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Köln: Hintergründe zum nicht veröffentlichten Missbrauchsgutachten

9. August 2021 in Deutschland, 3 Lesermeinungen
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Berater der Erzdiözese Köln in "PR-Magazin": "Wäre das Gutachten so veröffentlicht worden, wäre die Sache explodiert" - "Debatte rund um die Missbrauchsaufarbeitung wird massiv dazu benutzt, Kirchenpolitik zu machen"


Bonn (kath.net/KAP) Die Erzdiözese Köln hätte das Missbrauchs-Gutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) im März 2020 fast veröffentlicht. Erst nach der Anfrage eines Journalisten, ob die Erzdiözese das in rechtlicher Hinsicht überhaupt dürfe, hat man sich im letzten Moment gegen die Veröffentlichung entschieden. Das berichtet der Rechtsanwalt Carsten Brennecke, Berater der Erzdiözese Köln, in einem Interview mit dem "PR-Magazin", aus dem das Portal "Vatican News" zitierte. Brennecke erläuterte einige bislang nicht bekannte Hintergründe zur Causa, wegen der vor allem auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki heftig in der Kritik steht. Der Berater nahm den Kölner Erzbischof dabei auch in Schutz.

Man habe den Medien bereits versprochen, dass in dem Gutachten die Namen von Verantwortlichen genannt würden, so Brennecke. Erst durch die Nachfrage des Journalisten des Stadt-Anzeigers, sei man auf die Problematik aufmerksam geworden. Ohne diesen Journalisten wäre das Gutachten wohl publiziert worden. Brennecke: "Wir haben den Entwurf des Gutachtens dann geprüft und gleich gemerkt, dass die Kanzlei das Thema Äußerungsrecht entweder nicht kannte oder bewusst außer Acht gelassen hatte." Bei einer Besprechung sei dann klar geworden: "Das hatten die nicht berücksichtigt."


Der Krisen-PR-Profi Torsten Rössing führte in demselben Interview aus, er habe daraufhin zu Kardinal Woelki gesagt: "Entweder, wir ziehen das durch und fahren das Ganze wahrscheinlich vor die Wand, weil es rechtlich nicht haltbar ist. Damit wäre niemandem geholfen, auch nicht den Betroffenen. Oder wir beißen in den sauren Apfel, lassen (...) nacharbeiten und verschieben. Wir haben uns dann alle gemeinsam für die zweite Option entschieden."

"Wäre das Gutachten so veröffentlicht worden, wäre die Sache explodiert", so Brennecke weiter im Interview: "Darin waren acht Beschuldigte namentlich benannt, zum Teil hochrangige Leute, jedenfalls keine, die sich so einfach zur Schlachtbank führen lassen."

Man habe die Münchner Kanzlei deshalb damit beauftragt, das Gutachten nachzubessern und dabei die presserechtlichen Hürden zu berücksichtigen. Um die Kanzlei "nicht öffentlich zu beschädigen", habe man den Grund für die Verzögerung der Veröffentlichung nicht öffentlich genannt. Die Kanzlei habe es allerdings nicht geschafft, den Text nachzubessern - "trotz wiederholten Aufforderungen, Schriftsätzen und vielen Gesprächen", so Rössing: "Das Gutachten war nach Auffassung verschiedener Gutachter einfach nicht veröffentlichungsfähig. Das war die schwerste Entscheidung in dem ganzen Prozess. Aber es ging nicht anders."

Rückblickend wäre es besser gewesen, das Münchner Gutachten "sofort zu stoppen", erklärte Brennecke. Der Rechtsanwalt widersprach außerdem dem Vorwurf, Woelki sei beratungsresistent. "Die gesamte Debatte rund um die Missbrauchsaufarbeitung wird massiv dazu benutzt, Kirchenpolitik zu machen. Das nimmt auch die Presse nur zu gern auf." Es gebe nun mal "Leute, die versuchen, Woelki abzulösen".

"Es wird bitter und düster bis zum Schluss"

Freilich habe man ganz grundsätzlich von vornherein mit negativer Berichterstattung gerechnet. "Schon als wir in den ganzen Prozess reinkamen, war klar: Da gibt es jetzt kein wirklich positives Szenario mehr. Es wird bitter und düster bis zum Schluss", so Brennecke: "Wir haben hier eine Institution, die sich den Vertuschungsvorwurf über Jahrhunderte redlich verdient hat."

Laut Krisenmanager Rössing konnten die Berater zudem nicht im Detail auf Einzelfälle reagieren, die nach und nach an Medien durchgedrungen waren. "Wir hatten versprochen: Niemand kennt den Inhalt des Gutachtens bis zur Veröffentlichung - auch der Kardinal nicht. Das hat Kommunikation an einigen Tagen unmöglich gemacht", so Rössing.

Die Erzdiözese Köln hatte im März 2020 die Präsentation eines bereits fertig gestellten Missbrauchsgutachtens überraschend verschoben und dies mit äußerungsrechtlichen Bedenken begründet. Im Oktober erklärte die Erzdiözese dann, die Zusammenarbeit mit der beauftragten Kanzlei WSW sei aufgekündigt worden. Stattdessen sollte der Strafrechtler Björn Gercke ein neues Gutachten erarbeiten.

Gercke legte seine Untersuchung im März 2021 vor. Sie weist namentlich acht hohen Amtsträgern der Erzdiözese mindestens 75 Pflichtverletzungen im Umgang mit Missbrauchsfällen nach. Daraufhin boten der Hamburger Erzbischof Stefan Heße und der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp - ehemalige Kölner Generalvikare - ihren Rücktritt an. Weihbischof Ansgar Puff lässt seine Ämter ruhen.

Um die beiden Gutachten ist in der Erzdiözese eine streckenweise hart geführte Debatte entstanden. Kritiker sprechen von Vertuschung und fordern den Rücktritt Woelkis. Wegen der Vertrauenskrise in der mitgliederstärksten Diözese Deutschlands schickte Papst Franziskus im Juni zwei Gesandte nach Köln, um die Lage vor Ort zu prüfen. Eine Entscheidung des Papstes über die angebotenen Rücktritte sowie über die Zukunft Kardinal Woelkis steht noch aus.

Copyright 2021 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


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Lesermeinungen

 Stephan M. 9. August 2021 
 

Hatte ich mir genauso gedacht!

Teure "Experten" vermasseln die Sache, der redliche Kardinal steht im Schußfeld. Andere nutzen die Verzögerung und schmeißen im Glashaus mit Steinen ... mit Lehrer "Bömmel" aus derm Film "Die Feuerzangenbowle": Bah, wat habt ihr ne fiese Charakter!


6
 
 girsberg74 9. August 2021 
 

Danke!

Das sind klare nachvollziehbare Darlegungen,

dagegen kann man nur noch stänkern.


7
 
 Väterchen Frost 9. August 2021 
 

Kirchenpolitik

"Die gesamte Debatte rund um die Missbrauchsaufarbeitung wird massiv dazu benutzt, Kirchenpolitik zu machen. Das nimmt auch die Presse nur zu gern auf."

Es gebe nun mal "Leute, die versuchen, Woelki abzulösen".

Und: Diese Leute sind derart dreist, dass sie das Offensichtlich ableugnen.


9
 

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