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Papst will Neuausrichtung der kirchlichen Morallehre

16. Oktober 2023 in Weltkirche, 56 Lesermeinungen
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Franziskus in Schreiben: "Das Zentrum der christlichen Moral ist die Liebe" - Text des Papstschreibens in voller Länge


Vatikanstadt (kath.net/KAP) Zur Halbzeit der Weltsynode im Vatikan hat Papst Franziskus eine Neuausrichtung der christlichen Morallehre gefordert. In einem am Sonntag veröffentlichten Päpstlichen Mahnschreiben betont er, die Liebe sei der eigentliche Kern der christlichen Botschaft, die Kirche müsse ihre Lehre danach ausrichten. Wörtlich schreibt der Papst: "Das Zentrum der christlichen Moral ist die Liebe (...) die Werke der Nächstenliebe sind der vollkommenste Ausdruck der inneren Gnade des Geistes. Am Ende zählt nur die Liebe." Die Synodenversammlung im Vatikan hat am 4. Oktober gestartet und dauert bis 29. Oktober an.

Die Kirche müsse sich in ihrer Verkündigung auf das Wesentliche konzentrieren, so der Papst. Zur Begründung schreibt er: "Nicht alles ist gleichermaßen zentral, denn es gibt eine Ordnung oder Hierarchie unter den Wahrheiten der Kirche, und das gilt sowohl für die Glaubensdogmen als auch für die gesamte Lehre der Kirche, einschließlich der Morallehre."

Anlass des am Sonntag veröffentlichen Schreibens ist der 150. Geburtstag der französischen Heiligen Therese von Lisieux (1873 - 1897). Sie hatte in ihren Schriften die überragende Bedeutung der Liebe für den christlichen Glauben betont. Das Schreiben des Papstes trägt nach einem Zitat der Heiligen den französischen Titel "C'est la confiance", der deutsche Titel lautet "Das Vertrauen".

An die Theologen und Ethiker in der Kirche richtet der Papst in dem Schreiben die Aufforderung: "Wir müssen diese geniale Einsicht Thereses noch erfassen und die theoretischen und praktischen, lehrmäßigen und pastoralen, persönlichen und gemeinschaftlichen Konsequenzen daraus ziehen. Dazu brauchen wir Kühnheit und innere Freiheit".

Weltsynode

Die Weltsynode besteht aus mehr als 400 von den Ortskirchen entsandte sowie vom Papst benannte Bischöfe, Priester, Laien, Theologen und Ordensleute in Rom zusammen - 365 von ihnen mit offiziellem Stimmrecht. Erstmals bei einer Synode der katholischen Weltkirche haben Nicht-Bischöfe und Nicht-Priester, unter ihnen auch Frauen, in größerem Umfang ein Mitsprache- und Stimmrecht - kirchenrechtlich bleibt es trotzdem eine Bischofssynode.

Aus Österreich sind Kardinal Christoph Schönborn (78) und der Bischofskonferenz-Vorsitzende Erzbischof Franz Lackner (67) Mitglieder der Synode. Im Kreis der eingeladenen -nicht-stimmberechtigten - Expertinnen und theologischen Beraterinnen ist die Pastoraltheologin Klara-Antonia Csiszar (42), die als Professorin für Pastoraltheologie an der Katholische Privat-Universität (KU) Linz sowie an der Babes-Bolyai-Universität im in Cluj-Napoca in Rumänien lehrt.

Copyright 2023 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten

Foto: Papst Franziskus mit Teilnehmern der Bischofssynode (c) Osservatore Romano

kath.net dokumentiert in voller Länge:

 

APOSTOLISCHES SCHREIBEN C’EST LA CONFIANCE DES HEILIGEN VATERS PAPST FRANZISKUS ÜBER DAS VERTRAUEN AUF DIE BARMHERZIGE LIEBE GOTTES ANLÄSSLICH DES 150. JAHRESTAGES DER GEBURT DER HEILIGEN THERESIA VOM KINDE JESUS UND VOM HEILIGEN ANTLITZ

 

1. »C’est la confiance et rien que la confiance qui doit nous conduire à l’Amour«:„Das Vertrauen und nichts als das Vertrauen soll uns zur Liebe führen!“.[1]

2. Diese eindrücklichen Worte der heiligen Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz sagen alles, sie fassen die Besonderheit ihrer Spiritualität zusammen und würden bereits genügen, um ihre Erhebung zur Kirchenlehrerin zu rechtfertigen. Allein das Vertrauen, “nichts anderes”, kein anderer Weg führt zu jener Liebe, die alles schenkt. Mit dem Vertrauen fließt die Quelle der Gnade in unserem Leben über, das Evangelium wird in uns Fleisch und verwandelt uns in Kanäle der Barmherzigkeit für unsere Brüder und Schwestern.

3. Es ist das Vertrauen, das uns jeden Tag trägt und das uns im Angesicht des Herrn bestehen lässt, wenn er uns zu sich rufen wird: »Am Abend dieses Lebens werde ich vor Dir mit leeren Händen erscheinen. Denn ich bitte Dich nicht, Herr, meine Werke zu zählen, ist doch „unsere ganze Gerechtigkeit in Deinen Augen wie ein schmutziges Kleid“. So will ich mich mit Deiner eigenen Gerechtigkeit bekleiden und Dich selbst von Deiner Liebe zu ewigem Besitz empfangen.«[2]

4. Die kleine Therese ist eine der bekanntesten und beliebtesten Heiligen in der ganzen Welt. So wie der heilige Franz von Assisi wird sie selbst von Nicht-Christen und Nicht-Gläubigen geliebt. Sie wurde auch von der UNESCO als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten für die Menschheit unserer Zeit anerkannt.[3] Es wird uns guttun, ihre Botschaft zu vertiefen, wenn wir den 150. Jahrestag ihrer Geburt am 2. Januar 1873 in Alençon und den hundertsten Jahrestag ihrer Seligsprechung[4] begehen. Aber ich wollte dieses Schreiben weder an einem dieser beiden Termine noch an ihrem Gedenktag veröffentlichen, damit die Botschaft über diese Anlässe hinausgeht und als Teil des geistlichen Schatzes der Kirche angesehen wird. Das Datum dieser Veröffentlichung, der Gedenktag der heiligen Theresia von Ávila, möchte die heilige Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz als eine reife Frucht der Reform des Karmels und der Spiritualität der großen spanischen Heiligen ausweisen.

5. Ihr irdisches Leben war von kurzer Dauer, gerade einmal vierundzwanzig Jahre, und schlicht wie jedes andere – zuerst lebte sie in ihrer Familie und dann im Karmel von Lisieux. Die außergewöhnliche Kraft an Licht und an Liebe, die ihre Person ausstrahlte, zeigte sich unmittelbar nach ihrem Tod mit der Veröffentlichung ihrer Schriften und durch die unzähligen Gnaden, die die Gläubigen erhielten, die sie anriefen.

6. Die Kirche erkannte schnell den außerordentlichen Wert ihres Zeugnisses und die Besonderheit ihrer im Evangelium verwurzelten Spiritualität. Theresia begegnete Papst Leo XIII. anlässlich der Pilgerreise nach Rom im Jahr 1887 und bat ihn um die Erlaubnis, im Alter von fünfzehn Jahren in den Karmel einzutreten. Kurz nach ihrem Tod wurde sich der heilige Pius X. ihrer gewaltigen geistlichen Bedeutung bewusst, so dass er sogar die Aussage traf, sie würde die größte Heilige der Moderne werden. Im Jahr 1921 wurde sie von Benedikt XV. für verehrungswürdig erklärt; er lobte ihre Tugenden, die er im „kleinen Weg“ der geistlichen Kindschaft ausmachte.[5] Vor einhundert Jahren wurde sie seliggesprochen und später, am 17. Mai 1925, von Pius XI. heiliggesprochen, der dem Herrn dafür dankte, dass Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz die erste Selige war, die er zu den Ehren der Altäre erhob, und die erste von ihm kanonisierte Heilige. [6] Derselbe Papst erklärte sie 1927 zur Patronin der Missionen.[7] 1944 wurde sie vom verehrungswürdigen Pius XII. unter die Patroninnen Frankreichs aufgenommen.[8] Dieser vertiefte bei mehreren Gelegenheiten das Thema der geistlichen Kindschaft.[9] Der heilige Paul VI. erinnerte gern daran, dass er selbst die Taufe am 30. September 1897 empfangen hatte, dem Todestag der heiligen kleinen Therese, und zum hundertsten Jahrestag ihrer Geburt richtete er ein Schreiben über ihre Lehre an den Bischof von Bayeux und Lisieux.[10] Auf seiner ersten apostolischen Reise nach Frankreich im Juni 1980 besuchte der heilige Johannes Paul II. die ihr geweihte Basilika; er erklärte sie 1997 zur Kirchenlehrerin[11] und dann auch zur »Expertin der scientia amoris«.[12]Benedikt XVI. griff das Thema ihrer „Wissenschaft der Liebe“ wieder auf und schlug sie als »Wegweiser für alle vor, insbesondere für diejenigen, die im Volk Gottes den Dienst der Theologen ausüben«.[13] Schließlich hatte ich die Freude, ihre Eltern Louis und Zélie 2015 während der Synode über die Familie heiligzusprechen, und kürzlich habe ich ihr eine eigene Katechese in der Reihe über den apostolischen Eifer gewidmet.[14]

1. Jesus für die anderen

7. In dem Namen, den sie als Ordensfrau wählte, steht Jesus im Vordergrund: Das „Kind“, das das Geheimnis der Menschwerdung anzeigt, und das „Heilige Antlitz“, das heißt, das Antlitz Christi, der sich bis zu seinem Ende am Kreuz hingibt. Sie ist die „heilige Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz“.

8. Als Akt der Liebe „hauchte“ Theresia bis zu ihrem letzten Atemzug beständig den Namen Jesu. Sie hatte diese Worte auch in ihre Zelle eingraviert: „Jesus ist meine einzige Liebe“. Das war ihre Interpretation der wichtigsten Aussage des Neuen Testaments: »Gott ist Liebe« (1 Joh 4,8.16).

Missionarische Seele

9. Wie es bei jeder authentischen Begegnung mit Christus geschieht, rief diese Glaubenserfahrung sie zur Mission. Theresia konnte ihre Sendung mit diesen Worten beschreiben: »Ich werde nämlich im Himmel denselben Wunsch haben wie auf der Erde: Jesus zu lieben und zu bewirken, dass er geliebt wird«.[15] Sie schrieb, dass sie in den Karmel eingetreten war, „um die Seelen zu retten“.[16] Mit anderen Worten, sie verstand ihre Weihe an Gott nicht ohne die Suche nach dem Wohl ihrer Brüder und Schwestern. Sie teilte die barmherzige Liebe des Vaters für den sündigen Sohn und die des Guten Hirten für die verlorenen, fernstehenden und verletzten Schafe. Deshalb ist sie die Patronin der Missionen, eine Lehrmeisterin der Evangelisierung.

10. Die letzten Seiten der Geschichte einer Seele[17] sind ein missionarisches Testament, sie bringen ihr Verständnis von Evangelisierung zum Ausdruck, die durch Anziehung und nicht etwa durch Druck oder Proselytismus geschieht.[18] Es lohnt sich zu lesen, wie sie selbst es zusammenfasst: »“Ziehe mich an Dich, wir werden dem Duft deiner Wohlgerüche nachlaufen“. Jesus, ich brauche also nicht einmal zu sprechen: „Indem Du mich anziehst, ziehe auch die Seelen an, die ich liebe.“ Das einfache „Ziehe mich an Dich!“ reicht aus. Herr, ich verstehe, wenn eine Seele sich „vom betörenden Duft Deiner Wohlgerüche“ hat gefangen nehmen lassen, dann kann sie nicht alleine laufen. Alle Seelen, die sie liebt, werden in ihrem Gefolge mitgezogen. Das geschieht ohne Zwang und ohne Anstrengung; es ist vielmehr eine natürliche Folge ihres Angezogenseins von Dir. Wie ein Wildbach, der sich mit ungestümer Macht ins Meer stürzt, alles mit sich reißt, was er unterwegs angetroffen hat, so nimmt die Seele, die in das uferlose Meer deiner Liebe eintaucht, mein Jesus, alle Schätze mit sich, die sie besitzt ... Herr, Du weißt, keine anderen Schätze habe ich als die Seelen, die Du mit der meinen vereinen wolltest«.[19]

11. Hier zitiert sie die Worte, die die Braut im Hohelied (1,3-4) an den Bräutigam richtet, gemäß der tiefgründigen Auslegung der beiden Kirchenlehrer des Karmels, der heiligen Theresia von Ávila und des heiligen Johannes vom Kreuz. Der Bräutigam ist Jesus, der Sohn Gottes, der unsere menschliche Natur angenommen und sie am Kreuz erlöst hat. Dort brachte er aus seiner offenen Seite die Kirche hervor, seine geliebte Braut, für die er sein Leben hingab (vgl. Eph 5,25). Es ist beeindruckend, wie die kleine Therese, die weiß, dass sie dem Tod nahe ist, dieses Geheimnis nicht in sich selbst verschlossen lebt, lediglich im Sinne einer Tröstung, sondern mit einer glühenden apostolischen Gesinnung.

