Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. IRRE! – „LifeSiteNews“ postet Papst-Bild mit Henkerstrick auf X
  2. BREAKING NEWS - Der Papst hat Lungen-Krebs!
  3. 'Wenn du deinen Apparat kulturell gegen dich hast, bist du der ärmste Hund als Bischof.'
  4. Kardinal Marx meint: "Die Kirche ist kein sinkendes Schiff, sie wird nur umgebaut"
  5. 25 Jahre KATH.NET: Kardinal Müller wird Schirmherr, Peter Seewald journalistischer Berater!
  6. Deutsche Caritas-Präsidentin fordert CDU-Annäherung an 'Die Linke'
  7. Böhmermann verhöhnt in seiner Sendung Jesus Christus
  8. „Warum bin ich Christ“
  9. Halbierung der Pfarren und Schließung Dutzender Kirchen
  10. Papst Leo wird operiert - Knoten in der Lunge!
  11. Was auch immer Synodalität sein soll
  12. Meghan Markle-Fans ‚terrorisieren‘ Priester wegen Kritik an ihrem Adventskalender
  13. Was eine Messe wiegt
  14. 'Christen können Todesstrafe in gutem Gewissen ablehnen'
  15. Papst ernennt Petersdom Nachfolger von Kardinal Gambetti

Die Geister, die wir riefen

9. Oktober 2021 in Kommentar, 22 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


So genannte „Impfverweigerer“ berufen sich zu Recht auf ihre Menschenwürde. Die Corona-Maßnahmen brachten eine „zwangsweise Vergesellschaftung des Leides“, die anderen Geistern als einer christlichen Solidarität entspringt. Analyse von Michael Koder


Wien (kath.net/mk) Der Wiener Jurist Dr. Wolfgang Mazal hat unlängst in der „Furche“ scharfe Kritik an den Argumenten der oft abfällig so bezeichneten „Impfverweigerer“ geübt. Mazal, der auch Präsident des katholischen Laienrates, einer Art Dachorganisation aller Laienverbände Österreichs ist, bezeichnete die medizinisch nicht begründete Verweigerung der Impfung als „fragwürdig“. Die Grundrechte habe ein derartiger „Impfverweigerer“ nicht auf seiner Seite, denn der Grundrechtsschutz der persönlichen Freiheit und der körperlichen Integrität lasse Eingriffe zu, wenn es das Gemeinwohl erfordere. Nach seiner Ansicht wäre sogar eine Impfpflicht rechtlich möglich, und damit erst recht „gelindere Mittel“ oder positive Impfanreize.

Dem ist entgegenzuhalten, dass die Grundrechte geschichtlich gesehen gerade gegen eine überbordende und willkürliche, also sachlich nicht begründbare Einmischung des Staates in private Angelegenheiten entwickelt wurden. Der Grundgedanke ist die unverlierbare Menschenwürde, wonach der Mensch nicht als Mittel zum Zweck, als „Sache“ eingesetzt werden darf. Wohl jedes totalitäre Regime, von Nationalsozialisten bis Kommunisten, hat sich schon auf das „Gemeinwohl“ berufen, um seine Bürger zwangszuverpflichten. Zwar sind Grundrechte tatsächlich nicht schrankenlos, doch braucht es eine nähere Betrachtung der Art des Grundrechtes: die bereits hoch eingestufte „persönliche Freiheit“ kann nur aus bestimmten, in unserer Verfassung (!) festgelegten Gründen eingeschränkt werden. Dazu zählt etwa, wenn Grund zur Annahme besteht, dass jemand eine Gefahrenquelle für die Ausbreitung ansteckender Krankheiten sei. Es gibt aber auch schrankenlos gewährleistete Rechte: Niemand darf Folter oder einer unmenschlichen Behandlung unterworfen werden (Art 3 Europ. Menschenrechtskonvention). Das Tragen einer Maske kann für manche Menschen aus physischen oder psychischen Gründen unzumutbar und unmenschlich werden (siehe [https://www.kath.net/news/75906]). Ebenso kann eine aufgrund ihrer Entwicklung als nicht sicher oder ethisch nicht vertretbar empfundene Impfung eine unmenschliche Behandlung darstellen.


