Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Wie die Piusbrüder - Linker belgischer Bischof plant weiterhin verbotene Weihen
  2. Ist der Islam ‚eine alternative Form des byzantinischen Christentums‘?
  3. Vatikan genehmigte 2025 in 34 Diözesen die Feier der Alten Messe in Pfarrkirchen
  4. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  5. 'Amoris Laetitia' oder das Lehramt, das sich selbst abschafft
  6. Asymmetrisch blinder Blick auf die deutsche Landschaft
  7. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  8. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  9. „Das Ende von Maria 2.0“
  10. Die Deutsche Bischofskonferenz will keine 'Demontage' des deutschen Staatsfunks
  11. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  12. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  13. Papst versetzt umstrittenen Kurienkardinal Gambetti vom Petersdom in die Provinz
  14. US-Diözese führt Rosenkranzwochenende ein
  15. ‚Der Segen für Marie-Garance war auch ein Segen für ihre biologischen Eltern‘

Die Kirche steckt in der Befindlichkeitsfalle

15. Februar 2021 in Kommentar, 12 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Der Stil, den der synodale Weg von DBK und „ZdK“ in der Kirche etabliert, nützt der Kirche wenig, denn es ist ein postfaktischer Stil des gefühligen Befindlichkeitsaustausches - Der Montagskick von Peter Winnemöller


Linz (kath.net)

Als stilbildend bezeichnete der Erzbischof von Paderborn, Hans-Josef Becker, den synodalen Weg von DBK und ZdK für die Kirche in einem Interview für die Webseite des Erzbistums. Abgesehen davon, dass ein wenig Stilbildung der Kirche nicht schaden könnte, so lange Briefe von Gläubigen an ihren Bischof unbeantwortet bleiben, ist der Synodalewegstil wahrlich nicht sonderlich wünschenswert. Die Kirche – nicht nur – in Deutschland ist in einer schweren Krise. Manche gehen sogar von einer existentiellen Krise aus. Während der Herr seiner Kirche Bestand verheißen hat, gilt diese Garantie natürlich nicht für eine Region oder regionale Gruppe von Kirchenprovinzen. Selbst dann nicht, wenn diese besonders wohlhabend sind.

Die katholischen Bischöfe in Deutschland sollten sich durchaus in Bescheidenheit üben, denn eine reiche, glaubenslose Kirche ist obsolet und wird untergehen. Der Stil, den der synodale Weg von DBK und „ZdK“ in der Kirche etabliert, nützt der Kirche wenig, denn es ist ein postfaktischer Stil des gefühligen Befindlichkeitsaustausches. Wenn beispielsweise davon geredet wird, dass ein großer Teil der Katholiken die Begründung für die Männern vorbehaltene Priesterweihe nicht mehr nachvollziehen kann, dann ist das kein Grund, Frauen zu weihen. Wenn die Weigerung der Kirche mehr als zwei Geschlechter anzuerkennen, Menschen, die sich nichtbinär fühlen, verletzt, dann ist das ein menschliches Drama. Behoben werden kann das Drama nicht, indem die Schöpfungsordnung ignoriert wird. Da braucht es andere Maßnahmen.

Von Seiten der Kirche geht es dabei allein um Katechese. Allein mit einer Aufklärung darüber, was die Kirche wirklich glaubt und nicht mit Diskussionen darüber, welchen Teil der davon die Menschen gut aushalten können, beginnt der Weg aus der Krise. Dass Bischöfe mutmaßlich die Aufklärung von Straftaten aktiv unterbunden oder deren Unterbindung in Kauf genommen haben, ist eine Frage, die zu klären ist. Wie man an den Vorfällen im Erzbistum Köln sieht, hindert der Wille zur Aufklärung, den ein Bischof zeigt, nicht daran, den Bischof medial zu jagen. Aus gutem Grund kennt die Kirche keinen Rücktritt eines Bischofs. Ein Bischof kann dem Papst seinen Amtsverzicht anbieten. Eine schlechte Presse ist kein Grund für einen Bischof seinen Rücktritt anzubieten. Auch die Kündigung der Mitarbeit eines Laiengremiums, das für den Glauben der Kirche keinerlei Relevanz hat, ist kein Grund, den Rücktritt anzubieten. Eher ist dem Erzbischof von Köln zu raten, dies überflüssige Gremium einfach ersatzlos aufzulösen.


Das wird natürlich nicht passieren. Auch hier wirkt der synodale Weg nämlich eigenartig stilbildend. Bischöfe der Kirche werden von Laienfunktionären und Mitbrüdern im engen Schulterschluss mit der weltlichen Presse gejagt, wenn sie dem Mainstream nicht genehm sind. Der Erzbischof von Paderborn sollte sich die Vorfälle um Köln genau ansehen. Auch das ist der von ihm gelobte Stil des synodalen Weges. An einem anderen Beispiel wird es deutlich, wie der Stil ebenfalls funktioniert. Ein Mitglied des synodalen Weges hatte die These vertreten, dass es einen Zusammenhang zwischen sexuellem Missbrauch von männlichen Kindern und homosexuellen Empfindungen der Täter geben könnte. Diese These ist bislang weder verifiziert noch widerlegt. Sie wird aus Gründen der politischen Korrektheit gar nicht erst untersucht werden. Ebenso wird bei der Frage, wie hoch der Anteil homosexuell empfindender Kleriker ist, von Bischöfen gemauert und von Medien nicht ehrlich nachgefragt. Klarheit bringt Wahrheit. Besser eine unangenehme Wahrheit als eine weitere Vertuschung, die einem zwingend irgendwann auf die Füße fällt. Das sollte man annehmen, die Wahrheit sieht anders aus. Statt der These nachzugehen und wissenschaftliche Untersuchung zu verlangen wurde die betroffene Synodenteilnehmerin angegriffen, beschimpft und mit rechtlicher Verfolgung bedroht.