Die Gnade, die uns von der Selbstbezogenheit befreit

12. Etwas Ähnliches geschieht, wenn sie sich auf das Wirken des Heiligen Geistes bezieht, das sofort eine missionarische Bedeutung annimmt: »Das ist mein Gebet: Ich bitte Jesus, mich in die Flammen seiner Liebe hineinzuziehen und mich so eng mit sich zu vereinigen, dass er in mir lebt und handelt. Ich weiß genau, je mehr das Feuer der Liebe mein Herz entflammt, umso mehr werde ich sagen: „Ziehe mich an dich!“, umso mehr werden auch die Seelen, die mir nahe kommen (mir, die ich doch nur ein armes kleines Stück unnützen Eisenschrotts wäre, wenn ich mich aus dem göttlichen Glutofen entfernen würde), eilig laufen im Duft der Wohlgerüche ihres Geliebten. Denn eine von der Liebe entflammte Seele kann nicht untätig bleiben«.[20]

13. Im Herzen der kleinen Therese hat sich die Gnade der Taufe in diesen reißenden Strom verwandelt, der in den Ozean der Liebe Christi mündet und dabei eine Vielzahl von Schwestern und Brüdern mit sich zieht, was sich besonders nach ihrem Tod ereignete. Das war ihr versprochener »Rosenregen«.[21]

2. Der kleine Weg des Vertrauens und der Liebe

14. Eine der wichtigsten Entdeckungen der kleinen Therese zum Wohle des ganzen Gottesvolks ist ihr „kleiner Weg“, der Weg des Vertrauens und der Liebe, auch bekannt als der Weg der geistlichen Kindschaft. Alle können ihm folgen, in jedem Lebensstand, in jedem Augenblick des Daseins. Es ist der Weg, den der himmlische Vater den Kleinen offenbart (vgl. Mt 11,25).


15. Die kleine Therese erzählt in der Geschichte einer Seele[22] von der Entdeckung des kleinen Weges: »Ich kann mir also trotz meiner Kleinheit Hoffnung auf Heiligkeit machen. Größer machen kann ich mich nicht. Ich muss mich also so ertragen, wie ich bin, mit all meinen Unvollkommenheiten. Aber ich will ein Mittel finden, um auf einem kleinen, ganz direkten, ganz kurzen Weg in den Himmel zu kommen, einem kleinen, ganz neuen Weg«.[23]

16. Um das zu beschreiben, verwendet sie das Bild des Aufzugs: »Der Aufzug, der mich bis zum Himmel emporheben soll, das sind deine Arme, o Jesus! Dafür brauche ich nicht größer zu werden. Im Gegenteil, ich muss klein bleiben, ja es immer mehr werden«.[24] Klein und nicht in der Lage sich auf sich selbst zu verlassen, aber fest geborgen in der liebenden Kraft der Arme des Herrn.

17. Es ist der „süße Weg der Liebe“,[25] den Jesus für die Kleinen und die Armen, für alle eröffnet hat. Es ist der Weg der wahren Freude. Gegenüber einer pelagianischen Vorstellung von Heiligkeit,[26] die individualistisch und elitär ist, mehr asketisch als mystisch, und die den Schwerpunkt hauptsächlich auf die menschliche Anstrengung legt, betont die kleine Therese stets den Vorrang des Handelns Gottes, seiner Gnade. Das bringt sie dazu zu sagen: »Dennoch fühle ich weiterhin dieselbe unbeirrbare Zuversicht, eine große Heilige zu werden. Denn ich setze nicht auf meine Verdienste, habe ich doch kein einziges, sondern ich hoffe auf den, der die Tugend, die Heiligkeit selbst ist. Er gibt sich mit meinen schwachen Bemühungen zufrieden, und er allein ist es, der mich bis zu sich erheben und mich zur Heiligenmachen wird, indem er mich mit seinen unendlichen Verdiensten umgibt«.[27]

Jenseits aller Verdienste

18. Diese Denkweise steht nicht im Widerspruch zur traditionellen katholischen Lehre über das Wachstum der Gnade, dass wir also durch die heiligmachende Gnade ohne unser eigenes Verdienst gerechtfertigt, verwandelt und dazu befähigt werden, mit unseren guten Taten auf einem Weg des Wachsens in der Heiligkeit mitzuwirken. Auf diese Weise werden wir erhoben, so dass wir echte Verdienste erlangen und so die empfangenen Gnade weiter entfalten können.

19. Die kleine Therese zieht es jedoch vor, den Primat des göttlichen Handelns zu betonen und mit Blick auf die Liebe Christi, der sich ganz für uns hingegeben hat, zu vollkommenem Vertrauen einzuladen. Im Grunde besagt ihre Lehre: Da wir keinerlei Gewissheit haben können, wenn wir auf uns selbst schauen[28], können wir auch nicht sicher sein, eigene Verdienste zu haben. Daher ist es nicht möglich, auf diese Anstrengungen oder Leistungen zu vertrauen. Der Katechismus wollte die Worte der heiligen kleinen Therese zitieren, die sie an den Herrn richtete: »Ich werde mit leeren Händen vor Dir erscheinen«,[29] um damit zum Ausdruck zu bringen, dass “die Heiligen sich stets lebhaft bewusst waren, dass ihre Verdienste reine Gnade sind“.[30] Diese Überzeugung bewirkt eine freudige und liebevolle Dankbarkeit.

20. Die angemessenste Haltung ist daher, das Vertrauen unseres Herzens außerhalb von uns selbst zu verankern: in der unendlichen Barmherzigkeit eines Gottes, der grenzenlos liebt und der am Kreuz Jesu Christi alles gegeben hat.[31] Aus diesem Grund verwendet Theresia nie die zu ihrer Zeit gebräuchliche Formulierung „Ich mache mich zu einer Heiligen“.

21. Doch ihr grenzenloses Vertrauen ermutigt diejenigen, die sich schwach, begrenzt und schuldig fühlen, sich tragen und verwandeln zu lassen, um nach oben zu gelangen: »Ach, wenn alle schwachen und unvollkommenen Seelen sich das vor Augen halten würden, was die kleinste von allen Seelen, die Seele Ihrer kleinen Theresia, erfährt, würde keine einzige die Hoffnung aufgeben, dass sie den Gipfel des Berges der Liebe erreichen kann. Denn Jesus verlangt keine großen Taten, sondern allein Ergebung in seinen Willen und Dankbarkeit«.[32]

22. Eben dieses Beharren der kleinen Therese auf der göttlichen Initiative hat zur Folge, dass sie, wenn sie von der Eucharistie spricht, nicht ihren Wunsch in den Vordergrund rückt, Jesus in der heiligen Kommunion zu empfangen, sondern den Wunsch Jesu, der sich mit uns vereinen und in unseren Herzen wohnen will.[33] Im Akt der Hingabe an die barmherzige Liebe, sagt sie, die darunter leidet, dass sie nicht jeden Tag die Kommunion empfangen kann, zu Jesus: »Bleib in mir wie im Tabernakel«.[34] Die Mitte und der Gegenstand ihres Betrachtens ist nicht sie selbst mit ihren Bedürfnissen, sondern Christus, der liebt, der sucht, der sich sehnt, der in der Seele wohnt.

Die tägliche Hingabe

23. Das Vertrauen, das die kleine Therese bewirbt, ist nicht nur in Bezug auf die eigene Heiligung und Erlösung zu verstehen. Es hat einen ganzheitlichen Sinn, der die Gesamtheit des konkreten Daseins umfasst und sich auf unser ganzes Leben erstreckt, in dem wir oft von Ängsten, dem Wunsch nach menschlichen Sicherheiten und dem Bedürfnis, alles unter unserer Kontrolle zu haben, überwältigt werden. Hier ergeht die Einladung zur heiligen „Hingabe“.

24. Das vollkommene Vertrauen, das sich immer mehr der Liebe anheimgibt, befreit uns von zwanghaftem Kalkül, von der ständigen Sorge um die Zukunft, von Ängsten, die uns den Frieden nehmen. In ihren letzten Tagen bestand Theresia darauf: »Ich finde, dass wir, die wir den Weg der Liebe gehen, nicht an das denken dürfen, was die Zukunft uns an Schmerzlichem bringen kann, denn dann fehlt es uns an Vertrauen«.[35] Wenn wir uns in den Händen eines Vaters befinden, der uns grenzenlos liebt, dann wird dies unter allen Umständen wahr bleiben, wir werden weitergehen können, was auch immer geschieht, und auf die ein oder andere Weise wird sich in unserem Leben sein Plan der Liebe und der Fülle verwirklichen.

Ein Feuer mitten in der Nacht

25. Theresia erlebte im Dunkel der Nacht und sogar in der Finsternis des Leidens den stärksten und sichersten Glauben. Ihr Zeugnis erreichte den Höhepunkt im letzten Abschnitt des Lebens, in der großen »Prüfung gegen den Glauben«,[36] die an Ostern 1896 begann. In ihrem Bericht[37] bringt sie diese Prüfung in direkten Zusammenhang mit der schmerzhaften Wirklichkeit des Atheismus ihrer Zeit. Sie lebte nämlich am Ende des 19. Jahrhunderts, dem „goldenen Zeitalter“ des modernen Atheismus im Sinne eines philosophischen und ideologischen Systems. Als sie schrieb, dass Jesus es zuließ, dass »dichteste Finsternis in meine Seele einzog und sie erfüllte«,[38] meinte sie damit die Finsternis des Atheismus und die Ablehnung des christlichen Glaubens. Vereint mit Jesus, der die ganze Dunkelheit der Sünde der Welt in sich aufnahm, als er den Kelch des Leidens zu trinken bereit war, begreift die kleine Therese in dieser düsteren Finsternis die Verzweiflung, die Leere des Nichts.[39]

26. Aber die Finsternis kann das Licht nicht auslöschen: Sie wurde von demjenigen besiegt, der als Licht in die Welt gekommen ist (vgl. Joh 12,46).[40] Der Bericht der kleinen Therese offenbart den heroischen Charakter ihres Glaubens, ihren Sieg im geistlichen Kampf angesichts der stärksten Versuchungen. Sie fühlt sich als Schwester der Atheisten und als jemand, der wie Jesus mit den Sündern am Tisch sitzt (vgl. Mt 9,10-13). Sie legt für sie Fürsprache ein, während sie ihren Glaubensakt beständig erneuert, immer in liebender Gemeinschaft mit dem Herrn: »Ich laufe zu meinem Jesus und sage ihm, ich bin bereit, mein Blut bis zum letzten Tropfen für das Bekenntnis zu vergießen, dass es einen Himmel gibt. Ich sage ihm auch, dass ich glücklich bin, diesen schönen Himmel nicht auf der Erde zu genießen, damit er ihn den armen Ungläubigen für die Ewigkeit auftun möge«.[41]

27. Zusammen mit dem Glauben lebt Theresia auf intensive Weise ein unbegrenztes Vertrauen in die unendliche Barmherzigkeit Gottes: ein »Vertrauen, das zur Liebe führt«.[42] Sie lebt auch in der Dunkelheit das totale Vertrauen des Kindes, das sich ohne Angst den Armen seines Vaters und seiner Mutter überlässt. Für die kleine Therese zeigt sich Gott besonders klar durch seine Barmherzigkeit, die der Schlüssel zum Verständnis aller anderen Aussagen über ihn ist: »Mir hat er seine unendliche Barmherzigkeit gegeben, durch sie hindurch beschaue ich alle anderen göttlichen Vollkommenheiten und bete sie an ... Da erhalten für mich alle den Glanz der Liebe. Sogar die Gerechtigkeit (und vielleicht sie sogar mehr als alle anderen) erscheint mir wie mit Liebe bekleidet«.[43] Dies ist eine der wichtigsten Entdeckungen von Theresia, einer ihrer bedeutendsten Beiträge für das ganze Volk Gottes. Auf außergewöhnliche Weise tauchte sie ein in die Tiefen der göttlichen Barmherzigkeit und schöpfte daraus das Licht ihrer grenzenlosen Hoffnung.

