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Papst Franziskus reist in die Vereinigten Arabischen Emirate

3. Februar 2019 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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„Viele Muslime fiebern dem Papstbesuch entgegen“


München (kath.net/ KiN)
Papst Franziskus reist vom 3. bis 5. Februar in die Vereinigten Arabischen Emirate. Es ist die erste Visite eines katholischen Kirchenoberhaupts in dem mehrheitlich muslimischen Land. Im Vergleich zum Nachbarland Saudi-Arabien können Christen dort ihre Religion ausüben – wenn auch unter Auflagen. Die Zahl der Katholiken wird auf 800 000 bis eine Million geschätzt. Die meisten von ihnen sind Zuwanderer aus dem Ausland.

Ihr Bischof ist der gebürtige Schweizer Paul Hinder (75). Er lebt in Abu Dhabi und betreut als Apostolischer Vikar für das südliche Arabien die christliche Minderheit in der Region. Volker Niggewöhner von „Kirche in Not“ Deutschland sprach mit ihm im Vorfeld des Papstbesuches über die Situation der multinationalen christlichen Gemeinden in den Vereinigten Arabischen Emiraten, das Interesse der muslimischen Bevölkerung am Papst und warum Franziskus´ Spontanität als „Türöffner“ für den interreligiösen Dialog wirken kann.

Volker Niggewöhner:Am 3. Februar fliegt Papst Franziskus nach Abu Dhabi. Es ist der erste Papstbesuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten, einem Kernland des Islam. Wie ist es zu dieser Reise gekommen?

Bischof Paul Hinder: Der Papst hatte zwei Einladungen auf dem Tisch: eine von der Regierung und eine von der Ortskirche – ich habe den Papst mehrfach eingeladen und ihm gesagt, dass die Gläubigen auf ihn warten. Unmittelbarer Anlass für die Reise zum jetzigen Zeitpunkt ist das interreligiöse Treffen, an dem Franziskus teilnehmen wird.

Was sind die weiteren Programmpunkte dieser Visite?

Es gibt drei Schwerpunkte: das Zusammentreffen von Papst Franziskus mit dem Kronprinzen von Abu Dhabi, der im Wesentlichen die Regierungsgeschäfte führt. Außerdem die Begegnung mit dem Ältestenrat der Muslime und mit dem Großimam von Ägypten, Ahmad Mohammad al-Tayyeb. Und schließlich feiert Papst Franziskus eine große heilige Messe im Stadion von Abu Dhabi, zu der wir mindestens 130 000 Teilnehmer erwarten.

Eine große öffentliche heilige Messe ist keine Selbstverständlichkeit in einem streng islamischen Land. Ist das ein gutes Zeichen für die Beziehungen zwischen Muslimen und Christen?

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind im Vergleich zu anderen islamischen Ländern relativ offen. Christen können dort seit fast 50 Jahren Kirchen bauen. Allerdings muss man unterscheiden zwischen Kultusfreiheit und Religionsfreiheit. Denn echte Religionsfreiheit würde ja bedeuten, dass jeder in seiner Glaubensentscheidung frei ist. Diese Freiheit gibt es auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht.

Das heißt also: Es ist nicht möglich, die Religion zu wechseln …

Religionswechsel ist nur einseitig möglich, also wenn ein Christ Muslim werden will. Umgekehrt geht das nicht.

Wie reagiert die muslimische Gesellschaft auf den Papstbesuch – interessiert er die Öffentlichkeit?

Mit fällt auf, dass viele Muslime dem Besuch entgegenfiebern. Sie sind stolz darauf, dass der Papst den Vereinigten Arabischen Emiraten diese Ehre zuteilwerden lässt.

Kommen wir zur Situation der Christen in den Vereinigten Arabischen Emiraten: Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. Viele sind als Gastarbeiter ins Land gekommen. Woher kommen diese Christen?

