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Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken in der Vergebung der Sünden

23. Juni 2022 in Aktuelles, 2 Lesermeinungen
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: die gesamte Existenz des Vorläufers Jesu wird von der Beziehung zu Gott genährt. Als letzte Tat bezeugt der Täufer mit dem Blut seine Treue zu den Geboten Gottes, ohne zurückzuweichen. Von Armin Schwibach.


Rom (kath.net/as) Johannes der Täufer ist – neben der Mutter des Herrn – der einzige Heilige, dessen Geburt in den Himmel die Kirche zusammen mit der leiblichen Geburt feiert. Dies geschieht, da die Geburt des Johannes eng mit dem Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes verbunden ist.

Als Prophet von Mutterleib an (vgl. Lk 1,41) legt Johannes Zeugnis ab von dem Lamm Gottes, das in die Welt gekommen ist (vgl. Joh 1,29-34). Als „Freund des Bräutigams“ (vgl. Joh 3,29) bereitet er dem Stärksten den Weg durch das Wort, die Taufe der Umkehr und die Gabe seines eigenen Lebens (vgl. Lk 1,76; Mk 1,7-8; 6,17-29). So kommentiert Augustinus das Datum des Festes: „Das Wort wurde am 25. Dezember geboren, wenn die Tage beginnen, länger zu werden, während die Stimme vor dem Wort geboren wurde, aber wenn die Tage beginnen, kürzer zu werden: „er muss wachsen, ich aber geringer werden“ (Joh 3,30)“.

***

Benedikt XVI., Angelus, 24. Juni 2012:

Am heutigen 24. Juni feiern wir das Hochfest der Geburt des hl. Johannes des Täufers. Abgesehen von der Jungfrau Maria ist der Täufer der einzige Heilige, dessen Geburt als liturgisches Fest begangen wird, und dies geschieht, da sie eng mit dem Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes verbunden ist. Bereits im Mutterleib nämlich ist Johannes der Vorläufer Jesu: seine wunderbare Empfängnis – sechs Monate vor dem großen Wunder, das uns das Heil schenkt, die Vereinigung Gottes mit dem Menschen durch den Heiligen Geist – wird Maria vom Engel als Zeichen verkündet, daß »für Gott […] nichts unmöglich [ist]« (Lk 1,37). Große Bedeutung messen die vier Evangelien der Gestalt Johannes des Täufers als dem Propheten bei, der den Alten Bund beschließt und den Neuen Bund eröffnet, indem er auf Jesus von Nazaret als den Messias, den Gesalbten des Herrn, verweist. Tatsächlich wird es Jesus selbst sein, der von Johannes mit diesen Worten spricht: »Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er« (Mt 11,10–11).

Der Vater des Johannes, Zacharias – der Ehemann Elisabets, der Verwandten Mariens –, war Priester des Kultes des Alten Bundes. Er glaubte nicht sofort an die Ankündigung einer nunmehr bereits unverhofften Vaterschaft, und aus diesem Grund blieb er stumm bis zum Tag der Beschneidung des Kindes, dem er und Elisabet den von Gott gewollten Namen Johannes gegeben haben, was bedeutet: »der Herr ist gnädig«. Beseelt vom Heiligen Geist sprach Zacharias so von der Sendung seines Sohnes: »Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen; denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten.

«Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken in der Vergebung der Sünden« (Lk 1,76–77). All dies trat dreißig Jahre später ein, als Johannes im Fluß Jordan zu taufen begann und die Menschen aufrief, sich mit jener Geste der Buße auf das bevorstehende Kommen des Messias vorzubereiten, das Gott ihm während seines Aufenthalts in der Wüste von Judäa offenbart hatte. Aus diesem Grund wurde er »Täufer« genannt (Mt 3,1–6). Als eines Tages Jesus selbst aus Nazaret kam, um sich taufen zu lassen, weigerte sich Johannes zunächst, willigte dann aber ein, und er sah, wie der Heilige Geist auf Jesus herabkam, und hörte die Stimme des himmlischen Vaters, der ihn als seinen Sohn verkündete (vgl. Mt 3,13–17). Doch die Sendung des Täufers war noch nicht erfüllt: kurze Zeit darauf wurde ihm abgefordert, Jesus auch im gewaltsamen Tod voranzugehen: Johannes wurde im Kerker des Königs Herodes enthauptet und legte so vollkommen Zeugnis für das Lamm Gottes ab, das er als erster erkannt und öffentlich bezeugt hatte. Liebe Freunde, die Jungfrau Maria half ihrer betagten Verwandten, die Schwangerschaft des Johannes zu einem guten Ende zu bringen. Sie helfe allen, Jesus nachzufolgen, dem Messias, dem Sohn Gottes, den der Täufer mit großer Demut und mit prophetischem Eifer angekündigt hatte.