Eine ganz feste Hoffnung

28. Vor ihrem Eintritt in den Karmel hatte Theresia eine einzigartige geistliche Nähe zu einem der unglücklichsten Menschen erlebt, dem Verbrecher Henri Pranzini, der wegen dreifachen Mordes zum Tode verurteilt worden war und keine Reue zeigte.[44] Indem sie die Messe für ihn aufopfert und voller Vertrauen für seine Rettung betet, ist sie sich gewiss, ihn mit dem Blut Jesu in Berührung zu bringen und sie sagt zu Gott, sie sei ganz sicher, dass er ihm im letzten Augenblick vergeben werde, und dass sie daran glaube, »auch wenn er nicht beichten und keinerlei Anzeichen der Reue geben würde«. Sie nennt den Grund für ihre Gewissheit: »Mein Vertrauen auf die unendliche Barmherzigkeit Jesu ist so groß«.[45] Welch unbeschreibliches Gefühl, als sie dann erfährt, dass Pranzini noch auf dem Schafott „mit einem Mal, von einer plötzlichen Eingebung erfasst, sich umdreht, ein Kreuz ergreift, das ihm der Priester hinhält, und drei Mal seine heiligen Wunden küsst!“[46] Diese so intensive Erfahrung des Hoffens gegen alle Hoffnung war für sie von grundlegender Bedeutung: »Ah, nach diesem einzigartigen Gnadenerweis nahm mein Verlangen, Seelen zu retten, von Tag zu Tag zu«.[47]

29. Theresia ist sich des Dramas der Sünde bewusst, auch wenn wir sie immer eingetaucht in das Geheimnis Christi sehen, mit der Gewissheit, dass „wo […] die Sünde mächtig wurde, die Gnade übergroß geworden ist“ (vgl. Röm 5,20). Die Sünde der Welt ist riesig, aber nicht unendlich. Die barmherzige Liebe des Erlösers hingegen ist wahrhaft unendlich. Theresia ist Zeugin des endgültigen Sieges Jesu über alle Mächte des Bösen durch sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung. Vom Vertrauen bewegt, wagt sie zu sagen: »Jesus, mach, dass ich viele Seelen rette, dass es heute keinen einzigen Verdammten gibt [...] Jesus, verzeih mir, wenn ich Dinge sage, die sich nicht gehören, ich will Dir doch nur Freude machen und Dich trösten«.[48] Damit kommen wir zu einem weiteren Aspekt dieser frischen Luft der Botschaft der heiligen Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz.

3. Ich werde die Liebe sein

30. Da sie „größer“ als der Glaube und die Hoffnung ist, wird die Liebe niemals vergehen (vgl. 1 Kor 13,8-13). Sie ist das größte Geschenk des Heiligen Geistes und »die Mutter und Wurzel aller Tugenden«.[49]

Die Liebe als persönliche Haltung

31. Die Geschichte einer Seele ist ein Zeugnis der Liebe, in der die kleine Therese uns einen Kommentar zu Jesu neuem Gebot gibt, das darin besteht »dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe« (Joh 15,12).[50] Jesus dürstet nach dieser Antwort auf seine Liebe. »Denn derselbe Gott, der erklärt, er habe es nicht nötig, uns zu sagen, wenn er Hunger hat, hat sich nicht gescheut, bei der Samariterin um ein wenig Wasser zu betteln. Er hatte Durst ... Doch mit dem Wort „Gib mir zu trinken!“ verlangte der Schöpfer des Alls nach der Liebe seines armen Geschöpfes. Er hatte Durst nach Liebe ...«.[51] Die kleine Therese möchte der Liebe Jesu entsprechen, ihm Liebe für Liebe zurückgeben.[52]

32. Die Symbolik der ehelichen Liebe drückt die Gegenseitigkeit der Selbsthingabe zwischen dem Bräutigam und der Braut aus. So schreibt sie, inspiriert vom Hohelied(2,16): »Ich denke, das Herz meines Bräutigams ist ganz mein und das meine ganz sein, und ich spreche zu ihm in dieser köstlichen Einsamkeit von Herz zu Herz, bis ich ihn dann einmal von Angesicht zu Angesicht schauen darf«.[53] Obwohl der Herr uns gemeinsam als Volk liebt, vollzieht sich die Liebe zugleich auf eine sehr persönliche Weise „von Herz zu Herz“.

33. Die kleine Therese hat die lebendige Gewissheit, dass Jesus sie in seinem Leiden persönlich liebte und vor Augen hatte: Er hat »mich geliebt und sich für mich hingegeben« (Gal 2,20). Bei der Betrachtung des Todeskampfes Jesu sagt sie zu ihm: »Jesus, dass du mich erblicken wolltest«.[54] Auf die gleiche Weise sagte sie zum Jesuskind in den Armen seiner Mutter: »Mit deiner kleinen Hand, die Maria liebkoste, hieltest du die Welt und gabst ihr das Leben. Und du dachtest an mich«.[55] So betrachtet sie auch zu Beginn der Geschichte einer Seele die Liebe Jesu zu allen und zu jedem einzelnen Menschen, als sei er der einzige auf der ganzen Welt.[56]

34. Der Akt der Liebe „Jesus, ich liebe dich“, der Theresia so beständig begleitete wie der Atem, ist der Schlüssel zu ihrer Lektüre des Evangeliums. Mit dieser Liebe taucht sie in alle Geheimnisse des Lebens Christi ein, die sie als Zeitgenossin miterlebt, indem sie sich im Evangelium zu Maria und Josef, Maria von Magdala und den Aposteln gesellt. Gemeinsam mit ihnen dringt sie in die Tiefen der Liebe des Herzens Jesu ein. Sehen wir uns ein Beispiel an: »Wenn ich Magdalena betrachte, wie sie in Gegenwart der zahlreichen Geladenen vorgeht, um die Füße ihres angebeteten Meisters, den sie zum ersten Mal berührt, mit ihren Tränen zu netzen; ich fühle, dass ihr Herz die Abgründe der Liebe und des Erbarmens des Herzens Jesu begriffen hat, und dass dieses Herz der Liebe nicht nur bereit ist, ihr, der Sünderin, zu vergeben, sondern auch ihr die Wohltat seiner göttlichen Nähe zu erweisen, sie zu den höchsten Gipfeln der Kontemplation zu erheben«.[57]

Die größte Liebe in der größten Einfachheit

35. Am Ende der Geschichte einer Seele beschenkt Theresia uns mit ihrer Weihe als Ganz-Brandopfer an die barmherzige Liebe Gottes.[58] Als sie sich voll und ganz dem Wirken des Heiligen Geistes überließ, empfing sie ohne Aufsehen oder auffällige Zeichen die Überfülle des lebendigen Wassers: »die Ströme, ja die Ozeane an Gnaden, die daraufhin in meine Seele eingeströmt sind«.[59] Es ist das mystische Leben, das sich, auch ohne außerordentliche Phänomene, allen Gläubigen als eine alltägliche Erfahrung der Liebe anbietet.

36. Die kleine Therese lebt die Liebe im Kleinen, in den einfachsten Dingen des täglichen Lebens, und sie tut dies in der Gesellschaft der Jungfrau Maria, von der sie lernt, dass »lieben heißt, alles hergeben und dazu noch sich selbst schenken«.[60]Während die Prediger ihrer Zeit nämlich oft triumphalistisch von der Größe Marias sprachen, so als sei sie uns fern, zeigt die kleine Therese, ausgehend vom Evangelium, dass Maria die Größte im Himmelreich ist, weil sie die Kleinste ist (vgl. Mt 18,4), diejenige, die Jesus in seiner Erniedrigung am nächsten ist. Sie sieht, dass die Erzählungen der Apokryphen zwar voller beeindruckender und wunderbarer Vorkommnisse sind, die Evangelien uns aber ein demütiges und armes Leben in der Einfachheit des Glaubens zeigen. Jesus selbst möchte, dass Maria das Beispiel für die Seele ist, die ihn mit bloßem Glauben sucht.[61] Maria war die erste, die den „kleinen Weg“ in reinem Glauben und Demut gelebt hat. Deshalb scheut sich Theresia auch nicht zu schreiben:

»Ich weiß, Jungfrau voll der Gnaden,

dass du ganz arm in Nazaret lebtest und nichts weiter verlangtest:

keinerlei Verzückungen, Wunder

oder Ekstasen verschönten dein Leben, Du Königin der Auserwählten!

Die Zahl der Kleinen ist ja so groß auf Erden;

sie können ohne Zittern zu dir die Augen erheben,

weil es dir gefiel, du unvergleichliche Mutter,

auf dem gewöhnlichen Weg zu gehen, um sie zum Himmel zu führen!«[62]

37. Die kleine Therese hat uns auch Erzählungen von einigen Momenten der Gnade hinterlassen, die sie inmitten des einfachen Alltags erlebte, wie etwa ihre plötzliche Eingebung, als sie eine kranke Schwester mit schwierigem Charakter begleitete. Aber es handelt sich immer um Erfahrungen intensivster Liebe inmitten ganz gewöhnlicher Situationen: »Eines Winterabends – es war kalt, es war dunkel – verrichtete ich wie gewöhnlich meine kleine klösterliche Arbeit. … Plötzlich drang aus der Ferne der Wohlklang eines Musikinstruments an mein Ohr. Da stand ein lichterfüllter Salon vor meinem inneren Auge, mit herrlichen goldenen Verzierungen versehen, und fein gekleidete junge Damen sagten sich gegenseitig weltliche Komplimente und Artigkeiten. Dann richtete sich mein Blick auf die arme Kranke, die ich stützte. Anstelle einer Melodie hörte ich von Zeit zu Zeit ihre Klagelaute, und anstelle der goldenen Verzierungen hatte ich die Backsteine unseres nüchternen Kreuzgangs vor Augen, den kaum ein Schimmer erhellte. Unmöglich kann ich beschreiben, was da in meiner Seele vorging. Ich weiß nur, dass der Herr sie mit den Strahlen der Wahrheit erleuchtete, welche den dunklen Glanz irdischer Feste dermaßen überstrahlten, dass ich mein Glück kaum fassen konnte ... Oh, um in den Genuss von tausend Jahren weltlicher Feste zu kommen, hätte ich keine zehn Minuten meines unscheinbaren Dienstes der Nächstenliebe hergegeben«. [63]

Im Herzen der Kirche

38. Die kleine Therese hatte von der heiligen Theresia von Ávila eine große Liebe für die Kirche geerbt und sie war in der Lage in die Tiefe dieses Geheimnisses vorzudringen. Dies zeigt sich in ihrer Entdeckung des „Herzens der Kirche“. In einem langen Gebet zu Jesus,[64] das am 8. September 1896, dem sechsten Jahrestag ihrer Ordensprofess, geschrieben wurde, vertraute die Heilige dem Herrn an, dass sie von einem gewaltigen Verlangen beseelt war, von einer Leidenschaft für das Evangelium, der eine einzelne Berufung nicht Genüge leisten konnte. Und so las sie auf der Suche nach ihrem „Platz“ in der Kirche noch einmal die Kapitel 12 und 13 des Ersten Briefs des Apostels Paulus an die Korinther.

39. In Kapitel 12 verwendet der Apostel das Bild des Leibes und seiner Glieder, um zu erklären, dass die Kirche eine große Vielfalt von Charismen umfasst, die gemäß einer hierarchischen Ordnung verbunden sind. Aber diese Beschreibung genügt der kleinen Therese nicht. Sie setzte ihre Nachforschungen fort, las das „Hohelied der Liebe“ in Kapitel 13, fand dort die große Antwort und schrieb diese denkwürdigen Worte: »Als ich den mystischen Leib der Kirche betrachtete, hatte ich mich in keinem seiner Glieder wiedergefunden, wie sie der heilige Paulus beschreibt, oder besser gesagt, ich wollte mich in allen wiederfinden ... Die selbstlose Liebe gab mir den Schlüssel zu meiner Berufung. Ich begriff, wenn die Kirche einen Leib hat, der aus verschiedenen Gliedern besteht, dann fehlt diesem Leib auch nicht das notwendigste, edelste von allen. Ich begriff, die Kirche hat ein Herz, und dieses Herz brennt vor Liebe. Ich begriff, allein die Liebe lässt die Glieder der Kirche wirken, und wenn die Liebe erlöschen würde, würden die Apostel nicht mehr das Evangelium verkünden und die Märtyrer sich weigern, ihr Blut zu vergießen ... Ich begriff, die Liebe schließt alle Berufungen in sich ein, die Liebe ist alles, sie umfasst alle Zeiten und alle Orte ... mit einem Wort, sie ist ewig! ... Da rief ich in meiner überschäumenden Freude aus: O Jesus, meine Liebe ... Endlich habe ich meine Berufung gefunden. Meine Berufung ist die Liebe! ... Ja, ich habe meinen Platz gefunden, den Platz in der Kirche, und diesen Platz hast du, mein Gott, mir gegeben ... Im Herzen der Kirche, meiner Mutter, werde ich die Liebe sein ... so werde ich alles sein ... so wird mein Traum Wirklichkeit werden!!!«.[65]

40. Hier ist nicht die Rede vom Herz einer triumphalistischen Kirche, sondern vom Herz einer liebenden, demütigen und barmherzigen Kirche. Die kleine Therese stellt sich nie über die anderen, sondern sie begibt sich mit dem Sohn Gottes an die letzte Stelle, mit ihm, der um unseretwillen zum Diener wurde, sich selbst erniedrigte und gehorsam war bis zum Tod am Kreuz (vgl. Phil 2,7-8).

41. Diese Entdeckung des Herzens der Kirche ist auch für uns heute sehr erhellend, damit wir uns nicht an den Grenzen und Schwächen der kirchlichen Institution stoßen, die von Dunkelheit und Sünden gezeichnet ist, sondern uns hineinbegeben in ihr „aus Liebe brennendes Herz“, das zu Pfingsten dank der Gabe des Heiligen Geistes entzündet wurde. Es ist dieses Herz, dessen Feuer durch jeden unserer Akte der Liebe weiter angefacht wird. „Ich werde die Liebe sein“: Das ist die radikale Option der kleinen Therese, das ist ihre abschließende Zusammenfassung, das ist ihre ureigene geistliche Identität.

Ein Regen von Rosen

42. Nach vielen Jahrhunderten, in denen so viele Heilige mit großer Inbrunst und Schönheit ihren Wunsch „in den Himmel zu kommen“ zum Ausdruck brachten, gab die heilige kleine Therese mit großer Aufrichtigkeit zu: »Damals hatte ich schwere innere Anfechtungen aller Art (bis dazu hin, dass ich mich manchmal fragte, ob es überhaupt einen Himmel gibt)«.[66] Ein anderes Mal sagte sie: »Wenn ich die Wonnen des Himmels besinge, den ewigen Besitz Gottes, dann fühle ich keinerlei Freude, denn ich besinge einfach, was ich glauben will«.[67] Was war geschehen? Dass sie mehr auf Gottes Ruf hörte, Feuer im Herzen der Kirche zu entfachen, als vom eigenen Glück zu träumen.

43. Die Verwandlung, die sich in ihr vollzog, ermöglichte es ihr, von der leidenschaftlichen Sehnsucht nach dem Himmel zu einem beständigen und glühenden Wunsch nach dem Wohl aller überzugehen, der in dem Traum gipfelte, im Himmel ihre Mission fortzusetzen, Jesus zu lieben und zu bewirken, dass er geliebt wird. In diesem Sinne schrieb sie in einem der letzten Briefe: »Ich rechne bestimmt damit, im Himmel nicht untätig zu bleiben. Mein Wunsch ist, weiter für die Kirche und die Seelen zu arbeiten«.[68] Und in denselben Tagen sagte sie noch direkter: »Ich werde meinen Himmel bis zum Ende der Welt auf Erden verbringen. Ja, ich möchte meinen Himmel damit verbringen, auf Erden Gutes zu tun«.[69]

44. So brachte die kleine Therese ihre ganz bewusste Antwort auf die einzigartige Gabe zum Ausdruck, die der Herr ihr zuteilwerden ließ, auf dieses erstaunliche Licht, das Gott in sie eingoss. Auf diese Weise gelangte sie zu ihrer abschließenden persönlichen Zusammenfassung des Evangeliums, die bei dem vollkommenen Vertrauen ihren Ausgang nahm, um in der vollständigen Hingabe für die anderen ihren Höhepunkt zu finden. Sie zweifelte nicht an der Fruchtbarkeit dieser Hingabe: »Ich denke an all das Gute, das ich nach meinem Tod tun möchte«.[70] »Gott würde mir den Wunsch, nach meinem Tod auf Erden Gutes zu tun, gar nicht eingeben, wenn er ihn nicht verwirklichen wollte«. [71] »Es wird sein wie ein Regen von Rosen«.[72]

45. Der Kreis schließt sich. »C’est la confiance«. Es ist das Vertrauen, das uns zur Liebe führt und uns so von der Angst befreit, es ist das Vertrauen, das uns hilft, den Blick von uns selbst abzuwenden, es ist das Vertrauen, das uns erlaubt, das, was nur Gott tun kann, in seine Hände zu legen. Daraus erwächst uns ein riesiger Strom an Liebe und Energie, die wir zur Verfügung haben, um das Wohl unserer Brüder und Schwestern zu suchen. Und so konnte Theresia inmitten des Leids ihrer letzten Tage sagen: »Ich verlasse mich nur noch auf die Liebe«.[73] Am Ende zählt allein die Liebe. Das Vertrauen lässt die Rosen erblühen und verteilt sie gleich einem Überfließen der Fülle der göttlichen Liebe. Bitten wir um dieses ungeschuldete Geschenk, diese kostbare Gnadengabe, damit sich die Wege des Evangeliums in unserem Leben auftun.

4. Im Herzen des Evangeliums

46. In Evangelii Gaudium habe ich nachdrücklich dazu eingeladen, zur Frische der Quelle zurückzukehren, um das Wesentliche und das Unverzichtbare hervorzuheben. Ich glaube, es ist angebracht, diese Einladung wieder aufzugreifen und zu erneuern.

Die Lehrmeisterin der Synthese

47. Dieses Schreiben über die kleine heilige Therese erlaubt es mir, an Folgendes zu erinnern: In einer missionarischen Kirche »konzentriert sich die Verkündigung auf das Wesentliche, auf das, was schöner, größer, anziehender und zugleich notwendiger ist. Die Aussage vereinfacht sich, ohne dadurch Tiefe und Wahrheit einzubüßen, und wird so überzeugender und strahlender«.[74] Der leuchtende Kern ist »die Schönheit der heilbringenden Liebe Gottes, die sich im gestorbenen und auferstandenen Jesus Christus offenbart hat«.[75]

48. Nicht alles ist gleichermaßen zentral, denn es gibt eine Ordnung oder Hierarchie unter den Wahrheiten der Kirche, und »das gilt sowohl für die Glaubensdogmen als auch für das Ganze der Lehre der Kirche, einschließlich der Morallehre«.[76] Das Zentrum der christlichen Moral ist die Liebe, die Antwort auf die bedingungslose Liebe der Dreifaltigkeit ist, so dass »die Werke der Nächstenliebe die vollkommenste äußere Manifestation der inneren Gnade des Geistes sind«.[77] Am Ende zählt nur die Liebe.

49. Der spezifische Beitrag, den uns die kleine Therese als Heilige und als Kirchenlehrerin schenkt, ist nicht analytisch, wie etwa derjenige des heiligen Thomas von Aquin. Ihr Beitrag ist vielmehr synthetisch, denn ihre besondere Fähigkeit ist es, uns zum Zentrum zu führen, zum Wesentlichen, zum Unverzichtbaren. Sie zeigt mit ihren Worten und mit ihrer eigenen persönlichen Entwicklung, dass, obwohl alle Lehren und Normen der Kirche ihre Bedeutung, ihren Wert, ihr Licht haben, einige dringlicher und grundlegender für das christliche Leben sind. Eben darauf hält Theresia ihren Blick und ihr Herz gerichtet.

50. Als Theologen, Moraltheologen, Gelehrte der Spiritualität, als Hirten und als Gläubige, müssen wir, jeder in seinem Bereich, diese geniale Einsicht der kleinen Therese noch mehr aufgreifen und die Konsequenzen daraus zu ziehen, theoretisch wie praktisch, lehrmäßig wie pastoral, persönlich wie gemeinschaftlich. Dazu braucht es Mut und innere Freiheit.

51. Manchmal werden nur sekundäre Äußerungen dieser Heiligen zitiert oder es werden Aspekte erwähnt, die sie mit jedem anderen Heiligen gemeinsam hat, wie etwa das Gebet, das Opfer, die eucharistische Frömmigkeit und viele andere schöne Zeugnisse, aber auf diese Weise könnte es passieren, dass uns die ganz besonderen Aspekte ihres Geschenks an die Kirche entgehen, da wir vergessen, dass »jeder Heilige eine Sendung [ist]; er ist ein Entwurf des Vaters, um zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte einen Aspekt des Evangeliums widerzuspiegeln«.[78]Denn »um zu erkennen, welches Wort der Herr durch einen Heiligen sagen will, ist es nicht ratsam, sich mit Details aufzuhalten […]. Was wir betrachten müssen, ist die Gesamtheit seines Lebens, sein ganzer Weg der Heiligung, jene Gestalt, die etwas von Jesus Christus widerspiegelt und die zum Vorschein kommt, wenn es gelingt, den Sinn der Gesamtheit seiner Person auszumachen«.[79] Dies gilt umso mehr für die heilige kleine Therese, da sie eine „Lehrmeisterin der Synthese“ ist.

52. Vom Himmel bis zur Erde bleibt die Aktualität der heiligen Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz in ihrer ganzen „kleinen Größe“ erhalten.

In einer Zeit, die uns dazu bringen will, uns in unsere eigenen Interessen zu verschließen, zeigt uns die kleine Therese, wie schön es ist, das eigene Leben zu einem Geschenk zu machen.

In einem Augenblick, in dem es vornehmlich um oberflächlichste Bedürfnisse geht, ist sie Zeugin der Radikalität des Evangeliums.

In einer Zeit des Individualismus lässt sie uns den Wert der Liebe entdecken, die zur Fürsprache wird.

In einem Augenblick, in dem der Mensch von der Größe und von neuen Formen der Macht besessen ist, zeigt sie uns den Weg der Kleinheit.

In einer Zeit, in der viele Menschen ausgesondert werden, lehrt sie uns die Schönheit der Fürsorge und des Daseins für die Anderen.

In einem komplexen Augenblick kann sie uns helfen, die Einfachheit, den absoluten Vorrang der Liebe, des Vertrauens und der Hingabe wiederzuentdecken und eine gesetzes- oder ethikzentrierte Logik zu überwinden, die das christliche Leben mit Pflichten und Vorschriften füllt und die Freude des Evangeliums einfriert.

In einer Zeit des Rückzugs und der Abschottung lädt die kleine Therese uns, die wir von der Anziehungskraft Jesu Christi und seines Evangeliums erfasst wurden, zum missionarischen Aufbruch ein.

53. Eineinhalb Jahrhunderte nach ihrer Geburt ist die kleine Therese lebendiger denn je inmitten der pilgernden Kirche, im Herzen des Volkes Gottes. Sie geht mit uns und tut Gutes auf Erden, wie sie es sich so sehr gewünscht hat. Das schönste Zeichen ihrer geistlichen Lebendigkeit sind die zahllosen „Rosen“, die Theresia verbreitet, das heißt, die Gnaden, die Gott uns auf ihre liebevolle Fürsprache hin schenkt, um uns auf dem Weg des Lebens beizustehen.

Liebe heilige kleine Therese,

die Kirche ist darauf angewiesen,

dass die Farbe, der Duft und die Freude des Evangeliums in ihr erstrahlen.

Schick uns deine Rosen!

Hilf uns, so, wie du es getan hast,

stets auf die große Liebe zu vertrauen,

die Gott für uns hegt,

auf dass wir jeden Tag

deinen kleinen Weg der Heiligkeit nachahmen können.

Amen.

Gegeben zu Rom, bei Sankt Johannes im Lateran, am 15. Oktober, dem Gedenktag der heiligen Theresia von Ávila, im Jahr 2023, dem elften meines Pontifikats.

FRANZISKUS

_________________________

[1] Heilige Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz, Brief 197, An Schwester Marie du Sacré-Coeur (17. September 1896), 314. Die Zitate werden aus Therese von Lisieux, Geschichte einer Seele nach der deutschen Übersetzung von Andreas Wollbold, Freiburg 2016, wiedergegeben. Es werden folgende Abkürzungen für die Manuskripte daraus verwendet: Ms A: Manuskript A (Geschichte einer Seele); Ms B: Manuskript B (Drei Briefe an Schwester Marie du Sacré-Coeur vom September 1896); Ms C Manuskript C (Das geistliche Testament - Fortsetzung der Geschichte einer Seele).