Es sind Hunderttausende, die in die Vereinigten Arabischen Emirate zugewandert sind, auf der ganzen Arabischen Halbinsel sind es sogar Millionen. Sie kommen mehrheitlich aus Asien, vor allem von den Philippinen und aus Indien. Auch die Zuwanderer aus Afrika nehmen zu. In den vergangenen Jahren sind auch Christen aus Syrien und Irak hinzukommen, die vor dem Krieg in ihrer Heimat geflüchtet sind. Wir sind eine multinationale Kirche mit großen Gemeinden.

Wie drückt sich das im Gemeindeleben aus? Wie kriegt man so viele Nationen unter einen Hut?

Manchmal ist der Hut auch zu klein ... Wir feiern die meisten Gottesdienste auf Englisch. Das ist die gemeinsame Arbeitssprache. Um denjenigen entgegenzukommen, die kaum Englisch sprechen, haben wir auch mehr und mehr muttersprachliche Seelsorger gewinnen können. Das gilt nicht nur hinsichtlich der verschiedenen Sprachen, sondern auch für die verschiedenen liturgischen Traditionen.

Im Vorfeld der Fußball-WM 2022 im benachbarten Katar wird auf menschenunwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen der Migranten hingewiesen. Trifft das auch auf die Vereinigten Arabischen Emirate zu?

Als ich vor 15 Jahren hierhergekommen bin, habe ich immer wieder Lebensbedingungen vorgefunden, bei denen man sich als Westeuropäer an den Kopf gefasst hat. Die Standards in den Arbeiterunterkünften und auch die rechtlichen Standards haben sich mittlerweile gebessert. Was oft fehlt, ist die entsprechende Kontrolle und Durchsetzung. Das größte Problem betrifft aber die Hausangestellten. Sie haben kaum rechtlichen Schutz. Dafür sind aber nicht nur die Einheimischen verantwortlich, sondern auch die wohlhabenden Ausländer, die sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten niedergelassen haben.

Die Vereinigten Arabischen Emirate gelten als sehr reiches Land. Aber es gibt ja auch eine Kehrseite …

Die größte Sorge ist die Jobunsicherheit. Wer hierher kommt, geht ein Risiko ein. Die Menschen kommen wegen des Geldes in die Vereinigten Arabischen Emirate. Aber viele Migranten machen sich Illusionen. Der Reichtum ist ungleich verteilt. Hinzu kommt die Angst, ausreisen zu müssen, sobald die Arbeit verloren geht. Das hat auch Konsequenzen für die Seelsorge. Unsere katholischen Gemeinden haben sehr viel mit Menschen zu tun, die sich in ihrer Not an die Kirche wenden. Oft können wir ein Stück weit helfen, aber manchmal gibt es keinen besseren Rat, als zu sagen: Geht heim, bevor ihr in noch größere Schwierigkeiten geratet.

Blicken wir noch einmal voraus auf den Papstbesuch: Was erhoffen Sie sich am meisten von dieser Visite?

Meine Hoffnung ist, dass der Öffnungsprozess weitergeht und dass wir Katholiken schneller die Erlaubnisse bekommen, die wir für unseren Einsatz brauchen. Wir haben ja nach wie vor im Vergleich zur Zahl der Gläubigen zu wenige Kirchen. Es gibt bereits neun Pfarreien in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Aber das ist für eine Gemeinschaft von fast einer Million Katholiken zu wenig.

Außerdem erhoffe ich mir, dass die Folgen des Papstbesuchs dazu beitragen, den Status der katholischen Kirche innerhalb des Landes zu klären. Mir ist im Vorfeld aufgefallen, dass viele Muslime Papst Franziskus Sympathie entgegenbringen. Das ist natürlich für den Dialog wichtig. Gerade in der arabischen Welt basiert vieles mehr auf Beziehungen als auf Gesetzen. Deshalb denke ich, der Besuch kann dazu beitragen, dass sich das Verhältnis der Religionen auf der Arabischen Halbinsel entspannt.

Um die Christen in der Vereinigten Arabischen Emiraten und auf der Arabischen Halbinsel weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Vereinigte Arabische Emirate

Foto: Bischof Paul Hinder, Apostolischer Vikar für das Südliche Arabien. © Kirche in Not


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