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Algerien: In den Fußstapfen von Charles de Foucauld

19. Juli 2020 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
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Der „Kleine Bruder Charles“ – ein großer Heiliger: Am 27. Mai erkannte Papst Franziskus ein zweites Wunder an, das dem seligen Charles de Foucauld (1858-1916) zugeschrieben wird.


Wien-München (kath.net/KIN)

Der „Kleine Bruder Charles“ – ein großer Heiliger: Am 27. Mai erkannte Papst Franziskus ein zweites Wunder an, das dem seligen Charles de Foucauld (1858-1916) zugeschrieben wird. Der Heiligsprechung steht nun nichts mehr im Weg. Der ehemalige französische Offizier und spätere Priester, Mönch und Sahara-Eremit ist für viele Menschen wegen seiner Anspruchslosigkeit und radikalen Christusnachfolge ein großes Vorbild. Rund 20 Orden, Säkularinstitute und geistliche Gemeinschafen berufen sich auf ihn. Nicht zuletzt gilt er als Vorbild im christlich-muslimischen Dialog, hat er doch den größten Teil seines kontemplativen Lebens in Nordafrika verbracht.

 

Schwerpunkt von Foucaulds Wirken war Tamanrasset im Süden Algeriens, wo er unter dem Nomadenvolk der Tuareg lebte. Er entfaltete keine klassische Missionstätigkeit. Seine Predigt war sein Leben, die Gastfreundschaft und viele Stunden des Gebetes. So erwirbt er sich großes Ansehen in einer Region, in der seit Jahrhunderten kaum mehr Christen anzutreffen waren. Vor einem gewaltsamen Tod bewahrte ihn das nicht: Am 1. Dezember 1916 überfallen und ermorden ihn bewaffnete Aufständische.

 

Als Christin unter Muslimen

 

„Die Ankündigung, dass Charles de Foucauld heiliggesprochen wird, weckt in mir eine tiefe innere Freude, erneuert meinen Glauben und stärkt meine Präsenz in einem muslimischen Land“, erzählt Schwester Martine Devriendt dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“. Sie steht wortwörtlich in der Nachfolge des künftigen Heiligen: Sie lebt seit über 20 Jahren in Tamanrasset, dem letzten Wirkungsort von Charles de Foucauld. Auch ihre Ordensgemeinschaft, die „Kleinen Schwestern vom Heiligsten Herzen von Charles de Foucauld“ sind von der Spiritualität des Wüstenmönchs inspiriert. „Die Heiligsprechung bestätigt die Leitlinien von Charles de Foucauld gewissermaßen offiziell. Sie sind auch heute noch aktuell: Gebet, ein genügsames Leben, Freundschaft, Nähe zu Menschen in prekären Lebensverhältnissen“, ist Schwester Martine überzeugt.


 

In Tamanrasset – zur Zeit de Foucaulds ein kleines Dorf, heute eine Stadt mit über 100.000 Einwohnern – sind diese Leitlinien auch heute noch sichtbar: durch eine kleine Gemeinschaft, die sich durch eine kontemplative Präsenz im Dienst an den Mitmenschen inmitten einer muslimischen Umwelt auszeichnet. Die „Kleinen Schwestern“ sind im Jahr 1933 zeitgleich mit einer Brüdergemeinschaft entstanden. 1952 kamen die Schwestern nach Tamanrasset, wo sie sich nahe bei der Einsiedelei ihres Vorbilds niedergelassen haben.

 

Schwester Martine erklärt gegenüber „Kirche in Not“, warum die Präsenz christlicher Frauen in der Wüstenstadt wichtig ist: Sie hat Zugang zu muslimischen Frauen, Kindern und Menschen mit Behinderung, von denen es sehr viele gibt und die unter oft unter entsetzlichen Bedingungen leben. Die Ordensfrau macht Besuche zu Hause, in Spitälern und Gefängnissen, vermittelt Kontakte zu Ärzten, hilft bei Behördengängen und steht trauernden Menschen bei.

 

Einsatz für Notleidende und Migranten am „Knotenpunkt Afrikas“

 

Zudem ist Tamanrasset ein Knotenpunkt geworden, „an dem sich ganz Algerien und Afrika begegnen“, so Schwester Martine. Während des Algerischen Bürgerkriegs suchten viele Menschen aus dem Norden des Landes Zuflucht im Süden. Auch viele Migranten aus Ländern südlich der Sahara sind zugewandert. Manche von ihnen suchen Arbeit in Algerien. Andere hoffen, von dort aus leichter nach Europa zu kommen. Unter ihnen gibt es sehr viele Christen, zum Beispiel aus Nigeria und Mali. Die „Kleinen Schwestern“ sind für sie Anlaufstelle und geistliche Unterstützerinnen. Nicht nur in Algerien arbeiten sie eng mit ihrem männlichen Pendant, den „Kleinen Brüdern“ zusammen. „Hier ist es eine gemeinsame Mission mit den drei Brüdern. Schon seit eineinhalb Jahren sind wir ohne Priester. Ein Nachfolger wartet auf sein Einreisevisum.“

 

Auch Schwester Martine könnte Verstärkung brauchen: Seit fünf Jahren ist sie die Einzige ihrer Gemeinschaft, die in Tamanrasset lebt. Die älteren Schwestern mussten in ihre französische Heimat zurückkehren. Die „Kleinen Schwestern“ setzen alles daran, ihre Präsenz inmitten der muslimischen Umwelt zu erhalten und zu verstärken, aber: „Wir können diese nicht mehr allein aufrechterhalten, weil uns Menschen fehlen, die neu hinzukommen. Jetzt geht es darum, Gemeinschaft in der Vielfalt der Charismen der Kongregationen und von weiblichen Laien zu schaffen, die sich für eine bestimmte Zeit engagieren wollen“, erklärte die Gemeinschaft im September 2019.

 

Einladung zum missionarischen Einsatz auf Zeit

 

Um interessierten Frauen eine angemessene und vor allem sichere Unterkunft zu gewährleisten, sollen nun die Wohnmöglichkeiten erneuert werden. „Kirche in Not“ finanziert das Projekt mit. „Die Bewilligung ist zeitgleich mit der Ankündigung gekommen, dass Charles de Foucauld heiliggesprochen wird. Das ist eine segensreiche Fügung und verleiht unserem Projekt noch mehr Aktualität“, schrieb die Generalpriorin der „Kleinen Schwestern“, Schwester Isabel Lara Jaén, an das Hilfswerk. Das ursprüngliche Wohngebäude der Gemeinschaft in Tamanrasset bestand nur aus Lehm, es gab keinen Strom und nur eine Außentoilette. Nach dem Abriss sind vier einfache Appartements entstanden – und ein kleiner Saal, um Gäste zu beherbergen. Im Herbst soll alles fertig sein.

 

Die „Kleinen Schwestern“ haben bereits einen Aufruf gestartet: Frauen können mindestens ein Jahr ein Leben in den Fußstapfen von Charles de Foucauld führen. „Es wollten auch schon ein paar Interessentinnen kommen, doch Corona hat das verhindert. Der Aufruf ist aber immer noch aktuell“, betont Schwester Martine. Sie lässt sich nicht entmutigen, so wie der „Kleine Bruder Charles“, der bald als Heiliger verehrt werden kann.

Von Christophe Lafontaine und Tobias Lehner

 

Foto: Schwester Martine mit Kindern. © Kleine Schwestern von Heiligsten Herzen von Charles de Foucauld/Kirche in Not


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Lesermeinungen

 Chris2 20. Juli 2020 
 

Irgendetwas machen wir falsch

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1
 

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