[2] Gebet 6, Weihe meiner selbst als Ganz-Brandopfer an die Barmherzige Liebe des Lieben Gottes (9. Juni 1895), 47: Therese von Lisieux, Gebete - Eingeleitet und übersetzt von Andreas Wollbold, Leutesdorf 1999.

[3] Für den Zweijahreszeitraum 2022-2023 hat die UNESCO die heilige Theresia vom Kinde Jesus anlässlich des 150. Jahrestags ihrer Geburt unter die Persönlichkeiten aufgenommen, derer in besonderer Weise gedacht werden soll.

[4] 29. April 1923.

[5] Vgl. Dekret über die Tugenden (14. August 1921): AAS 13 (1921), 449-452.

[6] Homilie bei der Heiligsprechung (17. Mai 1925): AAS 17 (1925), 211.

[7] Vgl. AAS 20 (1928), 147-148.

[8] Vgl. AAS 36 (1944), 329-330.

[9] Vgl. Schreiben an Bischof François-Marie Picaud, Bischof von Bayeux und Lisieux (7. August 1947); Radioansprache zur Weihe der Basilika von Lisieux (11. Juli 1954): AAS 46 (1954), 404-407.

[10] Vgl. Schreiben an Jean-Marie-Clément Badré, Bischof von Bayeux und Lisieux, anlässlich des hundertsten Jahrestags der Geburt der heiligen Theresia vom Kinde Jesus (2. Januar 1973): AAS 65 (1973), 12-15.

[11] Vgl. AAS 90 (1998), 409-413, 930-944.

[12] Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte (6. Januar 2001), 42: AAS 93 (2001), 296.

[13] Katechese (6. April 2011): L’Osservatore Romano (dt.), Jg. 41 (2011), Nr. 15 (15. April 2011), 2.

[14] Katechese (7. Juni 2023): L’Osservatore Romano (dt.), Jg. 53 (2023), Nr. 24 (16. Juni 2023), 2.

[15] 3. Brief, An Abbé Maurice Barthélemy-Bellière (24. Februar 1897), 109: Therese von Lisieux, Mein lieber kleiner Bruder - Briefwechsel mit zwei Missionaren, Würzburg 2006.

[16] Ms A, 69v°, 200.

[17] Vgl. Ms C, 33vº-37rº, 385-390.

[18] Vgl. Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium (24. November 2013), 14; 264: AAS 105 (2013), 1025-1026.

[19] Ms C, 34rº, 385.

[20] Ebd., 36rº, 389.

[21] Therese Martin, Letzte Gespräche der Heiligen von Lisieux, Gelbes Heft (9. Juni 1897), Illertissen 2018, 58.

[22] Vgl. Ms C, 2vº-3rº, 339-340.

[23] Ebd., 2vº, 339.

[24] Ebd., 3rº, 340.

[25] Vgl. Ms A, 84vº, 229.

[26] Vgl. Apostolisches Schreiben Gaudete et exsultate (19. März 2018), 47-62: AAS110 (2018), 1124-1129.

[27] Ms A, 32rº, 104.

[28] Das Konzil von Trient erklärte dazu: »So kann jeder, wenn er auf sich selbst und seine eigene Schwachheit und Unzulänglichkeit schaut, sich um seine Gnade ängstigen und fürchten« (Dekret über die Rechtfertigung, IX: DH 1534). Dies wird vom Katechismus der Katholischen Kirche wieder aufgegriffen, wenn er lehrt, dass es unmöglich ist, zu irgendeiner Gewissheit zu gelangen, indem man auf sich selbst oder sein eigenes Handeln schaut (vgl. N. 2005). Die Gewissheit des Vertrauens findet man nicht in sich selbst. Das eigene Ich bietet keine Grundlage für eine solche Gewissheit, die nicht auf der Introspektion beruht. In gewisser Weise brachte der heilige Paulus dies zum Ausdruck: »Ich urteile auch nicht über mich selbst. Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst, doch bin ich dadurch noch nicht gerecht gesprochen; der Herr ist es, der über mich urteilt« (1 Kor 4,3-4). Der heilige Thomas von Aquin erklärte dies folgendermaßen: Weil die Gnade »den Menschen nicht vollkommen heilt« (Summa Theologiae, I-II, q. 109, art. 9, ad 1), »bleibt auch eine gewisse Dunkelheit der Unwissenheit im Verstand« (ebd., I-II, q. 109, art. 9, co).

[29] Gebete 6 (9. Juni 1895), 47.

[30] Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 2011.

[31] Auch das Konzil von Trient erklärt: »Kein Gottesfürchtiger [darf] an der Barmherzigkeit Gottes […] zweifeln« (Dekret über die Rechtfertigung, IX: DH 1534). »Alle [müssen] ihre ganz feste Hoffnung auf die Hilfe Gottes gründen und setzen« (Ebd., XIII: DH 1541).

[32] Ms B, 1vº, 295.

[33] Vgl. Ms A, 48vº, 159; Brief 92, An Marie Guérin (30. Mai 1889): Therese Martin, Briefe, Trier 2011, 119-121.

[34] Gebet 6 (9. Juni 1895), Gebete, 46.

[35] Letzte Gespräche der Heiligen von Lisieux. Gelbes Heft (23. Juli 1897), 111.

[36] Ms C, 31rº, 380.

[37] Vgl. ebd., 5rº-7vº, 344-348.

[38] Ebd., 5vº, 345.

[39] Vgl. ebd., 6vº, 346.

[40] Vgl. Enzyklika Lumen fidei (29. Juni 2013), 17: AAS 105 (2013), 564-565.

[41] Ms C, 7rº, 347.

[42] Brief 197, An Schwester Marie du Sacré-Coeur (17. September 1896), Briefe, 313.

[43] Ms A, 83vº, 228.

[44] Vgl. ebd., 45vº-46vº, 159.

[45] Ebd., 46rº, 154.

[46] Vgl ebd., 46rº, 155-156.

[47] Ebd., 46vº, 156.

[48] Gebet 2 (8. September 1890), Aufzeichnung zur Profess: Gebete, 23.

[49] Summa Theologiae, I-II, q. 62 art. 4.

[50] Vgl. Ms C, 11vº-31rº, 353-380.

[51] Ms B, 1vº, 295.

[52] Vgl. ebd., 4rº, 306.

[53] Brief 122, An Céline (14. Oktober 1890): Briefe, 161.

[54] Gedicht 24, Gedichte der heiligen Theresia von Lisieux. Eine Prosaübersetzung, Maximilian Breig, Leutesdorf, 1997, 92.

[55] Ebd., 87.

[56] Vgl. Ms A, 3rº, 39.

[57] Brief 247, An Abbé Bellière (21. Juni 1897): Briefe, 352.

[58] Vgl. Gebet 6, Weiheakt an die barmherzige Liebe (9. Juni 1895): Gebete, 45.

[59] Ms A, 84rº, 229.

[60] Gedicht 54, Gedichte, 174.

[61] Vgl. ebd., 173.

[62] Ebd., 172.

[63] Ms C, 29vº-30rº, 279.

[64] Vgl. Ms B, 2r°-5v°, 294-312.

[65] Ebd., 3vº, 305.

[66] Ms A, 80vº, 220. Das war kein Mangel an Glauben. Der heilige Thomas von Aquin lehrt, dass im Glauben der Wille und der Verstand am Werke sind. Die Zustimmung des Willens kann sehr fest und tief verwurzelt sein, während der Verstand verdunkelt sein kann: vgl. De Veritate 14, 1.

[67] Ms C, 7vº, 347.

[68] Brief 254, An P. Roulland (14. Juli 1897), Briefe, 358.

[69] Letzte Gespräche der Heiligen von Lisieux. Gelbes Heft (17. Juli 1897), 105.

[70] Ebd. (13. Juli 1897), 96.

[71] Ebd. (18. Juli 1897), 106.

[72] Ebd. (9. Juni 1897), 274.

[73] Brief 242, An Schwester Marie de la Trinité (6. Juni 1897), Briefe, 346.

[74] Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium (24. November 2013), 35: AAS 105 (2013), 1034.

[75] Ebd., 36: AAS 105 (2013), 1035.

[76] Ebd.

[77] Ebd., 37: AAS 105 (2013), 1035.

[78] Apostolisches Schreiben Gaudete et exsultate (19. März 2018), 19: AAS 110 (2018), 1117.

[79] Ebd., 22: AAS 110 (2018), 1117.

 


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Lesermeinungen

 stiegenkirche 17. Oktober 2023 
 

Wichtig ist für die in Todsünden lebenden zu beten

Die Gottesmutter rief die Kinder zur Sühne für die Sünder auf und bat sie, täglich den Rosenkranz zu beten. Den Sehern zufolge sagte Maria unter anderem: „Betet, betet viel und bringt Opfer für die Sünder. Seht, viele Seelen kommen in die Hölle, weil keiner da ist, der sich für sie aufopfert und für sie betet.“

Die Herzen Jesu und Mariens erwarten eure flehenden Bitten.


2
 
 lesa 17. Oktober 2023 

Das Sakrament der Treue ist um einen hohen Preis erworben

Liebe@salvatoreMio: Danke für Ihre Replik.
Das Grundproblem: Wir müssen neu verstehen, was wir im Wohlsatnd vergessen haben. Was bedeutet Erlösung? Das Gesetz ist Liebe, Schutz der Gemeinschaft mit Gott und untereinadner. Die Sünde hat eine Trennwand geschaffen. Aber Christus hat uns am Kreuz das Geschenk der ständigen Möglichkeit der Vergebung und Umkehr erworben. Ohne diese Treue bis in den Tod gäbe es das Altarssakrament nicht. Das Sakrament der Ehe aber ist Abbild des Bundes, der Treue Christi zur Kirche und zu jedem Getauften bis in den Tod. Wer diesen inneren Zusammenhang in Ehrfurcht erfasst, wird die Kommunionregelung in Dankbarkeit achten. Der Herr wird es segnen.


3
 
 SalvatoreMio 17. Oktober 2023 
 

Ein Chor besteht aus vielen Stimmen

Liebe@lesa:Ich teile Ihre "Komposition". Hier tauchten diverse Meinungen auf. In der Gesamtheit haben alle ihre Berechtigung und helfen, das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Beim Umgang mit der Schöpfung z. B. haben wir zu lange eher an unser Wohlgefühl gedacht, statt die Gesetze der Natur, die vom Schöpfer stammen, ernst zu nehmen. Nicht anders ist es mit den moralischen Gesetzen. Auch hier gibt es eine Ordnung. Die Kirche - und mit ihr jeder Christ, der Gott lieben will - hat die Pflicht, auf sie aufmerksam zu machen, an sie zu erinnern.


3
 
 SalvatoreMio 16. Oktober 2023 
 

"Pastorale Wirklichkeit"

Lieber@Richelius!Die pastorale Wirklichkeit eines jeden ist so unterschiedlich wie jede Seele. Die Wahrheiten Gottes, die uns Richtschnur sein müssen, dürfen wir nicht verleugnen, aber wir dürfen sie auch nicht wie einen nassen Lappen dem Mitmenschen um die Ohren schlagen. Das kann schwer schaden. Gewiss wäre es klug, die Menschen, die der Herr uns über den Weg schickt, gleich zu Beginn eines jeden Tages Ihm ans Herz zu legen und Ihn zu bitten, dass Er uns die rechte Verhaltensweise eingebe. Wer weiß: mein freundliches Lächeln kann jemanden zur Umkehr führen, von dessen Seelennöten ich keine Ahnung habe...


1
 
 lesa 16. Oktober 2023 

Die objektive Norm bewahrt vor dem Abgleiten (R. W.)

@Richelius: Die Problematik und die Situation so vieler ist so vielschichtig und zerbrechlich, wie Sie es beschreiben. Umsomehr ist die von Gott geoffenbarte Wahrheit, das Gebot, die Lehre der Kirche, das, was wirklich den Frieden bringt und junge Menschen schützen kann vor dem Zerbrechen auf Irrwegen. Im Einzelgespräch ist gewiss Behutsamkeit, Annahme und Zuhören nötig, allerdings ohne die Wahrheit vorzuenthalten. Im Raum der offiziellen Verkündigung aber muss die "Ampelregelung" klar sein. In den letzten Jahren hat man es m.E. in der Seelsorge versäumt, sich um die von @Zeitzeuge immer wieder angeführten Grundlagen von der Lehre und vom Kirchenrecht her überhaupt so zu kümmern, dass man sie zumindest im Hinterkopf hat und auch bekannt macht. "Ohne prophetische Offenbarung verwildert das Volk. Wohl ihm, wenn es das Gesetz bewahrt." Spr 29,18)
Die Zuwendung Gottes für Menschen in irregulären Situationen hängt nicht am Kommunionempfang.
Das lässt sich Betroffenen erklären


4
 
 Joh_1 16. Oktober 2023 
 

Frage

Entschuldigung in die Runde, eine Frage: Wenn im Text von „Vertrauen, das zur Liebe führt“ geschrieben wird, ist es dasselbe wie bei Paulus in Galater 5,6: „der Glaube, der in der Liebe wirkt“, oder ist das etwas anderes?