Mazal übersieht auch, wozu sein Gedanke, weitergedacht, führen würde: wenn es das Wohl des anderen oder das „Gemeinwohl“ erfordert, darf dann auch Menschen einer seltenen Blutgruppe zwangsweise Blut abgenommen werden, um andere zu retten? Darf eine Impfpflicht so weit gehen, dass „Verweigerer“ zwangsweise geimpft werden? Oder dass sie  das Haus nicht mehr verlassen/nicht mehr arbeiten dürfen, was für die meisten de facto einen Existenzverlust bedeutet? Die laut Mazal in der Pandemie so „großzügige“ Gesellschaft hat mit ihren unzähligen Covid-Vorschriften in Wahrheit in moralischer Hinsicht eine Büchse der Pandora geöffnet. Ebenso mit unseligen Diktionen wie „Impfverweigerer“, als ob diese sich aus reiner Sturheit gegen eine Impfung stemmen würden: Menschen, die eine Impfung ablehnen, haben sich in der Regel schon allein wegen der drohenden Repressionen (von sozialer Ächtung bis Kündigung) eingehender mit dem Für und Wider einer Corona-Impfung beschäftigt als diejenigen, die sich nur impfen lassen, um wieder reisen zu können oder an der Spaßgesellschaft teilzuhaben, und das dürfte leider einen großen Teil der Geimpften betreffen.

Wir leben aktuell in einer Art „zwangsweiser Vergesellschaftung des Leides“: Das Lebensrisiko des Einzelnen, schwer zu erkranken, zu leiden und zu sterben, wird auf die Gesamtgesellschaft überwälzt: Anstatt mancher Einzelner sollen ALLE (unter den Masken) leiden, und nur wer „ordentlich“ leidet oder gelitten hat (unter den regelmäßigen Tests, der überstandenen Covid-Erkrankung oder dem Risiko der durchgeführten Impfung), soll Platz in der Gesellschaft haben, so entsteht der Eindruck. Das aber entspricht nicht einer christlichen Solidarität: eine solche würde, aus Respekt vor dem Mitmenschen, dessen Gewissen und Menschenwürde, prinzipiell auf ein TATSÄCHLICH FREIWILLIGES Opfer für den Nächsten, also auf Empfehlungen ohne Druck setzen, und dort, wo einschneidende Verpflichtungen, wie wir sie aktuell tagtäglich erleben, wirklich notwendig sind, von vornherein einen wirksamen Zugang zu Ausnahmen (zB Maskenbefreiung) ermöglichen bzw. eine zeitliche Begrenzung der Maßnahmen festlegen.

Unsere vielfältigen Bürgerpflichten, von Steuern über Verkehrsgebote bis zur gegenseitigen Hilfeleistung im Notfall, mögen wichtig und vom Gemeinwohl gedeckt sein; die Menschlichkeit gebietet bei staatlichen Verpflichtungen aber eine Grenze, die nicht überschritten werden hätte dürfen. Aufgabe der Politik, der Medien und letztlich aller Bürger ab Frühjahr 2020 wäre es in erster Linie gewesen, die Gesellschaft darauf vorzubereiten, dass - unvermeidlicherweise - Menschen durch die Pandemie sterben werden, und die Angst vor Leid und Tod zu nehmen, statt diese zu schüren. So hätte die Gesellschaft ihr menschliches Antlitz bewahrt.


 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Ägyptischem Konvertiten droht lebenslange Haft
  3. Arabische Jugendliche störten Abendmesse mit „Allahu Akbar“-Rufen in Wien
  4. Ukrainischer Bischof: Haben Russland nie um Hilfe gebeten
  5. Papst mahnt Studierende: Glaubenslehre nicht einseitig auslegen
  6. Messi: Ohne Gott wäre ich nie so weit gekommen
  7. Papst Leo wird operiert - Knoten in der Lunge!
  8. Das Hochzeitsmahl und die Einladung Christi: das Verhältnis zwischen Gott, Christus und der Kirche
  9. Halbierung der Pfarren und Schließung Dutzender Kirchen
  10. Die Wintersonne der Vernunft
  11. Astrochemikerin Karin Öberg erhält Pius-XI.-Medaille von Papst Leo XIV.
  12. Papst ernennt Petersdom Nachfolger von Kardinal Gambetti
  13. Präsident der Rabbinerkonferenz: Druck auf Juden in Europa steigt
  14. Wien: Über 3.000 Teilnehmende beim "Marsch fürs Leben"
  15. Papst Leo XIV. verlässt heute das Gemelli-Krankenhaus

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz