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Globale Regierung, globale Religion

5. Juli 2021 in Aktuelles, 8 Lesermeinungen
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Ettore Gotti Tedeschi: wie statt Wichtigem zu folgen aufeinander herumgehackt wird, wie Renzos Kapaune. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Schon öfters haben wir wichtige Beiträge und Wortmeldungen des italienischen katholischen Intellektuellen Ettore Gotti Tedeschi gebracht. Und die Zusammenarbeit mit dem Vatikanisten Marco Tosatti und seinem Blog „Stilum Curiae“ war immer fruchtbar. Dieses Mal warnte Gotti Tedeschi eindringlich vor der Gefahr innerkatholischer Auseinandersetzungen angesichts einer durch den Globalismus erstrebten „Eine-Welt-Religion“. Er tat dies in einem Beitrag in der italienischen Zeitung „La Verità” vom 3. Juli 2021.

***

Globale Regierung, globale Religion – „cuius regio, eius religio“. Von Ettore Gotti Tedeschi

Seit etwa einem halben Jahrhundert gibt es eine gemeinsame Überzeugung, dass es eine globale Religion braucht, um diese globale Welt erfolgreich zu regieren und Konflikte zwischen den Religionen zu vermeiden. Dies wurde durch die Relativierung der katholischen Religion erreicht, weil sie dogmatisch ist, aber vor allem, weil sie mit einer einzigen und universalen zentralen Autorität strukturiert ist. Heute, nach der Wirtschafts- und Pandemiekrise, hat sich das Szenario etwas geändert, und es scheint, dass zur Erreichung dieses Ziels Konflikte innerhalb der katholischen Religion „erleichtert“ werden, nicht so sehr oder nur aus lehrmäßigen Gründen, sondern aus Gründen, die mit der Erklärung der Krise und der Covid-Pandemie zusammenhängen.

Wir haben zunächst alte Konflikte und Spaltungen zwischen sogenannten Traditionalisten und Progressiven stärker werden sehen, dann andere neue, noch stärker innerhalb der Traditionalisten, und wir haben den Eindruck, dass wir bald auch Spaltungen unter den Progressiven sehen werden.


Sicherlich geschieht dies dank des menschlichen Stolzes, da sich in Glaubensfragen zu viele als „Propheten“ fühlen, aber ich habe den Eindruck, dass diese jüngsten Spaltungen, die nicht direkt und eindeutig mit lehrmäßigen Gründen verbunden sind, auch geschickt herbeigeführt, „provoziert“ werden können. In Angelegenheiten des Glaubens ist wenig nötig, um darin erfolgreich zu sein.

Diese Hypothese ist verständlich, denn es geht um die Steuerung des menschlichen Verhaltens, das durch moralische Bewertungen beeinflusst wird. Um es kontrollieren zu können, muss man den Glauben kontrollieren oder verwirren können.

Die Geschichte lehrt, dass dies vor allem durch „Häresien“ geschieht, aber auch durch Konflikte, Rivalitäten und Spaltungen innerhalb der Gläubigen, dank lehrmäßiger Verwirrung. Alles, was es braucht, um lehrmäßige Verwirrung zu stiften, ist ein übermäßig „interpretierbares“ Lehramt, zusammen mit revolutionären, utopischen und evolutionären moralischen Provokationen, in Fragen von Dogma und Doktrin.

Diese Provokationen sind dazu bestimmt, sofort widersprüchliche Reaktionen innerhalb einer offenbarten Religion mit einer absoluten und dogmatischen Wahrheit zu entfachen. Konflikte innerhalb einer Religion schaffen günstige Bedingungen, um ihre für die Gesellschaft gefährlichen Auswüchse und die Notwendigkeit ihrer Relativierung immer deutlicher herauszustellen. Doch was ist das eigentliche Ziel dieser Bemühungen?

Die Geschichte lehrt, dass Herrscher oft danach streben, dass ihre Religion die Handlungen der Regierung moralisch ratifiziert. Das dachte zumindest der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Kaiser Karl V., als er zur Beendigung der Religionskriege zwischen den aggressiven Protestanten und den widerständigen Katholiken den Augsburger Religionsfrieden (1555) mit dem berühmten Ausspruch „cuius regio, eius religio“ erzwang, der faktisch die Verpflichtung eines Untertanen zur Konformität mit der Konfession seines Herrschers sanktionierte.

Es ist wahr, dass dieses Prinzip die Religionsfreiheit einschränkte, aber es war notwendig, um diesen Religionskriegen ein Ende zu setzen, oder? Mit dem gleichen Anspruch bekräftigte auch Ludwig XIV. (anders als sein Vorgänger Heinrich IV. 1568, der von „Paris ist eine Messe wert“) „une foi, une loi, un Roi“ und setzte mit dem Edikt von Fontainebleau (1685) der Religionsfreiheit in Frankreich ein Ende. Napoleon versuchte sogar, die römische Kirche nach Frankreich zu holen.

Kurz gesagt, um ein Volk zu regieren, versucht man auch seinen religiösen Glauben zu regieren, gut, aber wer beanspruchen sollte, die gesamte globale Welt zu regieren, was sollte er tun? Vielleicht der Versuch, eine globale Religion vorzuschlagen, universal, von allen akzeptiert, weil an einem höheren Gut orientiert, das als allen gemeinsam erkannt wird? In Religionen, die bereits sehr weltlich sind, oder in religiösen Philosophien ist es leichter, Erfolg zu haben, aber dort, wo dogmatische Religionen mit einer einzigen moralischen Autorität praktiziert werden, ist es weniger einfach.

Entweder schafft man es, diejenigen zu überzeugen, die absolute Autorität haben, oder man muss es schaffen, Doktrin und Dogma zu verwechseln, um Brüche unter den Anhängern zu erzeugen, bis hin zur Schaffung von Trennungen und Schismen. Es gibt sogar „Handbücher“, um dies zu versuchen. Eines wurde 1862 von Augusto Comte (bekannt als der „Pontifex der positiven Religion“) geschrieben, der R.H. Benson zu seinem berühmten Buch „Der Herr der Welt“ inspirierte. Es ist kein Zufall, dass Benson diesen Titel gewählt hat.

Doch welche universelle Weltreligion könnte versucht werden, wenn nicht eine eher pragmatische Religion wie der Protestantismus, oder philosophische Religionen wie der Buddhismus, oder ein pantheistischer und „heidnisierender Umweltismus“? Es scheint, dass inzwischen viele vermuten, dass sie eine Art Neue Moralische Ordnung vorbereitet, die die aufgehobene Neue Weltordnung begleiten und geistig unterstützen soll.

Große säkulare Intellektuelle wie Oswald Spengler, Hilaire Belloc, Paul Hazard und Lord Acton hielten den Katholizismus für die Zivilisation für unerlässlich. Andere, wie Friedrich Nietzsche oder Max Weber, hielten ihn für schädlich für die Zivilisation selbst. Schon bald könnte sich das Problem nicht mehr stellen.

Und doch hacken wir in der katholischen Welt aufeinander herum wie Renzos Kapaune in Alessando Manzonis „Die Verlobten“.

 


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