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Museum in Rom erinnert an neue Märtyrer

4. Juni 2023 in Chronik, 1 Lesermeinung
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Von Jägerstätters Briefen, über den Stein, mit dem der polnische Priester Popieluszko 1984 von Offizieren des kommunistischen Staatssicherheitsdienstes erschlagen wurde, bis zu Jacques Hamels Stundenbuch - Von Anita Hirschbeck


Rom (kath.net/KAP) Gebetbücher, Kreuze, Rosenkränze - auf den ersten Blick scheint ein kleines Kirchenmuseum in Rom jene Gegenstände auszustellen, die ein frommer Mensch eben besitzt. Auf den zweiten Blick entdecken Besucherinnen und Besucher der unterirdischen Räume der Basilika San Bartolomeo auf der Tiber-Insel dann aber die berührenden und auch schockierenden Geschichten, die hinter den unscheinbaren Gegenständen stecken.

Da ist zum Beispiel der Stein, mit dem der polnische Priester Jerzy Popieluszko (Link) 1984 von Offizieren des kommunistischen Staatssicherheitsdienstes erschlagen worden sein soll. Eine Texttafel mit Popieluszkos Porträt erzählt die Hintergründe. Da sind die Briefe des österreichischen Bauern Franz Jägerstätter (Link), die er kurz vor seinem Tod 1943 in einem Gefängnis in Berlin schrieb. Hingerichtet wurde der Katholik, weil er aus Glaubensgründen den Dienst in Hitlers Wehrmacht verweigerte. Da ist die kleine, zerbrochene Engelsfigur, die 2019 bei einem der Opfer der Bombenanschläge auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka (Link)  gefunden wurde. Damals - an einem Ostersonntag - starben rund 250 Menschen.


Zu sehen sind auch ein Messgewand des regierungskritischen Befreiungstheologen Oscar Romero (Link), der 1980 in San Salvador erschossen wurde, die Stola des sizilianischen Priesters Giuseppe Puglisi, der 1993 der Mafia zum Opfer fiel sowie eine Reliquie des deutschen Bischofs Clemens August Graf von Galen (Link), der im Zweiten Weltkrieg öffentlich die Nazi-Politik der "Vernichtung lebensunwerten Lebens" kritisierte.

Seit 1999 wird gesammelt

Getragen wird das "Sanktuarium der neuen Märtyrer des 20. und 21. Jahrhunderts" von der christlichen Gemeinschaft Sant'Egidio. Wie viele Ausstellungsstücke in der Krypta unterhalb der Basilika San Bartolomeo genau zu sehen sind, kann die Presseverantwortliche Rita Simeoni nicht genau beziffern. Seit 1999 werden in der Kirche die Reliquien von christlichen Märtyrern der heutigen Zeit zusammengetragen - also von Menschen, die wegen ihres Glaubens gestorben sind.

Das Museum geht auf eine Initiative von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zurück. In Vorbereitung auf das Heilige Jahr 2000 setzte er eine Kommission ein, die sich mit dem christlichen Martyrium im 20. Jahrhundert beschäftigen sollte. "Die Generation, der ich angehöre, kennt den Horror von Krieg, Konzentrationslagern, Verfolgung", so der Papst damals. Doch auch hier habe es Menschen gegeben, deren Glaube und Taten von Jesus inspiriert gewesen seien. "Die Erinnerung an sie soll nicht verloren sein, sondern erhalten und dokumentiert werden."

Märtyrer aus der ganzen Welt

Die Kommission sammelte Briefe, Dokumente und Andachtsgegenstände von Märtyrern aus der ganzen Welt. Nach dem Heiligen Jahr übernahm Sant'Egidio die Aufgabe. Nach und nach habe sich die Nachricht über den römischen Erinnerungsort verbreitet, erzählt Simeoni. In den vergangenen 20 Jahren hätten sich immer wieder Pfarren, Familienangehörige und Wegbereiter von Menschen gemeldet, die wegen ihres Glaubens gestorben sind.

Vor einigen Jahren überreichte zum Beispiel die Schwester von Jacques Hamel (Link) dem Museum ein Stundenbuch des französischen Priesters. 2016 war er während eines Gottesdienstes von islamistischen Attentätern ermordet worden. Zur Übergabe organisierte Sant'Egidio einen Gottesdienst, zu dem die hochbetagte Frau anreiste.

Über einen ähnlichen Weg erreichte die Gemeinschaft eine Bibel des pakistanischen Politikers Shahbaz Bhatti (Link). Der erste christliche Minister für Minderheiten in Pakistan wurde 2011 wegen seines Engagements für interreligiöse Verständigung getötet. Bhattis Bruder, der einige Zeit als Mediziner in Italien arbeitete, kam in Kontakt mit Sant'Egidio und übergab das Buch der Sammlung.

Neue Ausstellungsräume

Heute ist die Bibel Bhattis in der Basilika San Bartolomeo zu sehen, wo die Gemeinschaft anfangs die Gegenstände ausstellte. Weil aber immer mehr Stücke zusammenkamen, öffneten vor Kurzem zusätzlich die Räume unterhalb des Kirchenraums. Immer noch kann nicht die ganze Sammlung gezeigt werden, erklärt Simeoni. Einiges liegt noch im Lager, zudem kommen laufend neue Exponate hinzu. "Die Arbeit geht weiter", sagt sie.

(Website des Sanktuariums für die neuen Märtyrer, italienisch: https://sanbartolomeo.org/santuario-dei-nuovi-martiri/)

Copyright 2023 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


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Lesermeinungen

 Chris2 4. Juni 2023 
 

Eine sehr schöne Sammliung,

auch und gerade mit den entsprechenden Hintergrundinformationen.
In Pakistan war damals übrigens auch ein islamischer Gouverneur ermordet worden, nachdem er sich für die Freilassung der Christin Asia Bibi eingesetzt hatte. Der Herr wird es auch ihm gelohnt haben...


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