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Missbrauchstäter nur unter Klerikern? - Erschreckende Missbrauchsdimensionen bei Laien-Katholiken

1. September 2022 in Kommentar, 13 Lesermeinungen
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„Das ZdK zeigt im Empörungsgestus auf missbrauchende Kleriker, macht aber keine Anstalten, sexualisierte Gewalt in den eigenen Reihen aufzuklären.“ Gastkommentar von Hubert Hecker


Bonn (kath.net) Ein Vergleich zwischen dem im Frühjahr veröffentlichten Bericht einer unabhängigen Kommission zu Missbrauch in der Kirche in Frankreich mit der deutschen MHG-Studie bringt neue Einsichten. Beide Forschungsberichte untersuchen sexuelle Übergriffe an Kindern und Jugendlichen im Zeitraum von 1945/50 bis 2015/2020. Entscheidend ist der Unterschied: Die französische Studie CIASE beschränkt ihre Untersuchung nicht auf Kleriker, sondern bezieht auch die sexuellen Übergriffe von Laien im Rahmen der kirchlichen Arbeit ein. Darüber hinaus werden die kirchlichen Zahlen der Gesamtzahl der sexuell missbrauchten Opfer in der französischen Gesellschaft gegenübergestellt.

Alle folgenden Zahlen sind Hochrechnungen auf der Basis von Stichprobenuntersuchungen. Es sind also eher Schätzungen, nicht belastbare Daten, sie sollten nur als Tendenz- und Verhältniswerte aufgefasst werden. Nach der Studie sind bis zu 5,5 Millionen Menschen in Frankreich (gleich 10,2 Prozent) in ihrer Kindheit oder Jugendzeit missbraucht worden. Diese Prozentzahl an der französischen Gesamtbevölkerung entspricht einer deutschen Studie von 2017. Von den selbstbezeichneten Opfern in Frankreich gab 2 Prozent an, etwa 115.000 Personen, in ihrer Zeit als Minderjährige von kirchlich beauftragten Laien missbraucht worden zu sein, 4 Prozent (gleich 216.000) von Geistlichen.

In Frankreich sind wie in Australien und Deutschland seit 2010 alle ans Licht gekommene Missbrauchsfälle im kirchlichen Bereich von den Medien kampagnenmäßig skandalisiert worden. Damit wurde der Bevölkerung Glauben gemacht, dass sexuelle Übergriffe hauptsächlich in der Kirche vorkämen und Kleriker besonders anfällig dafür wären.

In Wirklichkeit ist der Anteil von zölibatären Priestern an Missbrauchsfällen signifikant niedriger als bei anderen Männern, wie verschiedene Studien der Professoren Leygraf und Kröber im Jahre 2012 erwiesen haben. Dazu kommt, dass die kirchlichen Missbrauchszahlen in den letzten 30 Jahren stärker zurückgegangen sind als in der übrigen Bevölkerung. Wenn aber die französische CHIASE-Studie der Öffentlichkeit diese aktuellen Zahlen präsentiert hätte, dass der Anteil von übergriffigen Geistlichen im unteren Promillebereich der Gesamtbevölkerung liegt, dann hätten die Medien nicht mehr in gewohnter Weise auf der Kirche herumhacken und zugleich den Missbrauch von über 99,5 Prozent in der Gesellschaft ignorieren können. Die auf die Kirche fokussierte Skandalkultur mag ein weiterer Grund dafür sein, dass der CHIASE-Bericht mit der Zahl von vier bzw. sechs Prozent übergriffigen Tätern in der Kirche die Erwartungen der Medien bediente.

Der eigentliche Skandal aber besteht in der medialen Ausblendung der Millionen Missbrauchstäter und -opfer aus allen gesellschaftlichen Bereichen.

