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Festpreisrede für den Skandaljournalisten Joachim Frank mit kritischen Untertönen

22. Juni 2023 in Kommentar, 3 Lesermeinungen
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„Man durfte gespannt sein, wie Wulff den Kampagnenjournalismus des Kölner Reporters bewerten würde. Der Ex-Bundespräsident war im Frühjahr 2014 selbst das Opfer einer hetzerischen Skandalisierungskampagne geworden.“ Gastkommentar von Hubert Hecker


Köln (kath.net) Am 20. Juni hielt Ex-Bundespräsident Christian Wulff die Festrede zur Preisverleihung des Wächterpreises der Tagespresse. Der erste Preis mit der Dotierung von 10.000 Euro ging an Joachim Frank vom Kölner Stadtanzeiger.

Man durfte gespannt sein, wie Wulff den Kampagnenjournalismus des Kölner Reporters bewerten würde. Der Ex-Bundespräsident war im Frühjahr 2014 selbst das Opfer einer hetzerischen Skandalisierungskampagne geworden, insbesondere durch ‚Bild‘ und ‚stern‘. Nach seinem gerichtlichen Freispruch kritisierte er damals das „Jagdfieber“ und die „zerstörerische Häme“ der Medien.

Bei seiner Preisrede hat er die auf der Hand liegende Parallele zwischen der damaligen jagdfieberartigen medialen Beschuldigungskampagne gegen ihn und der hysterischen Erregungskampagne der Medien gegen Kardinal Woelki nicht aufgezeigt.

Als er die Einladung für die Preisrede in Frankfurt annahm, hat er stillschweigend die Verpflichtung übernommen, ein Loblied auf die Medien zu singen. Das tat er am Dienstagabend, indem er die Wichtigkeit der Tagespresse für den gesellschaftlichen Zusammenhalt betonte. Die drei Preisträger lobte er mit Allgemeinformeln von Engagement und Kompetenz.


Seine Aussage zu Joachim Frank: Er habe sich „mit dem Erzbistum Köln angelegt“, kann man allerdings auch als kritische Wendung gegen den eifernden Kampagnenjournalismus des Preisträgers lesen.

Weiterhin gab Wulff allen Medienleuten einen selbstkritischen Rat mit auf den Weg: „Nicht jeder kritische Hinweis (auf Journalisten und Medien) darf als Angriff auf die Pressefreiheit verstanden werden.“ Diese allgemeine Warnung trifft insbesondere auf Joachim Frank zu.  Der machte genau das bei der Dankrede zu seiner letzten Preisverleihung 2014: Die Kritik an seinem Skandal- und Kampagnenjournalismus bauschte er sichtlich genervt zu einem Angriff auf die Pressefreiheit allgemein auf.

Leider hat Christian Wulff bei dem anstehenden Thema ‚Missbrauch‘ die Gelegenheit nicht wahrgenommen, auf die „Kinderschutzkatastrophe“ in Deutschland (J.Röhrig) hinzuweisen. Auf die Tatsache,
- dass an jedem Tag (auch am Tag der Preisrede) 48 Kinder außerhalb des kirchlichen Kontextes missbraucht werden,
- dass insgesamt 1 Million Minderjährige als Missbrauchsopfer unter uns leben,
- dass in jeder Schulklasse ein bis zwei missbrauchte Kinder sitzen.

Als ehemaliger Bundespräsident hätte Wulff mit diesen erschütternden Daten die Öffentlichkeit aufrütteln und insbesondere die Medien auffordern können, den verbreiteten Missbrauch in allen gesellschaftlichen Institutionen mit Kinder- und Jugendkontakten energisch aufzudecken und zu bekämpfen. Das wäre eine echte Aufgabe und Herausforderung für das „Wächteramt der Tagespresse“.

Aber darauf hat sich Wulff nicht eingelassen. Denn dann hätte er die gesamten Medien dafür kritisieren müssen, dass sie mit dem Tunnelblick auf kirchliche Missbrauchsfälle von der gesamtgesellschaftlichen Dimension des Missbrauchs ablenken. Die mediale Fokussierung auf Übergriffe in der Kirche hat einen „gewissen Sündenbock-Charakter“, wie der ehemalige Bundesrichter Thomas Fischer diagnostizierte. Durch die Belastung der Kirche werden alle anderen gesellschaftlichen Bereiche entlastet. Die selbstgerecht-verlogene Position der Medien lautet: „hier der scheinbar große Bösewicht, auf der anderen Seite lauter Ohnmächtige und Opfervertreter“ (vgl. kath.net 15.2.2021).

Die Festansprache von Christian Wulff zur Ehre des schon mehrfach ausgezeichneten Skandaljournalisten Joachim Frank hatte einen ähnlichen Duktus wie die Lobreden auf den vielfach preisgekrönten VorSPIEGELer Class-Hendrik Relotius. Auch zu dessen Geschichten erfundener Wahrheiten wurde die Hartnäckigkeit der (vermeintlichen) Recherche sowie die „hervorragende journalistische Kompetenz“ herausgestellt - wie bei Franks konstruierten Skandalberichten, die in der Tendenz nicht der Wahrheit und Wirklichkeit entsprechen.


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