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Papst Paul VI. hatte die Abschaffung der Heiligen Jahre erwogen

16. August 2025 in Chronik, 7 Lesermeinungen
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Heilige Jahre gehören zu den erfolgreichsten Großereignissen der katholischen Kirche - Vor 50 Jahren stand die uralte Tradition auf der Kippe


Vatikanstadt (kath.net/KAP) Die Tradition der Heiligen Jahre in Rom stand vor 50 Jahren vor dem möglichen Aus. Das geht aus bislang unveröffentlichten Aufzeichnungen des Konzilspapstes Paul VI. (1963-1978) hervor, die jetzt im Vatikan in einem Buch dokumentiert wurden.  

Demnach hatte der damalige Papst erhebliche Zweifel, ob die mit der Idee des Ablasses verbundene Tradition der Heiligen Jahre überhaupt noch zeitgemäß sei. Diese Zweifel brachte er in handschriftlichen Notizen zum Ausdruck, die in dem aktuellen Buch "L'anno santo con Paolo VI" (Das Heilige Jahr mit Paul VI.) von der vatikanischen Verlagsbuchhandlung LEV veröffentlicht wurden. Herausgeber ist Monsignore Leonardo Sapienza, seit 2012 Regent der Präfektur des Päpstlichen Hauses und damit für den reibungslosen Ablauf innerhalb des päpstlichen Haushalts zuständig.


Bewusste Konfrontation mit Moderne

Nach gründlicher Abwägung habe sich Paul VI. dann doch entschieden, die Tradition der Heiligen Jahre fortzusetzen und damit auch bewusst in eine Auseinandersetzung mit der modernen Welt zu führen, heißt es dort. Der Papst hielt dies damals in seinen Notizen mit den Worten fest: "Konfrontation von Glaube und Welt - die Welt entwickelt sich und neigt dazu aufzusaugen, zu verschlingen, zu relativieren."

Dem setzt er entgegen: "Erneuerung durch das Festhalten an den fruchtbaren Prinzipien - Wiederentdeckung des Reiches Gottes - Energie und Hoffnung (...) Rückkehr in 'Gnade'. Umkehr, Buße und sakramentale Vergebung. (...) Berufung zur sozialen Verantwortung." Zusammenfassend hält er drei Ideen für das Heilige Jahr fest: "1. Erweckung. 2. Konfrontation 3. Reform."

Öffentliche Hinweise auf Zweifel

Seine ursprünglichen Zweifel am Heiligen Jahr hatte Papst Paul VI. selbst 1974 in einer Ansprache zur Ankündigung des Heiligen Jahres angedeutet. Damals sagte er: "Nach Gebet und Nachdenken haben wir entschieden, das kommende Jahr 1975 als Heiliges Jahr zu feiern - gemäß dem 25-jährigen Rhythmus."

Das erste Heilige Jahr seit den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) wurde seinerzeit ein überraschend großer Erfolg. Mehr als neun Millionen Pilger strömten 1975 durch die Heiligen Pforten der Papstkirchen in Rom. Im laufenden Heiligen Jahr 2025 rechnet der Vatikan mit rund 30 Millionen Pilgern.

Das bislang erfolgreichste Heilige Jahr war das Jahr 2000; damals kamen laut vatikanischer Zählung rund 25 Millionen Pilger nach Rom. Das erste Heilige Jahr fand 1300 unter Papst Bonifaz VIII. statt.

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