Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Vom Elend der Fürbitten
  2. Der deutsch-synodale Irrweg in Zahlen: Nur 25 Priesterweihen in ganz Deutschland im Jahr 2025!
  3. Vatikanische Theophantasien zur Frauenfrage
  4. Der entschärfte Gott
  5. Pater Dietrich von Stockhausen überreicht Papst Leo XIV. Hesemanns aktuelle Studie über Heroldsbach
  6. EuGH-Urteil: Deutscher Kirchenaustritt kein automatischer Kündigungsgrund
  7. Papst Leo auf Versöhnungskurs
  8. „Die meisten Seelen dort sind die, welche nicht an die Existenz der Hölle geglaubt haben“
  9. "Die Zahl der Seminaristen ist im Bistum Chur leider sehr klein geworden"
  10. Theologe Thomas Söding: „Es braucht eine katholische Internationale!“
  11. Realitätsverlust im Bistum Chur
  12. Muslime wählen SPD und Linke, Christen wählten CDU
  13. Bischof Elbs ermutigt zur Beichte: "Herz ordnen und sich auf Ostern vorbereiten"
  14. Krautwaschl zu Grünwidl: Bin nicht gezwungen worden!
  15. Michelle Obama ermutigt Mütter arbeiten zu gehen

Lasttiere des Herrn

23. Dezember 2023 in Spirituelles, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Wir sind die Lasttiere Gottes, weil er uns in den Dienst nimmt und uns dorthin führt, wo vielleicht wir selbst nicht hingehen wollen… Wer sich Christus anvertraut, der wird ...“ Geistliche Betrachtung zum Weihnachtsfest von Thorsten Paprotny


Hannover (kath.net) Wenn wir inmitten der grausamen Kriege, der vielen sichtbaren und verborgenen Nöte in der Welt und auch angesichts der Wüsten der Gottferne in dieser Zeit, nach Bethlehem schauen, so mögen wir – trotz allem, was uns bewegt, bedrängt und bekümmert – voller gläubiger Dankbarkeit die Geburt unseres Erlösers Jesus Christus feiern und uns von Herzen freuen. Viele Katholiken in Deutschland werden auch an das letzte Weihnachtsfest zurückdenken, das unser verehrter, geliebter Papst Benedikt noch auf Erden feierte, ehe er am Gedenktag des Papstes Silvester für immer nach Hause gehen durfte. Ein Weggefährte auf seinem langen Lebensweg war der heilige Augustinus. Einige Gedanken aus dessen Weihnachtspredigt (siehe Link) mögen vielleicht auch uns heute berühren, bewegen und ins Herz treffen.

Er sprach zu den Gläubigen, die ihm zuhörten, von der Jungfrauengeburt. Verständlich sei es, weltlich gedacht, sich darüber zu verwundern. Die Leugnung der Jungfrauengeburt reichen heute bis in Theologie und Kirche hinein. Kann das wirklich wahr sein? So fragten sich auch Christen in der Antike. Ich erinnere mich daran, wie im Studium sich aufgeklärt wähnende Kommilitonen jene für töricht, einfältig und „primitiv“ hielten, die an diesem Glauben festhielten. Noch sehe ich die entsetzten Blicke einer Studentin vor mir, die mich anschaute und das letzte Wort wiederholte. Wir hatten beide nicht den Mut zu widersprechen, der Dozent schwieg. Wer die Jungfrauengeburt bezweifelt, der bezweifelt alles. Augustinus legt dar: „Er ist Gott. Laß deine Verwunderung fahren, gib Raum dem Lobpreis! Dein Glaube ist gefragt: glaube, daß es sich so verhält. Glaubst du nicht – dies geschah (dennoch) –, so bleibst du ein Ungläubiger.“ Zugleich weist er alle müßigen Grübeleien und Spekulationen ab. Manche Menschen denken geradezu zwanghaft nach, bleiben säkular gesinnt und befangen in den Gespinsten ihrer eigenen Gedanken. Sie halten sich für klug und wissend, unterscheiden zwischen dem, was man glauben kann, glauben sollte oder vernünftigerweise nur für ein frommes Märchen halten kann. Augustinus zeigt auf die Lichtspur der göttlichen Wahrheit: „Er geruhte Mensch zu werden: Was suchst du weiter zu ergründen? Scheint es dir zu wenig, daß Gott sich für dich erniedrigt hat? Gott wurde Mensch. Eng war seine Herberge, in Windeln gehüllt, wurde er in eine Krippe gelegt. Ihr habt es vernommen, als das Evangelium verlesen wurde. Wen wundert dies nicht? Jener, der die Welt erfüllte, fand keinen Platz in der Herberge; in die Krippe gelegt, wurde er Futter für uns.“