0
 
 Joh_1 16. Oktober 2023 
 

Entschuldigung in die Runde, eine Frage: Wenn im Text vom „Vertrauen, das zur Liebe führt“ geschrieben wird, ist es dasselbe wie bei Paulus in Galater 5,6: „der Glaube, der in der Liebe wirkt“, oder ist das etwas anderes?


0
 
 kleingläubiger 16. Oktober 2023 
 

Vom heiligen Pater Pio ist ein Ausspruch überliefert, wonach er im Beichtstuhl das kostbare Blut Jesu zu verwalten habe. Vermutlich, um Jesus nicht noch weitere, vermeidbare, Schmerzen aufzubürden. Deswegen schickte Pater Pio, der die Gabe der Seelenschau hatte, bei wenig Reue die Sünder wieder hinaus.


3
 
 stiegenkirche 16. Oktober 2023 
 

Psalm 26.8-9 Richelius

8 HERR, ich liebe die Stätte deines Hauses und den Wohnort deiner Herrlichkeit. 9 Raff mich nicht hinweg mit den Sündern, mit den Blutmenschen nimm mir nicht das Leben!


0
 
 Zeitzeuge 16. Oktober 2023 
 

Werter Richelius, ich schrieb bereits, daß ich mich nicht persönlich

beleidigt fühle, so daß es keiner Entschuldigung
bedarf. Von den sehr vielen Menschen, die ich
als Personaler kennen gelernt habe, ist wohl nur
noch ein Bruchteil überhaupt zu Beichte gegangen.
Natürlich habe ich allen geholfen, wenn ich helfen
konnte.

Mir geht es darum, daß Reue und Vorsatz doch wirk-
lich für eine gültige Beichte unabdingbare
Voraussetzung sind und das es leider neben objektiven Todsünden auch derer subjektiv viel zu viele
gibt.

Wir dürfen auch nicht vergessen, daß der reumütige
Sünder nach erfolgter Absolution auch auf die
Zusage GOTTES in 1 Kor 10-13 vertrauen darf, be-
reits die Väter von Trient haben als Dogma
definiert:

"Wer behauptet, die göttlichen Gebote seien auch
für den gerechtfertigten und und in die Gnade
gestellten Menschen unerfüllbar, a.s.!"

Einig sind wir uns ganz bestimmt darin, daß in
unseren täglichen Gebeten auch für die Bekehrung
der Sünder gebetet werden soll, danke!


2
 
 Martin H. 16. Oktober 2023 
 

Stilbrüche?

Gerne würde ich die Meinung eines Germanisten/Sprachwissenschaftlers einholen,
(vielleicht gibt es hier jemanden?),
denn meiner Meinung nach ist

ein erkennbar anderer Sprachstil in den Nummern
[46 - 51] sowie in
[52] ab "in einem komplexen Augenblick"

Die "ipsissima vox" von Papst Franziskus?


1
 
 Zeitzeuge 16. Oktober 2023 
 

Liebe lesa, danke für Ihre Zeilen, aber ich fühle mich eigentlich nicht

beleidigt, so daß es keiner Entschuldigung bedarf.

Mir geht es darum, daß zu einer gültigen Beichte
natürlich Reue und Vorsatz erforderlich sind.

Man darf die Todsünde auch nicht scheinbar so
klein reden, daß davon nichts mehr übrig bleibt,
sind nicht viele berufen, aber nur wenige aus-
erwählt?


1
 
 Richelius 16. Oktober 2023 
 

@ lesa

Ich habe keine Ahnung von der Lebenssituation von @ Zeitzeuge. Die Aussage war auch nicht böse gemeint. Seine Aussagen sind auch formal nicht falsch. Doch muß man immer aufpassen, wie man sie in der pastoralen Wirklichkeit umsetzt. Wenn man so streng ist wie @ Zeitzeuge, dann besteht die Gafahr, daß man Menschen zerbricht. Deshalb warnen sowohl Josephus als auch ich. Die Warnung, Menschen nicht zu überfordern, hat übrigens nichts mit Franziskus zu tun, sondern findet sich schon bei den Kirchenvätern. Auch Paulus warnt in einem seiner Briefe, daß man Menschen nicht überfordern darf. Manchmal kommen Menschen nach Jahrzehnten erstmals wieder zur Beichte. Sie wissen nur, daß etwas nicht stimmt. Die Reue ist längst in Stücke geschossen und der Umkehrwille zu Tode gewürgt. Die erste Beichte beseitigt dann einmal das Gift der Sünde, das immer auch darauf abzielt, Reue und Umkehrwillen zu ersticken.


6
 
 lesa 16. Oktober 2023 

Der Weg der Nachfolge führt zum Licht der Wahrheit und des Lebens

@elisabetta: Vielen Dank für Ihren Kommentar! Genau daraus ergibt sich alles weitere - nämoch dann gelangt man zur Nachfolge und zur Bereitschaft, auch ein "Kreuz" auf sich zu nehmen. Und "im Kreuz ist heil, im Kreuz ist Segen, im Kreuz ist Hoffnung".
Übrigens kann ich mir keine liebevolleren Menschen vorstellen als "Kontemplative", Gottgeweihte aller Sorten, die ihre Berufung wirklich leben,z.B. die kontemplativen Schwestern hier im Ort und anderswo. Sie bestätigen das Gebot, das Sie in Erinnerung rufen, nämlich das 1.!


2
 
 Dolomiti 16. Oktober 2023 
 

Diese Überschrift ist M.E. irreführend.


3
 
 lesa 16. Oktober 2023 

Passio bewirkt ratio. Vielleicht muss solche Bildung erst wieder erfolgen ...

@Richelius: "Seelsorgliche Praxis"? kann quantitativen Umgang mit derzeitigen "Lebenswirklichkeiten" heißen und qualitativ leer sein. Unser verehrter @Zeitzeuge hat außer seinen reichhaltigen sozialen Erfahrungen einen tiefen, existentiellen Zugang zum christlichen Glauben, zu dem unterennbar auch auch seine Morallehre gehört. Er weiß um seine Bedeutung für den Menschen.
Eine derart unpassende Bemerkung kann passieren. In Hinblick auf die Umstände von @Zeitzeuge ist sie allerdings eine Zumutung. Eine Entschuldigung scheint angebracht. Entschuldigen Sie, geehrter @Zeitzeuge! @Richelius wusste nicht, was er da dahersagt.


2
 
 kant3 16. Oktober 2023 
 

Ungeahnte Tiefen!

„ 'Da Vertrauen und nichts als das Vertrauen soll uns zur Liebe führen!' Diese eindrcklichen Worte der heilien Theresia ... würden bereits genügen, um ihre Erhebung zur Kirchenlehrererin zu rechtfertigen.“

Wirklich? Dümmer geht’s wohl kaum noch! Und der Rest des Schreibens ist wenn überhaupt nur unwesentlich besser! Jorge und Victor Manuel, das Dream-Team aus Argentinien, haben das katholische Lehramt wahrlich in ungeahnte Tiefen vordringen lassen ...


1
 
 Zeitzeuge 16. Oktober 2023 
 

@Richelius: Als jahrzehntelanger Personaler habe ich sehr viele

Menschen aller Schattierungen kenngelernt, auch
Problemfälle, ich galt als sog. "Kümmerer",
aber Sie wollten mir sicher nicht
die Lebenserfahrung absprechen.

Ich verlinke unten nochmals den Artikel von
P. Weinandy über eine doch wirklich fragwürdige
Aussage unseres Papstes, P. Weinandy, ehem.
Mitglied der Internationalen Theologenkommission,
werden Sie doch wohl bestimmt nicht mangelnde Seelsorge-
Praxis unterstellen, so wie auch ich Ihnen nicht
die These einer "automatischen Lossprechung" bei
der hl. Beichte unterstellen will, d'accord?

de.catholicnewsagency.com/article/2037/reue-und-sakramentale-lossprechung


2
 
 Zeitzeuge 16. Oktober 2023 
 

@Josephus: Eine ausreichende Disposition des Pönitenten muß aber

wirklich gegeben sein zum Nachlass der Sünden, ich
sagte bereits, das Gewohnheit nicht die Freiheit
aufhebt, außer in pathologischen Fällen und der
ernsthafte Wille, die Sünde künftig zu meiden und
auch die nächste Gelegenheit dazu, muß auch
vorhanden sein. Schuldminderungsgründe dürfen
aber nicht dazu führen, überhaupt keine Todsünden
mehr sehen zu wollen, die sehr vielen getauften
Katholiken, die nicht mehr beichten gehen, sind
ganz sicher nicht als bona fide zu entschuldigen.


Micha1984;
Die Aufteilung Todsünde/lässliche Sünde
Lehre der kath. Kirche.
Natürlich hat auch die hl. Therese eine gute
Beichte geschätzt.


1
 
 elisabetta 16. Oktober 2023 
 

Zuerst kommt die Gottesliebe, dann die Nächstenliebe

Da „Liebe“ leider auch in katholischen Kreisen ein sehr dehnbarer Begriff geworden ist, der oft moralische Mängel gutheißt und einschließt, müsste der Papst viel mehr auf das hinweisen: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. (Mt 27, 37-38)
Ich denke, das wäre der vollkommenste Ausdruck der inneren Gnade des Geistes und nicht die Nächstenliebe, die natürlich auch wichtig ist.


5
 
 Richelius 16. Oktober 2023 
 

@ Zeitzeuge

Man merkt, daß Ihnen die seelsorgliche Praxis fehlt.
Es gibt hier viele Fragen, die man stellen kann und muß. Wenn eine Sünde bereits zum Laster geworden ist, dann ist die Willensfreiheit tatsächlich eingeschränkt. Auch tut sich nicht jeder gleich schwer mit Versuchungen. Kardinal Schönborn hat vor langer Zeit einmal geschrieben, er früge bei Beichten immer auch nach der Lebenssituation, weil sich dort häufig die Ursachen der Sünden befänden. Wenn es jemanden schlecht geht, ist häufig auch die Willensstärke herabgesetzt.
Das Verweigern der Lossprechung ist eine extrem ernste Angelegenheit. Damit muß man wirklich sehr aufpassen, weil man damit auch Sünder zerbrechen kann, die eigentlich guten Willens sind.


5
 
 Josephus 16. Oktober 2023 
 

Die Aufgabe eines Beichtvaters ...

... muss wohl sein, einen reumütigen Sünder wieder aufzurichten und im Streben nach dem Guten zu ermutigen!
Wenn er hingegen die Fixiertheit auf eine bestimmte Sünde, die beim Pönitenten als objektiv schwer laut dessen Bekenntnis gegeben ist, durch sein überkritisches Nachfragen noch bestärkt, kann der Fall eintreten, dass sich der Sünder entmutigt zurückzieht und die Sakramente nicht mehr empfängt. Die Kirche bietet hier allerdings Raum für Differenzierung zwischen objektiv schwerer Schuld und subjektiver Anrechenbarkeit. Im KKK 2352 heißt es (wie Ihnen, lieber Zeitzeuge natürlich bekannt ist): "Um ein ausgewogenes Urteil über die sittliche Verantwortung jener, die sich hierin verfehlen, zu bilden und um die Seelsorge danach auszurichten, soll man affektive Unreife, die Macht eingefleischter Gewohnheiten, Angstzustände und weitere psychische oder gesellschaftliche Faktoren berücksichtigen, welche die moralische Schuld vermindern oder sogar auf ein Minimum beschränken können."


7
 
 Micha1984 16. Oktober 2023 

"Ich bin (du bist) schwarz und doch schön"

@zeitzeuge

Ich möchte Ihre Worte bzgl. Todsünden usw. gar nicht anzweifeln. Aber es ist ein System, indem versucht wird Glaubenswahrheiten auszudrücken. Und als System ist es natürlich anfällig, z.B. verkürzt zu sein.
Wenn ich zum Beispiel diese wunderbaren Worte aus dem Hohenlied lese, sehe ich wie Gott trotz seiner Unvereinbarkeit mit Sünde und Tod die dreckige Braut schönspricht und die Braut in der Liebe wächst, wo sie dies verinnerlicht.
Hier bei der kleinen Therese lese ich, dass sie die Augen von sich selbst wegnimmt und sie im Vertrauen auf Gott richtet. Keine Gewissheit mit Blick auf sich selbst.