Erschreckende Missbrauchsdimensionen bei nicht-zölibatären Laien

Ca. 50 Prozent der 5,5 Millionen französischen Opfer sind außerhalb des familiären Umfelds missbraucht worden, also von Fremden, in Vereinen, Schulen und anderen Organisationen, eben auch mit geringem Anteil im kirchlichen Bereich. Die andere Hälfte der sexuellen Übergriffe fand im nächsten Umfeld der Opfer statt. 1,16 Millionen Mädchen wurden missbraucht durch Bekannte oder Verwandte im Umkreis der Familie. Der gleiche Tätertyp brachte 220.000 Jungen in sexuelle Bedrängnis. Weitere 1,4 Millionen Mädchen und 160.000 Jungen erlitten Missbrauch in ihren Familien. Einer davon war der Zwillingsbruder von Camille Kouchner, die den Missbrauch durch ihren prominenten Stiefvater Olivier Duhamel mit ihrem Buch „La familia grande“ kürzlich bekannt machte. Daraufhin brachte eine spezielle Untersuchungskommission zu Inzest und familiärer Gewalt Erschreckendes an den Tag: „22.000 Kinder sind jährlich Opfer von sexueller Gewalt durch den Vater.“ Doch nur 3,5 Prozent der Täter wurde 2018 wegen Inzestvergehen verurteilt. Die Zahl von jährlich missbrauchten Kindern in Frankreich beläuft sich auf 160.000 (FAZ 1.11.2021).


Für Deutschland liegen die Zahlen in ähnlichen Dimensionen. Nach Studien des Ulmer Kinder- und Jugendpsychiaters Jörg Fegert liegt „die Häufigkeit des sexuellen Missbrauchs deutlich bei mehr als zehn Prozent“ (FAZ 5.3.2018) – also gleichauf mit der Verhältniszahl in Frankreich. Die absolute Zahl durch Hochrechnung dürfte bei 8 Millionen Deutschen als Missbrauchsopfer in ihrer Kindheit und Jugendzeit liegen. Die Opferzahl unter den 22,2 Millionen Katholiken läge entsprechend bei mehr als 2,2 Millionen. Bei einer durchschnittlichen Opferzahl von 2,2 Personen pro Täter (vgl. MHG-Studie) ergäbe die Hochrechnung auf Katholiken als Missbrauchstäter die Zahl von etwa 1000000, davon mehr als 99 Prozent Laien. In Worten: Etwa eine Million Laien-Katholiken missbrauchten in den vergangenen 70 Jahren im familiären Kreis oder in gesellschaftlichen Organisationen einschließlich der Kirche Kinder und Jugendliche.

Der ehemalige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, nennt die Zahl von einer Million aktuell betroffener Kinder und Jugendliche in Deutschland. Das bedeutet ein bis zwei minderjährige Opfer in jeder Schulklasse, missbraucht etwa je zur Hälfte in Familie und deren Umkreis sowie in den verschiedensten gesellschaftlichen Organisationen.

In den meisten zivilgesellschaftlichen Bereichen und Organisationen sind solche Studien wie die MHG-Studie oder Untersuchungen in einzelnen Diözesen noch nicht einmal ins Auge gefasst worden. Auch von den katholischen Verbänden, deren Laien-Vertreter den Missbrauch von Klerikern anklagen, hat noch keine Vereinigung eine Missbrauchsuntersuchung eingeleitet. Das ZdK als Zentralgremium des katholischen Verbandskatholizismus zeigt im Empörungsgestus auf missbrauchende Kleriker, macht aber keine Anstalten, sexualisierte Gewalt in den eigenen Reihen aufzuklären.

Bei den wenigen Missbrauchsuntersuchungen in gesellschaftlichen Organisationen kommt Erschreckendes zu Vorschein. Eine Studie zu Spitzensportlern brachte an den Tag, dass ein Drittel der Athleten von sexuellen Übergriffen in Wort und Tat berichteten. Zu allen Sportvereinen nennt Prof. Fegert die Zahl von 200.000 Missbrauchsopfer unter Minderjährigen, „ungefähr doppelt so viele Fälle wie in der katholischen Kirche“ (RPonline 14.7.2019). Für den Bereich der evangelischen Kirche hatte der Ulmer Forscher in seiner Studie ebenfalls eine Missbrauchszahl von ca. 100.000 hochgerechnet.

Die fatale Doppelwirkung der Skandalisierung von Missbrauch in der Kirche

Angesichts dieser schockierenden Dimensionen von sexualisierter Gewalt in allen gesellschaftlichen Bereichen stellt der scheidende Missbrauchsbeauftragte im Spiegel-Interview fest: „Sexuelle Gewalt gegen Kinder hat pandemische Ausmaße, es ist eine Kinderschutzkatastrophe, was da passiert“. Seine Bilanz nach zehn Jahren Arbeit für den Kinderschutz ist ernüchternd. Regierung, Parlament und Länder sowie die gesellschaftlichen Organisationen reagieren nur sehr schleppend. „Ausgehend von der realen Dimension sexueller Gewalt, erscheinen die bisherigen Maßnahmen eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein“, erklärte Prof. Fegert. Daran sind auch die Skandalisierungen von einzelnen Fällen wie Staufen (BW) und Lügde (NRW) oder die Fokussierung auf die katholische Kirche schuld. Sie bewirken zwar an den Einschlagsstellen Veränderungen. Aber aufgrund der skandalorientierten Aufblähungen mit Klischees, medialer Prangerstellung und populistischen Radikalforderungen „verstellen sie den Blick auf die Gesamtdimension von Gewalt gegen Kinder“ (Fegert).

