist.“ Das Geheimnis der Glauben ist das Geheimnis der Liebe. Der heilige Augustinus sagt in „De Trinitate“ (De Trinitate, VIII, 8, 12): „Wenn du die Liebe siehst, siehst du die Trinität.“

Der Auftrag Christi besteht darin, seiner Gabe zu entsprechen und sie sakramental darzustellen, im Vertrauen auf den Heiligen Geist und seine Führung, die in die sakramentale Wirklichkeit hineinführt. Benedikt XVI. schreibt: „Die Gedächtnisfeier seiner vollkommenen Gabe besteht ja nicht in der einfachen Wiederholung des Letzten Abendmahles, sondern eigens in der Eucharistie, das heißt in der radikalen Neuheit des christlichen Kultes.“

Der gläubige Christ tritt in die Stunde Jesu ein, in die Dynamik seiner Hingabe, damit auch in die Passionsgemeinschaft mit dem Herrn: „Die Wesensverwandlung von Brot und Wein in seinen Leib und sein Blut bringt in die Schöpfung das Prinzip einer tiefgreifenden Veränderung ein, wie eine Art „Kernspaltung“ – um ein uns heute wohlbekanntes Bild zu benutzen –, die ins Innerste des Seins getragen worden ist, eine Veränderung, die dazu bestimmt ist, einen Prozess der Verwandlung der Wirklichkeit auszulösen, dessen letztes Ziel die Verklärung der gesamten Welt ist bis zu jenem Zustand, in dem Gott alles in allem sein wird (vgl. 1 Kor 15,28).“ 

Die Feier der Eucharistie ist das Herz der Kirche, die Mitte des Glaubens, in der Christi Gegenwart leibhaftig besteht. Die Eucharistie ist „grundlegend für das Sein und Handeln der Kirche“, und wir beten, wir bitten um Teilhabe an Christi Leib und Blut, damit „eins werden durch den Heiligen Geist“, wie es im zweiten Eucharistischen Hochgebet heißt. Die Eucharistie ist das Sakrament der Einheit und die Gemeinschaft der Kirche, die alle Zeiten und alle Orte umspannt, ist eine „von Natur aus katholische Wirklichkeit“. 

In der Feier der Eucharistie vermag der einfach gläubige Katholik in der Welt von heute die höchste Gemeinschaft der Kirche erfahren, die Verbundenheit untereinander und mit Christus. Wer Eucharistie feiert, darf sich seiner Zugehörigkeit zur Insel des Friedens freuen – und wird auf ihr verbleiben, auch wenn er in die Welt, in den Alltag seines Lebens hineingesandt ist, um durch Zeugnis und Beispiel aus dem Geheimnis des Glaubens zu schöpfen, gesandt im Frieden Christi, um den Glauben in der Welt von heute zu bezeugen. 

Wir können, wir dürfen nur staunen, wenn wir Eucharistie feiern, von der Gegenwart des Herrn erfüllt, doch allein so – und nicht anders – stehen wir in der Sendung Christi, nicht für ein politisches Programm, nicht für irgendeine Agenda ökonomischer Interessen, die sich von dem Kreuzesopfer und dem eucharistischen Mahl nicht lösen lässt. 

Wer aus der Eucharistie lebt, kann zum Friedensstifter in der Welt werden, zu einem Boten Gottes. Die Friedensbotschaft der Eucharistie braucht diese Welt so sehr. Wir dürfen auf die Wirklichkeit hoffen, die alles menschliche Verstehen übersteigt – und auf den Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft. 

Was mich selbst betrifft, darf ich sagen: Ich lebe aus der Eucharistie, und das Bewusstsein, was dies bedeutet, wächst und weitet sich, so wie die Erfahrung der Passionsgemeinschaft mit dem Herrn.

Dr. Thorsten Paprotny (siehe Link) lehrte von 1998-2010 am Philosophischen Seminar und von 2010 bis 2017 am Institut für Theologie und Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Der Autor vieler Bücher publizierte bsp. den Band "Theologisch denken mit Benedikt XVI.".

Foto (c) Martin Lohmann/LohmannMedia


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