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"Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben...?"

11. September 2020 in Spirituelles, 3 Lesermeinungen
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"Was wir Vergebung oder Rechtfertigung nennen, ist das eigentliche Wunder unseres Glaubens." Spiritueller Impuls vom Paderborner Ehrendomherr Franz Weidemann, und Priester des Erzbistums Paderborn


Linz (kath.net)

In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal. (Mt 18,21-22)

Ist das so schwer zu verstehen? Da spricht Jesus davon, dass man verzeihen soll, und zwar immer und immer wieder. Ist es denn so schwer zu verstehen, dass Petrus da noch einmal zurückfragt: " Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben?"

Die Frage von Petrus an Jesus könnte auch von uns stammen: Wie oft muss ich demjenigen vergeben, der mich jeden Tag aufs Neue ärgert und mir auf die Nerven geht? Wie oft demjenigen vergeben, der schlecht über mich redet? Und wie oft demjenigen verzeihen, der mir das Leben schwer macht und mich verletzt hat?

Wir denken dann meist anders als Jesus: „Irgendwann ist Schluss“ sagen wir. Nicht wenige leben nach der Devise: „Wie du mir, so ich dir.“ Sie meinen, dass es richtig sei, mit gleicher Münze heimzuzahlen. Petrus im Evangelium wei??, dass es noch einen anderen Maßstab gibt, wenn er Jesus fragt: „Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt hat? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: nicht Siebenmal, sondern Siebenundsiebzigmal?“ das heißt: Wenn du bereit bist zu vergeben, dann fang nicht an zu zählen, dann vergib immer wieder. Du kannst es, wenn du dir klarmachst, dass Gott dir immer wieder vergibt. Du lebst von seiner Vergebung. Darum gilt ein ganz neuer Maßstab: „Wie Gott mir, so ich dir.“ Was das konkret heißt, macht Jesus im Gleichnis vom unbarmherzigen Diener anschaulich. Was Jesus erzählt, ist einleuchtend und plausibel. Jesus verkündet, dass die Vergebung das Zentrum des Glaubens ist. Was wir Vergebung oder Rechtfertigung nennen, ist das eigentliche Wunder unseres Glaubens. So sind wir dann auch in der Lage, so zu vergeben, wie Gott vergibt.


Der bekannte französische Theologe Erino Dapozzo hat folgende anrührende Geschichte aus seinem Leben erzählt:

Jahrelang habe ich um meines Glaubens willen in einem deutschen Konzentrationslager gelitten. Ich wog nur noch 45 Kilogramm, und mein ganzer Körper war mit Wunden bedeckt. Am Heiligen Abend 1943 ließ mich der Lagerkommandant rufen. Ich stand mit bloßem Oberkörper und barfuß vor ihm. Er saß an einer reichgedeckten, festlichen Tafel. Stehend musste ich zusehen, wie er sich die Leckerbissen schmecken ließ. Da wurde ich vom Bösen versucht: „Dapozzo, glaubst du immer noch an den 23. Psalm: Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde, du salbest mein Haupt mit“ und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang!“ Im Stillen betete ich zu Gott und konnte dann antworten: „Ja, ich glaube daran!“ Die Ordonnanz brachte Kaffee und ein Päckchen Kekse. Der Lagerkommandant aß sie mit Genuss und sagte zu mir: „Ihre Frau ist eine gute Köchin, Dapozzo!“ Ich verstand nicht, was er meinte. Er erklärte mir: „Seit Jahren schickte Ihre Frau Pakete mit kleinen Kuchen, die ich immer mit Behagen gegessen habe.“Wieder kämpfte ich gegen die Versuchung an. Der Teufel flüsterte mir zu: „Hasse ihn, Dapozzo, hasse ihn!“ Wieder betete ich gegen den Hass an um Liebe. Ich bat den Kommandanten, wenigstens an einem der Kuchen riechen zu dürfen, um dabei an meine Frau und meine Kinder zu denken. Aber der Peiniger gewährte mir meine Bitte nicht. Er verfluchte mich.

Als der Krieg vorüber war, suchte ich nach dem Lagerkommandanten. Er war entkommen und untergetaucht. Nach zehn Jahren fand ich ihn schließlich und besuchte ihn zusammen mit einem Pfarrer. Natürlich erkannte er mich nicht. Dann sagte ich zu ihm: „Ich bin Nummer 17531. Erinnern Sie sich an Heiligen Abend - Weihnachten 1943?“ Da bekam er plötzlich Angst. „Sie sind gekommen, um sich an mir zu rächen?“ „Ja?“ bestätigte ich und öffnete ein großes Paket. Ein herrlicher Kuchen kam zum Vorschein. Ich bat seine Frau, Kaffee zu kochen. Dann aßen wir schweigend den Kuchen und tranken Kaffee. Der Kommandant begann zu weinen und mich um Verzeihung zu bitten. Ich erzählte ihm, dass ich ihm um Christi willen vergeben hätte.

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ - schreibt Apostel Paulus im Römerbrief. Unser Glaube an Gott kann uns befreien von Groll und Rachegelüsten, die unsere Seele zerfressen. Solchen Glauben wünsche ich Ihnen - und natürlich nicht so dramatische Grenzerfahrungen, wie Erino Dapozzo sie gehabt hat.

Nicht Rache und Hass soll uns erfüllen, sondern wir sollen uns die Grundhaltung Jesu am Kreuz zum Vorbild machen: Jesus aber betete: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" (Lk 23, 34). Jesus hat uns nicht Hass gepredigt, sondern die Liebe und uns im Vaterunser zu beten gelehrt: "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern".

So wollen wir nach dem Vorbild und Beispiel Jesu einander in Liebe und Barmherzigkeit begegnen. Wir sind eingedenk des großen Erbarmens, mit dem der Herr uns gesegnet hat. Ihn preisen wir, denn seine Huld und Barmherzigkeit währt ewiglich!

Ehrendomherr Pfarrer Dr. Franz Weidemann gehört zum Erzbistum Paderborn.


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