Diese Doppelwirkung von skandalisierender Überzeichnung einerseits und Ablenkung von dem gesamtgesellschaftlichen Problem andererseits traf im letzten Jahrzehnt mit voller Wucht die katholische Kirche:

Nach der Aufdeckung von Missbräuchen am Berliner Jesuitenkolleg im Januar 2010 entfesselten die Medien drei Monate lang einen Skandalsturm gegen die Kirche als eine vermeintliche Täterorganisation von sexuell missbräuchlichen Klerikern. Die Presse stellte bald den Zölibat und die katholische Sexualmoral als kirchenspezifische Ursachen klerikaler Übergriffigkeit hin. Im Ergebnis glaubte nach einer Befragung im Sommer 2010 etwa 56 Prozent der Deutschen, dass Missbrauch in der katholischen Kirche weitaus häufiger vorkomme als in anderen Institutionen der Gesellschaft. Seither blieben die Medien in sprungbereiter Wartestellung, um bei jeder Gelegenheit von bischöflichen Beschlüssen oder neuen Einzelfällen mit ihren Meldungen im Empörungsgestus fortzufahren. Als dann im Herbst 2018 die MHG-Studie herauskam, wurde die mediale Skandalisierungswelle wieder für Monate hochgefahren.

Generalabrechnung mit der Kirche als Sündenbock

Der Bundesrichter a. D. Thomas Fischer bezeichnete die Berichterstattung über Missbrauch in der katholischen Kirche als „Hysterisierung“ (kath.net 15.2.2021). Dabei trügen die Skandalkampagnen teilweise den Charakter von „einer Generalabrechnung“ mit der katholischen Kirche. Denn über 40 Prozent der zumeist links-grünen Journalisten halten die Kirche für scheinheilig und nutzen daher jeden Anlass, um der Kirche eins auszuwischen. Da die Presseleute inzwischen wissen (müssten), dass es auch in vielen anderen gesellschaftlichen Strukturen wie im Sport, in Schulen, in therapeutischen Praxen etc. ebenfalls massenhaften Missbrauch gebe, hätten ihre einseitigen Skandalisierungen eine Art „Sündenbockcharakter“: hier die Kirche und Kleriker als der „scheinbar große Bösewicht“ und auf der anderen Seite die Laien als Ohnmächtige, Unschuldige und Opfervertreter.

An dieser Stelle ist daran zu erinnern, dass vier Prozent der Kleriker in Missbrauch verwickelt war, 96 Prozent nicht. Wenn ein ähnlich kleiner Anteil von Lehrern, Sporttrainern, Polizisten, Ärzten, Sozialarbeitern schweres Fehlverhalten begeht, wird niemand die gesamte Profession anklagen oder die entsprechende Institution als Täterverband denunzieren, sondern differenzieren zwischen Tätern und Unschuldigen. Doch bei der Kirche begann eine pauschale Tribunalisierung durch die Medien, wie man sie historisch nur von den notorisch antiklerikalistischen Kräften der Sozialisten, Linksliberalen und Nationalsozialisten kannte.

Die Deutsche Bischofskonferenz betreibt Selbstskandalisierung

Seit 2010 hat die DBK eine Reihe von Reformprozesse zur Aufarbeitung und Vorbeugung von Missbrauchsvorkommen auf den Weg gebracht. In Sachen Präventionsstrukturen, Betroffenenräte, Untersuchungen, Entschädigungsfonds etc. sind die meisten deutschen Diözesen weiter als alle anderen gesellschaftlichen Organisationen. Das findet auch die Anerkennung vom ehemaligen Missbrauchsbeauftragten Rörig.