Das ist der so hochgelobte Stil des synodalen Weges. Man redet nicht mit denen, die den Weg kritisch betrachten und macht sie zu Außenseitern. Im Jahr 2019 war man sich nicht zu schade, in einer Fürbitte Gegnern des synodalen Weges Angst zu unterstellen und diese zu pathologisieren. Eine Anfrage an den Erzbischof von Paderborn, wie er sich dazu stellt, ist bis heute unbeantwortet. Sehr stilvoll! Die Nachfrage wird sicher Befindlichkeiten ausgelöst habe. So geht das. Man stellt sich nicht den Fakten, sondern operiert mit Gefühlen und Befindlichkeiten. Statt Argumente tauscht man Nettigkeiten oder Boshaftigkeiten aus. Man bedroht Andersdenkende, die irgendwie doch zu synodalen Ehren gekommen sind, mit juristischen Maßnahmen und medialer Hetze.

Wenn das der Stil der Kirche in Deutschland ist, dann herzlichen Dank. Schon jetzt muss man leider sagen, macht sich die Kirche durch ihr selbstzerfleischendes postfaktisches Gezänk irrelevant. Wie wäre es denn stattdessen mal mit einem ernsten theologischen Disput darum, wie die unverkürzte Verkündigung des Glaubens im 21 Jahrhundert in einer vollkommen säkularisierten Welt auszusehen hat.

Da sich Geschichte gerne wiederholt, wir aber wiederholt gerne nichts aus der Geschichte lernen, wird man Mission am Ende neu erfinden müssen. Nur so viel: in der römischen Spätantike waren die Christen diejenigen, die der grausamen Welt des untergehenden römischen Imperiums eine echte Alternative zu bieten hatten. Sie töteten keine Kinder und Greise, sie pflegte die Alten und Kranken, sie kümmerten sich um die Armen und vieles andere mehr. Das taten sie aus dem Glauben an den der sie erlöst hat und nicht weil sie damit die Nächstenliebe (=Caritas) zum größten Arbeitgeber des Landes machen konnten.

In der Tat müssen wir einiges neu erfinden, denn im Gegensatz zu Antike haben wir ein funktionierendes Gesundheits- und Sozialsystem. Trotzdem war die Gesellschaft seit Jahrhunderten nicht mehr so herzenskalt z.B. gegenüber ungeborenen und schwerstkranken. Mission im 21. Jahrhundert kann nur in der Wahrheit der ganzen Lehre der Kirche und in der Wärme gegenüber den Armen, Verfolgten und Ausgegrenzten neben uns erfolgen. Das sind neben vielen anderen nicht zuletzt die ungeborenen Kinder in Lebensgefahr und die sterbenden Schwerstkranken über denen die Pentalbarbituratspritze schwebt. Auch das muss man leider sagen, zu den schweren bioethischen Herausforderungen dieser Tage trägt der synodale Weg gar nichts bei. Das redet die Opfer der innerkirchlichen Sexualstraftaten nicht klein, letztendlich muss man sagen, schweigt die Kirche nämlich nicht nur zu deren Leid. Das Schweigen der Kirche ist insgesamt zu laut geworden.

Und auch das gehört zum Stil des synodalen Weges, eine selbstreferentielle Nabelschau des Episkopats im Verbund mit den Funktionären. Man verzichtet darauf, den Zustand der Welt ernsthaft in den Blick zu nehmen. Nur eine klare Absage an den synodalen Weg und seine Stilbildung könnte noch einen Ausweg aus der Krise eröffnen. Aber damit würde bestimmt eine Menge Befindlichkeiten verletzt.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Montagskick

  1. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  2. Dann sollen sie doch in die Hölle gehen
  3. Die Krise des Bischofsamtes
  4. Der Bischof und der Denunziant
  5. Das Schweigen der Bischöfe zur Causa Spahn
  6. Denn sie wissen nicht, was sie fordern
  7. Mehr Kirchensteuer bei weniger Mitgliedern
  8. Der deutsche Frauenweiheämterstuhlkreis
  9. Mehr Klarheit mit jeder Absage aus Rom
  10. Sieben Pfarreien sind viel zu viel für ein Bistum







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  3. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  4. Papst Leo: „Diese vier Tage waren buchstäblich erfüllt mit vielen Segnungen, fast schon Wundern“
  5. Initiative Pro Fide Ecclesiae richtet dringenden Appell an deutsche Bischöfe
  6. Politisch aber auch innerkirchlich „gibt es derzeit wieder viel Konfliktpotenzial“
  7. „Das Ende von Maria 2.0“
  8. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  9. „Die katholische Kirche ruht auf zwei Säulen ihrer sichtbaren Einheit: Petrusamt und Eucharistie“
  10. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  11. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  12. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  13. Papst: Sexueller Missbrauch in erster Linie ein menschliches Problem
  14. Europas Zukunft im Licht des Evangeliums
  15. Gericht in Tschechien rehabilitiert "Märtyrer-Kardinal" Trochta

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz