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„Das Maschinengewehr Gottes“

28. Oktober 2019 in Buchtipp, 6 Lesermeinungen
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Thomas Alber hat ein informatives und spannendes Buch über einen Jesuiten geschrieben: „Pater Johannes Leppich“ - Man nannte ihn wegen seiner schnellen Rede auch „Das Maschinengewehr Gottes“. Rezension von Hans Jakob Bürger


Düsseldorf (kath.net) Pater Leppich (1915-1992) predigte in Kirchen und auf Plätzen. Er reiste durch Deutschland, später auch durch Europa und in die ganze Welt, und predigte von Gott und über die Menschen. In ein Zirkuszelt in Essen kamen 1948 über 5000 Menschen, um ihn zu hören. Das war der Anfang. Wie bei einem mittelalterlichen Bußprediger vom Schlage eines Antonius von Padua, Marcus von Aviano oder Petrus von Alcantara scharten sich die Massen um ihn, wenn es hieß: Pater Leppich kommt. Er nahm kein Blatt vor den Mund, um die katholische Wahrheit zu verkünden. Auch dann nicht, wenn er Scherereien befürchten musste und oft genug auch bekam. Aber die Menschen wollten ihn hören, allen voran die Katholiken.

Auch Kirchenferne kamen, um seine Reden gegen den Kommunismus zu verfolgen. Leppich redete frei, er brauchte kein Redemanuskript. Schnell verging die Zeit; eine Stunde, gerne auch noch mehr.

Mit deutlichen Worten benannte er den moralischen Verfall der Zeit, die ja nicht nur wirtschaftlichen Aufschwung bedeutete. Leppich „hatte den Hunger gespürt, der überall nach dem lebendigen, gesprochenen Wort aufgebrochen war“. Pater Johannes Leppich sprach die Menschen persönlich an. Als er einmal vor der aufkommenden Pornographie warnte, sprach er:

„Und jetzt frage ich Dich, Mädel, kennst Du den Mann, den Du Deinen Bräutigam nennst? Mit dem Du eines Tages vor den Traualtar treten willst? Ist er etwa auch einer jener Tangojünglinge, die Augenränder haben wie die Autoreifen? Weißt Du auch, dass in jedem Mann ein Ritter und ein Raubritter steckt? Hüte Dich davor, den Raubritter, den Casanova in ihm herauszufordern! Denn dann wird er an Deiner Seite die Straße mit geilen Augen wie ein Scheinwerfer nach sexueller Aufputschung abgrasen. Dann wird er Dich später in der Ehe mißbrauchen, er wird Dich leid werden und dann wegwerfen wie eine zerknitterte Papierserviette.“


Pater Leppich hatte keine Angst. Er predigte sogar auf der Reeperbahn und sprach auch hier die Menschen ganz konkret an. So redete er eine Prostituierte an und sprach: „Hör mal, nach zehn Jahren wird Dich Deine Bordellmutter zum Teufel jagen, und Du wirst Dich vor Dir selbst in Deiner Dachstube ekeln. Und dann, wenn kein Freund mehr auf Dich wartet, vielleicht wartet dann noch ein Freund, hoffentlich, und das ist Jesus Christus“.

Pater Leppich sprach zu allen; er ging in die Gefängnisse, in die Elendsviertel auf der ganzen Welt. Bei den Reichen sammelte er das Geld, das er unter den Armen verteilte.

In den 50er Jahren begann er Bücher zu schreiben: z. B. „3xSatan“, über den Materialismus, den Sexismus und den Liberalismus. Leppich wollte, dass sich jedes Kind wenigstens „acht Minuten am Tag mit dem Herrgott“ beschäftigen sollte, und verfasste für sie ein Kinderbrevier. Viel beachteter aber wurde sein Besuch „Christus auf der Reeperbahn“.

Mehrere der Lebenswerke Pater Leppichs haben bis heute Bestand. So ist er einer der Gründerväter der Telefonseelsorge, Initiator des Priesternotrufs „SOS“ als Autoaufkleber und der Schilder der Gottesdienstzeiten an den Ortseingängen.