Der Name Bethlehem – „Haus des Brotes“ – erinnert uns daran, dass Gott, der sich nach der Liebe seiner Geschöpfe sehnte, selbst uns zur Speise geworden ist, die wir mit dem Leib Christi empfangen, auf dass wir uns von ihm erfüllen lassen, als „liebesdurchglühte Menschen“ – wie der junge Joseph Ratzinger eher nüchterne Worte des heiligen Thomas von Aquin übersetzte – Zeugnis geben für die anstößige Wahrheit des Glaubens, die wir am hochheiligen Weihnachtfest feiern, zu der wir uns gläubig und freudig bekennen dürfen und die vor den Augen der Welt bezeugen sollen, durch das Beispiel unseres eigenen Lebens. Das ist nicht immer einfach, oft mühsam und anstrengend, im Alltag und im Beruf, auch in der eigenen Familie. Schmerzhaft sehen wir, wie die Verhöhnung Christi bis mitten in die Kirche hineinreicht.

Augustinus erwähnt auch Ochs und Esel, die an die Krippe des Herrn treten. Wir sind als Gläubige somit auf gewisse Weise zu den Eseln Gottes erwählt: „Achte auf die Krippe, und schäme dich nicht, ein Lasttier deines Herrn zu sein! Christus wirst du tragen, so wirst du nicht in die Irre gehen und vom Weg abkommen. Der Weg selbst (Christus) sitzt auf dir. Erinnert ihr euch an jenen jungen Esel, der dem Herrn zugeführt wurde? Niemand schäme sich darüber, daß wir damit gemeint sind. Möge der Herr auf uns sitzen und uns lenken, wohin immer er will. Wir sind sein Lasttier auf dem Weg nach Jerusalem. Sitzt er auf uns, so werden wir nicht erdrückt, sondern erhöht; führt er uns, so gehen wir nicht in die Irre. Wir gehen zu ihm, wir gehen durch ihn. So gehen wir nicht zugrunde.“

Wir sind die Lasttiere Gottes, weil er uns in den Dienst nimmt und uns dorthin führt, wo vielleicht wir selbst nicht hingehen wollen, aber wohin er uns führen will. Wer sich Christus anvertraut, der wird nicht in die Irre gehen, sondern darf auf Vollendung hoffen. Jedes Jahr neu dürfen wir uns zu Weihnachten darüber freuen, dass wir zu einem Lasttier des Herrn erwählt sind – und dem Glauben der Kirche aller Zeiten und Orte treu bleiben dürfen, was immer in der Welt sich zutragen mag.

Dr. Thorsten Paprotny (siehe Link) lehrte von 1998-2010 am Philosophischen Seminar und von 2010 bis 2017 am Institut für Theologie und Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Er publizierte 2018 den Band „Theologisch denken mit Benedikt XVI.“ im Verlag Traugott Bautz und arbeitet an einer Studie zum Verhältnis von Systematischer Theologie und Exegese im Werk von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.

kath.net-Buchtipp
Theologisch denken mit Benedikt XVI.
Von Thorsten Paprotny
Taschenbuch, 112 Seiten
2018 Bautz
ISBN 978-3-95948-336-0
Preis 15.50 EUR


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. kath.net ISLAND REISE im JULI 2026 - ANMELDE-DEADLINE - 25. MÄRZ!!!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Krautwaschl zu Grünwidl: Bin nicht gezwungen worden!
  4. Realitätsverlust im Bistum Chur
  5. „Die meisten Seelen dort sind die, welche nicht an die Existenz der Hölle geglaubt haben“
  6. Heimisch sein im Vatikan - Papst Leo XIV. wohnt wieder in der klassischen Papstwohnung
  7. Vom Elend der Fürbitten
  8. Eine große BITTE an Ihre Großzügigkeit! - FASTENSPENDE für kath.net!
  9. Einladung zur Novene zum Hl. Josef
  10. Der deutsch-synodale Irrweg in Zahlen: Nur 25 Priesterweihen in ganz Deutschland im Jahr 2025!
  11. Vatikanische Theophantasien zur Frauenfrage
  12. Papst Leo auf Versöhnungskurs
  13. Papst bezieht diesen Samstag seine Wohnung im Apostolischen Palast
  14. Der entschärfte Gott
  15. "Die Zahl der Seminaristen ist im Bistum Chur leider sehr klein geworden"

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz