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5. September 2018 in Kommentar, 2 Lesermeinungen
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Schönfärberei? Ex-Kardinal McCarrick steht im Zentrum des Hurrikans, der die katholische Kirche in den USA erfasst hat. Doch seine Washingtoner Bistumshomepage-Vita klingt ausschließlich lobend. kath.net-Kommentar von Petra Lorleberg


Washington DC. (kath.net/pl) Das US-Erzbistum Washington hat ein Problem: Wie soll man seinen emeritierten Erzbischof, Ex-Kardinal Theodore McCarrick (Vorgänger von Kardinal Donald Wuerl) auf der Bistumshomepage vorstellen?

Wir erinnern uns: McCarrick steht im Zentrum des Hurrikans, der die katholische Kirche in den USA erfasst hat. Der Kardinal hat Ende Juni 2018 dem Vatikan seinen Verzicht auf die Kardinalswürde angeboten, der Papst hat das Gesuch angenommen. Gleichzeitig hat Papst Franziskus McCarrick von der Ausübung sämtlicher priesterlicher Dienste in der Öffentlichkeit suspendiert und verfügt, dass sich dieser zurückziehen und ein Leben in Gebet und Buße führen muss. Gegen McCarrick besteht der glaubwürdig wirkende Verdacht, dass er in wohl beispiellosem Umfang junge Priesteramtskandidaten zum Sex genötigt habe, außerdem habe er bereits vor Jahrzehnten zwei Minderjährige missbraucht. Vielleicht hat er sogar ein ganzes innerkirchliches Netzwerk aus Willfährigen aufgebaut. McCarrick selbst beteuert allerdings durchgehend seine Unschuld.

Bezüglich der Tumulte um McCarrick hat das Erzbistum Washington am 20. Juni (noch einen Woche vor der Maßregelung durch den Vatikan) bereits ein Statement veröffentlicht. „EINE“ Anschuldigung liege gegen McCarrick vor aus seiner Jahrzehnte zurückliegenden Zeit als Priester des Erzbistums New York, schreibt das Erzbistum Washington. Das Vokabular lenkt den Leser in Richtung Kindesmissbrauch. Dass gegen McCarrick glaubwürdige Vorwürfe vorliegen, wonach er in erheblichem Umfang gezielt viele Priesteramtskandidaten in sein Bett geholt hat, bleibt unerwähnt.


Und wie stellt nun das Erzbistum Washington seinen früheren Erzbischof vor? Ein freundliches Foto, immerhin nicht im Kardinalsgewand, sondern in schlichter Klerikerkleidung, das Bischofskreuz nur durch die Kette angedeutet. Die Vita von, Zitat, „Erzbischof Theodore McCarrick“ ist eine ausführliche Aufzählung seiner Karrierestufen und Mitgliedschaften. Aufgezählt werden auch seine Mitgliedschaften in verschiedenen Päpstlichen Räten – das entsprechende Verb steht im Präsens. Offenbar ist McCarrick also weiterhin Mitglied im Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen, Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden, Päpstlichen Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, in der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls, in der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika.

Eine Erwähnung des Rücktritts vom Kardinalat findet sich nicht, immerhin auch kein Hinweis auf seine Kardinalserhebung. Ebensowenig findet sich irgendeine Andeutung auf die Probleme, die sich um McCarrick stapeln. Nicht einmal ein Link zum Statement des Erzbistums wurde gesetzt oder gar ein Link zu einer diözesanen Opferhotline. Den uninformierten Leser wird kein Hauch eines Verdachts beschleichen.

Ein Bistumshomepage ist nicht zum Hühnchenrupfen da, mag man sagen. Ebenso mag man einwenden, dass McCarrick nicht staatlicherseits verurteilt wurde, sondern nur starke Verdachtsmomente gegen ihn stehen. Aber andererseits ist eine Bistumshomepage auch nicht zu weiterer Verhüllung und Vertuschung da. Wie mag sich eigentlich eines der (offenbar sehr vielen) McCarrick-Opfer fühlen, wenn es diese Vita liest?

Es stellt sich die Frage: Wollen wir eigentlich alle Probleme in unserer Kirche schönreden? Wollen wir – last but not least – unsere Amtsträger blind schonen, egal, wie himmelschreiend und wie kriminell sich die Vorwürfe bereits gegen sie auftürmen? Wollen wir sie auch dann noch schonen, wenn ihnen bereits die Staatsanwälte auf den Fersen sind und wir Ahnung hegen, dass die Vorwürfe berechtigt sein könnten?

Angesichts des Eklats in der katholischen Kirche in den USA ist diese offizielle Vita McCarricks wirklich nur ein kleines Problem. Doch ich hoffe sehr, dass wir sie nicht irgendwann als pars pro toto einstufen müssen.

Link zur Vorstellung des Ex-Kardinals McCarrick auf der Homepage des Erzbistums Washington - vorliegender Kommentar bezieht sich auf den Stand der Homepage am 5.9.2018 6 Uhr MEZ (siehe Screenshot unten)

Archivfoto des Ex-Kardinals McCarrick


Zur Dokumentation - Erzbistum Washington DC. - Vollständige Vorstellung des ´früheren Erzbischofs Theodore McCarrick´ auf der Bistumshomepage - Stand 5.9.2018 6 Uhr



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Lesermeinungen

 Diasporakatholik 5. September 2018 
 

In der Tat

...ist die Bistums Homepage von Washington in den USA hierzulande wirklich eher eine Kleinigkeit.

Eher ein Thema für die dortigen Katholiken - nicht für uns hier in Deutschland.

Lassen wir es einfach mal hier "gut" sein - die Causa McCarrick ist auch so widerlich genug.

Interessant fand ich dagegen einen Aspekt, dem der Journalist Aldo M. Valli nachgegangen ist:

https://beiboot-petri.blogspot.com/2018/09/die-causa-mccarrick-aldo-m-valli-folgt.html?m=1


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 St. Laurentius 5. September 2018 
 

St. Laurentius

Liebe Frau Lorleberg vielen Dank für ihre infomative und umfassend recherchierte Analyse. Wenn ich das alles lese, wird mir auch klar warum in der bisherigen Amtszeit des amtierenden Papstes offensichtlich nichts vorangeht in all den wichtigen Aufgaben, wie z.B.der Vereinheitlichung der Osterdaten der christlichen Konfessionen und dem Fortschritt bei der Einheit der Christen. Angesichts der weltpolitischen Schlagzeilen und der verheerenden Angriffe auf die Christen eines jeden Kontinents und Landes wäre die Stärkung der Einheit so wichtig. Aber solche Leute, wie der genannte Excanonicus legen in Zusammenarbeit mit einem offensichtlich aktenunkundigen bzw. aktenkundig unwilligen Papst die gesamte Arbeit, die gemacht werden muss lahm.Insofern handelt es sich entgegen der oft zitierten Ereuerung,der Kirche um faulenden Stillstand.


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