Aber an zentralen Punkten sind die führenden Vertreter der DBK vor den medialen Skandalkampagnen eingeknickt: Die pauschale und populistische Verurteilung der Kirche als „Täterorganisation“ übernahmen Bischof Bätzing und erst kürzlich erneut der Kölner Weihbischof Steinhäuser. Auch der Vorwurf, dass die Missbräuche von Geistlichen und deren Vertuschung hauptsächlich kirchenspezifische Ursachen hätten wie Zölibat, Klerikalismus und katholische Sexualmoral, hatten zuerst die Medien breitgestreut. Die Deutsche Bischofskonferenz zog sich diesen Schuh an und beauftragte die MHG-Forscher, „institutionelle Ursachen“ für Missbrauch in der Kirche zu identifizieren. Trotz intensiver Suche konnten die Wissenschaftler keine belastbaren Ergebnisse zu der Hypothese von den systemischen Ursachen vorweisen. Im Gegenteil zeigten sie in der Vergleichsstudie des Teilprojektes 2 auf, dass sich in den Grundmustern der Missbrauch von Klerikern nicht von sexuellen Übergriffen in anderen Institutionen unterscheidet. Damit war dem Gerede von den kirchenspezifischen Bedingungen eigentlich der Boden entzogen.

Doch die damals führenden DBK-Bischöfe Marx und Bode wollten dieses wissenschaftliche Ergebnis nicht wahrhaben. Sie verfolgten lieber das einmal gefasste Vorurteil, hauptsächlich die Kirche und ihre angeblich klerikalistischen Strukturen des (Macht-) Missbrauchs zu beschuldigen. Die innerkirchlichen Systembedingungen für Missbrauch machten sie dann zum Begründungsmärchen für den Synodalen Weg.

Dieses Vorgehen kann nur in die Irre führen, weil Bischöfe und Synodale in mehrfacher Hinsicht die Tatsachen ausblenden:

• Für Missbrauchstaten im kirchlichen Bereich sind in erster Linie die Täter verantwortlich. Deren Typologie unterscheidet sich nicht von Missbrauchstätern in anderen Institutionen – so die MHG-Studie in der „Zusammenfassung“ auf Seite 12.

• Auch die Kontexte von Missbrauch wie schweigende Mitwisser, Vertuschung als diskrete Regelung durch Organisationsverantwortliche, Verharmlosung der Tat und der Schadenswirkung für die Opfer waren und sind ebenfalls in anderen Institutionen verbreitet.
(Nach dem Filmbericht „missbraucht“ im deutschen Schwimmsportverband (20.8.2022, 22.40 Uhr, 1. Programm) über jahrelangen Missbrauch von Trainerseite, Wegschauen und Vertuschen der Funktionäre kann niemand mehr ernsthaft kirchenspezifische Systemursachen wie Zölibat oder priesterliches Amt behaupten.)

• Die Synodalen verschließen ihre Augen vor dem Missbrauch von Laien-Mitarbeitern in der Kirche. Im Ergebnis wird den übergriffigen Laien und Laiinnen im Kirchendienst Täterschutz gewährt.

• Schließlich wendet der Synodale Weg seinen Blick weg von dem massenhaften Missbrauch durch Katholiken in Bereichen außerhalb der Kirche (siehe oben). Somit blenden die Synodalen die „gesamtgesellschaftliche Dimension von Missbrauch“ (Fegert) aus.

Angesichts dieser schwerwiegenden Fehleinschätzungen sollte der Synodale Irrweg schleunigst gestoppt und mit einem neuen Ansatz die Probleme angepackt werden:

• Abkehr von dem ideologischen Tunnelblick allein auf Kleriker als Missbrauchstäter – realistischer Blick auf übergriffige Laien im Kirchendienst

• Hinwendung zu der Einsicht, dass Missbrauch ein Phänomen in allen gesellschaftlichen Bereichen ist, bei dem Täterstrategien und Umfeldbedingungen überall ähnlich sind; deshalb Abkehr von der falschen Selbstanklage bezüglich kirchenspezifischer Ursachen von Missbrauch

• Die Krise der Kirche besteht nicht im Missbrauch durch einen kleinen Anteil von Klerikern und kirchlichen Laienmitarbeitern, sondern im Glaubensschwund bei Bischöfen, Priestern und Laien. Deshalb ist eine Glaubenserneuerung und -vertiefung durch Katechese und Evangelisierung überlebensnotwendig für die Kirche, beginnend mit der Selbstevangelisierung von Bischöfen und Priestern.

Oberstudienrat em. Hubert Hecker hat bereits ein Buch über den Kölner Klinikskandal veröffentlicht und schreibt für regelmäßig Hintergrundkommentare zu aktuellen Vorgängen (siehe Link).

kath.net-Buchtipp:
Der Kölner Kliniken- / Medienskandal
Eine Fallstudie zu Skandalisierungsprozessen, Schwarmjournalismus und Medienpreisen
Von Hubert Hecker
Taschenbuch, 204 Seiten
2021 Tredition; Heckmedien
ISBN 978-3-00-068482-1
Preis Österreich: 11.40 EUR


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Lesermeinungen

 physicus 1. September 2022 
 

Fazit: Das ZdK interessiert sich nicht ernsthaft für Missbrauchs-Thema

Herr Hecker macht viele gute Punkte, danke schön.
Zum ZdK:
- es versteht sich als Vertretung der katholischen Laien
- man muss davon ausgehen, dass es jährliche Tausende katholische Laien in Deutschland gibt, die Kinder missbrauchen
- zu der Thematik hört man nichts vom ZdK. Keine Studien dazu in Aussicht
Fazit: Desinteresse

Frage 1: Wäre es nicht Zeit, sich damit zu beschäftigen?
Frage 2: Traut man sich eine Untersuchung zu Täter in den eigenen Reihen?
Frage 3: Angenommen, der deutschsynodale Weg beschliesst seine Vorhaben (synodaler Rat, Diakoninnen, Segnung gleichgeschl. Beziehungen etc.): Wieviele der tausenden katholischen Täter werden nach Meinung des ZdK dadurch in Zukunft vom Missbrauch abgehalten?


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 Heinerle 1. September 2022 
 

Hoher Anspruch

Dass bei den Sportvereinen ein sehr hoher Nachholbedarf besteht, was die Aufdeckung und Bekämpfung sexueller Übergriffe angeht, wird immer deutlicher. Da kann die Kirche womöglich als vorbildlich gelten, dank P. Mertes und anderen Mutigen, die 2010 nicht Medienschelte betrieben haben, sondern Unrecht Unrecht genannt und mit der Aufdeckung von Straftaten und Schritten zu ihrer Verhinderung im kirchlichen Bereich begonnen haben.

Warum die katholische Kirche nicht aus den Negativschlagzeilen kommt, das hängt gewiss aber auch mit dem hohen Anspruch zusammen, den die Kirche hinsichtlich ihrer moralischen Autorität und der Integrität und Abgehobenheit ihrer Kleriker erhoben hat. Da ist die Fallhöhe gewaltig. Und wenn dann noch vertuscht und relativiert wird, solange es eben geht - weil nicht sein kann, was nicht sein darf -, dann verstärkt das noch die schlechte Presse und womöglich eine gewisse Schadenfreude.


1
 
 Chris2 1. September 2022 
 

@Zeitzeuge

Vergelt's Gott, lieber @Zeitzeuge für den Link zur Arbeit über den NS-Kirchenkampf. Und ganz generell ein herzliches vergelt's Gott für den geradezu unerschöpflichen Fundus an Belegstellen, an dem Sie uns dankenswerterweise teilhaben lassen...


4
 
 J. Rückert 1. September 2022 
 

Zur Psychologie der Gemobbten

- Wer kriecht schützt sich vor Stürzen. Bedingungslose Unterwerfung als Überlebensstrategie?
- Züge der maoistischen "Kulturrevolution": Beschuldige dich und dein Umfeld öffentlich, so darfst du hoffen, milder bestraft zu werden!
- Zeige mit dem Finger auf andere, um die Wolfsmeute abzulenken

Die jetzt "Schutzsuchenden" der Kirche ordnen sich als Folge ihrer Schwäche widerstandslos anderen Mächten unter, eine wirklich fatale Folge. Verjagte Hirten ersetzt durch Mietlinge?