***

Benedikt XVI., Castel Gandolfo, Generalaudienz vom 29. August 2012:

Auf diesen letzten Mittwoch im Monat August fällt der liturgische Gedenktag des hl. Johannes des Täufers, des Vorläufers Jesu. Im Römischen Kalender ist er der einzige Heilige, vom dem sowohl die Geburt, am 24. Juni, als auch der Tod durch das Martyrium gefeiert wird. Der heutige Gedenktag geht auf die Weihe einer Krypta in Sebaste in Samaria zurück, wo bereits in der Mitte des 4. Jahrhunderts sein Haupt verehrt wurde. Der Kult dehnte sich dann unter dem Titel »Enthauptung Johannes’ des Täufers« auf Jerusalem, auf die Kirchen des Ostens und nach Rom aus. Im Römischen Martyrologium wird eine zweite Auffindung der kostbaren Reliquie erwähnt, die bei diesem Anlaß in die Kirche »San Silvestro a Campo Marzio« in Rom überführt wurde.

Diese kleinen historischen Bezüge helfen uns zu verstehen, wie alt und tief die Verehrung des hl. Johannes des Täufers ist. In den Evangelien ist seine Rolle in bezug auf Jesus ganz deutlich. Insbesondere der hl. Lukas spricht über seine Geburt, sein Leben in der Wüste, seine Verkündigung, und der hl. Markus berichtet uns im heutigen Evangelium von seinem dramatischen Tod.

Johannes der Täufer beginnt mit seiner Verkündigung unter Kaiser Tiberius im Jahr 27/28 n. Chr., und er fordert die Menschen, die herbeigekommen sind, um ihn zu hören, deutlich auf, den Weg für die Aufnahme des Herrn zu bereiten, die krummen Wege des eigenen Lebens durch eine radikale Umkehr des Herzens gerade zu machen (vgl. Lk 3,4). Der Täufer beschränkt sich jedoch nicht darauf, Buße und Umkehr zu predigen, sondern er erkennt Jesus als das »Lamm Gottes«, das gekommen ist, um die Sünde der Welt hinwegzunehmen (vgl. Joh 1,29), und hat so die tiefe Demut, auf Jesus, den wahren Gesandten Gottes, zu zeigen und selbst zurückzutreten, damit Christus wachsen kann, gehört werden kann und man ihm nachfolgen kann. Als letzte Tat bezeugt der Täufer mit dem Blut seine Treue zu den Geboten Gottes, ohne nachzugeben oder zurückzuweichen, und erfüllt so seine Sendung bis ins Letzte. Der hl. Beda, ein Mönch des 8. Jahrhunderts, sagt in seinen Predigten: Der hl. Johannes gab für [Christus] sein Leben hin, auch wenn ihm nicht geboten wurde, Jesus Christus zu verleugnen. Ihm wurde nur geboten, die Wahrheit zu verschweigen (vgl. Hom. 23: CCL 122,354). Und er verschwieg die Wahrheit nicht und starb so für Christus, der die Wahrheit ist. Gerade aus Liebe zur Wahrheit ließ er sich nicht auf Kompromisse ein und hatte keine Angst, starke Worte an jene zu richten, die den Weg Gottes verloren hatten.

Wir sehen diese große Gestalt, diese Kraft im Leiden, im Widerstand gegen die Mächtigen. Wir fragen: Woraus entsteht dieses Leben, diese so starke, so aufrichtige, so konsequente Innerlichkeit, die so vollkommen für Gott hingegeben wurde und dafür, Jesus den Weg zu bereiten? Die Antwort ist einfach: aus der Beziehung zu Gott, aus dem Gebet, dem Leitmotiv seiner gesamten Existenz. Johannes ist das Geschenk Gottes, um das seine Eltern, Zacharias und Elisabet, lange gebetet hatten (vgl. Lk 1,13): ein großes, menschlich nicht zu erhoffendes Geschenk, denn beide waren in vorgerücktem Alter, und Elisabet war unfruchtbar (vgl. Lk 1,7). Aber für Gott ist nichts unmöglich (vgl. Lk 1,36).