Pater Leppich hat auch die internationale ökumenische Laienbewegung „action 365“ gegründet. Die Mitglieder der „action 365“ treffen sich in Kleingruppen, lesen und meditieren die Heilige Schrift und engagieren sich missionarisch und sozial. Ein jährlicher Schriftleseplan erleichtert den Mitgliedern die notwendige tägliche Schriftlesung.

Was Pater Johannes Leppich „bis zu seinem Tod (1992) hasste, das waren gleichgültige, laue und nicht begeisterungsfähige Katholiken“, die „allgemeine katholische Lethargie und Zähflüssigkeit so vieler Amateur-Katholiken“.

Gegen Ende seines Lebens war Pater Johannes Leppich sehr krank. Er starb am 7. Dezember 1992. Irgendwann notierte er:

„Ich habe getan, was ich konnte, trotzdem hätte ich mehr tun können. Ich hätte selbstloser sein können, hätte nicht so radikal, sondern gütiger sein müssen und vor allem nicht so eitel sein dürfen … Denn eines habe ich gelernt: Gott braucht keinen Pater Leppich.“

Ein sehr lesenswertes und unterhaltsames Buch über einen Menschen und Priester, über die Kirche und die Welt seiner Zeit!

kath.net-Buchtipp
Pater Johannes Leppich
Das Maschinengewehr Gottes
Von Thomas Alber
Taschenbuch, 176 Seiten; 75 SW-Fotos
2019 Fe-Medienverlag
ISBN 978-3-86357-239-6
Preis Österreich: 10.30 EUR

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Lesermeinungen

 lakota1 11. November 2019 
 

Vielen Dank für diesen Buchtip!

Ich hatte mal vor vielen Jahren von einer Tante das Büchlein "3xSatan" bekommen und war sehr beeindruckt.
Ich werde mir das Buch von Thomas Alber kaufen.


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 stephanus2 28. Oktober 2019 
 

Pater Leppich ist in Münster begraben

In Münster, wo ich lebe, ist das Grab Pater Leppichs zu finden.In Münster-Geist gibt es einen Sentmaringer Park. Dort lebten früher alt gewordene Jesuiten ,soweit ich weiß. Zwischen hohen schönen Bäumen hatten sie einen Kreuzweg angebracht. Dies Kloster wurde vor Jahren aufgelöst und der Park für die Allgemeinheit geöffnet.Von den Jesuiten geblieben ist der kleine von ihnen angelegte, umzäunte Friedhof. Hier stand ich einmal und las müßig die Namen auf den Grabsteinen (alles Pater). Und stieß auf Pater Leppichs Namen.Die Grabstelle hat genau Format und Größe wie die anderen Grabstellen. Auf seiner stehen aber öfter Grablichter oder Blumen.Ist er nie selig gesprochen worden ? Weiß das jemand ?


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 ottokar 28. Oktober 2019 
 

Toller Typ,habe ihn noch persönlich erlebt.

Im persönlichen Umgang sehr bescheiden, in der privaten Diktion zurückhaltend. Entfesselt bei spontan gehaltenen Vorträgen,manchmal auch grenzwertig im Vergleich z B Klosterschwestern hat er einmal als „ Tabernakelwanzen“ bezeichnet.Er konnte mit Worten spielen.


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 Aschermittwoch 28. Oktober 2019 
 

Dieser Mann fehlt uns heute!

War ein ganz toller Kerl. Habe ihn selber erlebt.
Ein Jesuit, der für diese Gesellschaft Ehre einlegte, dem man glauben konnte.


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 winthir 28. Oktober 2019 

ich habe ihn persönlich erlebt, in den sechziger Jahren.

genialer Typ.


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 lesa 28. Oktober 2019 

Die Engel am Werk ...

Das ist sehr erfrischend, danke!
Es müssen die Engel gewesen sein, die durch ihn zur Waffe gegriffen haben.
Tun sie auch heute noch durch Hirten, Priester, Journalisten … die nicht schlafen und schon gar nicht dem Teufel ihr Werkzeug und das Terrain abtreten.


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