0
 
 lesa 1. September 2022 

Der Lebenswirklichkeit Rechnung tragen

Es hilft nur eines: der Lebenswirklichkeit Rechnung tragen durch Umkehr zu Gottes Schöpfungsordnung.
"Wir brauchen eine nüchtern sachliche Beurteilung der Gefahren, die eine entfesselte Natur nun einmal mit sich bringt. Letztlich ist damit aber eine intensivierte Hinkehr zu Gottes Schöpfungsordnung nötig. Dem muss in unserer modernen Welt neu und sehr gesundheitsbewusst begegnet werden, indem wir gehorsambereit und sehr bewusst auf Gottes Willen und auf seine Grenzsetzungen achten. Eine solche Ursachenfindung wäre der erste Schritt zur Sanierung. Doch dazu ist Umkehr in der gesamten Gesellschaft nötig.
In der Kirche aber brauchen wir mithilfe der Bibel, dem KKK, und der Beschäftigung mit der Ökologie des Menschen– und das heißt mit den biologischen Grundlagen unserer von Gott geschaffenen Natur – wie auch mithilfe von Beichte und brüderlicher Hilfe – neue bewusste klare Grundlagen des Wissens, um der jetzigen Wirrnis wirksam begegnen zu können."(Christa Meves)


4
 
 Chris2 1. September 2022 
 

Zweierlei Maß

Ja, lieber @Ulrich Motte, diese Heuchelei ist DAS Markenzeichen der heutigen Linken in Kirche und Gesellschaft: Realität und legitime Meinung ist immer das, was den eigenen Zielen nützt und in die Ideologien passt. Alles andere ist "Fake News" oder "Hass und Hetze" und muss (selbst)zensiert werden.
Bestes Beispiel aus der Politik ist Ursula von der Leyen, die als gescheiterte Ministerin vor staatsanwaltlichen Ermittlungen zu Beraterhonoraren in erheblicher dreistelliger Millionenhöhe an die Spitze der EU gerettet wurde, obwohl den Wählern der Union Manfred Weber versprochen worden war. Eines der letzten Kuckuckseier, die uns die Unfassbare ins Nest gelegt hat...


4
 
 antony 1. September 2022 

Der Verdienst von Pater Klaus Mertens SJ...

... liegt darin, dass er konsequent Tranparenz in die Vorgänge am Canisius-Kolleg gebracht hat. Er hat alle ehem. Schüler angeschrieben, von dem Missbrauch durch zwei Mitbrüder berichtet und Betroffene eingeladen, sich zu melden. Das war das Beste, was er tun konnte. Da könnten sich viele (ja, auch in Sportvereinen) ein Beispiel dran nehmen.

Dass andere Organisationen teilweise fleißig weiter vertuschen, darf uns als Katholiken aber nicht dazu bewegen, das in unseren Kreisen auch zu tun!

Die einseitige Fokussierung der Medien auf uns können wir auch dankbar als von Gott zugelassenes reinigendes Gericht annehmen.

Und: Dass P. Mertens in den letzten Jahren schwach begründet sich für eine kirchliche Neubewertung von Homosexualität einsetzt, finde ich befremdlich. Das mindert aber nicht seine Verdienste am Canisiuskolleg.


4
 
 antony 1. September 2022 

Milchmädchenrechnung (Forts.)

Außerdem macht ein solcher Vergleich nur Sinn, wenn man das Verhältnis zwischen Laien und Klerikern weiß. Dass katholische Laien häufiger Täter werden als Kleriker, ergibt sich sich schon daraus, dass es viel mehr Laien als Kleriker gibt.


2
 
 antony 1. September 2022 

Milchmädchenrechnung, zudem mit Rechenfehlern, im Artikel:

Ausgehend von der von Jörg Fegert ermittelten Zahl von >10% Missbrauchsbetroffenen in Deutschland errechnet er 2,2 Mio. betroffene Katholiken (stimmt, sofern Katholiken exakt genauso häufig betroffen sind, wie die Durchschnittsbevölkerung). Dann geht er von 2,2 Opfern pro Täter aus (scheint mir als Mann vom Fach viel zu niedrig gegriffen) und errechnet daraus 120 Mio. katholische Täter.
Hoppla! Die Rechnung setzzt voraus, dass Katholiken nur von Katholiken missbraucht werden und umgekehrt katholische Täter nur Katholiken missbrauchen. Ein grober sachlicher Fehler.
Als Ergebnis errechnet er 1 Mio. kath. Täter (nach seiner Rechnung ergäben sich eigentliche 10 Mio.).
Also gibt es 1 Mio. kath. *Laien*, die Kinder missbraucht haben.
Unsinn! Die genannten Daten lassen keinen Rückschluss zu, obn es sich um Laien und Klerikern oder Priester handelt!
(Forts. folgt)


1
 
 antony 1. September 2022 

Zur Einordnung der Zahlen aus Franreich fehlt eine wesentliche Information.