Ich empfinde das als eine andere Herangehensweise, in der ich mich sehr gut finden kann. Ich möchte aber auch ihren Ansatz bzw. die kirchliche Lehre zur Todsünde und zur heiligmachenden Gnade nicht negieren.


3
 
 Zeitzeuge 16. Oktober 2023 
 

@Josephus: Entschuldigung, ich war wohl etwas zu sehr in Eile:

Die Überschrift muß natürlich korrekt lauten:

Das Problem der Gewohnheitssünder ist auch heute
noch für gute Beichtväter so schwierig wie früher


1
 
 Zeitzeuge 16. Oktober 2023 
 

@Josephus: Das Problem der Gewohnheitssünder ist wohl auch eine

noch für gute Beichtväter so schwierig wie früher.

Gewohnheit hebt die Willensfreiheit nicht auf.

Der Rückfällige müßte m.E. glaubhaft bekunden,
daß er gegen die Versuchung angekämpft hat,
wünscht, er wäre nicht erneut gefallen und bereut
ernstlich, indem er verspricht, diese Sünde nicht
mehr zu begehen, natürlich müßte er auch ver-
sprechen, die nächste Gelegenheit zur Sünde strikt
zu vermeiden. Der Beichtvater kann auch fragen,
wie oft er der Versuchung widerstanden hat.
Lt. Jone kann bei zweifelhafter Disposition die
Lossprechung aus schwerwiegendem Grund (er führt
auch die Gefahr der Entfremdung vom Sakrament an)
ausnahmsweise sub condicione erteilt werden, aber
bei nicht vorhandener oder nicht sicherer Disposition muß die Lossprechung verweigert werden, falls
es dem Beichtvater nicht gelingt, die notwendige
Disposition beim Pönitenten herzustellen.

Einig sind wir uns aber sicher darin, daß ohne
ernsthafte Reue und Vorsatz keine Absolution
erfolgen darf!


2
 
 Micha1984 16. Oktober 2023 

Ich verstehe nicht!

Ich habe mir dieses Schreiben jetzt durchgelesen und auf die Ethik wird doch nur in Nr. 48 und 52 Bezug genommen. Ich weiß nicht, wie man durch diese Sätze auf die Überschrift "Neuausrichtung der kirchlichen Morallehre" kommen kann.
Tatsächlich halte ich dieses Schreiben für sehr gelungen. Die Impulse zu Vertrauen und Liebe, zu einem Wegwenden der Augen von sich selbst zu Gott, zur Evangelisierung, sehr inspirierend und geistgefüllt. Rahner sagt, der Christ von morgen wird ein Mystiker sein... - das ist eine klare Anleitung hierzu.
Die Ablehnung einer Gesetzes- oder Vorschriftenethik finden wir eigentlich ja bereits bei Jesus. Wichtig ist mir allerdings, dass auch Jesus die Liebe nie von der Wahrheit trennt. Wahre Liebe hängt unmittelbar mit der Wahrheit zusammen.


3
 
 Josephus 16. Oktober 2023 
 

@Zeitzeuge

Danke für Ihre Antwort! Zum "peccatum contra sextum": Natürlich ist hier, wie bei allen anderen Sünden, vorausgesetzt, dass ich die Tat bereue und mich ändern will. Wer also vorsätzlich in seiner Sündhaftigkeit beharrt und sich nicht ändern will, kann keine Vergebung erfahren. Das Urteil darüber steht allerdings nur Gott zu.
Eines ist aber auch zu bedenken: Gerade im sechsten Gebot gibt es Sünden, in die auch treue Christen immer wieder hineinfallen (z.B. Masturbation). Objektiv ist die Sünde schwer, und doch sagt die Kirche, dass es schuldmindernde Faktoren geben kann. Diese Menschen brauchen auf jeden Fall Ermutigung durch gute Beichtväter; eine rigoristische Haltung, die ihnen aufgrund häufigen Versagens den Zugang zu den Sakramenten verwehrt, wäre unangebracht. Sehen Sie das auch so?


5
 
 JP2B16 16. Oktober 2023 
 

@Hw. Heimerl, @SalvatoreMio, @Richelius ...

...die selben Gedanken kamen mir in den Sinn: "Missbrauch" der "kleinen" Therese. Ich möchte und darf auch nicht urteilen. @Richelius hat es meiner Einschätzung nach genau auf den Punkt gebracht. Misstrauisch machen einfach seine mit Amtsantritt begonnenen "Geschichten", seine vielen unklaren, teilw. widersprüchlichen öffentlichen Äußerungen, seine Duldungen von umstürtzlerischen Vorgängen in Ortskirchen, das sich Gemeinmachen mit der Welt und in diesen Kontexten zuvorderst seine höchst zweifelhaften Personalentscheidungen. Ich kenne etliche große Verehrer der "kleinen" Therese, die sich durch dieses Schreiben in ihrer Meinung (und Treue) zu Papst Franziskus bestärkt sehen und die o.g. Tatsachen ausblenden bzw. in einfältiger Weise nicht wahr haben wollen, ein mögliches sophistisches Motiv gar nicht erst für möglich halten.
Einmal mehr, es hilft einzig und allein das Gebet, wozu die Muttergottes nicht müde wird, uns darum zu bitten.


1
 
 Martin H. 16. Oktober 2023 
 

Hierarchie unter den Wahrheiten?

Die verwendete Formulierung "Hierarchie unter den Wahrheiten" halte ich für ungut.
Jeder weiß, dass diese Sprechweise von Theologen gerne verwendet wird, um ihren Zweifel über die vermeintlich
"in der Hierarchie der Wahrheiten" "weiter unten" angesiedelten Tatsachen auszudrücken.


Was es tatsächlich gibt ist:

- Eine Hierarchie unter den GEBOTEN (Jesus klassifiziert selbst: Hauptgebot der Liebe Mt 22, 37 ff)

- für das eigene Leben zentrale und weniger relevante Wahrheit

Was es NICHT gibt:

- Dass Wahrheiten wie auf einem Zahlenstrahl angeordnet sind, und so manches ein bisschen mehr und manches ein bisschen weniger wahr ist.

- Dass eine "höher geordnete" Wahrheit A eine "niedriger geordnete" Wahrheit B ungültig macht.


Was wahr ist, ist (ewig) gültig. Wahrheiten existieren nebeneinander, nicht übereinander.


3
 
 Zeitzeuge 16. Oktober 2023 
 

Sehr geehrter Josephus, danke für Ihre Replik;

das Problem besteht darin, daß gerade bei den
peccati contra sextum die Sünde geradezu verleugnet
wird - so ist natürlich leider keine Reue möglich,
höchstens Verblendung.

Die Spiritualität der hl. Therese setzt natürlich
auch das Bewußtsein der Sünde voraus.

Das Problem sind m.E. die Ziff. 47-48 des
päpstl. Schreibens, die Zukunft wird uns
zeigen, was er bzgl. Glaube und Moral unter
"Hierarchie der Wahrheiten" versteht,
"Inklusion" ohne Reue bei objektiv schwerer
Sünde ist auf jeden Fall nicht tragbar.


2
 
 Jaques 16. Oktober 2023 
 

Heimerl schrieb:

"Ihre Aufgabe als Priester ist es, den Gläubigen den richtigen katholischen Sinn dieses Schreibens zu erschließen!"

Wäre es nicht ebenso oder noch eher Aufgabe eines Papstes, diesen "katholischen Sinn zu erschließen" und zu bekennen - statt immer neue Zweifel zu wecken und Verwirrung hervorzurufen?

Ich fürchte, Sie machen es sich zu einfach.


2
 
 Josephus 16. Oktober 2023 
 

Hoher Tugendgrad

@Zeitzeuge
Gerade für jene, die sich selber als armselig erfahren und vielleicht sogar Angst haben, für ewige verdammt zu werden, weil sie die eigene Sündhaftigkeit so sehr belastet, ist die Spiritualität der hl. Therese ein Rettungsanker. Sie lehrt nämlich, dass sich auch der größte Sünder vertrauensvoll in die Arme Jesu werfen darf. Indem er nämlich das tut, bekehrt er sich zu Gott, ermöglicht durch Gottes zuvorkommende Gnade und zugleich im freien Vollzug dieses sich Ganz-Anvertrauen.
In keiner Weise werden dadurch die Gebote Gottes relativiert, denn der kleine Weg lädt uns ja gerade ein, in Einheit mit dem Herrn aus der Liebe Gottes zu leben und diese unseren Nächsten zu erweisen.
Ich sehe im Schreiben des Papstes, so wie es vorliegt, wirklich kein einziges Problem! (Bei anderen Aussagen von ihm habe ich auch meine Probleme.)


4
 
 Zeitzeuge 16. Oktober 2023 
 

Berichtigung:" Davon habe ich in dem Rundschreiben nichts gelesen!"

Im Link Pater Weinandy aus den USA (früher Mitglied
der Internationalen theologischen Kommission) über
(höflich forumuliert) seltsame Ansichten des
Papstes über die Lossprechung beim Bußsakrament,
ohne Reue kann nicht einmal GOTT Sünden vergeben !

Für einen Jesuiten ist der Papst, höflich formuliert, sehr unpräzise in seiner Theologie bis
hin zu "Dubia" erzeugenden Thesen, wobei dann
diese Dubia entweder nicht, oder nur völlig
unzureichend beantwortet werden, dabei könnten
solche Dubia kurz und bündig mit "Ja" oder "Nein"
beantwortet werden, so bleiben wichtigste, offene
Fragen zurück, vgl. z.B. die Kardinäle Zen und
Müller!

de.catholicnewsagency.com/article/2037/reue-und-sakramentale-lossprechung


2
 
 Elija-Paul 16. Oktober 2023 
 

Subtile Täuschung

Ich denke der Priester Joachim Heimerl will uns auf die Inanspruchnahme der Heiligen aufmerksam machen, um den Kurs von Papst Franziskus weiterzuführen. Damit tut er genau das, was ein Priester zu tun hat, wenn er merkt daß die Gläubigen hinter das Licht geführt werden. Eigentlich sollte man das doch erkennen können und sich von diesem Pontifikat distanzieren. Es gibt genug Gründe dies zu tun. Es gilt einfach katholisch zu
bleiben und sich nicht verwirren lassen.


8
 
 Zeitzeuge 16. Oktober 2023 
 

Die besondere Spiritualität der hl. Therese setzt einen hohen Tugendgrad voraus;

Voraussetzung ist die Bekehrung, vgl. z.B. Mk 1,15,
Joh 15,10 oder Joh 14,15. Ohne strikte Befolgung
der Morallehre, also im Mitwirken mit der zuvor-
kommenden ungeschuldeten Gnade GOTTES, ist keine
Vollkommenheit mögl. und jede Todsünde bedeutet
bis zu einer reuevollen Beichte das Ende der
übernat. Gotteskindschaft und ewige Verdammnis.
Einen entspr. Hinweis finde ich nicht in
dem Schreiben. Ziff. 47-48 führt den oft miss-
brauchten Begriffs der Hierarchie der Wahrheiten
auf, vgl. die Klarstellung im Link.
Klar ist es ein gr. Unterschied, ob jemand
eine Todsünde oder ein läßliche Sünde begeht, aber hier gilt auch Luk 16,10 "Wer im kleinen treu ist,
der ist auch im Großen treu".
Gottgefällige Spiritualität ist die zweite Stufe
nach der Bekehrung, nur dann ist die übernatürliche Gottes- u. Nächstenliebe möglich und ver-
dienstlich.
Die Verkürzung oder Verfälschung der Morallehre
ist keine "Liebe", sondern
lieblos, da sie die Menschen in die Irre führt,
davon habe ich nicht i.d. Schr.!

www.kathnews.de/dreifaltigkeit-und-ablass-oder-die-hierachie-der-wahrheiten#:~:text=%E2%80%9EHierarchie%20der%20Wahrheiten%E2%80%9C%20bedeutet%2C,von%


2
 
 lesa 16. Oktober 2023 

Der Verzicht auf Warheit ist der breite Weg, der ins Verderben führt

@Richelius: Interessanter Kommentar, danke! Es muss wohl dringend das Gebet seelsorglichen Gesprächen vorangehen, damit der Geist der Wahrheit in Liebe walten kann. Auch in dieser Hinsicht müssen wir Gläubige für die Priester beten, denn wie schwierig und heikel muss das oft sein!
Es ist auch zu bedenken, dass die Wahrheitsfähigkeit des Menschen seiner Würde entspricht und sie schützt. Heiliger Pater Pio, bitte für uns!
Auf dem Weg der Situationsethik, der Freizügigkeit und mangelnden Mutes zur Wahrheit sind in den letzten Jahren gewiss unvergleichlich mehr Menschen an den Folgen zerbrochen als an "rigiden Priestern", die es auch geben mag.