Die Ankündigung dieser Geburt geschieht am Ort des Gebets, im Tempel von Jerusalem, ja sie geschieht als Zacharias das große Vorrecht zufällt, in das Allerheiligste des Tempels einzutreten, um dem Herrn das Rauchopfer darzubringen (vgl. Lk 1,8–20). Auch die Geburt des Täufers ist vom Gebet geprägt: Der Gesang der Freude, des Lobpreises und des Dankes, den Zacharias zum Herrn erhebt und den wir jeden Morgen in der Laudes sprechen, das »Benedictus«, preist das Wirken Gottes in der Geschichte und verweist prophetisch auf die Sendung seines Sohnes Johannes: dem menschgewordenen Sohn Gottes voranzugehen und ihm den Weg zu bereiten (vgl. Lk 1,67–79).

Die gesamte Existenz des Vorläufers Jesu wird von der Beziehung zu Gott genährt, besonders die Zeit, die er in der Wüste verbringt (vgl. Lk 1,80); die Wüste ist der Ort der Versuchung, aber auch der Ort, an dem der Mensch die eigene Armut spürt, weil er ohne Halt und materielle Sicherheiten ist und versteht, daß der einzige feste Bezugspunkt Gott selbst bleibt. Aber Johannes der Täufer ist nicht nur ein Mann des Gebets, des ständigen Kontakts mit Gott, sondern er führt auch zu dieser Beziehung hin. Als der Evangelist Lukas das Gebet wiedergibt, das Jesus die Jünger lehrt, das »Vaterunser«, merkt er an, daß die Bitte von den Jüngern mit diesen Worten formuliert wird: »Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat« (vgl. Lk 11,1).

Liebe Brüder und Schwestern, die Feier des Martyriums des hl. Johannes des Täufers erinnert auch uns, die Christen unserer heutigen Zeit, daran, daß man gegenüber der Liebe zu Christus, zu seinem Wort, zur Wahrheit keine Kompromisse eingehen kann. Die Wahrheit ist Wahrheit, es gibt keine Kompromisse. Das christliche Leben verlangt sozusagen das »Martyrium« der täglichen Treue zum Evangelium, also den Mut, Christus in uns wachsen zu lassen und an Christus unser Denken und unser Handeln auszurichten. Das kann in unserem Leben jedoch nur dann geschehen, wenn die Beziehung zu Gott gefestigt ist. Das Gebet ist keine verlorene Zeit, es bedeutet nicht, den Tätigkeiten – auch den Tätigkeiten des Apostolats – Platz wegzunehmen, sondern genau das Gegenteil ist der Fall: Nur wenn wir in der Lage sind, ein treues, beständiges, vertrauensvolles Gebets - leben zu haben, dann wird Gott selbst uns die Fähigkeit und die Kraft schenken, glücklich und in Frieden zu leben, die Schwierigkeiten zu überwinden und ihn mit Mut zu bezeugen. Der hl. Johannes der Täufer möge für uns Fürsprache halten, damit wir stets den Primat Gottes in unserem Leben zu wahren wissen. Danke.

 


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Lesermeinungen

 lesa 26. Juni 2022 

@Uwe Lay: Danke für diesen Hinweis!
Dieser Ausdruck "Erkenntnis des Heils (der Rettung)" beinhaltet etwas viel Tieferes, als das Wort "Erfahrung" wiedergibt. (vgl Phil 3, 8-11)


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 Uwe Lay 24. Juni 2022 
 

Vorsicht Einheitsübersetzung

In Kl 1,77 heißt es nicht: "Erfahrung des Heiles" sondern "Erkenntnis" (Gnosis steht im Griechischen), die Einheitsübersetzung übersetzt hier eben zeitgeistgemäß antiintellektualistisch: Erfahrung nicht so was Cognitivistisches wie Erkenntnis wollen wir!
Uwe Lay Pro Theol Blogspot


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