2% der Stichprobe wurden von kath. Laienmitarbeitern und 4% von Klerikern missbraucht. Nun müsste man wissen, wie viele Laienmitarbeiter und wie viele Kleriker im Untersuchungszeitraum tätig waren.
Wenn es gleich viele wären, wäre das Risiko des Missbrauchs durch Kleriker doppelt so hoch. Wenn es dagegen z. B. 4x so viele Kleriker gab, wäre das Risiko durch Kleriker nur halb so hoch.


1
 
 Chris2 1. September 2022 
 

Warum auch sollte das ZdK das tun?

Sie haben ja gar kein Interesse an der Aufarbeitung oder gar Behebung des Problems. Hätten sie das, hätten sie Missbrauch als Kernthema auf die Tagsordnung gesetzt und würden nicht ausgerechnet die Homo-Ideologie als Problemlöser propagieren. Niemand, der die Symptome eines Problems reduzieren will, propagiert das Problem als Lösung. Denn weltweit waren etwa 80% der Opfer Buben (ein Vatikanbeauftragter sprach lt. Wikipedia sogar von 90%) und vermutlich fast alle Täter Männer.
Nein, der Missbrauchsskandal dient diesen Leuten nur als Waffe gegen die eigene Kirche, die um jeden Preis "eine andere" werden muss. Die ZdK-Chefin hat dies in ebenso erstaunlicher wie dreister Offenheit beim Thema vorgeburtliche Kindstötung (Abtreibung) und Ärzteausbildung zu eben dieser Kindstötung gesagt.
Die Geister scheiden sich. Kirche Gottes oder "Kirche von [mehr oder weniger ganz] unten"...


6
 
 Zeitzeuge 1. September 2022 
 

Als Pater Mertes SJ vor über 10 Jahren erstmals die absolut verwerflichen

sexuellen Missbräuche durch kath. Geistliche öffentlich thematisierte, dachte ich sofort an den
"Missbrauch des Missbrauchs" durch die NS-Presse
Ende der Dreissigerjahre des vergangenen Jahr-
hunderts, im Link dazu das Buch von Prof. Hockertz,
wem der Text vetständlicherweise zu lang ist,
kann ggfls. die Zusammenfassung auf den Seiten
217-219 lesen.

Damals ging die Rechnung nicht auf, da unsere
Vorfahren wohl zu unterscheiden wußten zwischen
unwürdigen Geistlichen/Laienbrüdern und der
hl. kath. Kirche per se!

Selbst der "Spiegel" schreib 1971 in einer
Rezension des Buches von Hockertz u.a.:

"Nie waren die Prozessionen länger und die
Kirchen voller!"

Daß die überführten Täter strengstens weltlich
und kirchenrechtlich zu bestrafen sind ist
selbstverständlich auch meine Forderung und die
vorgekommenen Vertuschungen sind nicht zu
rechtfertigen - aber der "Missbrauch mit dem
Missbrauch", vgl. den o.a. Artikel, ist ebenfalls
verwerflich!

epub.ub.uni-muenchen.de/4650/1/4650.pdf


7
 
 Ulrich Motte 1. September 2022 
 

Zu Beginn des Mißbrauchsskandals in der BRD

sagten die damaligen Erzbischöfe von Freiburg (auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz) und von Hamburg zu solchen Hinweisen /Vergleichen: Wir Priester haben für uns schon andere Maßstäbe. Vergehen/ Verbrechen bei Spitzenpolitikern werden öffentlich ja auch anders eingestuft als bei Ärztinnen oder Arbeitern. Hinzu kommt, daß Geistliche besonders als Vertreter (und diesbzgl. Vorwürfemacher) strikter Sexualmoral gelten (anders etwa als Sportvereinsfunktionäre oder - schon deutlich abgeschwächt- kirchliche Laienangestellte, etwa Ärzte in kirchlichen Krankenhäusern). Da liegt der Vorwurf gegen Geistliche der Doppelmoral bei sehr vielen Kritikern und Enttäuschten sicher viel näher. Inwieweit so etwas auch gilt bei nichtverbrecherischen Zölibatsbrüchen oder Ehebruch bei verheirateten Geistlichen?
Selbstverständlich sind die Verbrechen gegen Kinder immer zu verurteilen und möglichst zu verhindern, von wem und wo auch immer!


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