1
 
 Lo Bartolo 16. Oktober 2023 

Hoffnung

So schlimm es klingt: ich hoffe auf den nächsten Papst


5
 
 Jaques 16. Oktober 2023 
 

Nein, das hätte Benedikt so nicht gesagt...

Ich lese viel von der Liebe Gottes zu den Menschen (was richtig ist) ich lese viel von der Liebe er Menschen untereinander (weniger schon vom christlichen Begriff der 'Nächstenliebe', die über das irdische Leben hinaus auf das überirdische abzielt) und ich lese wenig bis nichts von der Liebe zu Gott, die zu entwickeln und darzubringen der eigentliche Auftrag des Menschen ist.

Sollte Franziskus auf dem Weg sein, eine neue Kirche mit einem neuen Glauben zu begründen - dann hat er hier einen weiteren Schritt getan.


4
 
 Josephus 16. Oktober 2023 
 

Was Benedikt sagt, ist lesenswert!

@Richelius Jeder Papst hat seinen eigenen Stil. Dennoch sehe ich in diesem Schreiben ungleich mehr Gemeinsamkeiten zu Benedikt als Unterschiede. Ich verlinke auf die Ansprache von Papst Benedikt über die hl. Therese von Lisieux! Weiterhin absolut lesenswert - auch um das neue Schreiben von Papst Franziskus besser zu verstehen und positiv zu würdigen.

www.vatican.va/content/benedict-xvi/de/audiences/2011/documents/hf_ben-xvi_aud_20110406.html


4
 
 Joachim Heimerl 16. Oktober 2023 
 

Die "Proselytismus"-Keule schwingt der Papst ja sehr gerne. Wer Therese kennt,

weiß allerdings, dass ihr Missions-Begriff mit dem des Papstes überhaupt nichts zu tun hat. Therese hat das "Gehet hin und lehret alle Völker" natürlich ernst genommen. Sie wäre auch niemals auf die Idee gekommen, dass Gott alle Religionen gewollt habe. Im Schreiben des Papstes ist Therese teilweise gar nicht wiederzuerkennen, aber das bemerkt man nur, wenn man ihre Schriften auch genau kennt. Franziskus versucht die Heilige dagegen in sein selbstreferenzielles System einzubauen und seine eigenen Schriften damit aufzupolieren, auf die er ja unablässig verweist. - Ich habe sehr lange in der germanistischen Forschung und Lehre gearbeitet und deshalb erlaube ich mir folgendes Urteil: als Hausarbeit eines Studenten wäre Franziskus damit durchs Hauptseminar (wenn überhaupt) gefallen. Hier fehlt es ganz klar an der Systematik und Wissenschaftlichkeit des Arbeitens, von der Theologie ganz zu schweigen.


7
 
 Felix87 16. Oktober 2023 
 

Kein Gegensatz von Liebe und Gesetz

Eine "gesetzeszentrierte" Kirche hat es doch in den letzten Jahrzehnten nie gegeben. Fixiert auf die Gesetze waren höchstens die Modernisten, da sie ja alles versucht haben, um die Gebote Gottes zu unterminieren. Auf der anderen Seite wird die authentische Morallehre geradezu systematisch totgeschwiegen.
Im Johannesevangelium heißt es aber: "Wer mich liebt, der hält meine Gebote". Wer von der Liebe zu Gott spricht, darf also von den Geboten nicht schweigen. Der Heiland sagt selbst, dass nur derjenige das Himmelreich erlangt, der die Gebote hält (Mathhäus, 19, 16-30). Die Moral muss also ein fester Bestandteil der Glaubensverkündigung sein und darf nicht "aus Liebe" versteckt werden.


3
 
 Richelius 16. Oktober 2023 
 

@ Josephus

Benedikt hätte vorsichtiger formuliert.


1
 
 lesa 16. Oktober 2023 

Man muss erklären, dass die Lehre der Kirche Geschenk der Liebe Gottes ist (vgl Jes Sir)

Das Wort Gottes ist Liebe und Wahrheit in einem.
Wenn man es auseinanderdividiert, geht beides verloren und der, Mensch wird krank, statt heil und er verliert am Ende noch sein ewiges Heil. Das Licht des Wortes Gottes ist im GLAUBEN der Kirche bewahrt, im GLAUBEN an den lebendigen CHRISTUSselber!. Dahin gilt es die Menschen zurückzuführen. Zum Vertrauen auf den in der Lehre der Kirche gegenwärtigen Herrn. Heruas aus dem in den Sumpf führenden Relativismus und Lieberalismus. "Die Wahrheit sollt ihr in Liebe sagen". (Hl. Paulus). "Meide die gewundenen WEge, auf denen der Teufel dich heimsucht", hat ein weiser Ordensgründer in seine Regel geschrieben. Das gilt für die ganze Kirche, vor allem für die für sie Verantwortlichen.
Jedes J-EIN führt mehr oder weniger in die IRRE. Subjektive Befindlichkeit zum Maßstab nehmen führt den Menschen nicht zu Gott, nicht zum friedvollen Miteinander sondern zu Zerrissenheit und KRIEG!


3
 
 ottokar 16. Oktober 2023 
 

Das hat Papst Franziskus nicht selbst verfasst.


0
 
 Josephus 16. Oktober 2023 
 

@Joachim Heimerl

Ihre Aufgabe als Priester ist es, den Gläubigen den richtigen katholischen Sinn dieses Schreibens zu erschließen!


3
 
 Richelius 16. Oktober 2023 
 

Der Papst begreift einfach nicht, daß im relativistischen Europa seine Worte anders aufgefaßt werden, als er meint. Es gibt leider Priester, die mit ihrem Rigorismus Menschen zerbrechen. Doch die interessiert das päpstliche Schreiben vermutlich sowieso nicht, weil sie Franziskus nicht ernst nehmen. Auf der anderen Seite gibt es Priester, die die Schreiben als Freibrief für den Relativismus nutzen. Diese freuen sich über sowas.


3
 
 Josephus 16. Oktober 2023 
 

Bitte selbst zuerst das Schreiben lesen

und sich dann eine Meindung bilden!
Die Interpretation einer angeblichen Neuausrichtung der Morallehre lässt sich aus dem päpstlichen Schreiben nämlich nicht belegen. Denn die Gottes- und Nächstenliebe stand schon immer im Zentrum, was jedoch die Einzelgebote nicht relativiert. Das Schreiben könnte ebenso gut von Benedikt stammen; dieser hätte nichts anderes gesagt als Franziskus!


5
 
 SalvatoreMio 16. Oktober 2023 
 

Missbrauch

Wenn man das einzigartige Vermächtnis und Bekenntnis der kleinen Thérèse von Lisieux womöglich ausnutzt, um uns eine neue Morallehre unterzujubeln, so ist das Missbrauch - nichts Anderes!


6
 
 Joachim Heimerl 16. Oktober 2023 
 

Die Heilige Therese würde sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüsste, dass der

Papst sie hier als Vehikel für seine Reformpläne benutzt! Eine Neuausrichtung der Moral in dieser Weise zu begründen, ist vollkommen absurd und es widerspricht eindeutig der Lehre der ständigen Lehre der Kirche, ihre Dogmen gegeneinander auszuspielen, abzuwägen, sie zu verändern oder zu relativieren - und für die Morallehre gilt genau dasselbe. Ich schäme mich als Priester und als Katholik zutiefst für dieses päpstliche Schreiben - und als großer Verehrer der Heiligen Therese von Lisieux" und erkläre ganz eindeutig meinen Widerspruch zu dieser falschen Lehre!


13
 
 Cosmas 16. Oktober 2023 
 

Schöne Zitate, letztlich aber eine viel zu lange "Nebelgranate"

All diese langen kirchlichen Texte liest doch kaum jemand. Wenn man wollte, dass das auch bei vielen Gläubigen "ankommt", müßte man viel kürzer und prägnanter formulieren. Und natürlich den Kern der Botschaft klar und ohne Zweideutigeiten darstellen!!


1
 
 heikostir 16. Oktober 2023 
 

So neu ist das alles nicht!

Dass das Zentrum christlicher Moral die Liebe ist, ist ebenso wenig neu wie die Feststellung, dass es eine Hierarchie der Wahrheiten gibt.

Ersteres hat der hl. Augustinus mit seinem berühmten "Ama et fac quod vis" (Liebe und tu, was du willst) auf den Punkt gebracht, letzteres das II. Vatikanische Konzil.

Insofern ist der Vorwurf einer Relativierung hier irreführend. Denn wahre Liebe (Gott ist die Liebe!) ist nicht Relativismus, sondern das Heilmittel von Relativismus!

Dass diese Form der Liebe bei denen vorhanden ist, die Moral in ein "anything goes" auflösen wollen, bezweifle ich genauso wie bei denen, die rechthaberisch auf Papst Franziskus einschlagen.


3
 
 siebenbuerger 16. Oktober 2023 
 

Die Saat wächst

Die heutige Kirche ist kein Platz mehr für die Gläubigen sondern für die Ungläubigen möchte man sagen.
Die giftige Saat der letzten Jahrzehnte, das nieder Knien vor dem Relativismus (richtig das Zitat von Papst Benedikt), trägt jetzt giftige Früchte.
Ich fühle mich in dieser Kirche, die zwar "Liebe" predigt, aber die Liebe längst nicht mehr kennt, wirklich nicht mehr zu Hause.
Wir müssen uns wirklich fragen wie wir den Glauben angesicht so vieler schlechter Vorbilder und einer nicht mehr funktionsfähigen Kirchenleitung bewahren und weitergeben können!


6
 
 Feanaro 16. Oktober 2023 
 

Was Threse wohl dazu sagen würde

Das Problem des Schreibens ist, dass die ersten Abschnitte sogar recht gute Gedanken enthalten, Therese kleiner Weg ist ja nicht falsch, erfordert aber kindliches Vertrauen und kindlichen Liebe. Es ist keine Forderung an den Vater der Form "Nimm mich so groß und egoistisch wie ich bin, denn ich bin wunderbar." sondern "Nimm mich wie ich bin, ich bilde mir nichts auf mich ein".

Dieser Unterschied ist heilsrelevant und sollte im Zusammenhang zur Beichtpraxis der Eucharistie dem Gebet stehen. Stattdessen schreibt der Papst dann paragrpah 51.

Der gesamte letzte Abschnitt ist wohlwollend gesprochen an Doppeldeutigkeit kaum zu übertreffen.

Das Problem ist, dass "Liebe" nicht-christlich eine andere Bedeutung hat. Deshalb jeder ließt was er will.

Pastoral katastrophal, traurig


5
 
 Pilgrim_Pilger 16. Oktober 2023 
 

Schöne Worte, wenig Substanz aber die Richtung der Synode ist klar

Kurzum jetzt wissen wir "Des Pudels Kern" der "Synode"

Der Papst will Neuausrichtung der kirchlichen Morallehre, ah ja das überrascht mich nicht.

Ich denke die Neuausrichtung der kirchlichen Morallehre im Sinne der Verweltlichung der Kirche und der Diktatur des Relativismus wird keinen ausschließen keinen. Ausgenommen jene die einer "anderen" kirchliche Morallehre der "Synode" aus Gründen der kontinuierlichen Weiterentwicklung der kirchlichen Morallehre in der Tradition, der Lehre der Väter und den Worten der Bibel widersprechen.

Papst Benedikt XVI.

"Es entsteht eine Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und als letztes Maß nur das eigene Ich und seine Gelüste gelten lässt."

Also eine "Slippery-Slope-Synode"


8
 
 CusanusG 16. Oktober 2023 
 

kein normaler Mensch

würde die Ganzhingabe der kleinen Therese mit einer Relativierung der Morallehre in Zusammenhang bringen bzw. die "Werke der Nächstenliebe" mit der Moral in Konkurrenz setzen.


5
 
 Jothekieker 16. Oktober 2023 
 

Ihr kommt alle in den Himmel

es sei denn, ihr bezahlt keine Kirchensteuer.


4
 

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